BERLIN. Dem Robert-Koch-Institut sind in der vergangenen Woche drei Todesfälle gemeldet worden, die Corona-infizierte Lehrer oder Erzieher betreffen. Das geht aus einem Vergleich der Lageberichte vom gestrigen Samstag sowie vom Samstag in der Vorwoche hervor. Zu diesen Verstorbenen gehört offenbar auch ein Lehrer aus Berlin, der nicht unter einer Vorerkrankung gelitten haben soll. Die GEW geht davon aus, dass er sich “höchstwahrscheinlich” im Dienst angesteckt hat.
„Unsere Schulgemeinschaft trauert um unseren geschätzten Kollegen, der viel zu früh uns gegangen ist“, so heißt es in der Traueranzeige – daneben das Foto des verstorbenen Lehrers. Der Pädagoge ist laut „Tagesspiegel“ an einer Corona-Infektion gestorben. Er soll keine Vorerkrankungen gehabt haben – und hat sich womöglich an seiner Schule, einer Gemeinschaftsschule in Kreuzberg, angesteckt.
Das jedenfalls glaubt Gökhan Akgün, der Vorsitzende des GEW-Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Er schreibt auf Twitter: „Unser Kollege ist an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Die Infektion erfolgte höchstwahrscheinlich im Dienst!“ Auch der mittlerweile Verstorbene selbst soll Kollegen kurz nach seinem positiven Test gesagt haben, so heißt es in dem Bericht, er habe sich in der Schule infiziert. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Doch für Akgün steht aufgrund der Gesamtumstände „fest, dass nur die Schule als Infektionsherd in Frage kommen kann“.
Mir fehlen noch die Worte!
Unser Kollege ist an Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Soydan war Lehrer in Xberg. Er war junger Familienvater und hatte keine Vorerkrankungen. Die Infektion erfolgte höchstwahrscheinlich im Dienst! @GEW_BERLIN @SenBJF pic.twitter.com/jLwiTZrUkh— Gökhan Akgün (@GoekhanAkguen) December 18, 2020
In einer Klasse, in der der Lehrer unterrichtete, habe es unter den Schülern mehrere Corona-Fälle gegeben, zudem sei ein weiteres Mitglied des Kollegiums positiv getestet worden sein. In der Schule habe bis zum 16. Dezember, als in Berlin alle Schulen geschlossen wurden, wochenlang die Alarmstufe „Rot“ gegolten, die höchste Corona-Warnstufe für Schulen in der Bundeshauptstadt. In der Schule sei ein Trauerraum eingerichtet worden.
Die GEW fordert, die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für die Schulen einzuhalten
Akgün kritisierte die Senats-Bildungsverwaltung in Zusammenhang mit dem Todesfall. „Wir wollen, dass die Senatsverwaltung nicht mehr weiterhin erklärt, dass an Schulen das Risiko für eine Ansteckung sehr gering sei. Die Senatsverwaltung als Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal einen sicheren Arbeitsplatz haben und muss deshalb die entsprechenden Maßnahmen ergreifen“, sagt er.
Die Berliner GEW fordert, dass die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für Schulen beachtet werden. Die sehen vor, dass ab einem Inzidenzwert von 50 (Berlin am 19. Dezember: 208) Wechselunterricht mit kleineren Lerngruppen eingeführt wird, damit die Abstandsregel in den Klassenräumen gelten kann, sowie Maskenpflicht im Unterricht aller Jahrgänge erlassen wird. Berlin ignoriert (wie alle anderen Bundesländer auch) die Empfehlungen. In Berlin gilt die Maskenpflicht im Unterricht erst ab Klasse 5.
In der vergangenen Woche sind bundesweit offenbar drei Lehrkräfte oder Erzieher an Covid-19 verstorben. Das geht aus einer Statistik des Robert-Koch-Instituts hervor. Laut aktuellem Lagebericht (vom Samstag, 19. Dezember) gibt es bislang insgesamt 16 Beschäftigte aus Kitas, Kindertagespflege, Schulen und Heimen, die eine Infektion mit dem Coronavirus nicht überlebt haben – 442 kamen seit Beginn der Pandemie ins Krankenhaus. In der Vorwoche (am Samstag, den 12. Dezember) wies die Statistik erst 13 Verstorbene in diesem Bereich aus – 409 hatten in einem Krankenhaus behandelt werden müssen.
Das Robert-Koch-Institut nennt Schulen ausdrücklich als Orte, in denen vermehrt Ausbrüche festzustellen sind
„Da Angaben zu Betreuung, Unterbringung und Tätigkeit bei vielen Fällen fehlen, ist die Anzahl der Fälle mit einer Betreuung, Unterbringung oder Tätigkeit in den einzelnen Einrichtungen als Mindestangabe zu verstehen“, so schreibt das RKI dazu. „Für die übermittelten COVID-19-Fälle aus allen genannten Einrichtungen ist jedoch unbekannt, wie hoch der Anteil derer ist, die sich auch in dieser Einrichtung angesteckt haben.“
Das Robert-Koch-Institut nennt Schulen jetzt allerdings ausdrücklich als Orte mit einem nennenswerten Ausbruchsgeschehen. Wörtlich heißt es im aktuellen Lagebericht: „In den meisten Kreisen handelt es sich zumeist um ein diffuses Geschehen, mit zahlreichen Häufungen in Haushalten, aber auch in Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen und Alten- und Pflegeheimen.“
Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zeigte sich bestürzt über den Tod des Lehrers aus Berlin. «Es ist furchtbar», teilte sie mehreren Medien in einem Statement mit. «Der Tod dieses engagierten und von allen sehr geschätzten Lehrers zeigt uns einmal mehr, wie schrecklich dieses Virus ist.» News4teachers
Wie ein Klassenraum mit gutem Corona-Schutz für Schüler und Lehrer aussieht
