Schul-IT: „Es wird kein Vor-Corona mehr geben“ – AixConcept auf dem education campus

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STOLBERG. Lehrkräfte sind motiviert, wollen sich mit IT auseinandersetzen und haben in der Pandemie viel in Sachen Digitalisierung bewegt. So viel machten die geladenen Experten, darunter der Verfasser der Göttinger Studie zur „Digitalisierung im Schulsystem“, Dr. Frank Mußmann, ganz klar beim Workshop „Professionalisierung der Schul-IT: Beschaffung, Verwaltung, Anwendung“ auf dem virtuellen education campus Anfang Juni 2021. Aber: Die Pandemie und nicht zuletzt eine suboptimale Beschaffungspolitik haben eine digitale Kluft in Deutschlands Schulsystem gerissen und Lehrerinnen und Lehrer an die Grenzen ihrer Kräfte gebracht. Wie geht es nun weiter? Und welche Lehren müssen Entscheider*innen jetzt ziehen? Diese Fragen beantworteten die geladenen Gäste aus Schule, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung in einer interaktiven und kurzweiligen Veranstaltung, die AixConcept Marketing-Leiter Ulrich Sawade co-moderierte.

Die Digitalisierung in Deutschlands Schulen hat im vergangenen Jahr einen kräftigen Schub bekommen. Foto: Shutterstock

 „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten und das Schlaglicht der Pandemie hat sehr viel Schatten geworfen.“ So begann Martin Schmiedel seine Bestandsaufnahme zur Digitalisierung der Schulen in Deutschland beim education campus Workshop. Der Gastgeber und Vorstand der Gesellschaft für kommunale Digitalisierung AG (GFKD) brachte damit kurz und bündig den Status Quo auf den Punkt: Zwar seien Schulen und Schulträger schon einen großen Schritt weitergekommen, allerdings sei das Beschaffungsverhalten im letzten Jahr aufgrund der Pandemie und kurzfristiger, jedoch oft befristeter Finanzierungshilfen doch „nachvollziehbar hektisch“ gewesen. Ob das wohl auch nachhaltig sei, fragte Schmiedel die über 150 Teilnehmer*innen der Onlineveranstaltung. Es gehe schließlich um Steuergelder, die hier zum Beispiel für Endgeräte ausgegeben werden. Der Return on Investment müsse sichergestellt werden, wobei es allerdings nicht wie in Unternehmen um Kapitalerträge ginge, sondern darum, ob die Schul-IT nun auch zur Erreichung von Lernzielen und Lernerfolgen genutzt werde. Besonders angesichts knapper Personalressourcen ein wichtiges Thema. Immerhin sei allen Beteiligten inzwischen bewusst geworden, dass die Schul-IT professionalisiert werden müsse. Es seien Lehren zu ziehen, aber daraus entstünden auch Chancen, es jetzt richtig zu machen.

Von der „digitalen Wüste“ zur Vorreiterschule

Vieles richtig gemacht hatten bereits zwei Gäste des Workshops, die sich schon vor der Pandemie auf den Weg zu einer professionalisierten Schul-IT gemacht hatten: Dr. Frank Puschner, Realschulkonrektor i. K. der Maria-Ward-Realschule im oberbayrischen Schrobenhausen, und Dr. Uwe Bettscheider, Schulleiter des Ritzefeld-Gymnasiums der Stadt Stolberg bei Aachen. Sowohl Puschner als auch Bettscheider berichteten von ihren Erfahrungen aus der Praxis und waren sich einig: Ohne ihre motivierten Schulträger, im Falle Puschners das Schulwerk der Diözese Augsburg und bei Bettscheider die Stadt Stolberg bei Aachen, hätten die beiden Pädagogen die Digitalisierung ihrer Schulen nicht dermaßen vorantreiben können. Da beide Schulen die MNSpro Cloud als Lernplattform und AixConcept als IT-Dienstleister, der diese bereitstellt und für den nötigen Support sorgt, im Einsatz hatten, verlief der Übergang vom Präsenzunterricht in den Fern- beziehungsweise Wechsel- und Hybridunterricht ohne den massiven Aufwand, den andere Schulen zu bewältigen hatten.

Doch das war nicht immer so. Nach seinem Einsatz als Direktor einer internationalen Schule im Ausland, einer Schule die „durchdigitalisiert“ war, fand Bettscheider zum Beispiel am Stolberger Gymnasium zunächst „eine digitale Wüste“ vor. Gemeinsam mit dem Schulträger, einem motivierten Kollegium und AixConcept machte er sich dann auf in Richtung Digitalisierung. Die Lernplattform MNSpro sei einfach zu bedienen – sowohl vom Fünftklässler als auch von eher technikfernen Lehrkräften – und habe zusammen mit der entsprechenden Hardware eine gute Ausgangsposition sichergestellt, so dass man sich zügig auf pädagogisch-inhaltliche Diskussionen einlassen konnte. Während der Pandemie schließlich „hatten wir Zeit, den Kontakt zu den Eltern zu pflegen, weil wir uns auf technischer Seite nicht kümmern mussten“, so der Schulleiter, der bereits in den 1990er Jahren über den Computereinsatz im Mathematikunterricht promovierte. So konnte die Schule rasch Unterricht nach Plan machen und dadurch auch den digitalen Alltag der Kinder und Jugendlichen strukturieren, den Fokus also auf die Pädagogik, nicht die Technik richten.

Auch die Maria-Ward-Realschule ging gut vorbereitet in den Lockdown. Durch die Arbeit mit Teams, der App für Videokonferenzen in der MNSpro Cloud, wurde entweder der komplette Unterricht abgehalten oder die Schülerinnen und Schüler erhielten zu Unterrichtsbeginn über die Lernplattform Aufgaben, die sie dann selbständig bearbeiteten. Dadurch, dass alle Lehrkräfte die gleichen Geräte und die gleiche Software benutzten, half man sich schnell und unkompliziert untereinander. So sei eine richtige Eigendynamik entstanden, berichtete Konrektor Puschner. Das Kollegium habe gemeinsam digitales, nicht etwa digitalisiertes Material, wie gescannte Versionen von Arbeitsblättern, für den Unterricht erstellt. Sogar kurz vor dem Ruhestand stehende Kollegen hätten sich mit der Thematik beschäftigt. Doch auch die Schülerinnen und Schüler sollten zunächst einmal die Gelegenheit bekommen, den Umgang mit digitalen Medien, mit Hard- und Software zu erlernen. Deshalb habe die Schule den Unterricht anfangs etwas entschleunigt. Das Fazit von Puschner: „Es wird kein Vor-Corona mehr geben.“ Den 2-Jahresplan, den die Schule auf dem Weg zur Digitalisierung einmal erstellt hatte, konnte die Schulleitung durch die steile Entwicklungskurve während der Corona-Krise bereits nach einem Schulhalbjahr als abgearbeitet ad acta legen.

Schulträger: „Lehrer sind keine Software-Entwickler“

Doch bei weitem nicht alle Schulen sind so gut vorbereitet in die Pandemie gestartet oder aus ihr hervorgegangen. Christian Büttner, leitender Direktor des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) und verantwortlich für die IT-Strategie Nürnberger Schulen, machte noch einmal deutlich, dass die Erfahrungen der Pandemie manche Vorannahmen als Irrglauben entlarvt haben: „Man hat immer davon gesprochen, jede Schule muss ihren eigenen Weg finden, mit der Digitalisierung umzugehen“, so Büttner. „Das sind Schlagworte, die uns ein Stück weit auf die Füße gefallen sind.“ Um Digitalisierung an Schulen voranzutreiben sei eine Zusammenarbeit von Schulaufwandsträger beziehungsweise Schulträger, Schulleitung und Lehrkräften auf Augenhöhe wichtig. Entscheidend sei gleichzeitig eine klare Rollenverteilung, die in den letzten Jahren zunehmends „verwischt“ worden sei. „Für mich ist eine Lehrkraft der Pädagoge und nicht der Schrauber, der Software-Entwickler oder der Kabelzieher“, erklärte Büttner beispielsweise und plädierte darüber hinaus für Nachhaltigkeit in der Beschaffung und eine flächendeckende Ausstattung. IT müsse bedarfsgerecht, also auch an die jeweilige Schulform angepasst, und zukunftsfähig sein. Das bedeute auch, über eine andere, dauerhafte Schulfinanzierung nachzudenken wie es zurzeit im Freistaat Bayern geschehe. Schulausstattung könne nicht von Zahlfähigkeit der Steuerzahler oder des Schulträgers abhängen.

Digitale Kluft ist reales Problem

Dass dies jedoch anscheinend genau so ist und Schulen nicht nur finanziell, sondern auch auf technischer Ebene selbst innerhalb eines Landkreises sehr unterschiedlich ausgestattet sind, legte Dr. Frank Mußmann, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Georg-August-Universität Göttingen dar. Er stellte die aktuelle repräsentative und von der GEW beauftragte Studie zur „Digitalisierung im Schulsystem“ vor, die Anfang des Monats für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die positive Nachricht: Ja, es habe pandemie-bedingt einen Entwicklungssprung bei der Digitalisierung gegeben. Immerhin sei zum Beispiel der Anteil der Lehrkräfte, die täglich digitale Medien in der einen oder anderen Form im Unterricht einsetzten von 39 % vor Corona auf nun 68% (Stand Januar/Februar 2021) gestiegen. Gelegentlich setzten zusätzliche 20% der Lehrkräfte digitale Medien ein. 57% der Lehrkräfte sind überdies mit digitalen Geräten ausgestattet, die für den Unterricht ausreichend sind. Allerdings berichten 64% der Befragten von technischen Ausfällen, die Stress erzeugen und Unterricht nicht planbar machen. Darüber hinaus mussten viele Lehrkräfte (95 %, davon über 75 % in sehr hohem Maß) auf ihre privaten Geräte und Netzwerke zurückgreifen.

Eklatant jedoch ist besonders ein Ergebnis der Studie: Es gibt eine „digitale Kluft“, die Schulen in Deutschland in vier Gruppen spaltet – von der Vorreiter-Schule, an der 96 % der Lehrkräfte und 87% der Schülerinnen und Schüler WLAN-Zugang haben bis hin zur Nachzügler-Schule, an der nur 39 % der Lehrkräfte und 22% der Schülerinnen und Schüler Zugriff aufs Netz haben. Überdies nutzen bereits 91% der Vorreiter-Schulen eine Schul-Cloud, aber nur 62% der Nachzügler-Schulen. Mußmann sprach von einem Politikversagen, habe die Kultusministerkonferenz sich doch schon 2012 auf die Fahne geschrieben, bis zum Jahr 2021 allen Schülerinnen und Schüler eine digitale Lernumgebung zur Verfügung zu stellen. Die jetzt entstandene digitale Kluft sei eine hausgemachte zusätzliche Benachteiligung, die nicht nur die Kompetenzentwicklung und gleichberechtigte Teilhabe der Schülerinnen und Schüler gefährde, sondern auch die Entfaltungsmöglichkeiten von Lehrkräften.

Wie geht es nun weiter in der „neuen Normalität“? „Die Sonderbelastungen durch die Corona-Pandemie werden natürlich irgendwann bewältigt sein“, stimmte Mußmann überein mit seinen Vorrednern. „Jetzt geht es darum, mittel- und langfristig dafür zu sorgen, dass eine bedarfsgerechte, sozialverantwortliche und integrierte Gestaltung der Digitalisierung in den Schulen ankommt.“ Für die Umsetzung brauche es allerdings Spielräume und zusätzliche Ressourcen. Die Überforderung der Lehrkräfte dürfe nicht bis zum Ultimo weitergehen, so der Wissenschaftler weiter.

Über die Veranstaltung:

Der kostenfreie Workshop wurde gemeinsam von Dell Technologies, Intel und kommune.digital veranstaltet. Weitere Infos sowie die aufgezeichneten Beiträge der Redner finden Sie unter: https://www.education-campus.de/de/veranstaltungen/professionalisierung-der-schul-it

NEU: Für Schulleitungen und Schulträger gibt es jetzt eine offene Sprechstunde mit Dr. Frank Puschner, der Fragen zur IT-Umstellung an seiner Schule beantwortet und Tipps für die Praxis gibt:

https://www.education-campus.de/de/veranstaltungen/sprechstunde-fuer-schultraeger-schulleitung-und-systembetreuung

Über AixConcept:

AixConcept liefert als Experte für digitale Bildung seit 2003 schlüsselfertige IT-Lösungen für Bildungseinrichtungen. Mehr als 3500 Schulen und andere pädagogische Institutionen in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland erhalten Beratung, Konzeption, Umsetzung und Wartung aus einer Hand. Aus der Firmenzentrale in Stolberg bei Aachen und mit Partnern sorgt AixConcept für einen reibungslosen Betrieb der Schul-Netzwerke und ist führender Lieferant für Schul-IT im deutschen Markt. AixConcept ist mehrfach zertifizierter Microsoft Goldpartner im Bereich Application Development.

Weitere Infos: www.aixconcept.de

Dies ist eine Pressemitteilung der AixConcept GmbH.

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2 KOMMENTARE

  1. Keine Vor-Corona Zustände bei Schul-IT Ausstattung und damit verbundener Stoffvermittlung?
    Gerne in meiner Schule zu besichtigen. Wir haben einmalig 20 Tablets zum Verleihen bekommen-das wars dann auch. Keine sinnvolle Ausstattung, um wirklichen und guten Unterricht online machen zu können-außer man hat nicht schon alles selbst und privat beschafft. Kein Schul-Wlan, PCs in den Klassenzimmern (je einer) und ein 20MB Internetanschluss für alle. Keine externe Hilfe bei Hardwareproblemen. Wie bisher findet (außer bei einer Klasse, wo aber nicht alle Schüler Wlan zuhause haben und bei anderen einloggen…) der Unterricht findet mit Lernpaket, Telefon und via WhatsApp (verbotener Weise) statt. Das war NICHT ironisch gemeint, sondern ist unsere Realität. Da passt gut dazu, dass es keine Plexiglas-Trennscheiben, keine Luftreiniger, aber auch keine Fenster, die man weiter als einen Spalt weit (Suizidschutz) öffnen kann. Waschbecken mit kaltem Wasser (im Winter bei 13°C) wo sich v.a. die Kleinen wehren, wenn es kalt ist und zu wenige Toiletten bei Corona-Bedingungen eingeschlossen. Wo? In Baden-Württemberg, dem reichen Bundesland. Bei uns kann man nichts-außer schwäbisch, wenns um Schule geht!

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