Zu teuer: Erster Kultusminister will Corona-Tests an Schulen komplett streichen

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ERFURT. Rund 42 Millionen Euro hat der Freistaat Thüringen bisher in Corona-Tests an Schulen gesteckt. Damit soll nach dem Willen von Bildungsminister Holter bald Schluss sein. Nur noch Kinder mit Symptomen sollen getestet und zum Arzt geschickt werden. Der Linken-Politiker erntet viel Kritik für seinen Vorstoß – auch von seinem Koalitionspartner SPD.

„Geld spielt immer eine Rolle“: Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Foto: Jacob Schröter / Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

Bereits die Abschaffung der Testpflicht in Schulen hatte für Kritik gesorgt, nun will Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) Corona-Tests bei niedrigen Inzidenzen ganz aus den Schulen verbannen. «Kinder und Jugendliche sind nicht diejenigen, die besonders gefährdet sind, sie gehören nicht zu den vulnerablen Gruppen. Deswegen sollten wir uns nach meiner Auffassung auf die konzentrieren, die Symptome zeigen», sagte Holter im Gespräch. Er sei dafür, das Testangebot an Thüringer Schulen noch zwei Wochen nach den Sommerferien aufrecht zu erhalten. Danach sollten aber nur noch jene getestet werden, die Symptome zeigen.

«Das sollte nach meiner Auffassung dann aber nicht mehr die Schule machen»

«Das sollte nach meiner Auffassung dann aber nicht mehr die Schule machen, sondern das muss vom Gesundheitsamt dann angewiesen werden», sagte Holter. Dabei seien dann die Kinder- und die Hausärzte gefragt. Nach einem positiven Schnelltest müsse ohnehin ein PCR-Test gemacht werden, der auch bisher nicht in der Schule möglich war.

Bis Ende Juni hatte es in Thüringen noch eine Testpflicht gegeben. Schüler, die sich nicht regelmäßig testen wollten, durften die Schule nicht betreten und mussten zu Hause lernen. Holter schaffte gegen anhaltende Widerstände auch aus den Reihen von Rot-Rot-Grün diese Testpflicht ab.

Vor allem die Fraktionen von SPD und Grünen hatten das Vorgehen kritisiert. Der Bildungsminister argumentierte, es sei entscheidend, dass nun alle Schüler in die Schulen zurückkehrten und Präsenzunterricht bekämen. Ursprünglich sollte aber ein freiwilliges Testangebot an den Schulen bestehen bleiben, nun soll das nach dem Willen von Holter nur noch für die ersten zwei Wochen im kommenden Schuljahr der Fall sein.

«Deswegen ist es auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit, in welchem Umfang getestet wird»

In diese Überlegung seien auch die Kosten mit einbezogen worden. «Geld spielt immer eine Rolle», sagte Holter. Man habe in Thüringen von Mai bis zum Beginn der Sommerferien rund 42 Millionen Euro für Tests ausgegeben. «Würden wir das Testsystem jetzt weiter so fortführen, dann schätze ich, dass wir nahe an 100 Millionen Euro dieses Jahr insgesamt kommen würden», sagte Holter. Für das Jahr 2022 müsse man dann noch einmal von 100 Millionen Euro Kosten ausgehen. «Deswegen ist es auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit, in welchem Umfang getestet wird und wie viel Geld der Freistaat insgesamt dafür ansetzen will.»

Holter geht für den Herbst von drei möglichen Szenarien aus: Bleibt die Inzidenz niedrig, soll das Testangebot direkt in den Schulen wegfallen. «Ich möchte auch die Verantwortung von den Lehrern nehmen», sagte Holter. In einem zweiten Szenario sei denkbar, dass es an einzelnen Schulen zu Infektionsausbrüchen komme. In diesem Fall müsse das jeweilige Gesundheitsamt entscheiden, was zu tun ist und wer in Quarantäne gehen muss. Dabei könnten Tests auch eine Rolle spielen.

In einem dritten Szenario könnte es hohe Inzidenzen in einem Landkreis oder in ganz Thüringen geben. Auch dann sollten Schulen geöffnet bleiben, sagte Holter. «Dann müssen wir natürlich Infektionsschutzmaßnahmen einleiten: Dazu können feste Gruppen gehören, dazu kann auch Wechselunterricht gehören und das Maskentragen im Unterricht. Dazu kann auch ein Testsystem gehören», sagte Holter.

Der Bildungsminister erntete für seinen Vorstoß Kritik von vielen Seiten.

  • «Dass die Kostenfrage zuerst im Bereich der Kinder und Jugendlichen gestellt wird, ist unbegreiflich», äußerte der Landesgeschäftsführer des Paritätischen, Stefan Werner.
  • Der Thüringer Lehrerverband (tlv) wolle wie der Minister offene Schulen und Präsenzunterricht – «aber unter bestmöglicher Sicherheit», erklärte der tlv-Vorsitzende Rolf Busch. Eine Abkehr vom Testen an den Schulen sei der falsche Weg. Testen nur bei Symptomen berge die Gefahr, dass die Infektionszahlen sehr schnell stiegen.
  • «Wir Sozialdemokraten tragen das von Minister Holter im Alleingang angekündigte Ende der Corona-Tests an Schulen und Kitas nicht mit», erklärte der Bildungspolitiker der SPD-Fraktion, Thomas Hartung. Es sei widersinnig, ein in den Bildungseinrichtungen etabliertes und akzeptiertes Testsystem in dem Moment zu zerschlagen, in dem eine vierte Pandemiewelle drohe und vor allem jüngere Menschen von einer Infektion mit der Delta-Variante des Virus bedroht seien.

Thüringen liegt mit 205 Corona-bedingten Todesfällen auf 100.000 Einwohner nach Sachsen (249) an der Spitze im Bundesvergleich. Der Schnitt in Deutschland beträgt 110. News4teachers / mit Material der dpa

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17 KOMMENTARE

  1. Ist schon nen teurer Spaß diese Testerei. Hätte man die Kohle vorab schon mal in Luftreiniger und Plexiglas investieren sollen? Vielleicht….An unserer Bbs in Nds. lagern ca. 25.000 Tests nach Auskunft der SL. Die müssen natürlich noch verbraucht werden. Bin gespannt, was dann so kommt. Mal sehen, ob in Thüringen jetzt auch vermehrt für die Impfung ab 12 geworben wird. Ist ja günstiger, bzw. kommt aus nem anderen Topf. Ansonsten: Weiter so! Tolle Arbeit der Kumis und Co.! Immer mal wieder irgendeinen Quatsch raus hauen.

    • An unserer GS in NDS zählen wir wöchentlich die Testpakete und hoffen, dass es ausreicht.
      Mit einem Puffer von 1-2 Testkits pro SchülerIn wäre das Leben leichter.

      … aber die Lage wird ja sicher bald besser, denn Thüringen gibt die Tests ab.
      Immerhin ist Herr Holter ehrlich: Tests sind ihm zu teuer.
      Für alles andere sind dann andere zuständig: Ärzte, Gesundheitsamt … alles nicht sein Ressort und nicht seine Finanzen.

      Dabei stellt sich nun die Frage: Wird die Finanzierung der schulischen Testungen dem Bildungsetat zugerechnet?

  2. Die Tests dürfen und sollen wegfallen, bis unter den Schülern eine vergleichbare Impfquote erreicht ist wie bei der Gesamtbevölkerung. Aktuell sind wir weit davon entfernt, also sollen die Tests gerade für die Familien bestehen bleiben, die ihr Kind nur mit schlechtem Gefühl ungeimpft in die Schule schicken. Die Impfskeptiker und -gegner interessiert das ohnehin nicht.

    Um Kosten zu sparen darf man gerne die kostenlosen Bürgertests für alle noch überhaupt nicht geimpften Menschen abschaffen, ausgenommen natürlich diejenigen, die sich attestiert nicht impfen lassen dürfen. Damit spüren auch die Impfskeptiker und -gegner auch mal etwas. Wenn, wie in Thüringen geschehen, eine kostenlose Bratwurst schon für eine neue Erstimpfung reicht, dann reichen 20€ für einen Schnelltest bestimmt auch, besonders wenn man den bei hohen Inzidenzen mehrmals pro Woche neu benötigt.

  3. Hat der den Verstand verloren?
    So langsam reicht’s wirklich. Das ist doch menschenverachtend. Die nächste Partei, die unwählbar ist.

  4. „Erster Kultusminister will Corona-Tests an Schulen komplett streichen – Kinder mit Symptomen sollen zum Arzt“

    Das ist doch vernünftig!

    • Wie wäre es mit einem Weltenbummel nach Neuseeland?
      Ich hätte den Eindruck, dass die Sonne morgens viel heller scheinen würde, wenn solche Leute wie sie den größten möglichen Abstand zu uns hier in Deutschland hätten. 🙂

  5. „Danach sollten aber nur noch jene getestet werden, die Symptome zeigen.“

    Dazu gibt es nur ein Wort: Bekloppt.

    Kinder haben nur sehr selten Symptome. DAS ist Fakt. LongCovid können sie aber auch ganz ohne Symptome bekommen und ebenso können sie auch ohne Symptome ganz einfach andere Kinder anstecken.

    Wenn man das alles zusammenpackt mit den übrigen „Sparmaßnahmen“, dann endet man bei der Infektionspflicht. Ich finde es nach wie vor unglaublich, dass bei so einer Infektionspflicht kein Aufschrei durch das Land geht. Wenn man statt dessen eine Impfpflicht einführen würde, dann würde das dagegen einen gewaltigen Aufschrei geben.

    Gute Infektion, böse Impfung -> sowas würde ich eher bei den Leerdenkern als bei Personen erwarten, die Regierungsverantwortung tragen!

    • @Jan aus H ich wundere mich auch immer,dass die Eltern alles so schlucken.Bester Spruch hier vor der Schuld :“wg Grippe wird auch nicht so ein Gewese gemacht,warum sollte es hier so schlimm kommen wie anderswo,in ein paar Jahren lachen wir darüber“.Sorry,solchen Leuten ist nicht mehr zu helfen.

  6. Läuft irgendwie gar nicht so gut mit den Schnelltests in Schulen. Erinnert an das Lüftungskonzept und diverse Studien, die Entwarnung für Kita/Schule
    gegeben hatten/gaben/geben/geben werden/gegeben haben werden,
    in Ewigkeit, Erbarmen.

  7. Immer wieder beeindruckend, wie sich ein Kultusminister mit-OHNE Fachexpertise was traut!

    Ich dachte immer, Kultusminister:innen seien dafür zuständig, dass in Sachen Schule alles ordentlich läuft – also fachlich gesehen halt. Und so als Arbeitgeber vielleicht noch.

    Für das Gesundheitssystem müssten demnach also die Gesundheitsminister:innen zuständig, so ähnlich wie für die Finanzen das Finanzministerium…
    MEIN FEHLER – wie naiv.

    Jetzt lasst uns mal die Kinder und Jugendlichen NICHT IMPFEN, und damit wir gar nicht merken, wie die Inzidenzen in diesen Altersgruppen hochgehen und dass in den Schulen eben doch Ansteckungen passieren, da lasst uns auch mal die Tests weglassen. Und hey, Maske tragen braucht auch keiner mehr! Über das Aussetzen der Präsenzpflicht sollte auch mal scharf nachgedacht werden!
    Wer redet da schon noch von Luftfiltern…

    Zusammengefasst:
    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich ko*zen möchte!

    Und jetzt werde ich mal depressiv:
    Vernichten wir den Planeten doch bitte einfach ein bisschen schneller – denn wenn wir unsere Kinder, die unsere Zukunft sein sollten, nicht wahrnehmen und beschützen, was soll das Ganze denn dann noch?

    • @Mutter im Coronamodus: Aber genau das, was Sie fordern wird mit der genannten Änderung erreicht. Die Verantwortung für die Testung an die Gesundheitsämter abgeben. Also an die Stelle mit Fachexpertise.

      • Entschieden, dass die Tests in Schulen nicht mehr notwendig sein sollen, hat aber nicht ein Gesundheitsamt!
        Genauso wenig, wie z.B. das RKI für die Schulen entscheiden konnte, dass da jetzt endlich Luftfilter stehen müssen, bevor die Sommerferien zu Ende sind.

        Mit stoischer Gelassenheit (um nicht zu sagen: Ignoranz) entscheiden nicht medizinisch/virologisch eingebundene „Sesselpupser“ neben ihrem Büro-Luftfilter sitzend über Wohl und Wehe in Schulen – na toll!

        Ich bestehe wirklich nicht auf Selbsttests, bei denen meine Kinder selber in der Nase rumstochern müssen, um ein vielleicht brauchbares Sekret rauszupopeln.

        Aber ich bestehe auf echten Infektionsschutz an Schulen und Kitas! KEINE DURCHSEUCHUNG DER KINDER!!! Egal ob mit oder ohne Impfangebot!

        Echt jetzt!

  8. Macht man als Familie derzeit Urlaub in einer einsamen Berghütte in Österreich, muss man bei Einreise einen negativen Test vorlegen (zumindest für die ungeimpften Kinder). Wenn dieselben Kinder mit knapp 30 anderen über Stunden im selben Raum sitzen, braucht es auf einmal keine Tests mehr. Finde den Fehler!

  9. Wenn schon Durchseuchung, dann so schnell wie möglich.

    In Bundesländern mit niedriger Impfbereitschaft sollte eine Infektionspritze mit Covid-19 Viren angeboten werden.
    Mit Prämie, dann ginge es noch schneller.

    Am Besten für Eltern, Lehrer, Mitarbeiter im medizinischen Bereich…

    Vielleicht ginge es auch mit Viren in einer Tüte oder Dose zum Einatmen.

  10. Ich finde es richtig, dass die Schüler sich nicht mehr in den Schulen testen sollen. Ich verstehe das Gezeter deswegen ganz und gar nicht.

  11. „+++ 17:00 Klinik-Besuch mit Positiv-Test: Staatsanwalt plädiert auf Körperverletzung +++
    Im Prozess gegen eine mit Corona infizierte Frau, die trotz eines kurz zuvor durchgeführten PCR-Tests im Oktober ihre Tochter in einem Krankenhaus besucht hatte, fordert die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Der Tatbestand des Hausfriedensbruches und der versuchten gefährlichen Körperverletzung sei erfüllt, sagte Staatsanwalt Ralf Ebbing am Nachmittag vor dem Amtsgericht in Quedlinburg. Das Urteil soll am 10. August verkündet werden.“

    https://www.n-tv.de/panorama/18-05-Fitnessstudio-Restaurant-Theater-New-York-erlaubt-Zutritt-nur-mit-Impfass–article21626512.html

    Wie ist das dann in der Schule, wenn überhaupt erst gar niemand mehr getestet wird? Körperverletzung der Ungeimpften? Aber wo kein Test, da auch kein nachweislich Infizierter, wo man sich angesteckt haben könnte. Infektionen finden dann wieder ausschließlich außerhalb der Schule statt. (Ironie off).

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