BERLIN. Normalität im Schulbetrieb? Auch wenn die Kultusminister glauben machen wollen, dass mit Präsenzunterricht ohne wirkungsvollen Corona-Schutz den Interessen von Schülerinnen und Schülern gedient wäre: Von einem normalen Schuljahr kann angesichts des Pandemiegeschehens keine Rede sein. Eine Mutter aus Nordrhein-Westfalen hat sich im Namen ihrer Familie an News4teachers gewandt – mit einem flammenden Appell an die Politik: Handelt endlich! Schützt unsere Kinder! Wir veröffentlichen das Schreiben im Folgenden.
Ignoriert die Politik unsere Kinder?
Macht sich eigentlich einer von den Politikern Gedanken, was unsere Kinder gerade aushalten müssen und dabei fühlen? Seit 1,5 Jahren nehmen unsere Kinder Rücksicht auf die restliche Gesellschaft in unserem Land. Nun ist es Zeit auch den Kindern einmal etwas zurückzugeben. Die Inzidenzen sind für einen Präsenzunterricht zu hoch. Unsere Kinder müssen das ausbaden, was die Erwachsenen in den ganzen letzten Jahren versäumt haben. Und zwar in die Bildung zu investieren. Was wollen wir gerade unseren Kindern beibringen? Jeder ist sich selbst der Nächste? Schwächere einfach zu unterdrücken, nicht auf deren Bedürfnisse einzugehen?
Nicht der Distanzunterricht, mit fehlender sozialer Interaktion, schadet unseren Kindern, denn die wissen sich in der heutigen Zeit mit Smartphone und Tablet zu helfen. Skype, facetimen oder gemeinsam „zocken“ geht virtuell. Als kleine Anmerkung nebenbei: „Diesen Weg haben uns auch letztes Jahr unsere Politiker zu Weihnachten aufgezeigt, um mit den Verwandten die Festtage zu verbringen!“.
Unsere Kinder haben Angst, sich und dadurch höchstwahrscheinlich auch uns anstecken zu können
Wir sind ein 5-köpfiger Haushalt. 3 Kinder (13, 11, 11) und 2 Erwachsene. Die Verwandtschaft (Opa, der als Einziger noch lebt) wohnt weit entfernt und wird an Festtagen eigentlich besucht. Nun wird das dieses Jahr wieder ausfallen, aus Angst, wir könnten Opa anstecken. Und diese Angst vor Corona ist bei unseren Kindern schlimmer als zu wissen, dass man sicher zuhause vor Corona im Unterricht sitzen kann, ohne Freunde neben einem, die eventuell auch ohne Maske im Unterricht sitzen dürfen.
Unsere Kinder haben Angst, sich und dadurch höchstwahrscheinlich auch uns anstecken zu können. Ja, wir zwei Erwachsene, nebst unserem 13-jährigem Kind, sind geimpft. Unsere zwei 11-jährigen Kinder noch nicht. Macht sich auch da jemand Gedanken drum, was diese Nicht-Geimpft-Situation mit einem Kind anrichtet? Aber auch wenn man geimpft ist, kann man sich mit Corona anstecken. Auch das wissen unsere Kinder und die Angst bleibt weiterhin bestehen, dass man die Familie anstecken kann.
Was passiert mit der Psyche eines Kindes, wenn man sieht, dass die Klassen immer kleiner werden, weil immer mehr Mitschüler, meist die ohne Maske im Unterricht, zuhause bleiben? Irgendwann trifft es auch die, die den MNS im Unterricht tragen.
Die Kinder sitzen mit der Angst im Unterricht, Entschuldigung, im gut gekühlten Unterricht. Zwischen fünf und acht Grad sind in einem beheizten, aber den ganzen Tag fenstergeöffneten, Klassenraum. Pausen, nebst Essen, werden auch draußen verbracht – an einem Langtag mit 9 Stunden Unterricht. Erkältungen sind vorprogrammiert und erstmal nicht von Corona zu unterscheiden, ergo müssen die Kinder eigentlich erstmal zuhause bleiben.
Wer von den Erwachsenen würde dies mitmachen? Da wird sofort mit Arbeitsschutz und Betriebsrat gedroht. Dies alles haben unsere Schüler nicht. Sondern nur ihre Eltern, Lehrer, Schulleitungen und auch unsere Politiker… Warum hört niemand auf unsere Wissenschaftler? Davon werden schließlich auch einige von unserem Staat bezahlt, um frühzeitig zu warnen und mahnen.
Gesunder Menschverstand und Einfühlungsvermögen sagt uns doch, dass wir diese Situation gerade nicht einfach wegzaubern können. Wir müssen handeln und wo sonst, als in den Schulen, kommen so viele Menschen unterschiedlichster Alters-, Sozial- und Konfessionsgruppen zusammen? OK, ich habe den Fußball und Karneval vergessen.
Am 16. November kam die Aussage von Herrn Wüst in seiner Pressekonferenz, dass die Schüler die bestgetestete Personengruppe gerade in NRW sein. Zur Aufklärung: Diese Gruppe, sprich Schüler, testen sich seit über einem Jahr selber. Wer kann wirklich sagen, dass die Kinder diese Tests korrekt anwenden? Der Lehrer, der bis zu 30 Kinder gleichzeitig beim Testen „betreut“? Wenn das doch so einfach ist, warum können Erwachsene ihre Tests nicht selber machen? Dann müssten doch auch Selbsttests für Erwachsene gelten! Nur mal ein kleiner Hinweis, unsere Familie geht gern weiterhin zum Testen zur Apotheke. 😉
Die Leistung in der Schule ist sowieso nicht mehr zu bringen. Unsere Kinder sind gerade wie gelähmt
Aber, um nochmal auf die Psyche der Kinder zurückzukommen: Unsere Kinder haben Angst in die Schule zu gehen. Es gibt hier Tränen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme. Aber sie gehen noch in die Schule. Doch wie lange können wir als Eltern dies verantworten? Wieviel Vertrauen haben unsere Kinder noch in ihre Eltern? Was machen wir gerade mit der Bindung/Beziehung zu unseren Kindern?
Die Leistung in der Schule ist sowieso nicht mehr zu bringen. Unsere Kinder sind gerade wie gelähmt. Sie sollen nur noch funktionieren und das kann keine schöne Kindheit sein. Was macht diese Situation gerade mit unseren Kindern? Der Lernstoff wird durchgejagt, das „Herbstferienangebot“ zur Förderung der Reduzierung pandemiebedingter Defizite war nett, aber weniger hilfreich. Auf einer Schule mit über 1000 Kindern, konnten 19!!!! Kinder aus der Klasse 5 bis 7 teilnehmen. Ab Klasse 8 müssen Kinder wohl nichts mehr nachholen?! Das nächste Angebot findet in den Osterferien statt. Ob die Kinder aber bis dahin mit dem Stoff aus der neuen Klasse mitgekommen sind? Ich bezweifle das sehr stark.
Wie geht es den Familien? Ich, für meinen Teil, fühle mich als Mutter nun nur noch müde, machtlos, ängstlich, desillusioniert, im Stich gelassen und nicht mehr fähig, meinen Kindern zu erklären, warum sie so im Stich gelassen werden.
Wir wollen als Eltern mitreden können, welchen gesundheitlichen Risiken wir unsere Kinder aussetzen müssen
Ja, Bildung ist wichtig. Ja, für manche Kinder sind offene Schulen alternativlos. Aber: Wir wollen als Eltern mitreden können, welchen gesundheitlichen Risiken wir unsere Kinder aussetzen müssen. Lieber konstanter Distanzunterricht als durch Quarantäne und Schnupfenplan ständig unterbrochener Präsenzunterricht in kalten, zugigen Klassenzimmern. So bringt das Lernen in der Schule auch nichts.
Für den Arbeitsplatz gilt wieder die Homeoffice-Pflicht. Die Kinder können den Virus mit nach Hause bringen, auch das Homeoffice schützt somit die Familien nicht. Eher nur Singles oder Paare ohne Kinder. Ironie on: Welchen Arbeitsplatz haben die Kinder und Lehrer? Richtig: Offene Schulen.
An anderen Stellen (EU-Parlament) soll wieder mobiles Arbeiten und auch Beschränkungen von Personenzahlen eingeführt werden. Damit soll vermieden werden, dass über einen langen Zeitraum Menschen zusammensitzen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es weiterhin egal?!
Auch ältere Nachbarn möchten zum Teil nicht mehr, dass man sie besucht oder für sie einkaufen geht. Schließlich hat man Kinder in der Schule. Die Spaltung wird immer größer in der Gesellschaft. Hilfe wird nun schon nicht mehr angenommen.
Wir fordern die Politik auf, das schwächste Glied in unserer Gesellschaft zu schützen! Oder sind unsere Kinder, unsere Zukunft, nicht wert, geschützt zu werden? Als Antwort bitte keine der abgelutschten Phrasen der letzten Monate – sondern eine ehrliche, aufrichtige und mitfühlende. Die Zeit drängt! News4teachers
Kultusminister, stellt Euch doch selbst bei Minustemperaturen stundenlang in den Durchzug!
