„Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler hat nachgelassen, die Unruhe ist größer“

34

HEIDELBERG. Der Distanzunterricht ist erst einmal passé. Bundesweit waren die Schülerinnen und Schüler schon vor den Ferien wieder in ihren Klassen- und Kursräumen. Nach den Sommerferien soll der Unterricht in allen Bundesländern weiterhin in Präsenz stattfinden, zunächst jedenfalls. Was Lehrkräfte und Eltern dabei beachten sollten, erklärt die Jugendpsychotherapeutin Prof. Dr. Helena Dimou-Diringer von der SRH Hochschule Heidelberg.

Dieses zweidimensionale Leben, die Monotonie hat sehr auf die Psyche geschlagen“: Prof. Dr. Helena Dimou-Diringer. Foto: SRH Hochschule Heidelberg

Die Kinder und Jugendlichen waren nicht nur in der Schulzeit massiv von den Einschränkungen betroffen, sondern auch in den Ferien und an den Wochenenden – eine konstante Belastung und Stresserfahrung. Was Isolation und sich ständig ändernde Bedingungen für die junge Generation bedeutet, erfährt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Helena Dimou-Diringer, Leiterin der Heidelberger Akademie für Psychotherapie, nahezu täglich aus Gesprächen mit ihren Patientinnen und Patienten.

Im Interview berichtet sie, welche Probleme die Wiederbeschulung der Schülerinnen und Schüler mit sich bringt und warum sich das Augenmerk der Lehrkräfte und Eltern zum Schuljahresbeginn besonders auf soziale Aspekte richten sollte:

Welche Störungen beobachten Sie seit dem vergangenen Schuljahr vermehrt?

Dimou-Diringer: Nicht nur die Schulzeit, sondern auch die Freizeit bedeutet für die Kinder und Jugendlichen seit Pandemie-Ausbruch eine große Belastung: Schule nur am Computer, keine Sportveranstaltungen, keine Partys, jedes Wochenende im engen Familienkreis, und all dies verstärkt durch eine negative Grundstimmung, die auf allen Ebenen vermittelt wird. Dieses zweidimensionale Leben, die Monotonie hat sehr auf die Psyche geschlagen. In unserer Ambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie haben wir festgestellt, dass die Kinder unter Einsamkeit litten, auch gelangweilt waren, einige waren depressiv, aber vor allem kam es zu mehr Zwangserkrankungen: Bei Essstörungen, Wasch- oder Kontrollzwängen habe ich das Gefühl, die Situation selbst kontrollieren zu können, was in der Pandemie ja vielfach verloren ging. Zudem hatten wir den Eindruck, dass die Kinder und Jugendlichen insgesamt massiver krank sind, die Ausprägungen der Symptome haben zugenommen.

Viele Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass die Beschulung der Kinder nach dieser langen Corona-Zeit ein Problem sei. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in den Schulen kurz vor dem Beginn des neuen Schuljahrs?

„All dies sorgt bei den Schülern auch für psychosomatische Erkrankungen wie Kopf- oder Bauchschmerzen“

Dimou-Diringer: Das ist richtig. Manche Störungsbilder haben sich verstärkt: Die Konzentrationsfähigkeit hat nachgelassen, die Unruhe ist größer. Kinder mit einer ADHS-Erkrankung fallen nun verstärkt im Unterricht auf. Der Leistungsdruck hat wieder zugenommen, auch die Lerndefizite werden jetzt deutlich, setzen zusätzlich unter Druck und sorgen vielfach für ein Auseinanderklaffen innerhalb der Klassenverbände. Die vielen sozialen Kontakte sind noch ungewohnt, sodass zum Teil auch die sozialen Ängste wachsen. Lange Zeit fehlte durch das Homeschooling die dritte Dimension: Wir haben ein Defizit von eineinhalb Jahren sozialer Erfahrung! All dies sorgt auch für psychosomatische Erkrankungen wie Kopf- oder Bauchschmerzen.

Wie schätzen Sie die psychische Situation nach den Ferien ein?

Dimou-Diringer: Die Kinder werden sich rasch wieder an die neue Situation gewöhnen, sie sind anpassungsfähiger als manch ein Erwachsener. Die Schulen haben es jedoch meiner Meinung nach versäumt, nach den langen Lockdown-Monaten das Augenmerk auf die Sozialisation zu legen. Ausflüge, gemeinsame Erlebnisse und Teambuilding, das gemeinsame Arbeiten an sozialen Kompetenzen sind doch jetzt zunächst viel wichtiger als die Leistung! Denn letztendlich leidet auch die Leistung unter den sozialen Problemen. Wir müssen die sozialen Defizite daher zuerst ausgleichen! Ich hoffe, dass diese Dimension zu Beginn des neuen Schuljahres verstärkt mit in den Fokus genommen wird.

Soweit in der Schule. Was können Eltern gegen die depressive Stimmung oder andere psychischen Pandemie-Folgen bei ihren Kindern unternehmen?

Dimou-Diringer: Die Eltern sollten sich nicht auf das Leistungsdefizit ihrer Kinder konzentrieren. Vielmehr können sie ihren Kindern helfen, indem sie sie motivieren, sich nicht wieder nur digital über WhatsApp oder andere digitale Kanäle auszutauschen, sondern sich persönlich zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Auch sportliche Aktivitäten sind wichtig, die man ja auch gemeinsam ausüben kann. In den Ferien sollte die Zeit dafür da sein. Der Shift vom virtuellen in den realen Raum muss aber auch von den Erwachsenen vorgelebt werden. Ihre Vorbildfunktion ist sehr wichtig. Bei langanhaltenden Problemen sollten sich Eltern an eine psychologische Beratungsstelle wenden oder einen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten kontaktieren. News4teachers / Interview: Janna von Greiffenstern

Experten mahnen: psychische Auswirkungen der Corona-Krise ernst nehmen

Anzeige


34 KOMMENTARE

  1. Ich kann als Mutter und Pädagogin diesem Beitrag nur zustimmen. Die Kinder und Jugendlichen waren die letzten in der Reihe und die Verlierer in der Politik. In BW haben die Schulen G8 und während der Pandemie G7 und dies alles bei einem verkürzten Schuljahr. Die heranwchsenden Kinder und Jugendlichen waren sehr lange in Ihrer Persönlichen Entwicklung und Entfaltung ausgebremst. Es konnten über einen langen Zeitraum keine grundlegenden Erfahrung im Klassenverbund und in der Freizeit gesammelt werden. Dies hat viele Kinder und Jugendliche in eine schwere Lebenskrise geführt und alle sozialen Schichten getroffen. Den Kindern und Jugendlichen ist jegliche weiter Entwicklung genommen worden und Der Rahmen auf Wachstum der Persönlichkeit und Entfaltung in einem sozialen Gefüge. Der Schulbesuch ist für die weiterende Schule bei G8 eine große Belastung geworden und eshaben sich in vielen Faächern Lernlücken angesammelt. Dies hat die Situation der außergewöhnlichen Lebensphase verstärkt und und den Reifungsprozess der Entwicklung sehr geschadet. Es waren gleich viele Ebenen wo keine weiter Entwivklung statt gefunden hatte und keine Erfolgserlebnise erfahren werden konnten. Die Notlage der G8 Schüler wird in BW von Frau Schopper und Herr Kretschmann nicht anerkannt und keine angemessene Entwicklungszeit für G8 Schüler zur Verfügung gestellt. Der Streß und Druck ist für eine Schülergeneration sehr gewachsen ohne auf Pespektiven oder tragende Konzepte vorgestellt zu bekommen. Frau Schopper und Herr Kretschmann betreiben Augenwischerei und Blendwerk und setzen keine Lichtblicke um diese Lebenszeit aufzuarbeiten. Das Rückenwindprogramm wird den G8 Schülern nicht gerecht und wird von der Politik als stabile Lösung verkauft. Eine Ehrlichkeit auf eine gesunde Entwicklung der vielen Rückstände wird von Frau Schopper nicht in den Blick genommen. Mahnungen und Appelle haben keinerlei Wirkung auf Frau Schopper und Herr Kretschmann. Die verantwortlichen tragen zur keiner Genessung für den weiteren Lebensabschnitt bei.

    • Es gibt auch Schulen, die nicht nach G8 fahren, z.B. alle Grundschulen und alle weiterführenden Schulen abseits der Gymnasien. Dort sind die sozialen Schwierigkeiten viel extremer als am noch relativ homogenen und ausgeglichenen Gymnasium. Leider erinnern Ihre Kommentare mehr an einer Kritik an G8 als an den Auswirkungen der Pandemie.

  2. „Ausflüge, gemeinsame Erlebnisse und Teambuilding, das gemeinsame Arbeiten an sozialen Kompetenzen sind doch jetzt zunächst viel wichtiger als die Leistung!“ Sorry, aber im Dezember soll ich für meine Viertklässler eine qualifizierte Empfehlung für die nächste Schule aussprechen. Da geht es eben nicht um Ausflugstauglichkeit, sondern um Leistungsstand und Arbeitseinstellung. Außerdem waren meine Zwerge seit Mitte Februar wieder in der Schule, wenn auch lange Zeit im Wechselunterricht, warum soll ich jetzt, ein halbes Jahr später, einen auf Friede-Freude-Eierkuchen machen?

    • Ich sehe es genauso:

      -Was haben die Eltern dieser Kinder gemacht in 6 Wochen Ferien? Da hätte man sich doch verabreden können und Ausflüge planen können. Meiner Meinung nach hat die Schule nicht verschlafen, sondern die Eltern der Kinder, die ja wohl hauptverantwortlich für ihre Kinder sind. Die Schule hatte klare Vorgaben.
      Dass sich jeder, der über das System Schule gar keine Ahnung hat, darüber öffentlich sprechen muss, finden ich unmöglich.

      Diese Dame ist auf ihrem Gebiet sicherlich eine Expertin, aber dann soll sie auch bitte nur Kommentare darüber äußern.

      Oder mal ne Gegenfrage: Wo waren die ganzen Kinder- und Jugendpsychologen während des Lockdowns? Gab es Hausbesuche? Gab es Gruppentherapie, um die besonders Betroffenen nicht hinten runterfallen zu lassen? Man hätte ja mit einer kleinen Gruppe täglich Ausflüge machen können.

      Wäre auf eine Antwort sehr gespannt. Oder hat die komplette Psychologie etwa verschlafen?

    • Unsere GS in SH war 29 Tage im Januar/Februar im Notbetreuungs-Modus(20% der SuS anwesend). Ansonsten Vollpräsenz.
      Wir sind seit einer Woche wieder am Start.
      Am Montag fahren 2 Klassen auf eine 5-tägige Klassenfahrt, unter Coronabedingungen. Also Masken auf den Fluren der Jugendherberge, aber nicht in den 6-Bett-Zimmern oder am Tisch im Speiseraum. Kein Elternteil macht sich Sorgen oder hat das Kind abgemeldet!
      Bisher am Donnerstag ein durch Selbsttest herausgefilterter und PCR bestätigter Coronafall in der Schule. Die beiden Geschwister haben erst am Freitagabend einen PCR-Test bekommen. Da ihr Selbsttest negativ war, kamen sie natürlich bis dahin brav ihrer Präsenzpflicht nach.
      Die zweifach geimpfte Mutter hat sich wegen grippeähnlichen Symptomen auch testen lassen, da sie als Erzieherin arbeitet. Die Ergebnisse stehen noch aus, da das GA am Wochenende nicht arbeitet und sowieso mit dem Kontakttracing -nach eigenen Angaben – zur Zeit überfordert ist.
      Nur das erste Kind befindet sich zur Zeit in Quarantäne, da für den Rest der Familie noch der Status „vollgeimpft“, bzw. „negativ getestet“ gilt.
      Kein Wunder, dass die Inzidenzzahlen bei uns gerade steil nach oben gehen!

      Sollte die Mutter positiv sein, wäre sie jetzt die dritte vollgeimpfte junge (U 50) Person in meiner unmittelbaren Umgebung, die trotz Impfung „positiv mit Symptomen“ ist. Hätten sie keine Symptome entwickelt, hätten sie sich ja auch nicht testen lassen.

      • Das wird normal werden. Wir Geimpfte verbreiten symptomlos jetzt weiter – auch an andere Geimpfte und natürlich Ungeimpfte – also auch unsere Klientel Schüler und KiTa Kinder. Diese tragen es wieder in die Familien.

        Entzerrung der Präsenz an Schulen ist ein Muss.
        Aber eben nicht erwünscht.

        Abstände wurden so gut wie nie eingehalten und die Schüler tragen immer noch oft nur OP Masken.

        • Es wird vergessen, daß die Masken die Situation doch massiv verschlimmern. Aus meinem Umfeld klagen viele über Unwohlsein und Kopfschmerzen. Das kann nicht gut sein. Und das hat massiv Folgen, auch wenn viele hier im Forum das nicht warhaben und hören wollen.
          Im Unterricht sollen überhaupt keine Masken getragen werden. Was für ein Sinn hätte es, wenn Kinder im Unterricht FFP2 Masken tragen sollen? Erstens gibt es die oft nicht in den passenden Grössen und zweitens habe ich im normalen Umfeld noch fast nie eine Person gesehen, die ihre FFP2 Maske richtig trägt. Meistens ist ein Luftspalt im Nasenbereich. Und wenn so eine Maske nicht ganz 100%ig sitzt, dann nützt sie überhaupt nichts.
          Zudem kann eine Maske nur die Zeit verlängern bis zur Ansteckung (Dämpfung). Für alle Treffen über einen längeren Zeitraum mit konstanten Personenkreis kann man das aus physikalischen Gründen vergessen.

          • Anmerkungn:

            @Defence: Wieso sollte ich ein unseriöses Forum verwenden? Ich bin mir bei Ihnen nicht ganz sicher ob bei Ihnen das Kinderwohl im Vordergrund steht. Ihr Beitrag zeigt, daß Sie die Problematik überhaupt nicht verstanden haben.

            @Alex: Wenn „Klugscheisser“ schreibt: „…und die Schüler tragen immer noch oft nur OP Masken.“, dann lese ich hier heraus, daß ihm das nicht ausreicht und er das Tragen von FFP2 Masken oder gleichwertig erwartet. Oder was würden Sie erwarten?

    • Gleiche Frage hier.
      Die Realität ist aber auch immer kompliziert, wie harmonisch klingt die Theorie dagegen.

  3. Das ist ja mal was ganz Neues!

    Wir haben diese Konzentrationsprobleme nicht erst seit Corona oder dem Distanzunterricht.

    Meine Güte! Seit die Kids unbeaufsichtigt und täglich und das auch noch mehrere Stunden! am Rechner kleben, rumsurfen und rumballern, sich kaum noch bewegen – ja, gab es auch vor Corona schon massenhaft – gibt es diese Probleme.

    Digitale Babysitter machen es möglich.

    Es gibt wissenschaftliche Studien dazu – passen aber der Wirtschaft nicht und werden negiert. Die Gehirnforschung – auch Wissenschaft, die der Wirtschaft nichts bringt – hat da schon lange ganz klare Erkenntnisse.

    „Digitale Demenz“ – ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Achtet mal auf das Erscheinungsjahr!

    • Richtig: „Wir haben diese Konzentrationsprobleme nicht erst seit Corona oder dem Distanzunterricht.“
      Konzentrationsprobleme nehmen seit Jahren und Jahrzehnten zu. Besonders ältere Lehrer mit relativ langem Berufsleben können ein Lied davon singen.
      Es trübt nur den Blick und hilft den Politikern, wenn jetzt bekannte Schulprobleme den höheren Mächten von Corona zugeschrieben und die wahren Gründe, die erforscht werden müssten, verschleiert werden.

      • @maxi,
        Nach über 40 Dienstjahren kann ich nur zustimmen!
        Altes schon lange von der Lehrerschaft erkanntes und bemängeltes Problem wird hier verfälscht und falsch zugeordnet wiedergegeben!
        Mit dem Zugang zum Computer zu Hause oder dem durch das Konfirmationsgeld finanzierten eigenen Computer, fing es vor Jahrzehnten an!

        • Die Frau sagte, dass die vorhandenen Konzentrationsprobleme, die bereits seit mehreren Jahren zu beobachten waren, nun verstärkt wurden und nicht, dass sie durch die Corona-Maßnahmen hervorgerufen wurden!!!!

  4. Frau Dimou-Diringer bekommt ihre Informationen durch Patient/innen ihrer Klinik. Uns alle, auch die Erwachsenen, bedrückt die Corona-Situation, aber nicht jeder bekommt deswegen massive psychische Probleme. Das wäre so, als ob man die körperliche Gesundheit von Kindern in Deutschland an Krankenhauseinweisungen misst.
    Kranke Kinder müssen von Ärzten (psychisch oder physisch) behandelt werden. Wir sind Lehrer/innen und dafür nicht ausgebildet.
    Völlig richtig wird oben auch der Faktor „Freizeit“ erwähnt. Warum soll in der Schule schon wieder aufgeholt werden, was in der Freizeit fehlte.
    Es ist tatsächlich möglich, Stoff zu vermitteln und gleichzeitig in der Schule ein erfreuliches Miteinander zu haben. Es wird immer so getan, als ob das eine das andere ausschliesst.
    Und zu guter Letzt: Meine Klasse hatte im letzten Schuljahr eine Woche Distanzunterricht wegen Corona und eine witterungsbedingt. Witterungsbedingt hätten die Kids früher einfach frei und Spass im Schnee gehabt, jetzt gab es DU und bei einigen in der Freizeit Spass im Schnee. Das kann keine massiven sozialen Probleme verursacht haben.
    Jugendliche, die in der Freizeit überwiegend per Whats App kommuniziert haben, gab es schon vor Corona.

  5. Prima Text, aber ich möchte auch mal einen Blick auf die Lehrer werfen. Demnächst beginnt das Schuljahr für mich wieder und ich bin alles andere als erholt. Auch ich bin/war massiv unkonzentriert. Selbst die zweieinhalb Urlaubswochen mit meiner Familie haben die Batterien kaum laden lassen. Ich kam nach Hause und hatte 62 berufliche E-Mails auf dem Rechner. In diesem Schuljahr habe ich mir mal erlaubt, meine Arbeitszeit aufzuschreiben (beginnend am 1.8.2020). Ab dem 27.4. war ich mit meinen Stunden fürs gesamte Schuljahr durch und ich bin wirklich nicht lahm. Es war eine so irre Mehrarbeit in diesem Schuljahr (Fächer D und F). Besonders der von vielen hoch gepriesene Wechselunterricht hat mich komplett in die Knie gezwungen. Bitte künftig nur Fern- oder besser Präsenzunterricht…

  6. „Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler hat nachgelassen, die Unruhe ist größer“

    Kann ich nicht bestätigen.

    Was sollte auch der Grund dafür sein? Und wie ist das messbar? Es handelt sich wohl um rein subjektive Eindrücke. Vielleicht kommen sie auch zustande, weil man selbst wochen- oder monatelang den Lärm im Klassenraum nicht mehr ertragen musste?

    • Ich auch nicht, fabianBLN, und die Interviewpartnerin ist doch gar keine Lehrerin! Sie kennt das alles nur vom Hörensagen von ihren Patienten.

      Das erinnert mich an Sigmund Freud, dem man später vorwarf, seine Theorien nur anhand von Erkrankten (Patienten also) erdacht zu haben.

  7. Ich kann das für die allermeisten Kinder meiner vierten Klasse auch nicht bestätigen. Im Gegenteil: Noch nie habe ich Schulunterricht in einer so konzentrierten, engagierten, fröhlichen und ausgeglichenen Atmosphäre erlebt wie in der Phase des Wechselunterrichts. Die Kinder haben sich so gefreut, dass sie wieder in die Schule konnten.
    Dann kam die Phase, in der die ganze Klasse wieder in die Schule kam, und ich war gespannt, ob die gute Stimmung und die Arbeitsbereitschaft anhalten würden. Taten sie. Die Kinder haben Schule echt „genossen“. Das, was jetzt gefordert wird, mit viel „Sozialaktion“ einzusteigen, das haben wir doch alle in den Präsenzwochen schon gemacht. M. E. kann es diesbezüglich normal losgehen.
    Einschränkung: Die Erstklässler*innen hatten einen schweren Start im letzten Schuljahr. Sie hatten einfach zu wenig Gelegenheit, eine Klassengemeinschaft zu werden.

    • Für den Wechselunterricht kann ich das bestätigen. Als allerdings alle wieder in Vollpräsenz kamen, war es fürchterlich. Die meisten waren komplett überfordert, auf einmal wieder mit 28 anderen eng an eng im Klassenraum sitzen zu müssen.

    • Na ja, ob die Klasse sich jetzt in der Schule oder in der Jugendherberge durchinfiziert, spielt dann auch keine große Rolle mehr….

    • Meine Parallelkollegin fährt auf Klassenfahrt, ich nicht. Je nachdem, wie das ausgeht, wird es spannende Elterndiskussionen in die eine oder andere Richtung geben.

  8. „Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler hat nachgelassen, die Unruhe ist größer“

    Das kann ich nur teilweise für meine 3. Klasse bestätigen. Irgendwann waren wir nach den Osterferien im Wechselunterricht. Da sind die Schüler durch ungewöhnliche Passivität aufgefallen. Die Unruhe war eher geringer als normal, denn was sollen sie auch machen außer aufpassen? Außerdem war nur die Hälfte der Klasse da. Allerdings hatten einige Konzentrationsprobleme – jetzt waren wieder andere Kompetenzen gefordert wie zuhause.
    Als nach den Pfingstferien die gesamte Klasse zusammen war, war es erst ruhiger als sonst, in den letzten Wochen hat sich das normalisiert und es traten die Verhaltensweisen auf, die man normalerweise am Schuljahrsbeginn nach einer gewissen Eingewöhnungszeit beobachtet.

    „Die vielen sozialen Kontakte sind noch ungewohnt, sodass zum Teil auch die sozialen Ängste wachsen. Lange Zeit fehlte durch das Homeschooling die dritte Dimension: Wir haben ein Defizit von eineinhalb Jahren sozialer Erfahrung!“

    Das habe ich am deutlichsten gemerkt. Meine Schüler waren in den sozialen Kompetenzen deutlich zurückgeworfen! Das ist auch dem geschuldet, dass man wegen der Hygieneregelen kaum kooperativen Methoden anwenden darf, wo Schüler lernen in Zugfallteams zusammen zu arbeiten. Das fehlt! Ich sehe auch, dass in der Klasse verstärkt nur der Kontakt zu Freunden, die man so oder so zuhause hat, gesucht wird. Das ist anders als sonst. Bisher haben die Schüler nicht gelernt, dass man mit allen in der Klasse zusammenarbeit und auskommen muss. Andererseits reagieren manche ungewohnt sensibel auf soziale Missstimmungen. Sie sind es kaum gewohnt, sich gewinnbringend damit auseinanderzusetzen.

    • @ysnp:
      Danke für diesen tollen Kommentar! Das sind auch meine Beobachtungen (allerdings nur aus der Ferne, da ich keine Lehrkraft bin). Schule ist eben – gerade für Grundschüler – nicht nur reine Wissensvermittlung. Diese von Ihnen angesprochenen sozialen Kernkompetenzen lernt man eben nicht im Sportverein, bei privaten Treffen mit (selbst ausgesuchten) Freunden usw. Und neben Lesen, Rechnen, Schreiben lernen hat die soziale Entwicklung der Grundschüler mMn den selben Stellenwert. Wo – wenn nicht in der Schule – lernen die Kinder denn sonst mit anderen Kindern, die sie nicht zu ihren Freunden zählen und mit denen sie vielleicht eben nicht gut auskommen, gemeinsam eine sinnvolle Arbeit abzuliefern.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass Lernrückstände besser aufgearbeitet werden können, als diese mangelhaften sozialen Kompetenzen… 1 1/2 Jahre im Leben von 6, 7, 8 – jährigen ist eine lange Zeit und für die soziale Entwicklung essentiell! Mein Großer kommt dieses Jahr in die 3. Klasse – er kennt Schule nur als Wissensvermittlung. Soziale Kontakte hat er sich bis jetzt nur aussuchen können (Freunde, Sportverein usw.). Virtuelle Gruppenarbeiten mit zufällig ausgelösten Klassenkameraden sind gut gemeint… ja… aber nicht das Gleiche, wie im echten Leben und IN der Schule, wo die Kinder „nicht aus“ kommen, wenn sie nicht mögen.
      So etwas geht an Kindern nicht spurlos vorbei. Lernrückstände kann man – wenn man sich dahinter klemmt und die passenden Hilfestellungen hat – aufholen.
      Eine Alternative, wie man dieses Dilemma hätte verhindern können, wüsste ich allerdings auch nicht. Wir haben nun mal eine Pandemie und die Schulen sind nicht sicher ausgestattet. Vor allem fehlen Räumlichkeiten und Lehrkräfte, um Klassen zu verkleinern.

  9. Hrmpf – mehr als ein Zehntel aller Kinder könnte auch Corona gehabt haben. Eine mögliche Folge sind psychische Erkrankungen – etwa Psychosen, hier aktuelle Ergebnisse aus Schweden: https://www.svt.se/nyheter/lokalt/uppsala/okad-risk-for-psykos-efter-covidinfektion
    Bei Kindern werden im unmittelbaren Zusammenhang mit der Infektion auch neu auftretende Zwangsstörungen beobachtet … und psychisch Kranke erkranken dazu noch häufiger und schwerer an Corona. Schlafstörungen sind eine weitere häufig beobachtete Long Covid Folge … mit entsprechenden Auswirkungen natürlich, gerade auf die Konzentrationsfähigkeit. Wieso wird das in Deutschland so vollständig ausgeblendet?
    Kollektive Verdrängung?

  10. 1,5m Abstand in den Pausen und bei Gruppenaktivitäten etc. ist auch nicht unbedingt soooo optimal für das „normale“ gemeinsame Spiel und soziale Miteinander ….

    Dafür eignet sich der Sportverein oder andere private Freizeitaktionen, in denen das nicht mehr verlangt wird, irgendwie eher…?!

    Keine Ahnung, wie immer davon ausgegangen werden kann, dass Schule/Unterricht regulär nur sitzend am Einzeltisch im Klassenraum stattfindet… Unter anderem deshalb ist auch Unterricht in Vollpräsenz unter den aktuellen Bedingungen und ohne weiteren Schutz fern jeder Normaiität!

    Aber ich begreife eh Vieles schon lange nicht mehr.

    • Du muss ja auch nichts „begreifen“, dank deines akademischen Abschlusses solttest du über entsprechendes Abstraktionsvermögen verfügen. Das mach frei von der harten Realität – vor allem wenn genügend Lösungsmittel zur Verfügung stehen. Und alkohol ist ein Lösungsmittel:)

      Man kann sich die KMK auch schön saufen.

      • Alkohol ist zwar ein Lösungsmittel, aber nicht immer eine Lösung. So viel kann man gar nicht saufen, dass die KMK schön wird.

        • Ey boah ey, Du Spielverderberin:)
          Ich dachte bis jetzt KMK könne „Komasaufen mit Kamillentee“ bedeuten. Aber vermutlich rauchen die den Kamillentee oder sonst was.

  11. Komisch. Meiner hat weder ein Lerndefizit noch irgendwelche psychische Störungen. Natürlich fehlt das gemeinsame im Klassenverbund, aber das wird hier Nachmittags im Privatbereich mehr als ausreichend ausgeglichen.
    Oder was hat sich die Regierung dabei gedacht, das sich die Kinder nicht privat treffen? *lach*

    Aber klar, das mag anderswo anders sein. Wir wohnen hier auf dem Land in einem 500 Seelen-Dorf. Die Schule ist in einem ca. 1000 Seelen-Dorf ca. 1km weiter. Hier läuft das alles ein wenig anders und entspannter. Ohne Symptome interessiert es hier kein Mensch was ein Testergebnis sagt.
    Das dies im städtischen Bereich anders ist, ist mir klar. Aber das hier berichtete trifft bei weitem nicht auf alle zu. Vielleicht auf die Mehrheit in Ballungsgebieten, hier jedoch eher die Ausnahme.

    • Ich wünsche natürlich daß Sie mit Ihrer Aussage recht haben aber vorstellen kann ich mir das wirklich nicht. Selbst wenn Sie das als Eltern irgendwie ausgleichen können kann es trotzdem sein, daß sich Defizite erst Jahre später bemerkbar machen und wenn es im sozialen Bereich ist. Und dann weiss man nicht mehr warum.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here