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Schüler ab 12 können wohl im Sommer geimpft werden – Kanzlerin warnt vor „schwieriger Situation in den Grundschulen“

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MAINZ. Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können möglicherweise bereits vor dem neuen Schuljahr gegen Corona geimpft werden. Der Pharmahersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben bei der EU-Arzneibehörde Ema den Antrag auf Impfstoffzulassung für Kinder ab zwölf gestellt, so berichtet der „Spiegel“. Die Bundeskanzlerin warnt unterdessen einem Medienbericht zufolge: Nach den Sommerferien werde es „eine schwierige Situation an den Grundschulen“ geben.

Sorgt sich um Grundschüler: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: photocosmos1 / Shutterstock

Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben die Zulassung ihres Vakzins für Kinder von 12 bis 15 Jahren in der EU beantragt, wie der „Spiegel“ berichtet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ging davon aus, dass im Falle einer Zulassung Kinder dieser Altersgruppe eine erste Immunisierung spätestens in den Sommerferien bekommen könnten. «Stand heute, wenn nichts Ungewöhnliches passiert», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Berlin.

Die Prüfung eines Zulassungsantrags für Corona-Impfstoffe bei der EMA dauert in der Regel wenige Wochen. Bislang ist in Deutschland kein Impfstoff für Kinder unter 16 Jahren zugelassen. Für Kinder und Jugendliche müssen Pharmazeutika gesondert angepasst werden, da ihr Organismus nicht nach dem Prinzip «kleine Erwachsene» funktioniert. Deshalb sind eigene Studien auch vor einer Impfstoff-Zulassung nötig.

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«Kinder tragen auf jeden Fall zum Infektionsgeschehen bei»

Die Impfungen für die Jüngsten in der Bevölkerung erscheinen inzwischen auch dringender als am Anfang der Pandemie – damals galten zumindest Kinder eher nicht als Treiber. Doch ihre Rolle hat sich nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts in Deutschland unter anderem durch die Dominanz der ansteckenderen Virusvariante B.1.1.7 geändert. Bei Kindern nähmen die Infektionzahlen deutlich zu, sagte RKI-Präsident Wieler am Donnerstag. «Kinder tragen auf jeden Fall zum Infektionsgeschehen bei.» Langzeitfolgen, die es auch bei Kindern gebe, dürfe man nun bei der Risikobewertung nicht aus dem Blick verlieren.

Eine mögliche Zulassung begrüßte auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). «Ein Impfstoff für Kinder und Jugendliche wäre ein entscheidender Fortschritt auf dem Weg raus aus der Pandemie», sagte sie. «Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, den kleinsten und jungen Menschen in unserem Land möglichst rasch wieder ihre Freiheiten und ein unbeschwertes Leben zurückzugeben.»

Die wöchentliche Inzidenz liegt aktuell zwischen 141 Fällen bei den Allerjüngsten bis vier Jahre und 260 bei den 15- bis 19-Jährigen, jeweils gerechnet auf 100.000 Einwohner. Bei den älteren Teenagern sind das die höchsten Inzidenzwerte überhaupt in einer Altersgruppe. Bei 10- bis 14-Jährigen liegen sie aktuell laut RKI bei 234 pro 100.000 Einwohner.

Covid-19-bedingte Ausbrüche beträfen aktuell insbesondere private Haushalte und das berufliche Umfeld, aber auch Kitas und Schulen, heißt es im RKI-Lagebericht. Präsident Lothar Wieler macht keinen Hehl daraus, dass er die bundesweite Notbremsen-Inzidenz von 165 für Schulschließungen aus Sicht des Gesundheitsschutzes für deutlich zu hoch hält.

Das Mittel von Biontech/Pfizer ist in der EU und in den USA bisher erst für Menschen ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Sollte die Prüfung des Antrags etwa vier bis sechs Wochen dauern, könnte die EMA-Zulassung im günstigen Fall Anfang bis Mitte Juni erfolgen. Danach könnten dann die Impfungen der 12- bis 15-Jährigen beginnen. Mit Blick auf das kommende Schuljahr und die angestrebte Erweiterung der geimpften Bevölkerungsgruppen mit dem Ziel einer Herdenimmunität wäre dies ein wichtiger Schritt.

Biontech und Pfizer hatten kürzlich mitgeteilt, dass eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren in den USA eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt habe. Die Impfung sei gut vertragen worden. Die Nebenwirkungen hätten jenen in der Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren entsprochen, erklärten die Unternehmen. Die Gesundheit der knapp 2300 Teilnehmer der Studie in den USA würden aus Sicherheitsgründen noch bis zu zwei Jahre nach dem Erhalt der ersten Impfdosis beobachtet, hieß es weiter.

“In den Grundschulen müssen wir uns auf den Betrieb mit ungeimpften Kindern einstellen“

Parallel dazu läuft die klinische Studie von Biontech und Pfizer zur Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern zwischen sechs Monaten bis einschließlich elf Jahren weiter. Biontech gehe davon aus, dass belastbare Daten daraus bis September verfügbar sein werden, sagte die Unternehmenssprecherin. Bis die ersten Kinder dieser Altersgruppe mit dem Vakzin geimpft werden können, wird es folglich noch dauern, da Biontech/Pfizer erst nach diesem Zwischenschritt einen Zulassungsantrag bei der EMA stellen werden. Dessen Prüfung wird dann voraussichtlich wieder wenige Woche dauern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDI) warnte deshalb laut einem Bericht von n-tv beim Impfgipfel in dieser Woche, es werde „noch sehr, sehr lange dauern“, bis es einen Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren geben werde. „Und mit sehr lange, meine ich, nicht vor Frühjahr 2022. Wir werden also im Herbst eine schwierige Situation an den Grundschulen haben. Dort müssen wir uns auf den Betrieb mit ungeimpften Kindern einstellen.“ News4teachers / mit Material der dpa

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