Ein Kommentar von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.
DÜSSELDORF. Dass die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper – eine Grüne, ausgerechnet möchte man sagen! – trotz schon jetzt hoher Inzidenzen die Maskenpflicht im Unterricht streicht, belegt endgültig: Es ist den verantwortlichen Politikern schlicht egal, wenn sich Abertausende von Kindern mit dem Coronavirus anstecken. Dass das unweigerlich geschieht, kann Schopper ja im benachbarten Bayern sehen, in Thüringen und im Saarland obendrauf – allesamt Länder, die die Maskenpflicht in den Klassenräumen bereits vor Wochen ausgesetzt haben und die jetzt, oh Wunder, mit explodierenden Ansteckungszahlen unter Schülern zu kämpfen haben.
„Schulen sind nicht die Treiber der Pandemie.“ Das Mantra der Kultusminister war schon länger nicht mehr zu hören. Kein Wunder: Schulen sind mittlerweile so offensichtlich Treiber der Pandemie (allerdings natürlich nicht die einzigen), dass der Widerspruch zur Realität offenbar selbst den Bildungspolitikern auffällt, die sich in der Pandemie sonst für eine Unmenge an Peinlichkeiten nicht zu schade waren. Nun behaupten ja Kinderärzte-Verbände alle Nase lang – im Gegensatz zu allen seriösen Wissenschaftlern –, dass das gar nichts macht, weil Kinder in der Regel nicht so schwer erkranken. Das Problem ist „in der Regel“: Ausnahmen gibt es nämlich durchaus, was niemand bestreitet, nicht mal die Kinderärzte-Verbände.
Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, den betroffenen Eltern ins Gesicht zu sagen, dass ihr Kind es eben nicht wert war?
Mit den „vereinzelt“ schweren und/oder lang andauernden Fällen – wie viele dürfen es denn sein: 100? 1.000? 10.000? – verbindet sich die Frage: Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung, den betroffenen Eltern ins Gesicht zu sagen, dass ihr Kind es eben nicht wert war, Rücksicht darauf zu nehmen? Leider hatten wir keine Lust mehr, Masken im Unterricht zu tragen. Und Luftfilter und Plexiglaswände kamen zwar in Landtagen, Behörden und Staatskanzleien zum Einsatz, waren uns aber für die Schulen – und damit eben für den Schutz ihres Kindes – bei Kosten von 50 Euro pro Schüler und Jahr (haben Wissenschaftler ausgerechnet) zu teuer. Auch nur zwei oder drei Monate warten, bis ein Impfstoff für Unter-12-Jährige verfügbar ist? Viel zu viel verlangt.
Frau Schopper hatte schon mal für besorgte Eltern den Rat parat, sie sollten ihren Kindern „einen Packen Taschentücher“ besorgen. Das ist so zynisch, dass es wehtut. Was sind wir eigentlich für eine Gesellschaft – was für eine wollen wir sein? Eine, die Rücksicht nimmt auf ihre schwächsten Mitglieder, und das sind nun mal Kinder, die vulnerablen insbesondere? Oder eine, in der nur der Eigennutz zählt? Und der heißt für die meisten: Augen zu und durch, ohne Rücksicht auf Verluste, immer der Umfragenmehrheit hinterher, die – natürlich selbst geimpft – gerade jetzt mal Masken in Schulen für verzichtbar hält.
Schoppers Grüne sind angetreten, um die Welt vor dem menschengemachten Klimawandel zu retten. Das ist schön. Mit der Haltung „Nur das Ich zählt“, sehr geehrte Frau Kultusministerin, wird das aber nichts. Wem wollen Sie denn abverlangen, dem Rat der Wissenschaft in Sachen Klima zu folgen, wenn Sie selbst in Sachen Corona auf die Wissenschaft, pardon, scheißen? News4teachers
Beschlossen: Schopper streicht Maskenpflicht im Unterricht – trotz Inzidenzen bis 450
