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Mehr Schutz! Das RKI spricht sich gegen Durchseuchung von Kita-Kindern und Schülern aus

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BERLIN. Das Robert-Koch-Institut hat ein epidemiologisches Bulletin herausgebracht, in dem vor einem Durchseuchungskurs gegenüber Kita-Kindern und Schülern gewarnt wird. „Je mehr Kinder infiziert werden, desto höher würde dann auch die Anzahl der schweren Krankheitsverläufe ausfallen“, so heißt es in dem wissenschaftlichen Papier. Kinder mit Vorerkrankungen wären hiervon stärker betroffen, ebenso Kinder aus Regionen mit niedrigerem sozioökonomischem Status. Darüber hinaus bestehe das Risiko von Long Covid auch bei Kindern und Jugendlichen: „Eine große Kohortenstudie weist auf der Grundlage von Gesundheitsversorgungsdaten darauf hin, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche von Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion betroffen sind.“

Das Robert-Koch-Institut hält es für möglich, die Schulen offenzuhalten – aber nur mit konsequentem Corona-Schutz. Illustration: Shutterstock

Die Mehrzahl der Zwölf- bis 18-Jährigen ist laut Robert-Koch-Institut noch nicht gegen Covid-19 geimpft und für rund neun Millionen Kinder unter dem Alter von 12 Jahren ist noch kein Impfstoff zugelassen. Der uneingeschränkte Zugang zu Kitas und Schulen könne deshalb ohne erhöhtes Infektions- und Erkrankungsrisiko nur unter Aufrechterhaltung von infektionspräventiven Maßnahmen gewährleistet werden. „Dazu gehört die Umsetzung etablierter Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte, das Fernbleiben symptomatischer Kinder und Betreuender sowie Lehrender ebenso wie ein vollständiger Immunschutz aller weiteren Personen, in deren Obhut die Kinder leben und betreut werden“, so schreibt das RKI – und zielt damit offensichtlich auf die jüngsten Lockerungsschritte: Bundesländer wie Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben unlängst die Maskenpflicht im Unterricht gestrichen. Rheinland-Pfalz hat zudem die Taktung der Reihentests in Schulen von zwei auf einen pro Woche halbiert.

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Keine Testpflicht: In den Kitas muss von einer größeren Untererfassung ausgegangen werden

Dieser Trend sei schon jetzt erkennbar. „Nicht nur die 7-Tage-Inzidenzen der gemeldeten SARS-CoV-2-Infektionen, welche durch unterschiedliche Teststrategien beeinflusst werden können, sondern auch der starke Anstieg der Meldungen von Ausbrüchen im Schulsetting sprechen für eine Zunahme der Infektionen. Auch die Daten der syndromischen Surveillance zur Gesamtsituation akuter respiratorischer Erkrankungen zeigen einen deutlichen Anstieg bei Kindern im Kita- und Schulalter. Bei der Inzidenz der 0- bis 4-Jährigen ist zu beachten, dass im Gegensatz zu Schulkindern in keinem Bundesland eine Testpflicht für Kitakinder besteht, sodass hier von einer größeren Untererfassung ausgegangen werden muss. Alle anderen Altersgruppen weisen derzeit niedrigere 7-Tage-Inzidenzen als Schulkinder im Alter von 5 bis 14 Jahren auf.“

Was fordert das Robert-Koch-Institut konkret an Corona-Schutzmaßnahmen in den Bildungseinrichtungen?

Beim Thema Maskenpflicht im Unterricht wird das RKI deutlich: „Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Schulen reduziert nachweislich deutlich die Zahl der Ausbrüche und pädiatrischen Covid-19-Fälle.“ Dem Thema Tests widmet die Behörde einen Exkurs: „Konsequente systematische serielle Testungen reduzieren das Transmissionsrisiko durch prä- oder asymptomatisch infizierte Kinder. Bei der Testdurchführung empfiehlt das Robert Koch-Institut für Kinder im Kita- und Grundschulalter Lolli-Pool-PCR-Tests, da Antigentests für diese Altersgruppen nur unzureichend geeignet sind.“

Das RKI kritisiert hierbei Landesregierungen unverblümt: „Altersgerechte Testkonzepte in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen werden – insbesondere in Kitas – von den Bundesländern sehr unterschiedlich und leider oft nur unzureichend implementiert. Dabei erlauben kluge Testkonzepte eine gezielteres und mit möglichst wenig Einschränkungen und Fehlzeiten verbundenes Quarantäne-Vorgehen.“

Bei zunehmender SARS-CoV-2-Ausbreitung könne es im Winter zu einer hohen Zahl an Infektionen im Kindes- und Jugendalter kommen – mit Folgen: „Wenn auch selten, so treten schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle ebenfalls bei Kindern auf.“ Zudem könnten auch asymptomatisch infizierte Kinder nach einer akuten SARS-CoV-2-Infektion die zwar seltene, aber schwere Folgeerkrankung PIMS (Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) entwickeln.

„Ähnlich wie bei Erwachsenen werden eine Vielzahl verschiedener körperlicher, mentaler und psychischer Symptome berichtet”

Dazu komme das Phänomen Long Covid bzw. Post Covid: „In aktuellen Leitlinien wird von Long Covid gesprochen, wenn Symptome über einen Zeitraum von vier Wochen hinaus anhalten oder auch danach neu auftreten, ohne dass eine andere Erklärung dafür gefunden werden kann. Der ebenfalls verwendete Begriff Post Covid bezieht sich entsprechend auf einen Zeitraum von mehr als zwölf Wochen.“

Und solche Fälle treten eben auch unter Kindern und Jugendlichen auf. „Ähnlich wie bei Erwachsenen werden eine Vielzahl verschiedener körperlicher, mentaler und psychischer Symptome berichtet, die jenseits der 4 bzw. 12 Wochen noch vorliegen. Am häufigsten beschrieben sind Müdigkeit und schnelle Erschöpfung nach Belastung, Luftnot, Kopfschmerzen, neurokognitive Symptome wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, dysautonome Störungen sowie kardiovaskuläre Symptome, aber auch Schlafstörungen, Ängstlichkeit und depressive Verstimmung.“

Ob diese Symptome tatsächlich mit der Corona-Infektion zusammenhängen, ist wissenschaftlich zwar nicht bewiesen. Aber: „Solange diese wichtige Frage nicht geklärt ist, sollten Kinder der Gefahr einer Infektion nicht unnötig ausgesetzt werden. Zusätzlich zu den o. g. Ausführungen zur Krankheitslast kommt die Tatsache, dass bisher keine gezielte präventive oder kurative Therapie für Long Covid zur Verfügung steht. Auch deshalb ist es wichtig, Kinder und Jugendliche vor möglichen langanhaltenden oder dauerhaften Konsequenzen einer SARS-CoV-2-Infektion bestmöglich zu schützen.“

Ein zusätzlicher Grund für allgemeine Infektionsschutzmaßnahmen sei die Reduktion von Infektionen durch weitere Atemwegserreger. „Verdeutlichen lässt sich dies am Beispiel des humanen Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das in Deutschland für viele Hospitalisierungen bei Kleinkindern verantwortlich ist.“ Tatsächlich schlagen Kinderkliniken bundesweit Alarm, weil sie aufgrund einer grassierenden RSV-Welle derzeit an ihre Kapazitätsgrenzen geraten. „Die RSV-Nachweise sind in den letzten Wochen stark gestiegen und liegen deutlich über den Werten der Vorjahre um diese Jahreszeit. Dies ist vermutlich die Folge einer aufgrund von Kontaktbeschränkungen ausgebliebenen RSV-Saison im Winter 2020/2021“, heißt es. Doch Maßnahmen, die vor Corona-Infektionen schützen, verhindern auch RSV-Infektionen – zumal aktuell auch Mehrfachinfektionen bei Kindern gemeldet werden.

Fazit des RKI: „Kitas und Schulen sollen geöffnet bleiben, aber es gilt sicher zu stellen, dass sie für Kinder eine möglichst sichere Umgebung darstellen.“ News4teachers

Hier geht es zum vollständigen Bulletin des Robert-Koch-Instituts.

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