MÜNCHEN. Der Lehrermangel insbesondere an den Grundschulen hat nun auch Bayern erreicht – und Kultusminister Michael Piazolo reagiert damit, den Lehrern Mehrarbeit zu verordnen (News4teachers berichtete). Das sorgt bundesweit für Schlagzeilen und in den betroffenen Kollegien für Empörung. Zu Tausenden sind bayerische Lehrer in den vergangenen Wochen deshalb auf die Straße gegangen, um ihren Unmut zu demonstrieren. Auf viel Verständnis in den Medien brauchen sie allerdings kaum zu hoffen, wie unsere Übersicht zeigt.
Augsburger Allgemeine: „Gejammer der Lehrerverbände“
In einem Kommentar in der „Augsburger Allgemeinen“ heißt es:
“Ein Arzt arbeitet pro Woche oft deutlich mehr als 40 Stunden, ohne dass das auch nur ein Achselzucken hervorrufen würde. Bei den Wochenstunden der Lehrer sprechen wir von Dreiviertelstunden. Der Assistenzarzt hat sechs Wochen Urlaub pro Jahr, arbeitet auch nachts. Der Grundschullehrer hat in vielen Fällen fast doppelt so viel Urlaub und arbeitet – selbst mit Vor- und Nachbereitung – oft sicher keine vollen Tage. Manche werden diesen Vergleich viel zu ungenau, schäbig und populistisch finden. Nur: Er haut trotzdem im Großen und Ganzen einfach hin. Die sich entrüstenden Lehrerverbände sollten darum endlich mit ihrem unerträglichen Gejammer aufhören, mit dem sie nur weiter Vorurteile schüren.”
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Süddeutsche Zeitung: „Lehrer sollten mit anpacken“
In einem Kommentar in der „Süddeutschen Zeitung“ ist zu lesen:
„Statt sich zu ereifern, sollten die Lehrer mit anpacken. Immerhin sind sie Beamte und genießen Vorteile, von denen Angestellte in der freien Wirtschaft nur träumen können: individuelle Arbeitszeit, großzügigen Erziehungsurlaub, einen krisenfesten Job. Der Dienstherr, das Ministerium, kann sie in die Pflicht nehmen. Das war in Bayern lange nicht nötig, jetzt aber musste Piazolo handeln.“
Weiter heißt es: „So schlimm, wie Lehrerverbände und deren Claqueure in den sozialen Medien tun, sind die angekündigten Einschnitte nicht.“
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Bayerischer Rundfunk: „Es bleibt nur die Möglichkeit“
In einem Kommentar des „Bayerischen Rundfunk“ heißt es:
„Tatsache ist (..), dass der Nachwuchs an den Schulen jetzt fehlt. Deswegen muss der Kultusminister kurzfristig dafür sorgen, dass die Schulkinder versorgt sind. Und zwar mit qualifizierten Pädagogen – Quereinsteiger sind keine Lösung. Falsch wäre es auch, die Klassen wieder zu vergrößern. Bleibt nur die Möglichkeit, die bestehenden Lehrkräfte mehr und länger, als der eine oder die andere sich das wünscht, arbeiten zu lassen. Der Mangel ist auch deswegen groß, weil an Grundschulen so viele in Teilzeit sind und auch vorzeitig in Ruhestand gehen. Das ist legitim, aber eben nur solange die Unterrichtsversorgung klappt.“
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Oberbayerisches Volksblatt: Grundschullehrer aufwerten!
In einem Kommentar des „Oberbayerischen Volksblatts“ schreibt der Autor:
„Dass nun ausgerechnet Grundschullehrer zu Mehrarbeit verpflichtet werden, ist schon bitter. Der Beruf hätte eigentlich eine Aufwertung verdient. Denn diese Lehrer fangen eine Vielzahl schwieriger Kinder auf. Nun ist der Kultusminister zum Gegenteil gezwungen: Er brummt den Pädagogen aus der Not heraus eine Stunde mehr auf – ohne dass auch das Gehalt wächst. Wie da in Zukunft mehr junge Menschen vom Studium des Lehramts Grundschule überzeugt werden sollen, bleibt vorerst das Geheimnis des Ministers. (…) Der Beruf des Grundschullehrers hätte schon längst mehr – auch finanzielle – Besserstellung verdient, etwa durch den Einstieg in eine höhere Eingangsbesoldung.“
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„Tagesspiegel“: Vorbild auch für andere Bundesländer!
In einem Kommentar des Berliner „Tagesspiegels“ heißt es:
“Der Lehrermangel ist jetzt da. Er mag von den Kultusministern durch eine daneben gegangene Bedarfsplanung zum Teil hausgemacht sein, aber klar ist auch: Es wird Jahre dauern, bis die Linderung in Form ausreichender Absolventen eintrifft. Bis dahin kann man als Kultusminister Krokodilstränen weinen, man kann das letzte Aufgebot an Quereinsteigern in die Schule schicken, freundlich an die vorhandenen Lehrer appellieren, für ein paar Jahre freiwillig mehr zu arbeiten – oder man nutzt in Form der verordneten Mehrarbeit den womöglich größten Vorteil, den die teure Verbeamtung bietet. Piazolos Mut möchte man insofern auch seinen Kollegen wünschen.”
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Übersicht: News4teachers.
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