Um 10.55 Uhr läuteten die Glocken: Erinnerung an das Erfurter Schulmassaker

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ERFURT. 17 Jahre ist es her, dass ein 19-Jähriger am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt 16 Menschen ermordete und sich selbst tötete. Zum Jahrestag gedenkt Thüringen der Opfer.

Gedenktafel am Gutenberg-Gymnasium. Foto: CTHOE / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Gedenktafel am Gutenberg-Gymnasium. Foto: CTHOE / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit Glockenschlägen und einer Schweigeminute haben Schüler, Lehrer, Angehörige und Politiker am Freitag an die Opfer des Amoklaufs am Erfurter Gutenberg-Gymnasium erinnert. Am 26. April 2002 hatte ein 19 Jahre alter Ex-Schüler an der Schule zwölf Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin und einen Polizisten erschossen und dann sich selbst getötet.

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«Trauer, Sprachlosigkeit, überwältigende Emotionen ließen für lange Zeit keinen Raum für Farbe und Frohsinn», sagte die Schulleiterin Christiane Alt. «16 Leben wurden ausgelöscht, eine Fortsetzung der Biografien – unmöglich.»

Der Täter war der Schule verwiesen worden

Bei dem Gedenken vor dem Schulgebäude wurden die Namen der 16 Ermordeten verlesen, begleitet von Glockenschlägen. Schüler, Lehrer, Angehörige und Politiker – darunter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) – legten Blumen an der Gedenktafel nieder.

Am Abend war ein Gottesdienst in der nahe liegenden Andreaskirche geplant. Sie war nach dem Schulmassaker Zufluchtsort für Trostsuchende gewesen. Zeichnungen von Schülern lagen im Innenraum aus. «Viele Menschen in Erfurt haben Erinnerungen an diesen dunklen Tag mitten im Frühling», teilte die Kirchengemeinde mit. Um 10.55 Uhr läuteten die Kirchenglocken – zu dieser Zeit hatte der Amoklauf begonnen. In der Kirche wurden 17 Kerzen angezündet.

Der Erfurter Amoklauf war der bis dahin größte in Deutschland. Er zog Änderungen unter anderem im Waffenrecht nach sich. So wurde die Altersgrenze für den Kauf und Besitz von Schusswaffen bei Sportschützen von 18 auf 21 Jahre und bei Jägern von 16 auf 18 Jahre angehoben. Der Täter hatte einen Schulverweis erhalten und war als Mitglied eines Schützenvereins an Waffen gekommen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kondolierte am Freitag auf Twitter. «Der 26. April 2002 bleibt uns als Tag des Schmerzes und der Trauer in steter Erinnerung», schrieb er. dpa

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