Weil lässt „Schuljahr im Regelbetrieb“ ankündigen – unabhängig von Inzidenzen

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HANNOVER. Das neue Schuljahr in Niedersachsen soll wieder vollständig im  Präsenzunterricht stattfinden – unabhängig von Inzidenzwerten. Damit die Schulen trotzdem sicher sind, kündigt die Landesregierung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) strengere Regeln für Schülerinnen und Schüler an. Und sie wirbt fürs Impfen. Von den angekündigten mobilen Luftfiltern ist hingegen noch nichts zu sehen. „Vulnerable“ Kinder unter 12 sollen dem Unterricht fernbleiben dürfen.

«Maximale Präsenz bei maximaler Sicherheit»: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil an seinem Schreibtisch. Foto: Niedersächsische Staatskanzlei/Holger Hollemann

«Alle Kinder und Jugendlichen gehen zur Kita und in die Schule: Das Schuljahr 2021/2022 nach den Sommerferien wird im Regelbetrieb („Szenario A“) laufen, ebenso werden die Kindertageseinrichtungen weiterhin im Regelbetrieb nach Rahmenhygieneplan Corona („Kita-Szenario A“) geöffnet bleiben.» Dies hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover mitgeteilt. Für den Philologenverband ist die damit verbundene Abkehr von Indizidenzwerten „nicht weniger als ein radikaler Systemwechsel, dessen Auswirkungen auf die Schule noch nicht klar absehbar sind. Wir halten den Weg dennoch für grundsätzlich richtig.“

Neues Schuljahr, neuer Slogan: «Es gilt das Prinzip: Maximale Präsenz bei maximaler Sicherheit»

Begleitet werde die Öffnung von Kita und Schule aber mit einem Netz an Sicherheitsmaßnahmen. «Es gilt das Prinzip: Maximale Präsenz bei maximaler Sicherheit», sagte Tonne. Von einer flächendeckenden Ausstattung der Kitas und Schulen mit Luftfiltern kann allerdings in Niedersachsen nach wie vor keine Rede sein. Zwar hat die Landesregierung ein 20-Millionen-Euro-Programm angekündigt, um Klassenräume der Jahrgänge 1 bis 6 „zum Beispiel“ mit mobilen Geräten auszustatten. An vielen Schulen sei davon zum Schuljahresbeginn aber noch nichts zu sehen, moniert der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR.

Zum Schulstart müssen sich Schülerinnen und Schüler in ganz Niedersachsen stattdessen auf eine Maskenpflicht im Unterricht einstellen. Während der Pausen im Freien, in den Mensen beim Essen und Trinken sowie beim Sportunterricht könnten die Masken aber abgelegt werden. Schülerinnen und Schüler über 14 Jahre müssen eine medizinische Maske tragen, bei Jüngeren sei auch eine Stoffmaske erlaubt.

In den Schulalltag seien «Maskenpausen» zu integrieren, so Tonne. Je jünger die Kinder, desto mehr Pausen seien notwendig. Neben den Tests und der Maskenpflicht sind zudem Lüftungs- und Hygienekonzepte vorgesehen. Zudem ist in der Woche vom 30. August bis zum 6. September eine Sonderimpfwoche für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geplant, auch einige Schulen machen mit. Schülerinnen und Schüler, die einen Impftermin haben, sollen dafür vom Unterricht befreit werden. Daneben müssen sie sich an den ersten sieben Schultagen nach Schulstart täglich auf das Coronavirus testen.

«Es ist richtig, neben Geimpften und Genesenen auch Getesteten den Zugang zu den Schulen zu gewähren»

Einen Notausstieg hält das Kultusministerium für Eltern parat: eine Befreiung von der Präsenzpflicht. Die sei vor allem für „vulnerable“ Schüler unter 12 bei Vorlage eines Attestes möglich – oder für ältere, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten.

Der niedersächsische Philologenverband begrüßte «alle Anstrengungen, um mit Augenmaß und Vorsicht den Unterricht aufzunehmen, etwa mit Maskenpflicht und verstärkten und regelmäßigen Testungen». Die GEW Niedersachsen wies darauf hin, dass das Recht auf Bildung nicht vom Impfstatus abhängen dürfe. «Daher ist es richtig, neben Geimpften und Genesenen auch Getesteten den Zugang zu den Schulen zu gewähren», sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth. News4teachers / mit Material der dpa

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16 KOMMENTARE

  1. Wo ist der Haken?
    Welche Verfügungen gibt es, die nicht durch die Medien gehen? Stichwort Abschlussklassen gehen ins Szenario B ( Offiziel), wandern aber bei genügend Platz ins Szenario A (Inoffizie). Verfügung zum Januar 2021.
    Also wo ist der Haken?

    • Neben der nun generellen Maskenpflicht und 7Schultagen häuslicher Schnelltests vorab wurde auch ein anderes Stufenmodell eingesetzt.
      Dabei zählen die regionalen Inzidenzen, aber auch die landesweiten Hospitalisierungen und die Quote derjenigen auf den Intensivstationen, für die es jeweils Grenzwerte gibt.
      Es müssen 2 Werte überschritten sein.

      Der Haken: Steigt die Inzidenz unter den SchülerInnen, wird nichts passieren.
      Wie dann ggf. Quarantänen verhängt werden, wird von den Gesundheitsämtern abhängen.
      Somit kann man sagen, dass die Schulen geöffnet belieben, man muss aber damit rechnen, dass es zu Infektionen unter den Kindern kommen kann und darüber dann Kinder zu Hause bleiben müssen.
      Das ist dann jeweils nur eine lokale Reaktion.

  2. „Einen Notausstieg hält das Kultusministerium für Eltern parat: eine Befreiung von der Präsenzpflicht. Die sei vor allem für „vulnerable“ Schüler unter 12 bei Vorlage eines Attestes möglich.“

    Damit werden meine Erstklässler mit schweren und komplexen Behinderungen endgültig aus der Schule gedrängt. Genau diejenigen, die man mit Distanzunterricht kaum bis gar nicht erreichen und fördern kann.
    Diejenigen, die auch weder eine Maske tragen können, noch Abstand halten im Unterricht und den Pausen… Es gibt keine 100% Sicherheit, das ist klar.
    Aber davon ausgehend, dass jede Maßnahme ein bisschen hilft, würde ich mir in Schulen/Klassen, in denen 50% und mehr Kinder eine Maskenbefreiung haben und gleichzeitig auf nahen Kontakt angewiesen sind bzw. Abstände nicht einhalten können, die sofortige Bereitstellung von mobilen Luftfiltergeräten als Selbstverständlichkeit für einen (in diesem Fall) Minimalschutz für die Kinder wünschen.

  3. Immerhin soll es jetzt eine Maskenpflicht im Unterricht auch für jüngere Schüler geben, was bisher nur Anfang des Jahres für ein paar Tage vorgeschrieben war.

    Auch wird die weitgehend unsinnige Maskenpflicht im Freien abgeschafft.

    Nur Sportunterricht ohne Maske bleibt ein Risiko.

    20 Millionen für Luftfiltergeräte sind natürlich völlig unzureichend.
    Hier hat Niedersachsen seit über einem Jahr geschlafen.

    Auch der Luftaustausch beim Lüften sollte technisch mit Ventilatoren unterstützt werden, wie in dem Artikel auf heise.de beschrieben.
    Mit Wärmetauscher wäre allerdings ökologisch sinnvoller.

    https://www.heise.de/hintergrund/Corona-in-Schulen-Luftfilter-Lueften-oder-Maske-6147096.html

  4. Warum in dieser Situation nur noch vulnerable Schüler eine Präsenzpflichtbefreiung erhalten können ist mir völlig unverständlich. So bleiben vulnerable Eltern oder Geschwister völlig ungeschützt (Stoffmasken und dann noch zahlreiche Maskenpausen im Grundschulbereich können keinen ausreichenden Schutz bieten und ob alle Heimtests korrekt ausgeführt werden ist mehr als Glücksache). Schlechte Entscheidung die völlig unnötig sehr viel Druck, Angst und Leid für Kinder und Familien mit sich bringt

  5. Es ist erschütternd.
    Dass wir Kindern und Jugendlichen zumuten, seit 1,5 Jahren mit Maske (Sinnhaftigkeit ist nicht in Frage gestellt!) und im Herbst/Winter mit Winterjacke und Wolldecke im Unterricht zu sitzen, ist eine Schande.
    Während sogar die Buchhandlung bei mir um die Ecke einen Luftfilter hat, meine Frisörin und auch der Käseladen, werden meine Schüler/innen erneut in eiskalten Klassenräumen (ab November) 6-8 Stunden Unterricht haben. Ohne Filter.
    Wenn Sie nicht in Quarantäne sind. Mal wieder.
    Ist das die Wertschätzung für Kinder und Jugendliche, von der Weil und Tonne immer wieder sprechen? Ich habe Kinder und Jugendliche erlebt, die klaglos mit dicker Jacke, Wolldecke und Mütze ihre Klassenarbeit geschrieben haben und 8 Stunden Unterricht täglich (Oberstufe) mitgemacht haben, noch immer engagiert, motiviert. Die sich auch bei 30 Grad im Klassenraum nicht über das Maskentragen beschwert haben, obwohl wir alle das Gefühl hatten, wir kollabieren gleich. Ich war sehr stolz auf meine Schüler/innen. Und hatte großen Respekt. Und jetzt sage ich ihnen, dass das so weitergeht. Ich empfinde das als absolute Respektlosigkeit gegenüber meinen Schüler/innen.
    Wäre da nicht Ehrlichkeit das Mindeste?
    Wir investieren in alles, aber eben ungern in Bildung. Der Finanzhaushalt Niedersachsen gibt es nicht her, dass wir euch Filter kaufen.
    Wir kaufen für die Büros im Landtag Luftfilter, aber eben nicht für euch.
    Wir haben zu wenig Impfungen, das ist ungünstig für den Winter. Dann „durchseuchen“ (schreckliches Wort!) wir jetzt eben die Schulen und Kitas. Die Jungen werden ja selten krank. Wird schon gut gehen.
    Toi, toi, toi.

    • Sabine,dem ist nichts hinzuzufügen.Und die Eltern schlucken das alles und nichts tut sich.Ichhab meinen Jungen ein Halbjahr zuhause unterrichtet.Umsonst.Jetzt wird er gezwungen.Das ist alles unglaublich.

  6. Ich bin sehr gespannt auf den Hospitalisierungwert (der ja noch fehlt!).
    Wie will man den messen? Wie wird der ermittelt? Krankenhauseinweisung landesweit? In der Region? In der Stadt?
    Und wenn ich auf dem Land unterrichte, welche Krankenhauseinweisungen sollen da maßgeblich sein? Die von dem Krankenhaus, das 30 km entfernt ist?
    Und wenn da 19 Fälle am Tag sind und im Ort nebenan nur 2?
    Und wenn Jugendliche eine Inzidenz von 1000 haben, aber eine geringe Hospitalisierung- dann ist das o.k.???
    Und wir pfeifen dann einfach auf alle möglichen Langzeitfolgen? Fragen über Fragen…

  7. Eh Ich kann nicht mehr, was in Hannover abgeht.
    https://www.haz.de/Nachrichten/Meinung/Kommentar-zu-Luftfiltern-an-Hannovers-Schulen
    Hannover
    Es ist zum Verzweifeln: Um Fördergeld für Luftfilter in Klassenzimmern zu bekommen, baut die Stadt Hannover die Fenster in diesen Räumen um. Und zwar nicht, indem sie das Lüften erleichtert und die Schülerinnen und Schüler damit besser vor dem Coronavirus schützt. Nein, es geht darum, eine zuvor erreichte Verbesserung rückgängig zu machen und dafür zu sorgen, dass die Klassenräume schlechter gelüftet werden können als vorher. Nur so lässt sich Fördergeld für die Luftfilter kassieren. Da kann Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hundertmal betonen, dass das Filtern nur eine Ergänzung und kein Ersatz für das Lüften sein kann.
    Nicht zum Lachen
    Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Ja, es muss Regeln geben. Und nein, man wird auf die Schnelle nicht alle Klassenzimmer im Land mit Filtern ausstatten können. Trotz allem muss man sich fragen: Ist es nur Kleinkariertheit, mit der Land und Stadt das Thema Luftfilter angehen, oder kann man schon von Lustlosigkeit sprechen?

    Von Felix Harbart
    Ein Kommentar der hinter einer Pay Wall verschwinden wird.

  8. Jo spitze.Vorher ging Präsenzpflicht nicht wg Testpflicht.Uny jetzt geht alles?Ich hab mein Kind ganz umsonst zuhause behalten,weil er jetzt in die Durchseuchung gezwungen werden kann?Das ist doch schon kriminell alles….

    • Liebe Maren , du sprichst mir direkt aus dem Herzen!!! Wir müssten wirklich vor die Landtage ziehen , um die Luftfilter anzufordern!!! Ich bin wütend , enttäuscht und sprachlos darüber, dass unsere Kinder dem Staat nichts absolut nichts wert sind!!!
      Was für eine Erbärmlichkeit!
      Ganz liebe Grüße, Irina aus Rheinland-Pfalz

    • Du sprichst mir aus dem Herzen , liebe Maren! Warum lassen wir Eltern uns das gefallen? Warum ziehen wir nicht vor unsere Landesministerien?
      Der dritte Coronawinter , und unsere armen Kinder sollen wieder frieren ! Wie unmenschlich !!!

  9. Jeden tag sterben Menschen Und das 20 Jahre alt es ist gefar für kinder und uns auch in schulle mus das kind gehen und macht corona test und wenn jemand corona hatt im schulle mus dein kind mit corona zuhause kommen und du hast den salat zuhause warum macht nicht jeder zuhause corona test morgens und kommt gesund im die schulle und nicht auch andere mit corona ansteken und das geht weiter jeder pringt kinder zu schulle machen nix mein nachbarin ist tot die ist 20 Jare alt Hatt corona bekommen die ist tottt

    • Ja. Erst in vollen Bussen hin zur Schule und dann den Test macht. Zudem haben diese Tests nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft. Ersten werden viele Fälle nicht erkannt, zweitens ist es nur eine Momentaufnahme. Drei Stunden später kann es schon ganz anders aussehen.

      • „Der Großteil der Infizierten überträgt Corona schon dann, wenn sie selbst noch nichts von ihrer Infektion spüren. Die Delta-Mutation verstärkt diesen Effekt einer neuen Studie nach – und liefert damit eine mögliche Begründung, warum sie sich so schnell durchgesetzt hat.
        Ob sich jemand bei einem Corona-Patienten ansteckt, hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt er Kontakt mit dem Infizierten hatte. Das bestätigten jetzt Wissenschaftler aus China im Rahmen einer großen Studie […]“
        https://www.focus.de/gesundheit/news/virenschleuder-verdacht-bestaetigt-meiste-delta-infektionen-passieren-vor-symptombeginn_id_20890650.html

        Kontakt zu welchem Zeitpunkt? Na, in der Schule jeden Tag, 6-8 Stunden! Da kann man einer Infektion, selbst wenn zweimal in der Woche getestet wird, kaum entgehen, wenn ein Infizierter in der Klasse sitzt. Und dann noch die Durchmischung in den Fremdsprachen, Ethik/Religion, Wahlpflichtfach usw. Da ist ein Herausfiltern gefährdeter Kontaktpersonen überhaupt nicht mehr möglich. Das Infektionsgeschehen wird komplett aus dem Ruder laufen. Die Tendenz ist eindeutig, man steuert in keiner Weise dagegen, und die Impfungen werden das Ganze nicht aufhalten. Es ist zum Verzweifeln.

  10. Keiner weiß, welche Beeinträchtigungen/Schäden die Kinder physisch und psychisch nach dieser Zeit aufweisen. Es gibt keine Studien die dazu empirische beziehe liefern! Daher müssen zuerst alle anderen Mittel ausgeschöpft werden, die Hygiene Standards an Schulen in den Klassenräumen einzuhalten!!

    Sollte es an finanziellen Mitteln für z.b. Luftreinigungsgeräten als Alternative zur Maskenpflicht am Platz liegen, weshalb diese nicht in Erwägung gezogen werden, so bin ich mir sicher, dass viele Eltern, Unternehmen und andere besorgte Mitbürger bereit sind, in die Zukunft unserer Kinder zu investieren bevor wir sie mit solchen harten Maßnahmen quälen, wenn es doch mildere Mittel gibt, die den gleichen Erfolg erzielen können.

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