Weniger Pflichtstunden für Lehrer gefordert: GEW startet Petition (die schnell so viele Unterstützer findet, dass sich der Landtag damit beschäftigen muss)

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KIEL. Müssen Schleswig-Holsteins Lehrer zu viel unterrichten? Die GEW fordert weniger Pflichtstunden für alle Schularten. Eine Petition hat mehr als 5000 Unterstützer gefunden. Nun muss sich der Petitionsausschuss des Landtages damit beschäftigen.

Die GEW bekagt eine zu starke Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer. Foto: Shutterstock

Schleswig-Holsteins Lehrer müssen nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu viel Unterricht geben. Die Gewerkschaft sammelte 5300 Unterstützer für eine Petition zur Absenkung der Pflichtstundenzahl. «Unterricht macht nur ein Drittel aus, der Anteil der außerunterrichtlichen Tätigkeiten von Lehrkräften ist massiv gestiegen», sagte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke am Donnerstag. Die Gymnasiallehrer leisteten im Vergleich zu ihren Kollegen in Niedersachsen zwei Pflichtstunden mehr, Lehrer an Gemeinschaftsschulen 2,5 Stunden.

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«Die Zahl der Pflichtstunden ist zu hoch», sagte Henke. Lehrer arbeiteten zu viel. Als Einstieg müsse bei allen eine Stunde davon wegfallen. Langfristig müssten es «deutlich mehr sein». Zugleich sollten die Pädagogen mehr sogenannte Ausgleichsstunden erhalten. Sinnvoll seien auch Entlastungsstunden für Klassenlehrer. «Arbeit in der Schule darf doch nicht krank machen.»

Gymnasiallehrer müssen in Schleswig-Holstein 25, 5 Pflichtstunden geben, an Gemeinschaftsschulen sind es 27 und an Grundschulen 28 Stunden. Bei mehr als 23.000 Lehrern im Land entspräche der Wegfall von einer Stunde 960 Stellen oder knapp 50 Millionen Euro im Haushalt.

Mit der von 5300 Menschen unterstützten Petition muss sich nun der Petitionsausschuss befassen. Der GEW gehören nach Gewerkschaftsangaben rund 6500 Lehrer an. Zuvor hatte bereits der Philologenverband eine Senkung der Stundenzahl, die Lehrer an den Gymnasien geben müssen, verlangt (News4teachers berichtete).

Für Unmut sorgen bei den Gewerkschaften die Pläne von Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die zum 31. Juli auslaufende Pflichtstundenverordnung um fünf Jahre zu verlängern. Laut Ministerium ist aber geplant, die Zahl der Pflichtstunden für Lehrer mit Leitungsaufgaben per Erlass ab 2021 zu senken.

“Unterrichtsversorgung deutlich verbessert”

Prien sagte zu den Forderungen, die Regierung wolle die Lehrer mit mehreren Schritten entlasten. «Das Wichtigste ist, dass wir ab dem kommenden Schuljahr 2019/20 noch einmal 153 Stellen mehr als im Vorjahr (23 192 Stellen) an die Schulen geben können.» Bei gleichzeitig geringeren Schülerzahlen werde die Unterrichtsversorgung deutlich verbessert. «Und damit auch die Bedingungen für die Lehrkräfte.»

Außerdem verwies die CDU-Politikerin darauf, dass Grundschulleiter künftig mehr Geld bekommen und die Grundschullehrer von August 2020 an A13 statt wie bislang A12 erhalten. «Ein klares Zeichen der Wertschätzung ist auch durch die vollumfängliche Übernahme der Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst, über die der Landtag in der nächsten Woche entscheidet.» Zudem arbeite ihr Haus an einem neuen Erlass, der Lehrer von Leitungs- und Verwaltungsaufgaben entlasten soll.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat warf der Jamaika-Koalition vor, Begehrlichkeiten geweckt zu haben, die nicht eingehalten würden. Im Koalitionsvertrag gebe es reichlich wolkige Aussagen wie: «Die Belastungssituation von Lehrkräften und deren Entlastung werden wir in den Blick nehmen.» Das reiche nicht aus. News4teachers

Im Wortlaut: Die Petition der GEW

“Die Rahmenbedingungen in den Schulen haben sich verändert. Der Anteil der außerunterrichtlichen Tätigkeiten von Lehrkräften ist massiv gestiegen. Seit vielen Jahren kommen ständig neue Aufgaben für Lehrkräfte dazu – ohne Ausgleich. Die Unterrichtsverpflichtung wurde nicht entsprechend reduziert. Dadurch leidet die Qualität des Unterrichts!

All das wirkt sich auf die Lern- und Arbeitsbedingungen in der Schule aus. Lehrerinnen und Lehrer können unter diesen Umständen der heterogener gewordenen Schülerschaft nicht gerecht werden.

Die zu hohen Arbeitszeiten der Lehrerinnen und Lehrer im Vergleich zu den anderen Beamtinnen und Beamten und die damit verbundenen Belastungen sind wissenschaftlich belegt.

In Schleswig-Holstein hat die Statuserhebung zur Lehrkräftegesundheit gezeigt: Die Lehrkräfte leiden unter den enormen Belastungen. Arbeit in der Schule darf nicht krank machen!

Wer gute Bildung will, muss die Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte senken!

Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Zeit für:

  • Guten Unterricht
  • Klassenleitung
  • Schulleitungs- und Koordinierungsaufgaben
  • Korrekturen und Prüfungen

Deshalb fordern wir von der Landesregierung Schleswig-Holstein:

  • Reduzierung der Pflichtstundenzahl in allen Schularten
  • Erhöhung der Ausgleichsstunden und Einführung von Entlastungsstunden z. B. für Klassenlehrkräfte und Korrekturzeiten
  • Schluss mit ständiger Mehrarbeit
  • Keine zusätzlichen Aufgaben ohne Ausgleich”.

Hier geht es zur Petition der GEW.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

GEW-Studie zur Lehrer-Arbeitszeit: Zwei Drittel arbeiten an fast jedem Wochenende – Teilzeitkräfte besonders benachteiligt

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11 KOMMENTARE

  1. Zeit wird es, dass eine solche Reduzierung (nicht nur in Schleswig Holstein) kommt. Die Lehrerarbeitszeit in Niedersachsen verstößt ja sogar gegen EU-Recht, wie eine Arbeitszeiterhebung des Ministeriums ergeben hat. Anders ist es in anderen Bundesländern sicher auch nicht.

  2. Sehr geehrte Damen und Herren,

    da durch die zunehmende Integration und Inklusion viel zusätzliche Termine, wie z.B. zusätzliche Gespräche mit Erziehungsberechtigten, externen Einrichtungen, dem Schulamt etc. und mehr Vorbereitungszeit und -aufwand für den Unterricht entsteht, fordere ich weniger Pflichtstunden für Lehrer. Eine höhere Lehrerbelastung steigert das Risiko zu erkranken enorm, womit niemandem geholfen ist.

  3. Das findet Herr Mückenfuß natürlich sehr unterstützenswert, aber ob angesichts sinkender Steuereinnahmen dafür noch Geld da ist, bezweifelt Herr Mückenfuß und kann sich gut vorstellen, dass die Landesfinanzminister argumentieren, die Lehrer sollen nun mal zufrieden sein und können nicht alles haben: mehr Geld und dann auch noch weniger Arbeit (Stunden).

    Leider haben sich die Berufsverbände ja auf mehr Gehalt eingeschossen. 🙁

    • Der Herr Mückenfuß ist nicht in der Lage, sinnerfassend zu lesen. Sonst würde er nicht behaupten, die Lehrerverbände hätten sich auf mehr Gehalt eingeschossen, wenn er ganze Artikel das genaue Gegenteil belegt.

      • 🙂 Das, worum die Lehrerverbände in letzter Zeit kämpften, war eben doch vor allem mehr Gehalt. Auch wenn Küstenfuchs davor die Augen verschließt.

        Es war immer klar, dass für mehr dann kein Geld mehr da ist und dass wir Lehrer kaum alles haben können – also ob die ehedem sprudelnden Steuereinnahmen nur für die Lehrer sprudeln würden und es keine anderen “Baustellen” in unserem Land gäbe.

        Insofern werde ich den Berufsverbänden eine falsche Prioritätensetzung vor.

        • Da haben Sie leider in allen Punkten recht und die sprudelnden Steuereinnahmen sind ja seit dieser Woche auch wieder vorbei, wenn man Scholz glauben darf. Zudem muss man ja noch ergänzen, dass Lehrer weiterhin nicht an Bäumen wachsen. Im Artikel wird davon gesprochen, dass SH-Gymnasiallehrer im Vergleich zu Niedersachsen 2 Stunden mehr arbeiten muss. Wir wissen bereits, dass die Arbeitsbelastung in Niedersachsen zu hoch ist. Insofern müssten tausende neue Lehrerstellen geschaffen werden, wenn wirklich vernünftige Arbeitsbedingungen schaffen möchte. Eine Stunde weniger wäre einfach lächerlich und kaum spürbar im Alltag.

          • Das vorhandene Geld hätte massiv dafür eingesetzt werden sollen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern (Klassengrößen deutlich verringern, Stundensoll deutlich verringern, Verwaltungsaufgaben als Verwaltungsassistenten abgeben …).

            Das alles bedeutet mehr Stellen und Kosten. Aber die sind nun nicht mehr tragbar. Wir Lehrer verdienen ggf. mehr, aber an den Bedingungen ändert sich nichts. Wir brennen weiter aus und retten uns in Teilzeit oder schmeißen hin …

            Das sind die Ergebnisse dieser Politik!

  4. A13 ab 2020? Ist das neu? In meinen Unterlagen wird das Gehalt bis 2026 um ca. 50 Euro pro Jahr angehoben.

  5. Hier kann man mal lesen, wozu Überlastung führen kann. Ich gehe mal davon aus, dass wir Lehrer noch lange nicht so weit sind, aber es zeigt auch, dass wir nicht die einzigen sind, für die die Steuergelder Richtung bessere Arbeitsbedingungen wichtig wären. Leider lassen sich zu viele mit Gehaltserhöhungen ködern (kaufen), die zwar dem Eigennutz schmeicheln, aber keines unserer Probleme lösen!

    AUSZUG: “Frankreich: Alle vier Tage nimmt sich ein Polizist das Leben

    … Der Gewerkschaftssprecher Colombies berichtet, das Selbstmord nur die Spitze des Eisbergs wäre. Man würde nicht sehen, dass es auch eine Gruppe von Beamten gibt, die sehr krank und an den Grenzen ihrer Belastbarkeit sind und dennoch ihre Arbeit gut machen wollen. Angesichts dessen reagiere die Regierung nur mit vereinzelten, kosmetischen Maßnahmen, ohne eine substanzielle Analyse. …”

    https://www.epochtimes.de/politik/europa/frankreich-alle-vier-tage-nimmt-sich-ein-polizist-das-leben-a2856017.html

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