Wissenschaftler fordert freie digitale Materialien für Schulen

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BREMEN. Der Bremer Professor Frank J. Müller gehört zu den bekanntesten Verfechtern der Open Educational Ressources in Deutschland. Eine nichtkommerzielle Plattform für E-Learning, mit qualitativ hochwertigen digitalen Bildungsmaterialien, die frei genutzt werden können, wäre seiner Meinung nach gerade in Zeiten der Coronakrise ideal.

Frank J. Müller, Juniorprofessor für Inklusive Pädagogik an der Universität Bremen, sieht in der kollektiven Erstellung und Teilhabe an digitalen Bildungsmaterialien auch eine Chance für die Herausforderungen der Inklusion. Der Erziehungswissenschaftler stellt zwei Forderungen, die miteinander verknüpft sind: Freie Bildungsmaterialien, auch Open Educational Resources (OER) genannt, und die dazu passende nichtkommerzielle Plattform für E-Learning-Inhalte.

Mit OER könnte nach Ansicht von Frank J. Müller die digitale Benachteiligung verringert werden. Foto: pexels on pixabay (P. L.)

Positive Erfahrungen, die er bei einem Forschungsaufenthalt in Norwegen sammeln konnte, hätten ihn überzeugt. „Den vielfältigen Lernvoraussetzungen und -bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler können nur Materialien Rechnung tragen, die über eine hohe Individualisierbarkeit verfügen“, betont Müller. „Sie müssen gemeinfrei oder mit einer freien Lizenz hergestellt werden.“ Alle an Schule Beteiligten könnten sie legal und kostenfrei vervielfältigen, verwenden, anpassen und verbreiten. Zu den Open Educational Resources gehörten Aufgaben, Skripte, Tests, Projekte, Karten, Textauszüge, Audio-, Video- und Animationsformate. Wichtig sei, dass die Inhalte über eine nach „oben und unten offene Leistungsdifferenzierung“ verfügten.

Digitales Lernen verstärkt Benachteiligung

Um die Forderung nach einer frei verwendbaren Lernplattform zu unterstreichen, schildert der Experte die im Zuge von Schulschließungen während der Coronakrise auftretenden Probleme. „Überlastete kommerzielle und zentralisierte staatliche Plattformen können vielfach der Zahl der neuen Nutzerinnen und Nutzer nicht gerecht werden oder sie werden durch zusätzliche Angriffe im Internet ausgeschaltet“, warnt er. Viele Lehrkräfte verschickten PDFs an Schüler, die möglicherweise keinen Drucker und lediglich ein Smartphone zur Verfügung hätten. „Die Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern aus Haushalten mit geringem kulturellen und ökonomischen Kapital wird damit weiter verstärkt“, ist sich der Pädagoge sicher.

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Positives Beispiel Norwegen

Bei der in Norwegen geschaffenen Plattform für freie Bildungsmaterialien für die Sekundarstufe II, die „Nasjonal Digital Læringsarena“ (ndla.no), stünden die Inhalte ohne Login und ohne Download frei zur Verfügung. Sie seien auf Smartphones, Tablets und Laptops nutzbar. Die Plattform stelle nicht nur Inhalte zur Verfügung, sondern bietet diese auch unter freien Lizenzen an. „Diese erlauben die Anpassbarkeit der Materialien an die Bedürfnisse der Lernenden und die anschließende Weiterverbreitung des Materials“, nennt Müller weitere Vorteile. Selbst die Software der Plattform sei Open Source und könne von anderen Ländern frei genutzt werden.

Politik und Verwaltung sensibilisieren

Ein Konsenspapier, das diese Forderungen zusammenfasst, wurde bereits von Teilnehmern einer Tagung im Hanse-Wissenschaftskolleg unterzeichnet. Experten aus Norwegen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Bonn und Frankfurt am Main hätten den Bremer Vorstoß befürwortet. „Wir wollen nun gemeinsam Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker sowie Schulverwaltungen dafür sensibilisieren“, nennt Frank J. Müller seine weiteren Pläne. Ziel sei es, eine vergleichbare Gesetzesgrundlage wie in Norwegen zu schaffen. Wenn jedes Bundesland für jeden Schüler einen Euro pro Unterrichtsfach zur Verfügung stellen würde, dann könnten pro Jahr sieben Millionen Euro pro Fach für das Projekt Verwendung finden, sagt Müller. (zab, pm)

Von Norwegen lernen? – Wie freie Unterrichtsmaterialien zum Zukunftsweg der Inklusion werden könnten

 

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