STUTTGART. Rekordverdächtige Temperaturen bringen Schulleiter nach Meinung des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung (VBE) in ein Dilemma. «Es ist keine beneidenswerte Situation, in der sich Schulleiter an heißen Sommertagen befinden», sagte der VBE-Sprecher Michael Gomolzig am Mittwoch in Stuttgart. Denn in vielen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin oder Hessen entscheiden sie, ob der Unterricht ausfällt oder nicht. Doch was sie auch machen: Ärger gibt’s in jedem Fall.
Während in anderen Bundesländern bereits die Sommerferien angefangen haben, sollten die Rektoren in Baden-Württemberg bei Freibad-Temperaturen entscheiden, ob die Schüler weiter im Klassenzimmer schmoren oder wegen hitzefrei früher heimgeschickt werden. In jedem Fall gebe es Protest von Eltern, entweder über Unterrichtsausfall oder über mangelndes Mitgefühl mit den schwitzenden Kindern, sagte Gomolzig, selbst Rektor einer Grundschule im Rems-Murr-Kreis.
Bis in die 80er Jahre konnten sich nach VBE-Angaben Rektoren an den Verwaltungsvorschriften orientieren, die vorsahen, bei einer um 10.00 Uhr gemessenen Temperatur von über 25 Grad im Schatten den Schülern nach der vierten Stunde hitzefrei zu geben. Heute liegt die Entscheidung ganz im Ermessen des Rektors, der damit – so der VBE – auch in der Schusslinie stehe. Auch bei Schülern: “In der Tat kommen jetzt nach den Pfingstferien Kinder und Jugendliche verstärkt in den Verwaltungstrakt der Schulen, um – je nach Schülerpersönlichkeit – lautstark Hitzefrei regelrecht einzufordern oder um mit einem gewinnenden Lächeln dem Schulleiter die Temperatur bedingte Befreiung vom Unterricht vorzuschlagen.”
Nach Empfehlung des Kultusministeriums sind bei dem Beschluss das körperliche Wohl der Schüler sowie deren Fahrtwege und die baulichen Verhältnisse der Schulen zu berücksichtigen. Weitere Kriterien des Ministeriums für die Schulleiter sind: Benachbarte Schulen stimmen sich ab und Fahrschülern müssen auch bis zur Heimfahrt Aufenthaltsräume und Aufsicht bereit gestellt werden. Hitzefrei gibt es weder für die beruflichen Schulen noch für die gymnasiale Oberstufe.
Auch in Grundschulen fällt allerdings laut VBE immer seltener temperaturbedingt der Unterricht aus. Gomolzig: “Da viele Eltern darauf vertrauen, dass ihre Kinder in der Schule verlässlich ‘gut aufgehoben’ sind, und immer mehr Schüler eine Ganztagesschule besuchen, wird Hitzefrei immer seltener – und schon gar nicht schon nach der vierten Stunde – gegeben.” Heißt also für die meisten Schüler und Lehrer: weiter schwitzen im Schulgebäude. News4teachers / mit Material der dpa
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Hitzewelle rollt an: Grünen-Politikerin fordert Hitzefrei für alle Schulen
