Fachgipfel berät: Mehr psychisch belastete Kinder und Jugendliche – was tun?

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STUTTGART. Lernen alleine von zuhause, kein Sportverein, kaum Kontakt zu Gleichaltrigen: Vielen Schülern hat das in der Corona-Pandemie auf die Seele gedrückt. Sie benötigen professionelle Hilfe, aber es fehlt an Möglichkeiten. Das will ein Fachgipfel nun ändern.

Viele Schülerinnen und Schüler leiden unter den Folgen der Corona-Krise. (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Weil Psychiater zum Beginn des neuen Schuljahres mit einer großen Zahl an psychisch belasteten Kindern rechnen, sollen junge Menschen mehr Möglichkeiten für eine Behandlung erhalten. Darauf haben sich am Mittwoch die rund 50 Teilnehmer eines digitalen Fachgipfels zur psychischen Situation von Kindern und Jugendlichen in Folge der Corona-Pandemie geeinigt. Der zusätzliche Bedarf an ambulanter und an stationärer Behandlung könne durch die aktuellen Versorgungskapazitäten nicht überall abgedeckt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Gipfelteilnehmer.

«Die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlicher hat sich durch die Pandemie erheblich verschlechtert»

Nach Angaben von Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha, der die Experten, Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit und Betroffenenverbände eingeladen hatte, soll eine Arbeitsgruppe Vorschläge für einen Ausbau zusammenstellen. Genaue Zielvorgaben nannte Lucha nicht.

«Die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlicher hat sich durch die Pandemie erheblich verschlechtert», sagte der Grünen-Minister am Abend. «Kinder und Jugendliche leiden besonders unter der Krise.» Er rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Zahl der Betroffenen: «Es steht zu befürchten, dass wir heute erst die Spitze des Eisbergs sehen», sagte er.

Nach Angaben des Sozialministeriums sind die Kapazitäten im voll- und teilstationären Bereich stetig aufgebaut worden. Die Zahl der vollstationären Plätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sei zwischen 2015 und 2021 um 16 Prozent gestiegen, im teilstationären Bereich gar um 40 Prozent. Der Städtetag Baden-Württemberg kritisiert allerdings, es gebe schon jetzt nicht genügend Plätze.

«Wir wissen, dass häufig die Schulen es zuerst wahrnehmen, wenn Kinder und Jugendliche psychische Probleme haben»

Er gehe davon aus, «dass die Zahlen deutlich ansteigen werden, wenn die Kinder und Jugendlichen wieder in ein Umfeld kommen, in dem sie gehört und gesehen werden», sagte auch Jörg Fegert, der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Ulm, der «Südwestpresse». Diese Erfahrung habe man bereits nach dem ersten Lockdown gemacht. «Wir wissen, dass häufig die Schulen es zuerst wahrnehmen, wenn Kinder und Jugendliche psychische Probleme haben.» Durch die Pandemie hätten vor allem Angst- und Essstörungen stark zugenommen.

Familienforscher hatten zuletzt Ende Juli davor gewarnt, die psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie auf Schülerinnen und Schüler zu unterschätzen. «Die Auswirkungen von Schulschließungen auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sind offensichtlich gravierender als bisher angenommen», hatte der stellvertretende Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Martin Bujard, erklärt. Vor allem jugendliche Mädchen und junge Menschen mit Migrationshintergrund seien betroffen.

Nach einer vor einem Jahr veröffentlichten Mannheimer Studie waren während der ersten Phase der Corona-Krise 57 Prozent von 666 befragten 16- bis 25-Jährigen belastet, 38 Prozent mittel bis schwer. Der Umgang mit der Isolation von Freunden und Verwandten sei ausschlaggebend für den Grad der Belastung, so das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) im August vergangenen Jahres. Mit zunehmendem Grad der sozialen Isolation wachse das Risiko einer psychischen Belastung. Laut ZI ist die Online-Befragung (7. bis 16. Mai 2020) für Deutschland repräsentativ. dpa

Mehr Gewaltdelikte unter Schülern – Ausdruck psychischer Belastungen in der Pandemie?

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21 KOMMENTARE

  1. Ein Armutszeugnis sich erst jetzt zu der Notlage von Kindern und Jugendlichen zu bekennen. Man hat die Hilferufe von Kinderärzten, Pschologen und Kliniken nicht hören wollen und die ausgebremste Lebensphase von den heranwachsenden Kindern ignoriert und keine Beachtung geschenkt.Herr Lucha, Herr Kretschmann und Frau Schopper haben mit keiner Ernsthaftigkeit und einem ehrlichen Blick für die Notlage der heranwachsenden Generation nach tragenden Lösungen gesucht. In der vierten Welle sich jetzt dazu bekennen, kommt reichlich spät für viele Familien die in der Pandemie außergewöhnliches geleistet haben. Das Zentralinstitut in Mannheim hat eine sehr lange Wartezeit und Psychologen und Beratungsstellen haben eine lange Wartezeit auf ein Erstgespräch. Es macht einen schon Fassungslos, dass die Politik erst in der vierten Welle der jungen Generation Hilfe zu zusprechen. Es wird in der Pandemie viel gesprochen von der Politik und KM und Taten werden nicht ersichtlich, die in der Wirklichkeit nicht eingetroffen sind. In BW hat die Schülergeneration G8 an Schulen und in der Pandemie G7 nochmals ein verkürztes Schuljahr. Die Notlage der vielen angehäuften Lernrückstände sieht Frau Schopper als etwaige Rückstände und hat Die Ernshaftigekeit der Bildungsnot der G8 Schüler nicht anerkannt. Die Lernlast ist für G8 Schulen und Schüler eine große Belastung geworden und keine angemessene Bildungzeit ist für das neue Schuljahr geschaffen worden. Der Flickenteppich wird von Kretschmann und Schopper weiter gepflegt und tragende Perspektiven und Konzepte liegen nicht auf dem Tisch. Die Schüler starten in ein ungeklärtes neues Schuljahr ohne eine angesmessene Aufarbeitungszeit zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die persönliche Entwicklung und Entfaltung hat sich noch nicht von der außergewöhnlichen Lebensphase erholt und noch keine Stabilität erreicht. Der Druck der auf Schüler und deren Familien lastet um die verlorene Bildungszeit aufzuarbeiten ist sehr hoch und die vielen Fehlentscheidungen der Politik und KM hat tiefe Spuren hinterlassen in allen sozialen Schichten. Es geht in großen Schritten auf den Wahlkampf zu und jetzt erst die letzten in der Reihe Zuwendung zu erteilen, spricht für sich selbst. Mahnungen und Appelle hat man schamlos übergangen und nichts für die Lobby der heranwachsenden Generation beigetragen.

  2. „Er gehe davon aus, «dass die Zahlen deutlich ansteigen werden, wenn die Kinder und Jugendlichen wieder in ein Umfeld kommen, in dem sie gehört und gesehen werden», sagte auch Jörg Fegert, der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Ulm, der «Südwestpresse». Diese Erfahrung habe man bereits nach dem ersten Lockdown gemacht. «Wir wissen, dass häufig die Schulen es zuerst wahrnehmen, wenn Kinder und Jugendliche psychische Probleme haben.» Durch die Pandemie hätten vor allem Angst- und Essstörungen stark zugenommen.“

    Ist das nicht traurig und auch extrem !!! besorgniserregend, wenn häufig
    – zuerst bzw.
    – ausschließlich
    Schule das Umfeld ist, in dem Kinder und Jugendliche „gehört und gesehen werden“???
    Haben diese armen Kinder und Jugendlichen alle ??? kein Zuhause, keine Familie?
    Sind sie außerhalb der Schule komplett unsichtbar?
    Sind sie außerhalb der Schule komplett unhörbar?

    Warum wird solcher Mist verbreitet?
    In der Konsequenz müssten dann diese Kinder und Jugendlichen alle ??? dauerhaft aus den Familien genommen werden, weil sie da angeblich – wenn man dem obigen Zitat folgt und das als bare Münze nehmen würde – emotional vernachlässigt würden.
    Vielleicht sollten diese Kinder und Jugendlichen gleich in den Schulen wohnen, weil sie ausgerechnet dort bzw. NUR dort lebenswerte und förderliche Bedingungen vorfinden?

    Was wird der Mehrzahl dieser Familien denn da schon wieder unterstellt?

    Hoffentlich geht’s mal eine Nummer kleiner oder soll da einfach noch mehr Druck auf Eltern UND Schulen aufgebaut werden?

    • @Pit 2020:

      „Haben diese armen Kinder und Jugendlichen alle ??? kein Zuhause, keine Familie?
      Sind sie außerhalb der Schule komplett unsichtbar?
      Sind sie außerhalb der Schule komplett unhörbar?“

      Psychische oder soziale Probleme fallen in den meisten Fällen Außenstehenden auf, die die Kinder regelmäßig sehen und in ihrem Sozialverhalten erleben. Eltern oder andere Familienangehörige erleben ihre Kinder i.d.R. nicht in zugeteilten, nicht selbst ausgesuchten Gruppen. Eben dort treten diese Probleme (wie z.b. Sozialängste, übermäßige Aggressionen, etc) überhaupt erst auf bzw. das Kind zeigt nur dort diese Verhaltensweisen. Das ist glaube ich einer der Gründe, warum bestimmte Probleme bei Kindern innerhalb der Familie nicht „erkannt“ werden. Und wenn ein Kind dann zu Hause immer sagt, „dass in der Schule alles in Ordnung“ sei, um seine Ruhe zu haben, dann ist man als Eltern diesbezüglich ohne Hinweise von Lehrern oft ausgeschieden.

      • Meine Erfahrungen sind anders. Auch schon vor Corona hatten viele Schüler*Innen mit psychischen Problemen (oft verursacht durch die Bedingungen des maroden Schulsystems) zu kämpfen. Von Lehrern und Schulleitern, auch wenn sie von Eltern angesprochen wurden, wurden diese Probleme weitestgehend ignoriert. Sie hatten schlichtweg keine Zeit sich darum zu kümmern oder genauer hinzuschauen / hören. Warum soll das jetzt plötzlich anders sein? Für mich sind die Hinweise der Politiker auf plötzlich vermehrt auftretende psychische Probleme von Schülern, angeblich verursacht durch den Distanz-und / oder Wechselunterricht nichts weiter als billige Propaganda, um Präsenzunterricht erzwingen zu können, ohne in weitere Schutzmaßnahmen investieren zu müssen.

        • Lehrer sind Pädagogen und sind keine Psychologen.Ein Kind mit psychischen Problemen gehört zu einem Facharzt. Das können Lehrer tatsächlich nicht auffangen, weder fachlich noch zeitlich.

        • @Jule aus T.:

          „Für mich sind die Hinweise der Politiker auf plötzlich vermehrt auftretende psychische Probleme von Schülern, angeblich verursacht durch den Distanz-und / oder Wechselunterricht nichts weiter als billige Propaganda, um Präsenzunterricht erzwingen zu können, ohne in weitere Schutzmaßnahmen investieren zu müssen.“

          Das glaube ich auch!

          „Von Lehrern und Schulleitern, auch wenn sie von Eltern angesprochen wurden, wurden diese Probleme weitestgehend ignoriert. Sie hatten schlichtweg keine Zeit sich darum zu kümmern oder genauer hinzuschauen / hören.“

          Das wiederum sehe ich anders. Lehrer müssen sich darum nicht kümmern! Wenn den Eltern die psychischen Probleme ihrer Kinder bekannt sind, dann müssen sie mit ihnen zu einem Arzt gehen und nicht die Lehrer in eine Verantwortung bringen. Lehrer können lediglich Eltern auf mögliche Probleme ihrer Kinder aufmerksam machen (falls nicht bekannt) – alles andere müssen dann die Eltern in die Wege leiten.

      • Wenn die Schwierigkeiten nur in der Schule bestehen und nicht zu Hause, kann ein Kind doch aber keine psychischen Probleme dadurch bekommen, dass es nicht in die Schule geht. Ganz im Gegenteil!

        • @Lanayah:
          Hat ja auch keiner gesagt, dass die Probleme daher rühren, dass die Schule zu hatte! Also ich zumindest nicht! Die Probleme, von denen ich gesprochen habe, sind die, die in der Schule zum Vorschein kommen, Eltern und Kinder dann damit konfrontiert werden und deswegen Hilfe suchen und zu – wie Sie richtig sagen – einem Facharzt oder Psychologen gehen (sollten).
          Was ich mit meinem Kommentar sagen wollte, ist, dass die höhere Zahl der psychischen Probleme vielleicht auch damit zusammenhängen könnte, dass Kinder nun IN der Schule wieder vermehrt Probleme entwickeln (aus welchem Grund auch immer). Und dass Lehrer dies möglicherweise als Erste bemerken, liegt in der Natur der Sache. Keiner hat gesagt, dass Lehrer psychologische Probleme lösen sollen.

  3. Ich kann das nicht mehr lesen, ehrlich nicht.

    Wie ich schon einmal bei N4T schrieb: das ist in vielen Fällen politikgemacht:
    1. bekommt Kinder (Rentenzahler)
    2. gebt sie als kleine Babys in die Kita und später in die Ganztagsbetreuung (geht also so schnell wie möglich wieder Vollzeit arbeiten)

    In der ‚modernen Familie‘ sieht man sich kurz am frühen Morgen und dann erst wieder am späten Nachmittag (wenn da zufällig kein Hobby oder Privattermin ansteht).
    Am Wochenende eventuell mal ein halbherziger Fahrradausflug. Wenn man nicht anderweitig beschäftigt ist.
    Familienurlaub gern mit KidsClub oder anderer Verwahrmöglichkeit.

    Etliche Kinder leben halbwegs anonym im Haushalt. Oft bei Eltern, die gern davon sprechen, wie ’selbstständig‘ der kleine Markus doch schon ist, weil er die Zeit, die er dann zu Hause ist, nahezu unsichtbar im Zimmer bleibt.

    Corona hat es gezeigt: viele Eltern wissen nicht, wie Erziehung funktioniert. Viele Kinder haben ihre wahren Bezugspersonen (Lehrer, Erzieher, …) durch den Distanzunterricht verloren.

    Natürlich schlägt das auf die Psyche!

    Hätte man mir als Kind meine Bezugspersonen vorenthalten, also meine Eltern und Großeltern, dann wäre ich psychisch krank geworden, selbstverständlich.

    Und da liegt in meinen Augen der Knackpunkt: wenn eine Bildungseinrichtung als eine Erziehungs- und Verwahreinrichtung verstanden wird, wenn Eltern nicht mehr Eltern im eigentlichen Sinn sein müssen, dann gibt es Probleme. Zwangsläufig.

    • Vollste Zustimmung!

      Eltern versagen als ultimative Bezugspersonen: Mit sinkender (elterntypische) Belastung pre-Corona sank auch die Belastungsgrenze!

  4. Hatten all die Beratungsstellen für Menschen in psychischen Notsituationen, all die Einrichtungen, die sich mit Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen beschäftigen, Jugendamt, Jugendhilfe usw. Während des Lockdowns ihre Arbeit eingestellt? War es etwa nicht möglich den Familien, die es brauchten, Hilfe anzubieten, selbstverständlich in einem Rahmen, in dem die üblichen Infektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden können. In den Kitas war die Betreung aller Kinder, deren Eltern darauf angewiesen waren, doch auch möglich.
    Natürlich nur unter Einhaltung strengster Infektionsschutzregeln (Ironie).
    Manchmal kann ich nur noch darüber staunen, wie wegen Corona so vieles nicht möglich war, während es keine Sau interessiert hat, daß in Kitas genau das stattfindet, was überall sonst allerstrengstens verboten ist. Ämter und Behörden waren für den öffentlichen Verkehr geschlossen, Selbsthilfegruppen durften sich nicht treffen, alte Menschen durften nicht mal ihre allerengsten Angehörigen sehen, Geschäfte waren monatelang geschlossen, Sportvereine durften nichtmal im Freien trainieren usw. Obwohl in diesen Bereichen eine Einhaltung der gängigen Hygieneregeln doch sicher viel eher zu bewerkstelligen gewesen wäre als in Kitas und Schulen. Trotzdem wurden all diese Lebensbereiche geschlossen, während, vor allem für Kitas, immer Sonderregelungen galten. Selbst für Schulen wurde der Inzidenzwert ab dem es zu Schließung kommt, höher angesetzt, als in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Meiner Meinung nach hat gerade das dazu geführt, daß der zweite Lockdown sich immer länger hingezogen hat. Jetzt verweigert man den Schulen und Kitas wieder die Möglichkeit für mehr Infektionsschutz zu sorgen, weil man es nicht fertigbringt alle Einrichtungen endlich mit mobilen Luftfiltern auszustatten.
    Wieder wird uns verwehrt, was anderswo selbstverständlich ist: Nämlich alles zu tun, um Infektionen, so weit wie möglich, zu verhindern. Wenn dann Schüler wieder ins Homeschooling wechseln müssen wird das Geschrei wieder groß sein. Die Kitas werden wieder eine sog. Notbetreuung anbieten müssen, die aber jeder nutzen kann und die ganze Misere geht wieder von vorne los. Danach heulen wieder alle rum, wegen der armen Kinder und Jugendlichen.

    • Zustimmung.
      Und das alles nur unter dem Motto: Wir kümmern uns um die Kinder, homeschooling auf Teufel komm raus verhindern, damit viele Eltern zufrieden sind…
      Alles Augenwischerei, die eigentlich dringend notwendigen Maßnahmen werden unter den Tisch gekehrt.
      Wir brauchen wahrscheinlich nicht lange zu warten. Bald sind in allen Bundesländern die Ferien zu Ende…

      Aber wehe, wenn man bei irgendeinem Amt etwas zu erledigen hat. Alles abgeschottet, nur mit Termin etc…
      Ach ich hab ja vergessen, in Schulen und Kitas gibt’s ja keine Gefahr , wir haben ja prima Hygieneregeln, alles easy…

  5. Eigentlich wollte ich ausführlich kommentieren, aber hier steht ja schon alles:

    Das ist nicht unsere Baustelle. Bitte im Forum der Jugendämter, Sozialarbeiter und Kinderpsychologen veröffentlichen. Danke!

    • Genau so ist es. Ich frage mich immer noch, was Jugendämter und die dort beschäftigten Sozialarbeiter während des Lockdowns gemacht haben.

      • Naja, die haben schon etwas gemacht. Sie sind schön ruhig geblieben. Die ganze Aufmerksamkeit war ja eh auf die Schulen gerichtet.
        Unser Schulsozialarbeiter hat in seiner Internetpräsenz eine Nachricht hinterlassen und dort ein Angebot gemacht, dass er kontaktiert werden kann. „Die Lehrer machen das schon“ 😉

        Die Schulpsychologin- naja, die habe ich vorher schon kaum gesehen. Und seit Corona gar nicht mehr.

  6. „Genau so ist es. Ich frage mich immer noch, was Jugendämter und die dort beschäftigten Sozialarbeiter während des Lockdowns gemacht haben.“

    Jetzt geht das schon wieder los. Wie einfach, die Jagd nach den Sündenböcken doch ist, wusste schon Eisenhower. Dann bitte auch nicht wundern, wenn alle Kolleg*innen wegen der Bildungsmisere unter Generalverdacht gestellt werden …

    Nein, wenn Kinder Schaden nehmen durch äußere Einflüsse, sind ALLE Erwachsenen im Umfeld des Kindes gefragt. Nur so kann Kinderschutz funktionieren.

    Wenn die Verantwortung für die psychische Belastung darüber hinaus von Kindern- und Jugendlichen ausschließlich den Schulen zugeschoben wird, weil die Präsenz fehlte, ist das ein Warnsignal für den Kinderschutz allgemein.

    Die Pandemie hat bei vielen Menschen psychische Auffälligkeiten hinterlassen. Soziale Kontakte sind nicht nur für Kinder wichtig, aber für diese ganz besonders. Die gesamte Gesellschaft ist verantwortlich, vornehmlich aber die Eltern und andere Bezugspersonen; darunter natürlich auch Lehrer*innen und Erzieher*innen.

    Die Folge sollte nicht nur sein, die Sozialarbeit in Schulen zu forcieren und damit dieser die Rolle der Hauptverantwortung zu übertragen. Die Folge sollte vielmehr sein, alle Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens zu sensibilisieren für die soziale Verantwortung gegenüber den Kindern. Nur so kann eine Herausforderung, wie die Pandemie mit den besagten Lockdowns einigermaßen überstanden werden (übrigens nicht nur für die Kinder).

    Der nächste Extremfall wartet schon oder läuft parallel (vgl. Überflutungen). Die Gesellschaft sollte endlich umdenken und die Erwachsenen sich ihrer Verantwortung bewusst werden!

  7. „Das ist nicht unsere Baustelle. Bitte im Forum der Jugendämter, Sozialarbeiter und Kinderpsychologen veröffentlichen. Danke!“

    Doch, ist es (auch)! (siehe oben)

  8. Lebensgefährliche Entscheidungen der Schule statt Unterstützung für psychisch erkrankte Schüler – auch das kann die bittere Realität sein!

    Es wäre schön, wenn Schulen generell die psychischen Nöte von Kindern und Jugendlichen wahrnehmen würden. Mit Sicherheit bemühen sich viele Lehrer/innen und Schulleitungen in dieser Hinsicht, meist merken aber doch die Eltern viel früher, dass etwas nicht mehr stimmt.

    Corona hat zusätzliche psychische Belastungen für Kinder und Jugendliche mit sich gebracht. Aber ein stereotypes Verweisen auf die Auswirkungen der Schulschließungen greift zu kurz. Schule kann auch der entscheidende Auslöser für eine Verschlechterung der psychischen Verfassung sein. Vor allem, wenn sie sich nicht einmal dann für Symptome und Auswirkungen einer psychischen Erkrankung interessiert, wenn sie von den Eltern darüber informiert wird. Wir haben mit unserer Tochter leider an einem Gymnasium in Baden-Württemberg erlebt, wie sehr sich die psychische Verfassung durch fehlendes Verständnis, mangelnde Kommunikation und ungünstige Entscheidungen verschlechtert hat.

    Unsere Tochter ist seit mehreren Jahren, lange vor Corona, depressiv erkrankt und in fortlaufender Behandlung. Im Zeitraum September 2019 bis März 2021 war sie relativ stabil, trotz der Schulschließungen. Bei Schuljahresbeginn im September 2020, nach dem ersten Lockdown mit nur insgesamt zwei Wochen Präsenzunterricht zwischen 20. März 2020 und Schuljahrsende, ging es ihr sogar so gut wie noch nie seit Beginn ihrer Erkrankung, leider im normalen Schulbetrieb dann aber schon bald wieder etwas schlechter. Aktuell geht es ihr jetzt so schlecht wie noch nie. Was ist dazwischen passiert?

    Angefangen hatte es schon im Herbst im Präsenzunterricht: Wenn eine (bekannt!) depressiv erkrankte Schülerin sich sehr wenig mündlich beteiligt, sich nicht einmal traut, die zuhause in Ruhe gemachten und richtig im Heft stehenden Hausaufgaben vorzulesen, kann man das als Leistungsverweigerung einordnen. Oder man könnte wahrnehmen, dass dies durch die Erkrankung bedingt ist.

    Wenn die gleiche Schülerin sich im Distanzunterricht in Online-Konferenzen nur ganz selten mündlich beteiligt, bei direkter Ansprache oft Panik bekommt und dann Internet-Probleme vorschiebt, kann man pauschal in Frage stellen, ob sie überhaupt mitarbeitet. Man könnte aber auch Verständnis haben, dass die mündliche Beteiligung in der Online-Konferenz noch schwerer fällt als im Klassenzimmer, und stattdessen z.B. Inhalte schriftlich abgeben lassen oder außerhalb der Konferenz nachfragen.

    Wenn die Schülerin trotz Depression und damit schlechterer Konzentrationsfähigkeit sich durch den täglichen Berg an Aufgaben im Distanzunterricht arbeitet, dabei manchmal zuhause um Hilfe und Erklärung fragt, wenn sie etwas nicht versteht, und diese dann weitgehend ordentlich abgibt, kann man – ausgehend von dem schon vorhandenen negativen Bild – erst mal in Frage stellen, ob sie die Aufgaben denn auch selbständig gemacht hat und man sie überhaupt zu ihren Gunsten werten kann. Man braucht sich auch nicht davon irritieren lassen, wenn sie eine Präsenz-Arbeit während des Distanzunterrichts plötzlich eineinhalb Noten besser schreibt als bislang in diesem Fach üblich.

    Beim Wiederbeginn des Präsenzunterrichts entscheiden wir uns nach sehr sorgfältiger Abwägung, unsere Tochter bei hohen Inzidenzen vorerst noch im Distanzlernen zu belassen. Es ist uns bewusst, dass dies gerade bzgl. der obigen Zweifel eine für die Schule schwierige Entscheidung ist. Auch haben wir Bedenken, dass das Distanzlernen für nur einzelne zu Hause lernende Schüler noch mühsamer werden wird, was auch so eintritt. Der Grund für unsere Entscheidung ist zum einen die Sorge vor dem akuten Verlauf einer Covid-Erkrankung, denn das Risiko für einen schweren Verlauf ist laut Auswertung der Barmer Krankenkasse bei depressiv Erkrankten höher als für Vorerkrankte mit Lungenerkrankung oder Dialyse. Noch mehr Sorgen macht uns aber, dass die Depression bei unserer Tochter unmittelbar im Anschluss an einen heftigen, langandauernden Virus-Infekt begonnen hatte, wir befürchten, dass sie besonders anfällig für Long Covid sein könnte und dies zu einer weiteren Verschlechterung der Depression führen könnte. Nach mühsamen Jahren mit Depression wollen wir eine weitere Virus-getriggerte Verschlechterung nicht riskieren. Wir teilen der Schule die Gründe mit, kündigen an, dass sie in den Unterricht kommen wird, sobald sie wenigstens einmal geimpft ist (das war noch vor Delta) und hoffen auf Verständnis dafür, dass die Gesundheit vorgeht. Wir bemühen uns auch noch vor der EMA-Zulassung für 12-15-Jährige aktiv um eine Off-Label-Impfung, haben dabei aber leider keinen Erfolg.

    Wirklich schief geht alles dann im Zeitraum ab den Osterferien: Ende März nimmt die behandelnde Psychiaterin eine beginnende Verschlechterung wahr und schlägt mittels eines Attests eine präventive Entlastung im Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten vor. Wörtlich: „[..] Ich möchte Sie bitten, zu prüfen, ob es möglich ist, dass sie die Klassenarbeiten und Tests zwar mitschreibt, aber nicht regulär benotet wird, um ihr so die Angst und den Druck zu nehmen. […]“. Genau die gleiche Maßnahme wurde an der gleichen Schule zwei Jahre früher bereits erfolgreich über mehrere Monate hinweg praktiziert, so dass Psychiaterin und Eltern darauf vertrauen, dass das wieder eine gute Lösung sein kann. (Ja, damals ließen sich mit der damaligen Stufenleitung tatsächlich gute, entlastende Lösungen umsetzen!) Anscheinend ist das aber in der jetzt aktuellen Klassenstufe nicht mehr möglich, d.h. ein Mitschreiben ohne Benotung nicht machbar.

    Nun hätte der Klassenlehrer oder die Stufenleitung dies ja rückmelden können und man hätte gemeinsam überlegen können, welche Art von Entlastung stattdessen hilfreich sein könnte. Die Schule hätte auch mitteilen können, dass gar keine Nebenfach-Arbeiten mehr geplant sind und im Zeitraum bis Pfingsten nur eine einzige Hauptfach-Arbeit und ein Vokabeltest anstehen. Sie hätte auch darauf hinweisen können, dass in Hauptfächern unbedingt zwei Arbeiten im Schuljahr geschrieben werden müssen, damit Noten erteilt werden können. Und dann hätte man festgestellt, dass es am besten wäre, alles ganz normal laufen zu lassen und insbesondere auch eine wegen akuter Krankheit verpasste Hauptfach-Arbeit von vor Ostern noch zeitnah nachschreiben zu lassen, solange nichts anderes ansteht. Damit wären die Anforderungen in diesem Zeitraum auch für unsere Tochter überschaubar gewesen und sie hätte das leisten können.

    Stattdessen gibt es keine Rückmeldung, weder die Information, dass ein unbenotetes Mitschreiben nicht möglich ist, noch einen Hinweis, dass jeweils zwei Hauptfach-Arbeiten dringend nötig sind für die Versetzung. Die Klassenkonferenz kommt schließlich Ende April zusammen und beschließt nicht die beantragte Entlastung, sondern eine Aussetzung der Notengebung bis Pfingsten ohne die Möglichkeit, Arbeiten mitzuschreiben. Wir erhalten die folgende schriftliche Rückmeldung:
    „[…] ‚Die Klassenkonferenz setzt aus gesundheitlichen Gründen für […] vorübergehend die Notengebung bis Pfingsten aus.
    Ist ein uneingeschränkter Unterrichtsbesuch inklusive schriftlicher Leistungsnachweise nach Pfingsten weiterhin nicht möglich, kann es zum Schuljahresende zu einer Aussetzung von Noten kommen.‘
    Wir hoffen sehr, dass es […] bis Pfingsten wieder besser geht, und dass wir durch unsere Unterstützung einen Beitrag zur Besserung ihres Befindens leisten können. Bitte halten Sie uns informiert, sollte sich bis Pfingsten etwas ändern. […]“

    Es wird uns also immer noch nicht(!) mitgeteilt, dass das Mitschreiben von Arbeiten in diesem Zeitraum dann nicht möglich ist. Wie es aussieht, ist sich die Klassenkonferenz anscheinend sogar dessen bewusst, dass diese Lösung die Versetzung gefährden kann, beschließt sie aber trotzdem ohne eine Suche nach Alternativen!!

    Anscheinend wird auch entgegen dem Vorschlag der Psychiaterin beschlossen, dass dann sonstige Leistungen, die abgegeben werden, ebenfalls nicht benotet werden, aber auch das wird nicht mitgeteilt. Für eine größere schriftliche Aufgabe in Ethik in dieser Zeit, die wie eine Klassenarbeit zählen soll, arbeitet die Tochter etliche Stunden, bekommt aber bis Schuljahrsende weder eine Benotung noch eine sonstige Rückmeldung!

    Nachdem nun erstmals die Versetzung möglicherweise in Frage gestellt wird, ergibt sich für die Tochter nicht die erhoffte Entlastung, sondern es entsteht zusätzlicher Druck, die Depression verschlechtert sich. Wir fragen zweimal explizit per Mail an, was denn noch ansteht und welche Leistungen wann dringend erbracht werden müssen, erhalten dazu aber keine Informationen.

    Zwei Wochen vor den Pfingstferien ist dann die einzige Arbeit in diesem ganzen Zeitraum angesetzt, aufgrund von Wechselunterricht zunächst für die halbe Klasse. Unsere Tochter lernt trotz der bereits verschlechterten Depression mehrere Nachmittage für die Arbeit (in kleinen Einheiten, weil nicht viel auf einmal geht). Erst am Nachmittag vor der Arbeit erfahren wir, dass sie nicht mitschreiben darf, und halten das zunächst für ein Missverständnis. Ein Mitschreiben wird aber tatsächlich kategorisch abgelehnt.

    Daraufhin schreiben wir den Klassenlehrer und die Stufenleitung an, erklären, dass der Beschluss so nicht dem Antrag entspricht und dass der Druck für unsere Tochter noch größer wird, wenn diese Arbeit auch noch auf die Zeit nach den Pfingstferien verschoben wird. Auch, dass die Aussetzung der Benotung nun völlig an der Intention vorbeiläuft und wir sie nie beantragt hätten, wenn Informationen dazu vorgelegen hätten, dass nur eine einzige Arbeit in dem ganzen Zeitraum geschrieben wird. Wir bitten darum, ein benotetes(!) Mitschreiben in der darauffolgenden Woche mit der anderen Hälfte der Klasse zu ermöglichen, und erhalten als Antwort: „[…] Wir können nicht die Notenfeststellung aus gesundheitlichen Gründen aussetzen und dann spontan Klassenarbeiten schreiben lassen (und diese optional bewerten). […]“.

    Wirklich beim besten Willen nicht? Wie war das weiter oben mit „Bitte halten Sie uns informiert, sollte sich bis Pfingsten etwas ändern.“? Wie wäre es mit dem Eingeständnis, dass die beschlossene Maßnahme nicht dem Vorschlag der Psychiaterin entspricht, die Schülerin nicht entlastet, sondern zusätzlich belastet? Und sie deshalb nicht zur Anwendung kommt?

    Die Tochter ist danach zutiefst frustriert, mit immenser Anstrengung hat sie versucht, diese Leistung zu erbringen, und darf es dann nicht. Stattdessen wird der Berg für die Zeit nach Pfingsten noch größer.

    Für sie wird der Berg damit zu groß! Lebensgefährlich groß! Aufgrund akuter Suizidalität wird sie kurz vor Ende der Pfingstferien von ihrer Psychiaterin für den Rest des Schuljahres krankgeschrieben.

    Für uns beginnt damit das Bangen, was die Krankschreibung für die Versetzung bedeuten wird. In der Halbjahresinformation hatte die Tochter einen Schnitt von 3,0 und alle Fächer zwischen „gut“ und „ausreichend“, also keinerlei Versetzungsgefahr. Bis Pfingsten hatte sie regulär am Distanzunterricht teilgenommen und durch die Aussetzung der Benotung nur eine Hauptfach-Arbeit und einen Vokabeltest verpasst. Bei einer weiteren wichtigen Hauptfach-Arbeit, die sie vor Ostern wegen akuter Krankheit verpasst hatte, hatten wir – sobald klar war, dass sonst keine Arbeiten geplant waren – ebenfalls darum gebeten, sie doch noch vor Pfingsten nachschreiben zu dürfen. Auch das wurde abgelehnt.

    Die Schule gibt trotz des Attests der Psychiaterin noch eine amtsärztliche Untersuchung in Auftrag, um „eine gute Lösung […] finden zu können“. Der Termin dafür ist ausgerechnet am Tag nach ihrer Zweitimpfung, aber ziemlich kurz vor der Notenkonferenz, so dass wir die Tochter, für die der Termin bereits psychisch eine riesige Herausforderung ist, mit erhöhter Temperatur und Abgeschlagenheit (in Absprache mit der Amtsärztin) mit äußerster Mühe zu diesem Termin bringen, damit er vor der Konferenz wahrgenommen wird. Ihr psychischer Zustand wird dadurch für mehrere Tage noch schlechter. Die Amtsärztin bescheinigt, dass sie grundsätzlich schulfähig ist, aber die Schulfähigkeit aktuell durch eine psychische Störung beeinträchtigt ist. In welcher Form das für die Entscheidung der Notenkonferenz relevant ist, erfahren wir nicht, hoffen aber immer noch auf eine „gute Lösung“. Die Schule ist darüber informiert, dass die Tochter sich an einem beruflichen Gymnasium beworben hat, dort sicher einen Platz hätte, diesen aber nur mit einer regulären Versetzung annehmen kann. Die Amtsärztin empfiehlt der Schulleitung dringend, zusammen mit der behandelnden Ärztin, der schulpsychologischen Beratungsstelle und dem Sozialdienst der Schule die weiteren Möglichkeiten der Beschulung zu besprechen und zu planen. Diese Gespräche finden aber nicht statt.

    Die Notenkonferenz beschließt schließlich, die Versetzung aufgrund der Corona-Verordnung für ein halbes Jahr auszusetzen. Als Grund wird angegeben, dass in manchen Hauptfächern (krankheitsbedingt) keine zwei Arbeiten geschrieben wurden. Soweit wir den Überblick haben, fehlen genau die zwei Arbeiten, bei denen wir explizit darum gebeten hatten, dass unsere Tochter sie vor Pfingsten schreiben darf und bei denen die Schule dies abgelehnt hat! Zwei Arbeiten, auf die sie beide jeweils schon gelernt hatte und die sie ohne Probleme gut genug geschrieben hätte! Das macht es besonders bitter!

    Soweit wir es einschätzen können, war auch die zusätzliche Belastung durch die amtsärztliche Untersuchung anscheinend umsonst? Oder brauchte es die Amtsärztin, um feststellen zu können, ob Arbeiten in Hauptfächern fehlen?

    Eine weitere böse Überraschung erwartet uns, als wir das Zeugnis schließlich in den Händen halten. Es ist eine einzige Hauptfach-Note eingetragen! Alle anderen Noten sind nicht eingetragen, nicht einmal die Fächer sind aufgeführt! In den Nebenfächern hatte unsere Tochter alle Arbeiten im ganzen Schuljahr mitgeschrieben und bis Pfingsten regulär (im Rahmen nicht regulärer Corona-Bedingungen) mitgearbeitet! Bis zum Tag der Notenkonferenz hatte sie im ganzen Schuljahr weniger als 8 Wochen krankheitsbedingt gefehlt. Aber selbst in BK reichen vier abgegebene Bilder nicht für eine Zeugnis-Note? In zwei Hauptfächern hatte sie die notwendigen zwei Leistungsnachweise erbracht und erhält trotzdem auch dort keine Note? Aus welchem Grund wird nicht mitgeteilt. Eine einzige Lehrerin setzt ein Zeichen und vergibt ihre Note! Unsere Tochter ist beim Blick auf das Zeugnis ungläubig entsetzt, dass ihre ganzen Bemühungen in der Zeit von Februar bis Mai überhaupt nicht wertgeschätzt werden. Sie stellt die berechtigte Frage, wofür sie sich dann eigentlich monatelang am Limit angestrengt hat.

    Wer das liest und glaubt, dass das alles so nicht wahr sein kann, den müssen wir enttäuschen. Leider ist es so, leider kann Schule anscheinend so handeln. Die ein oder andere kleine „Nettigkeit“ haben wir bei dieser Beschreibung sogar noch weggelassen. Wir sind auch nicht die Einzigen, die mit den Entscheidungen dieser Schule verzweifeln, längst hat sich die Schulleitung einen entsprechenden Ruf im Einzugsgebiet erworben. Und ja, uns ist bewusst, dass das Kollegium groß ist und etliche Lehrer/innen diesen Kurs nicht mittragen und ihre Schüler gerne besser unterstützen würden.

    Mit unserer Tochter stehen wir nun vor einem Scherbenhaufen. Es geht ihr immer noch so schlecht, dass an einen regulären Start ins neue Schuljahr nicht zu denken ist. Selbst eine minimale Beschulung im Rahmen einer Krankenhausschule ist im Moment noch nicht vorstellbar. Sie hat jegliche Motivation, sich für Schule anzustrengen, verloren. Der Platz am beruflichen Gymnasium ist verfallen. Theoretisch könnte sie an der jetzigen Schule die nächste Klasse besuchen, aber die Versetzung würde nur dann nachträglich erfolgen, wenn sie das nächste Halbjahr regulär bewältigt. Allein dieser Druck ist aber schon wieder kontraproduktiv, wir wären ja schon froh, wenn sie irgendwann überhaupt wieder an normalem Unterricht teilnimmt. Pädagogisch sinnvoll wäre dann ein behutsamer stundenweiser Start mit Lieblingsfächern, aber nicht schon wieder die Fokussierung auf „Leistung“ und „Versetzung“. Es wird also darauf hinauslaufen, dass sie nicht versetzt wird und die Klasse wiederholen muss, obwohl die Leistungen gestimmt haben und sie im Distanzunterricht gut gearbeitet hat. Ein Wechsel in eine neue Klasse ist für sie im derzeitigen Zustand eine riesige Herausforderung, der Verbleib an der bisherigen Schule indiskutabel, bislang haben wir noch nicht einmal eine Lösung, wo wir sie nun am besten anmelden. Wann und ob sie dann schließlich den ursprünglichen Wunsch, ein berufliches Gymnasium zu besuchen, realisieren kann, ist offen. Wichtig ist nun erst einmal, dass sie sich wieder stabilisiert.

    So viel von unserer Seite zum Thema psychisch vorbelastete Schüler und schulische Unterstützung in Corona-Zeiten. Für eventuelle Hinweise, wie wir innerhalb des Schulsystems auf diesen – im wörtlichen Sinne lebensgefährlichen – Umgang mit Schülern aufmerksam machen können, wären wir dankbar.

  9. @Doris
    Da sind in der Schule offensichtlich ein paar Ermessensfehler passiert.
    Ein fachanwaltliche Beratung für Verwaltungsrecht kann da vielleicht Hilfe leisten.

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