Lernzeiten flexibilisieren, Unterricht individualisieren – mehr Freiheit für Schüler und Lehrer: Bundesland plant Schule der Zukunft

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MAINZ. Mehr selbstbestimmtes Lernen. Und viel individueller Beistand. Raus aus der Enge der Klassenräume. Rheinland-Pfalz entwickelt ein Programm für die Schule der Zukunft. Am 12. November geht es los mit einem Kongress.

Offensichtlich steht der Deutsche Schulpreis Pate bei den Plänen in Rheinland-Pfalz – und dabei insbesondere eine Schule: die Alemannenschule in Wutoeschingen, Preisträger 2019, gilt als Vorzeige-Reformprojekt. Hier geht es zu einem Porträt der Schule. Foto: Robert Bosch Stiftung / Traube 47

Die Pandemie hat die Schulen zu neuen Arbeitsweisen gezwungen. Jetzt sollen sie sich aus freien Stücken auf einen Weg der Veränderung begeben. Den allgemeinen Wegweiser hat der Koalitionsvertrag vorgegeben. Und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kündigte in ihrer Regierungserklärung einen «Zukunftsfonds Schule» mit Mitteln von zehn Millionen Euro im Jahr an. Ein halbes Jahr später nimmt das Vorhaben erste konkrete Gestalt an.

«Zum Auftakt bereiten wir für den 12. November einen Zukunftskongress in Mainz vor», sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig im Gespräch. «Dann werden wir darüber beraten, in welche Richtungen die Schule der Zukunft entwickelt werden soll.» Dieser breit angelegte Beteiligungsprozess wird zusammen mit dem Landeselternbeirat und der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler auf den Weg gebracht. Die gesamte Schulgemeinschaft wird eingebunden. «Im nächsten Schritt entwickeln wir die dafür geeigneten Formate der Zusammenarbeit», erklärt Hubig das weitere Vorgehen. «Das kann ein Runder Tisch sein, das können Arbeitsgruppen zu einzelnen Themen sein.»

«Wir fragen uns: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert?»

Jeder Aufbruch fängt mit einer Bestandsaufnahme an. Die Schullandschaft in Deutschland zeige noch viel 20. Jahrhundert, aber nicht unbedingt die Schule, wie sie 2030 oder 2050 gebraucht werde, sagt die Bildungsministerin. «Wir fragen uns: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert? Das sind andere als im 19. oder 20. Jahrhundert.» Die Schulen seien früher die zentrale Säule der Wissensvermittlung gewesen, aber dies habe sich verändert. Heute gebe es viele weitere Wege der Wissensvermittlung, die miteinander vernetzt werden sollten.

Bei der Digitalisierung soll künftig nicht mehr so sehr die technische Ausstattung im Vordergrund stehen. «Wir müssen die digitalen Mittel nutzen, um individuelle Förderung besser zu gestalten», sagt Hubig und nennt adaptive Lernprogramme, intelligente Lernsoftware, Blended Learning als Verbindung von Lernen in der Schule und zu Hause sowie die Möglichkeiten der Virtual Reality: «Schülerinnen und Schüler können damit andere Lernorte aufsuchen oder etwa im Biologieunterricht den Körper von innen anschauen.»

Tradition und Beständigkeit sollen in den Schulen weiter ihre Berechtigung haben. «Aber die Kompetenzen, die heute benötigt werden, sind andere als noch vor 20 Jahren: Es geht heute auch um Kreativität, kritisches Denken, Zusammenarbeit oder Kommunikationsfähigkeit.»

Stundenplan und Noten sind kein Selbstzweck. «In der Schule der Zukunft geht es auch darum, Lehr- und Lernzeiten zu flexibilisieren und von den Stundentafeln ein Stück weit abzurücken», sagt die Ministerin. «Den Bildungsstandards bleiben wir verpflichtet, aber in ihrem Rahmen soll es mehr Freiheiten für neue Lernprozesse geben. Wir erkunden gezielt Wege zum selbstbestimmten Lernen.» Dazu könne auch eine Auflösung der klassischen Stundenpläne gehören und ihre Weiterentwicklung zu Arbeitsfenstern. «Die Lehrkräfte stehen dann vielleicht nicht mehr vor einer Klasse, sondern den Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Räumen zu unterschiedlichen Fragen mit ihren jeweiligen Kompetenzen zur Seite.» Auch bauliche Veränderungen sollen für die Schule der Zukunft entwickelt werden.

Die Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler kritisiert schon länger, dass viele unter einer hohen Frequenz von benoteten Klassenarbeiten leiden. Auch die Ministerin räumt ein: «Es ist klar, dass Leistungs- und Notendruck für manche nicht der richtige Weg sind, um ihre Fähigkeiten zu entfalten.» Zwar gebe es auch Kinder und Jugendliche, die sich gerne aneinander messen wollten. Aber «Lernen soll Teil des Lebens sein, Lebensfreude ist auch Freude am Lernen.»

Und Hubig fügt hinzu: «Eine Idealvorstellung wäre es, die Grenzen zwischen Schule und sonstigem Leben aufzulösen.» Dann müssten Kinder und Jugendliche nicht mehr das Gefühl haben, ihre Aufgaben nur für die Schule machen zu müssen. «Stattdessen sollte Lernen eine Chance sein, wie sich junge Menschen die Welt erschließen und sich möglichst viele Türen öffnen.»

«Die Heterogenität von Schülerinnen und Schülern, die jetzt schon groß ist, wird noch weiter zunehmen»

Wenn es um neue Gestaltung geht, sind Ideale als Orientierung nötig, um eine klare Richtung vor Augen zu haben. Bei der Umsetzung in die tägliche pädagogische Arbeit will das Pädagogische Landesinstitut den Lehrerinnen und Lehrern zur Seite stehen. Dessen Direktorin Birgit Pikowsky erwartet, «dass die Heterogenität von Schülerinnen und Schülern, die jetzt schon groß ist, noch weiter zunehmen wird». Da könnten Kinder nicht im Gleichtakt lernen – die einen seien unterfordert, andere überfordert. «Wir brauchen beides: individualisiertes und gemeinsames Lernen.»

Nach den Überlegungen beim Zukunftskongress und in anschließenden Runden soll zügig die Umsetzung beginnen. «Sobald die ersten Maßnahmen aufgestellt sind, können sich alle Schulen bewerben, sich in einem Pilotprojekt auf diesen Weg zu begeben und begleitet zu werden», sagt Hubig. Geplant sind im ersten Schritt bis zu 100 Pilotschulen, die für die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen Mittel aus dem Fonds «Schule der Zukunft» erhalten.

Die anderen rund 1500 Schulen in Rheinland-Pfalz dürften dann aber «nicht das Gefühl bekommen, jetzt Vergangenheitsschulen zu sein», sagt Pikowsky. «Alle Schulen sind Zukunftsschulen.» Lernen entstehe immer wieder neu in der Begegnung mit dem Lernstoff und mit anderen Menschen. «Wenn einzelne Schulen in diesem Prozess bestimmte neue Erfahrungen sammeln, sollen andere rege daran teilnehmen und auch übernehmen, was sich als gut herausstellt.» Von Peter Zschunke, dpa

Sechs Punkte, die eine gute Schule ausmachen – Der Jury-Sprecher des Deutschen Schulpreises im News4teachers-Interview

 

 

 

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59 KOMMENTARE

  1. Klingt mal wieder nach gefährlichen Unsinn der sich pressewirksam verkaufen lässt und nichts kostet.
    Mich warnt schon der Satz „Bei der Digitalisierung soll nicht mehr die Ausstattung im Vordergrund stehen“.
    Woher weis den das KuMi wie die Bildung 2050 oder 2070 aussehen muss? Die gleiche Quelle wie beim Verlauf der Corona-Pandemie???
    Bildung muss sich als laufender Prozess der Entwicklung von Beruf und Gesellschaft anpassen und nicht durch vollkommen neue Prozesse auf eine vermutete Zukunft vollständig umgekrempelt werden.
    Außerdem geht man bei der beschriebenen Reform mal wieder von völlig irrationalen Voraussetzungen aus dem Elfenbeinturm aus.
    – Man geht davon aus, dass Schüler genau wissen was ihre Ziele sind.
    – Man geht von einer hohen Eigenmotivation für das lernen aus.
    – Man lässt die Interessen der Wirtschaft als zukünftiger Arbeitgeber außer acht.
    – Individuelle Abschlüsse sind eben individuell und somit wenig aussagekräftig.
    Welchen Bewerbe nehme ich. Den mit Interesse am Mathe und Englisch der dann den Notendurchschnitt von 2,2 hat oder den Überflieger mit 1,0? Leider hatte der seine Interessen in darstellendem Spiel, Singen und Klatschen.

    Wer die Schule ändern will, sollte zunächst mal den baulichen Zustand auf menschenwürdige Verhältnisse bringen.
    Dann wäre eine Ausstattung, die unserem heutigen technischen Standard entspricht schön.
    Lehrpläne müssen regelmäßig von Ballast, den man eigentlich nicht braucht, (z.B. mittelalterliche Balladen) bereinigt werden. Solche Sachen könnte man ja für die vom Ministerium vermuteten hochmotivierten SuS freiwillig anbieten.
    Neue Entwicklungen in Technik und Gesellschaft müssten schnellen im Lehrplan berücksichtigt werden. Nicht erst nach 15 Jahren.
    Die Klassen müssten um einiges kleiner werden um individuelle Förderung erst mal zu ermöglichen.

    Klingt nach viel Geld und viel Arbeit. Da liegt das Problem! Die Ministerien sind weder bereit Geld noch Arbeit zu investieren.

    Da ist diese Reform natürlich ein großer Wurf. Jeder macht zu was er Lust hat. In dem Umfang der ihm passt.
    Nichts gemacht?
    Nur Sport, Religion und die Raucherecke besucht?
    Kein Problem! Wir schaffen die Noten ab und dann merkt es kein Mensch.

    Sorry, mehr selbstständiges Lernen der Schüler ist wichtig, aber an einer Wissensbasis, einer Struktur und an Noten kommen wir nach meiner Meinung nicht vorbei.

    Hier wird die Reform wieder auf den üblichen Grundsäulen aufgebaut:
    – kostet fast nichts
    – klingt gut wenn man es über die ahnungslose presse hinausposaunt.
    – die Lehrer werden es schon richten.

    Eventuelle Proteste von Seiten der Praxis werden mit tödlich beleidigten Gesichtern abgewiesen. Dabei erfolgt ein Verweis auf die mangelnde Motivation der Lehrer und die fehlende Einsicht für das Genie des Ministeriums.

    Wenn dann später SuS die Schule verlassen die aufgrund ihrer schulischen Laufbahn nur sehr schwer ihren Lebensunterhalt bestreiten können, dann ist dieses Problem für das Ministerium auch einfach zu lösen.
    Die Lehrer haben in ihrer mangelnden Motivation und Unfähigkeit die tollen Reformen des Ministerium nicht richtig umgesetzt.

    • @ Schattenläufer

      Meine Gedanken finden sich größtenteils schon in Ihrem Kommentar.

      Verwunderlich finde ich dann noch:
      „Dieser breit angelegte Beteiligungsprozess wird zusammen mit dem Landeselternbeirat und der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler auf den Weg gebracht. Die gesamte Schulgemeinschaft wird eingebunden.“
      Damit ist dann deutlich, dass LuL NICHT zur Schulgemeinschaft gehören. Das ist konsequent, denn wer keine Ahnung von Schule hat, sollte auch nicht mitreden dürfen. (Für alle, die gerade hinzugeschaltet haben: Jahaaa, der letzte Satz war Ironie.)
      Allerdings dürfen LuL dann dort die Arbeit machen, wo die digitalen Mittel nicht „hinkommen“? Darüber ist in den Kommentaren auch schon @Lisa S. 1. November 2021 um 09:35 gestolpert, die ja u.a. auch schon die Grundschulen anspricht.

      «Die Lehrkräfte stehen dann vielleicht nicht mehr vor einer Klasse, sondern den Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Räumen zu unterschiedlichen Fragen mit ihren jeweiligen Kompetenzen zur Seite.»
      Eine schöne Idee, dann genügt 1 Lehrkraft für eine ganze Schule mit flexiblen Räumlichkeiten und nicht mehr existierenden Fächern, alles so schön beliebig.
      Und wenn diese Lehrkraft dann eh den ganzen Tag als Springer unterwegs ist, kann die Lehrkraft auch gleich mal feucht durchwischen. (Gab es nicht früher diese Bürsten, die unter Schuhe geschnallt wurden, um den Boden rascher zu bohnern?!)
      Das wiederum wirkt dem Problem des seit Jahren bestehenden, politisch-künstlich erzeugtem Lehrermangels entgegen. Dieser Lehrermangel wird ja durch seit 1,5 Jahren sehenden Auges verstärkt durch die pausenlose massive Wertschätzung (Holla, schon wieder Ironie.), so dass halt niemand mehr in dieses „Paradies“ rein will. Vermutlich wird auch die o.g. 1 Lehrkraft bald schwer zu finden sein.

      Ich habe mich auch noch gefragt, ob zu den am Kongress teilnehmenden SuS auch Grundschüler zählen … Falls nicht, wäre das wohl ein hässlicher systemischer Fehler, weil viel zu früh selektiert würde! (Tja, so schnell kann man ein Problem bekommen, dass man sich vorher selbst gemacht hat, liebe „Bildungsforschende“.)

      „Und Hubig fügt hinzu: «Eine Idealvorstellung wäre es, die Grenzen zwischen Schule und sonstigem Leben aufzulösen.» Dann müssten Kinder und Jugendliche nicht mehr das Gefühl haben, ihre Aufgaben nur für die Schule machen zu müssen. «Stattdessen sollte Lernen eine Chance sein, wie sich junge Menschen die Welt erschließen und sich möglichst viele Türen öffnen.»“
      Ach Steffilein, geh nach Hause und mache auf dem Weg dorthin möglichst viele Türen zu – auf jeden Fall aber nach deiner Ankunft die Tür zu deiner Bleibe, bitte FEST und von INNEN!

      Und dann hört verdammt noch mal endlich damit auf Millionenbeträge zu vergurken für den soundsovielten Aufguss von irgendwelchen „Pilotprojekten“ nach dem Motto „Ich will aber GLITZER!!!“
      Den meisten Schulen würden ganz elementare Dinge schon genügen, ausführlich wurde das in den letzten Jahren – auch vor Corona – schon so oft geschrieben!
      Kleine Auswahl:
      – genügend Personal PLUS Vertretungsreserve (also bei der Personalplanung und -ausbildung berücksichtigen), so dass die Lerngruppen sinnvolle Größen (so zwischen 16 und maximal 20 SuS) haben könnten
      – uralte Versprechen an das Personal endlich einlösen (Stichworte: Besoldung und ruhige eigene Arbeitsbereiche innerhalb der Schulen – nein, 1 qm am Katzentisch genügt nicht! )
      – Bausubstanz nicht weiter verkommen lassen, sondern grundsanieren
      – im Zuge von Sanierungen weitere bauliche Veränderungen (z. B. die immer wieder gerne angeführten größeren Räume) durchführen, aber die guten alten Waschbecken sowie komplett zu öffenende große Fenster und Luftfilter nicht vergessen!!!
      – …

  2. Heterogene Schüler und homogene Abschlüsse funktionieren nicht gleichzeitig, es sei denn, man nivelliert auf das untere Mittelfeld. Woher dann aber die gut ausgebildeten Hochschulabsolventen kommen sollen, die den Laden über ihre hohen Sozialabgaben finanzieren, ist eine ganz andere Frage.

  3. Wir haben im Augenblick ganz andere Probleme die gelöst werden müssen und ich bin überrascht, dass für dieses Projekt Geld geflossen ist. Die Schüler warten darauf nach diesem langen Ausnahmezustand ihre Lernrückstände aufarbeiten zu können und eine faire Aufarbeitung angeboten zu bekommen. Dieser Grundstein der großen Bildungsrückstände ist auch in der vierten Welle für Schüler und Lehrer nicht geklärt. Es fehlt an tragenden Konzepten um dieser schweren Last für alle die am Schulleben beteiligt sind. Die Grundbasis der Bildung im Klassenzimmer ist nach dieser schweren Krise sehr erschüttert. Die Stimmung innerhalb der Schule ist sehr schlecht, weil keine Klarheit vorliegt dieser schweren Bildungskrise gerecht zu werden. Dann soll plötzlich ein ganz neues Konzept des LERNENS angestrebt werden von Frau Hubig. Wieder wird die Notlage für viele Schüler nicht wahrgenommen und die akute Lernkrise und die Lebenskrise der Schüler. Die aktuelle Schulstiuation schreit um Unterstützung und Hilfe und Hubig erfreut er Selbstverwirklichung. So wie Frau Schopper ihrer Gemeinschaftsschulen und dies lauthals bekennt und die anderen Schularten keine Zustimmung erhalten. Herr Kretschmann die Ganztagsbetreuung ausbauen möchte und kein Geld, Personal vorhanden sind. In einer Krise solche Projekte anzustreben und den alten Flickenteppich der längst überholt werden muss findet keine Beachtung. Die junge Schülergeneration wartet auf Lösungen um dieses Schuljahr bestehen zu können und auf tragende Unterstützung der anghäuften Rückstände aufarbeiten zu können.

  4. Ja, genau, macht erstmal einen Kongress, ein Symposium und Pilotprojekte.
    Hat sich ja bewährt in den letzten Jahrzehnten.
    Jetzt bloß kein Aktionismus und den Schulen und Lehrern einfach mehr Freiheit und Ressourcen geben.
    Wichtig ist vielmehr, dass die üblichen Sesselpupser schlaue Präsentationen zum Besten geben können.
    Diese Kultusbürokratie ist selbst das Problem.

  5. Tjaaaa, manche Sachen hören sich ja echt toll an – aber wenn die Ideen plötzlich von unserer Landesregierung kommen, macht uns das einfach nur misstrauisch.
    Zum Beispiel:

    «Die Lehrkräfte stehen dann vielleicht nicht mehr vor einer Klasse, sondern den Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Räumen zu unterschiedlichen Fragen mit ihren jeweiligen Kompetenzen zur Seite.»

    Im Prinzip ist das eine gute Sache: Selbstbestimmtes Lernen, Lernwerkstätten, Ateliers,… Aber wenn es von der Landesregierung kommt ist die Intention: „Wir sparen Lehrkräfte ein, da sie nicht mehr nur für eine Klasse, sondern für viel mehr Schüler „Ansprechpartner“ sein können.“
    Außerdem: gerade in den unteren Klassen der Grundschulen muss viel mehr angeleitet und motiviert werden, die meisten Kinder möchten sich als Teil einer Gemeinschaft („Klasse“) fühlen und eine feste Bezugsperson („KlassenlehrerIn“) haben.

    Ich warte gespannt darauf, ob es irgendwelche positiven Auswirkungen haben wird oder nur wieder viel heiße Luft produziert und Geld aus dem Fenster geworfen wird, das in etablierten Projekten viel besser eingesetzt werden könnte.

    • Ist wie beim Kommunismus, klingt auch gut.
      Hat aber leider das Problem, dass es nicht klappt, weil der Mensch nicht so tickt.
      Alle arbeiten aus eigener Motivation um für alle Wohlstand zu erzeugen versagt durch die menschliche Faulheit genau so sehr wie jeder lernt was er will in dem Umfang der ihm passt.

      In beiden Fällen wird es leider eine Gruppe geben die sich für nichts interessiert und keinerlei Motivation hat.
      Eine weitere Gruppe wird ohne eine gewisse Struktur zwar guten Willen aufbringen aber nicht zielführend handeln.

  6. Statt einfach mal die Situation schrittweise zu verbessern (kaputte Toiletten, undichte Dächter, Kommunikation zwischen Schule, Schülern und Eltern zeitgemäß digital gestalten, genug Lehrer, entrümpelte Lehrpläne, moderne technische Ausstattung, …) macht man runde Tische, plant 10 Jahre lang die Schule der Zukunft, bezahlt Berater, macht dann eine europaweite Ausschreibung, entwickelt 10 Jahre und stellt dann das Projekt ein, weil von den 1000 geplanten Sachen jede halb, aber keine ganz fertig ist.
    Fangt doch mal ein Thema an, bringt es zügig zu Ende, schaut dann was das nächste dringende ist und nehmt euch das dann vor. Dann sind wir in 10 Jahren weiter als mit „wir planen den ganz großen Wurf“, weil das dann zu viel auf einmal ist und sich während der Realisierung schon wieder die Rahmenbedingungen ändern, so dass es nie fertig wird.

  7. Sieht aus, als wollte Fr. Hubig mit einer durchsichtigen, von hohlen Phrasen strotzenden PR-Kampagne den Imageschaden vergessen machen, den sie gemeinsam mit ihren querdenkenden Durchseuchungsexperten verursacht hat und in naher Zukunft weiter verursachen wird. Ein Ablenkungsmanöver.

    • So wird es wohl sein!!! Klingt verdammt nach Selbstinszenierung. Stutzig macht, dass keine Vertreter*innen von LuL mit im Boot sitzen.

          • @Riesenzwerg

            Natürlich ist es lästig, wenn man mit „kleinem“ Fachwissen (Jura-Steffi-Hubig) am Kopfende des Tisches sitzt und denkende – womöglich auch kritische – Leute vom Fach (Schule und Pädagogik, Praxiswissen plus Berufserfahrung) mit am Tisch hat.
            DA würde auch ein runder Tisch nach Vorbild der „Tafelrunde“ nicht weiterhelfen.
            Aber nu isses halt doch aufgefallen …
            🙂

  8. Wenn es ernst gemeint ist und wirklich zu einer Verbesserung führen soll, muss es schulscharf geschehen.
    Landesweite Entscheidungen sind in der Regel Sparvorschläge.
    Schule kann durchaus anders funktionieren und ist sicher nicht mehr zeitgemäß.
    Eine andere Form der Schule hätte auch in Pandemiezeiten Vorteile gehabt.
    Aber nur dann, wenn sie wirklich auf die Kinder zugeschnitten ist, wenn Schulen vor Ort (und zwar in erster Linie die Lehrer aufgrund ihrer Erfahrung) entscheiden dürften, was besser funktionieren würde, was den Kindern besser gerecht würde als das Althergebrachte.

    Ich fürchte, ein weiterer PR-Feldzug und ein welterer Sparvorschlag ist die Folge der Bemühungen einer Landesregierung.
    Würde mich freuen, wenn ich mich irrte… hätte das dann gerne auch in anderen Ländern… man muss ja gar nicht das Rad neu erfinden, es gibt ja schon gute Ansätze… aber bisher leider fast nur als Pilot-/Projektschulen- und die Hürden sind so hoch, dass viele Schulleitungen sich gar nicht erst dranwagen.

    Den Herausforderungen der Zukunft werden wir mit einem System aus dem vorletzten Jahrhundert mit prägenden Elementen aus noch weiter zurückliegenden Jahrhunderten nicht mehr gerecht werden.
    Es ist sicher nicht alles schlecht, was überliefert wurde; aber es einfach nur zu überliefern und weiterzumachen, weil es immer schon so war und alles andere neu wäre…???

  9. Das erinnert mich an einen Kommentar von @Frau Schmidt am 28.10. um 11.06Uhr zum Thema Vorlesen in der Kita:
    Sie empfiehlt:
    „nicht die den kognitivistischen Lerntheorien durchaus widersprechende Haltung die intrinsische Motivation der Kinder als alleinige Doktrin zur „Förderung“ in der Elementarpädagogik zu erheben. Die Folge ist eine akzeptierte und gewollte Verwahrlosung von Kindern, statt einer aktiven Interaktion.“

    Ja, diese paradiesischen Zustände gibt es schon, im Kindergarten! Je nach Personal wird den Kindern ein mehr oder weniger breitgefächertes Angebot zur Verfügung gestellt, das sie je nach Lust und Laune annehmen können. Das Ergebnis ist, dass immer mehr Kinder in der GS keinen Stift halten können, keine Schere benutzen können, sich nicht längerfristig mit einer Sache beschäftigen mögen und sich schon gar nichts sagen lassen wollen!
    Von Sozialkompetenz, Anstrengungsbereitschaft und Resilienz braucht man gar nicht mehr zu reden!

    • @Alla

      Liebe Alla, stimmt.
      Leider.

      „Von Sozialkompetenz, Anstrengungsbereitschaft und Resilienz braucht man gar nicht mehr zu reden!“
      Dazu kann man dann Ü18 tolle (hüstel), aber auf jeden Fall teure Fortbildungen machen.

      „Das Ergebnis ist, dass immer mehr Kinder in der GS keinen Stift halten können, keine Schere benutzen können, sich nicht längerfristig mit einer Sache beschäftigen mögen und sich schon gar nichts sagen lassen wollen!“
      Nö, die wahren 😉 Talente lassen sich nix sagen, die werden ohnehin Befehlshaber und Funktionsstelleninhaber, weil sie ja schon wichtige Grundqualifikationen mitbringen. Da genügt es dann auch, wenn das Fußvolk weiter unten mit Messer, Schere, Gabel, Licht umgehen und sich längerfristig mit einer Sache beschäftigen mag und das auch kann.

      Und das Ganze erinnert immer wieder an ein Karussel des Stumpfsinns, nächste Runde, bitte zusteigen …
      🙁

    • Liebe Alla,

      ja, ich unterrichte als Lehrkraft zukünftige Kinderpfleger:innen/ Sozialassisten:innen und ich erlebe dies täglich. Es besorgt mich zutiefst, dass die Kitas sich kaum weiterentwickeln werden, wenn das zukünftige! Personal ein geringes Kompetenzniveau in Deutsch/ Literatur….grundsätzlicher Neugier etwas zu lernen, …von Mathe/MINT „Haus der kleinen Forscher“ müssen wir nicht sprechen, aufweist. Es sind die zukünftigen Kolleg:innen der derzeitigen Kollegen; die zuweilen selbst wenig intrinsisch motiviert zu gestalten, zu lesen,zu experimentieren sind, sich etwas zutrauen, sich korrigieren lassen und damit die Kollegien belasten und hemmen.
      Auch diese jungen Kolleg: innen lernen schnell, Verantwortung abzugeben, wenn junge Erzieher:innen im Situationsansatz aufgehen und die Erzieherrolle aktiv aufgeben.

      • Nun ja, erziehen ist anstrengend, braucht Aufmerksamkeit, Einsatz, Konsequenz, Förderung, fordern, Grenzen setzen und einhalten, sich viel mit den Kindern beschäftigen, sprechen und aktiv zuhören, Kreativität, Interesse an der Umwelt, Empathie und vieles mehr.
        Da ist Beaufsichtigen natürlich einfacher!
        Natürlich kann das die Kita nicht alleine schaffen, auch die Eltern sind in der Pflicht, was aber nicht immer klappt!
        Aber es scheint mir inzwischen, als sei es politisch gewollt, die Kinder, wie Sie schon bemerkten, verwahrlosen zu lassen.

  10. Die ganzen Konzepte dafür erstellen dann die Lehrkräfte, entlastet durch zusätzliches Personal und abgefedert durch Entlastungsstunden. Natürlich auch unterstützt durch IT Fachpersonal und ausgestattet mit genügend Lehrmittel dafür.

    Oh… nicht?? Achso, nebenher soll das von den Lehrkräften gemacht werden.
    Verstehe. Ja, macht Sinn. Hat sich bisher auch gut bewährt, um Geld zu sparen.

  11. Statt hier herumzupalavern- sich einbringen, mitmachen und mitbestimmen!
    Habe ich gemacht, mich informiert, gemeldet und nehme am Kongress teil.
    Statt an dem Freitag um 12.15 Uhr den Griffel fallen zu lassen 😉

    • @Julia
      „Statt hier herumzupalavern … nehme am Kongress teil.
      Statt an dem Freitag um 12.15 Uhr den Griffel fallen zu lassen “
      Den Griffel fallen lassen.
      So so.
      Sie sind frei von billigen Klischees UND machen es besser. 😉

      „und mitbestimmen!“
      Wir freuen uns auf Ihren ausführlichen Ergebnis-Bericht am Freitagabend.
      Nicht den Griffel fallen lassen. 😉

      • Warum rechtfertigen Sie sich denn? Ich sprach von „meinem Griffel“- über Ihre Arbeitszeiten weiß ich nichts.

        • @Julia
          – Von „Ihrem“ Griffel sprachen Sie nicht. Nein. Das Wort „mein“ taucht in Ihrem Post vom 1. November, 17.17 Uhr nicht auf. Die Rede ist von „den Griffel …“.
          – Ich rechtfertige mich nicht. Es gibt dazu keinen Grund.
          – In einem Punkt haben Sie aber Recht: Über meine Arbeitszeiten wissen Sie nichts.

          Trotzdem dürfen wir uns bestimmt auf und über Ihren Ergebnis-Bericht am Freitagaben freuen.

          • Warum denn so angefasst, Herr/ Frau W.?
            Ob mit oder ohne Possessivpronomen- getriggert hat`s dann doch, nicht wahr?

            Den Bericht- wie Sie ihn sicher von mir erwarten- opportun, regierungshörig etc.- gibt`s doch im Nachgang auf den Kanälen der Landesregierung ;-))
            Ich habe da keine Lust, das gesellige anschließende Weinchen mit den Referenten des BM im Mainzer Weinlokal zu unterbrechen ;-)) Der (Frei-)Tag ist nicht ohne Grund gewählt.

  12. Dann müssen dann aber ziemlich viele Schulen neu gebaut werden, oder? Wenn ich mir den verfügbaren Platz anschaue, bekomme ich ja ganz feuchte Augen.

  13. Dass „selbstbestimmtes“ und „digitales“ Lernen nur unzureichend geklappt haben, haben wir ja nun gerade gesehen in den letzten 1,5 Jahren…

    Die 10 Mio € pro Jahr sollten erstmal in die maroden Schulgebäude gesteckt werden, bevor man überhaupt von „Schule der Zukunft“ sprechen kann!

  14. Eigentlich eine super Sache, schade nur, dass es als neue Idee verkauft wird. Einfach mal zur Bielefelder Laborschule schauen oder eine Montessori-Schule besuchen. Da klappt das wunderbar – und das schon seit Jahrzehnten.

    • Wenn schon darüber nachgedacht, geredet und ausprobiert wurde- ist’s noch besser. Dass die Politik sich da selbst auch promotet, ist doch klar- wenn’s gute Ideen sind und man mitgestalten kann, sei’s drum.
      (Heliosschule der Universität in Köln wäre auch ein Beispiel von vielen mehr.)

  15. Was mir in diesem Blog immer wieder auffällt und sehr durchsichtig ist:
    Sinnvolle Veränderungen, denen man nicht öffentlich widersprechen möchte, werden abgewehrt durch Hinweise auf andere Mängel, die auch beseitigt werden sollten und Vorrang haben sollten.

    Warum, @Katinka, immer sinnvolle Vorschläge gegen einander ausspielen und nicht beides in Angriff nehmen?

    • „Sinnvolle Veränderungen … werden abgewehrt“
      Sie verwechseln da was: Wenn immer wieder gefordert wird, doch den Kapitalismus durch einen Sozialismus abzulösen, klingt das VORHER halbwegs sinnvoll, aber HINTERHER gibt’s dann die große Enttäuschung. Noch hat es keinen funktionierenden Sozialismus gegeben. Daraus resultiert dann eine große Skepsis.
      Und mutatis mutandis ist das eben auch bei der Schulpolitik so: „sinnvoll“ klingt oft das postulierte Ergebnis, aber ob es tatsächlich in der vorgeschlagenen Weise erreicht werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Leute haben eben genug von den vielen Säuen, die schon durch die Dörfer gejagt wurden. Den Schulpolitikern glaubt man nicht mehr, wenn sie auf die wunderbaren rosarot geschilderten Vorteile ihrer Reformen hinweisen. wozu auch Gesamtschulen, Lernateliers, Gruppenunterricht, Digitalisierung, individuelles Lernen usw. gehören. Seit Jahrzehnten wird reformiert, und immer wieder wird am Ende dasselbe Problem beklagt: die soziale Ungerechtigkeit. Die Rezepte scheinen nicht zu funktionieren.
      Und das, was Sie hier so im allgemeinen schreiben, ist auch nicht geeignet, die Skepsis zu beseitigen. Schauen Sie mal im Internet, wieviele „Zukunftskongresse“ es schon gegeben hat, und vergleichen Sie die tatsächlichen Effekte mit den vollmundigen Ankündigungen. Man könnte eben auch sagen: Wir nähren im Bildungsbereich einen schmarotzenden Wasserkopf von Theoretikern, die auch nicht wissen, wie es besser gehen könnte, die aber große Forderungen ausbreiten, was die anderen alles leisten sollen.
      Übrigens: Gerade die Bielefelder Laborschule, von der kurz über Ihrem Beitrag die Rede ist, hat einen viel geringeren Anteil von Arbeiterkindern als normale Schulen. Unter „Laborbedingungen“ funktioniert so manches, was in der normalen Praxis eben nicht funktioniert.

      • „Und mutatis mutandis ist das eben auch bei der Schulpolitik so: „sinnvoll“ klingt oft das postulierte Ergebnis, aber ob es tatsächlich in der vorgeschlagenen Weise erreicht werden kann, steht auf einem anderen Blatt.“
        Dies gilt für jede Planung, etwas zu verändern. Ob die beabsichtigten Resultate zukünftig eintreten, kann man prinzipiell erst in der Zukunft feststellen.
        Heißt dies für Sie, dass es keine Veränderungen geben darf. Nach den Gestzen der Logik müsste das so sein

        • „… dass es keine Veränderungen geben darf.“
          Nein, für mich heißt das, dass Schulreformer bitteschön VOR der Reform in Schulversuchen nachweisen, dass sie funktionieren wird, und dass sie sich HINTERHER für ein Scheitern VERANTWORTLICH fühlen, falls dieses dennoch eintreten sollte. Beispiel auch: Digitalisierung. Selbstkritik täte diesen Leuten gut, das Scheitern muss aufgearbeitet werden. Stattdessen schlagen die Schulreformer nach jeder gescheiterten Reform die nächste Reform vor, oder sie schlagen sich gleich in die Büsche und sind verschwunden (z.B. Frau Löhrmann). Wenn ein Landesinstitut offensichtlich versagt hat, wird gefordert, noch ein zweites Landesinstitut zu gründen (so in Bremen, Berlin, BaWü). Es ist diese „organisierte Verantwortungslosigkeit“, die die Leute satt haben.
          Nebenbei: Ich halte die deutschen Schulbehörden für unfähig, auch nur eine 6-jährige Grundschule einzuführen. Denn die Grundschulen haben ja nicht so viele freie Räume und unbeschäftigte Lehrer. Also würde man die 5. und 6. Klassen wieder in den weiterführenden Schulen unterbringen. Wer wohin käme, wäre ein neues Lotteriespiel. Das gilt erst recht für die Einführung einer einheitlichen Sekundarstufe. Solange Parteiideologen das Sagen haben, die ihre Parteitagsbeschlüsse und Koalitionsverträge an oberste Stelle setzen und die Schulkinder mehr als Versuchskaninchen sehen, die ihrer Partei zu dienen haben, würde auch das in einem organisatorischen Chaos scheitern. Beispiel : Die reformfreudige Kultusministerin im ersten Kabinett Kretschmann, die alsbald gefeuert werden musste, um den Schaden zu begrenzen.

  16. Nein, ich bin auch der Meinung, bevor man sich mit so viel Geld um die Schule der Zukunft kümmert, sollte man sich erstmal um die Schule der Gegenwart kümmern, damit hätte man mehr als genug zu tun.

  17. @Alla, @Frau Schmidt
    Weil Sie so gerne auf die Kindergärten eindreschen: Ich arbeite seit 30 Jahren im Kiga. Alle paar Jahre wird eine neue Sau durch’s Dorf getrieben, nach welcher Methode wir arbeiten sollen. Als ich anfing, war die sog. „Vorschule“ total verpönt. Vorschulblätter, Vorschulmappen, alles bäääh! Dann kam der Trend „spielzeugfreier Kindergarten“, situativer Ansatz, offene Gruppen etc, etc. Dann kam Pisa. Plötzlich war man wieder auf dem Leistungstrip.
    Inzwischen sind wir soweit, daß eigentlich alle Kitas mit offenen Gruppen arbeiten, wenn nicht gerade Pandemie ist.
    Die freie Entfaltung der Kinder wird momentan wieder ganz hoch gehalten.
    Ich bin auch sehr für freie Entfaltung und möglichst viel Zeit zum Spielen. Aber man muß von den Kindern ab einem gewissen Alter doch auch mal verlangen dürfen, sich auf eine Sache konzentrieren zu können, auch wenn sie gerade mal nicht so sehr den eigenen Interessen entspricht. Durch die offenen Konzepte in den Kitas hat die Unübersichtlichkeit so zugenommem, daß man manchmal den Überblick verliert, welches Kind was kann. Als es noch feste Gruppen gab, kannte ich „meine“ Kinder ganz genau und ich wußte, wer wo noch Förderbedarf hat. Der offenen Arbeit stand ich schon immer eher skeptisch gegenüber.
    Aber Kitas, die nicht auf ein offenes Konzept umstiegen, galten schnell als altmodisch und von gestern.
    Ich bin in unserer Einrichtung für die Vorschulkinder verantwortlich und ich mache auch zweimal die Woche das, was früher unter dem Begriff „Vorschule“ lief.
    Während früher nahezu alle Kinder in dem Alter einen Stift richtig halten und mit einer Schere umgehen konnten, haben jetzt viele noch Schwierigkeiten damit. Weil sie sich durch die offenen Gruppen immer nur in den Räumen aufhalten, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Wer keine Lust auf Malen und Basteln hat, geht eben nicht in den entsprechenden Raum. Und wer keinen Bock auf Bauen und Konstruieren hat, der sieht niemals eine Bauecke von innen. So rutschen viele Kinder, die Schwächen in einem Bereich haben, einfach durch. Wenn, wie bei uns, für alle VS-Kinder ein verbindliches Vorschulprogramm stattfindet, fallen diese Defizite wenigsten noch ein Jahr vor Schuleintritt auf. Aber wenn, wie in manchen Kitas, nicht mal mehr das stattfindet, dann landen diese Kinder eben, mit all ihren „Rückständen“, in der Grundschule.
    Ich würde mir wünschen, daß man nicht alle paar Jahre mit einem neuen, noch „besseren“, dem „ultimativ richtigen“, unschlagbaren Konzept um die Ecke kommt. Ein bißchen mehr gesunder Menschenverstand und eine Ausgewogenheit zwischen freier Entfaltung und gezielter Förderung, wären, meiner Meinung nach, der vernünftigste Weg.
    Und ein Konzept, wo man eine überschaubare feste Gruppe von Kindern betreut, die man richtig kennt und deren Stärken und Schwächen man einschätzen kann.
    Ach ja – und Eltern gibt’s übrigens auch noch. Nur so nebenbei.

    • @Marion
      Danke für diesen Bericht. Er bestätigt genau das, was ich seit Jahren zunehmend bei den Erstklässlern beobachte und bestätigt meine Vermutungen zu den Ursachen. Das soll kein Erzieherbashing sein, denn Sie beschreiben ja auch genau, wie sich das entwickelt hat. Und in den Schulen und der Nachmittagsbetreuung lief es genauso und immer noch so weiter. Wir haben Kinder in der 3. Klasse die kaum Papier ordentlich falten oder etwas sauber ausschneiden können, ganz zu schweigen von Schleifen binden und noch vieles mehr. Da einige Eltern das alles auch nicht mehr schaffen, bin ich auf jeden Fall für ein verpflichtendes Vorschulprogramm.

    • Liebe @Marion:

      Ich danke SEHR für Ihren Beitrag, der im Grundgedanken/ der Kritik meinen Überlegungen in allen Punkten durchaus entspricht!
      An meiner GS wird auch permanent „rumgedoktert“.
      Wie froh bin ich doch, dass zu meiner Grundschulzeit diese tatsächlich „verlässlich“ war – insofern, als nicht ununterbrochen etwas Neues erprobt wurde (außer den Kurzschuljahren).

    • @Außer den genannten Defiziten in manueller Geschicklichkeit fallen in der GS dann auch häufig Defizite auf z.B. in numerischen Grundlagen oder in der phonologischen Bewusstheit, die unabdingbare Grundlagen fürs Rechnen in der GS sowie zum Schreiben/Lesen lernen. Der offene Ansatz fördert die Stärken, unterlässt es häufig aber Schwächen auszugleichen und allgemeine Grundlagen fürs Weiterlernen zu sichern, weil es nicht der „Motivation“(= Lust und Laune) der Kinder entspricht und die Vermittlung dann mühsam und zeitaufwändig ist? Wenn sich das Prinzip in der GS fortsetzt haben wir dann vermutlich
      zunehmend SuS, die nicht genügend Lesen, Schreiben und Rechnen können.

    • Ich wäre gespannt auf einen Kommentar des reformfreudigen Gerd Möller zu Marion oben. Ich denke auch, wir hatten zu viele hektische und nicht sinnvolle Reformen, von der Kita bis zum Abitur. Sinnvolle Reformen sollten erstmal in einem Schulversuch erprobt und ausgewertet werden, unter den kritischen Augen von Leuten, die was davon verstehen (und nicht nur Parteipolitikern, die an die nächste Wahl denken). Zum Beispiel hätte man gut daran getan, genau das vor Einführung der Inklusion zu machen. Dann hätte man sich einige Fehlentwicklungen ersparen können.

    • @Marion

      Danke, danke, danke!

      Es ist leider so, dass sich das Prinzip in der GS mehr oder weniger durchsetzen muss, denn es gibt viele SuS und wenige LK.

      Soziales Verhalten – autsch. Da werden Türen geschmissen, Mitschüler geschlagen, theatralisch der Raum verlassen – gruselig.

      Kindererziehung ist anstrengend – da führt kein Weg dran vorbei. Diese Anstrengung ist für die Gesellschaft erforderlich, damit sie funktionieren kann.

      Die Entwicklung heute geht in Richtung Verwilderung (von Verwahrlosung mag ich nicht sprechen – essen und trinken gibt es ja).

  18. SuS flexibilisierten und individualisierten ihre Lernzeiten bereits zu meiner Schulzeit.
    Ziel erreicht, wir waren mal Zukunft.

  19. @Marion
    Ein ganz wichtiger Punkt: Eltern gibt es auch noch!
    Wenn es bei Mutti und Vati hauptsächlich darum geht, sich die tollsten Autos und stets das neuste Smartphone oder den aktuellen Thermomix zu kaufen, wird das Kind ja gerne mal zeitig in eine Kita abgeschoben, in der es dann einer permanenten Reizüberflutung ausgesetzt ist. Später dann gerne noch vor die Glotze oder Spielekonsole, damit das Kind bloß ruhig ist. Zu Hause miteinander sprechen, spielen, toben usw. passt nicht mehr in den Tag und könnte ja auch Unordnung und Dreck machen. Das macht sich nicht gut in der neuen Hochglanzküche, die ja in erster Linie zum Glänzen da ist. Zeit zum Kochen hat ja sowieso keiner. Es stehen ja in der Woche schließlich auch noch andere Termine an: Vereine, Therapien, Nagelstudio und und und…
    Das ist alles natürlich überspitzt formuliert, soll aber darauf hinweisen, an welcher Stelle die Kinder teilweise in unserer Gesellschaft stehen. Ich wünsche den Kindern, dass sie wieder Kind sein dürfen, aber auch erfahren was Grenzen und Regeln sind. Wenn wir da zu ein bisschen mehr „Natürlichkeit“ zurückkehren würden, würde sich das ein oder andere Konzentrations- oder Motivationsproblem bei den Kindern von selbst erledigen. Auch zusätzliche Therapietermine hätten sich teilweise erledigt.
    Bei aller Überspitzung: Ich ziehe meinen Hut vor jedem Elternteil, vor jedem/jeder Erzieher/in und vor jedem/jeder Lehrer/in und insbesondere vor den Kindern, die in dieser Zeit groß werden!
    Vielleicht wäre das ein oder andere neue Konzept für Schule oder Kita eine tolle Sache, aber ansetzen muss man in dieser Gesellschaft schon viel früher, um Kindern die Möglichkeit zu geben, selbstständige und selbstdenkende Erwachsene zu werden!

  20. @soso!? Bei aller Kritik am offenen Kita – Konzept, frag ich mich aber schon auch, wie das mit der „phonologischen Bewußtheit und den numerischen Grundlagen“ in meiner Kindheit geklappt hat.
    Ich war gar nicht im Kindergarten und all die anderen Kinder bei uns auf dem Land auch nicht. Wir hatten auch keine „Helikoptereltern“, die uns von früh bis spät drangsa…. äh, gefördert haben. Ehrlich gesagt, hat es keinen Erwachsenen sonderlich interessiert, womit wir uns beschäftigt haben, solange dadurch nichts und niemand zu Schaden kam.
    Trotzdem gingen wir irgendwann zur Schule und konnten selbstverständlich korrekt mit Stift und Schere umgehen.
    Wir haben relativ prolemlos Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und konnten uns auf unsere Aufgaben konzentrieren. Der eine tat sich vielleicht mit dem Lesen schwerer, dafür konnte er gut rechnen, der andere hatte vielleicht ’ne ziemliche „Sauklaue“, war aber ansonsten ziemlich pfiffig. Aber die Grundlagen waren da, obwohl wir in unserer Freizeit so ziemlich machen konnten, was wir wollten.
    Warum ist Kindheit inzwischen so furchtbar kompliziert? Manchmal glaube ich, wir Erwachsenen pfuschen viel zu viel daran herum.

    • @

      Auch hier muss ich zustimmen! Ich war auch nie im Kindergarten.

      Ich bin auch der Meinung, dass Kinder wieder Kinder sein müssen – doch scheint es keine Idee mehr zu geben, wie das eigentlich geht.

      Frühförderung ist nur ein Beispiel. Kinder brauchen Zeit, sich zu entwickeln. Dauert es etwas länger, werden Diagnosen gestellt. Sie bekommen Hilfe und Unterstützung und lernen nebenbei, dass sie wohl zu blöde sein müssen und nichts alleine können. Meistens ist dem nicht so – sie können was, dürfen aber nicht.

    • Liebe @Marion,
      keinesfalls wollte ich auf Erzieher* innen „eindreschen“, ich weiß, dass diese von den Trägern mit ihren „Konzepten“ ausgebremst werden!
      Auch ich bin schon so alt (Jahrgang 1955), dass ich keinen Kindergarten besucht habe.
      Aber damals war meine Mutter noch zu Hause. Auch wenn wir (nachmittags)
      viel draußen spielten, gab es doch auch viel zu tun! Tischdecken, beim Spülen mithelfen, im Garten mithelfen, Bohnen schnippeln, Beeren, Gemüse und Obst ernten, pflanzen und Unkraut jäten ( wehe, man riß ein Salatpflänzchen aus!) , backen und basteln, einkaufen und überlegen, welche Süßigkeiten man für die 10 Pfennig Rückgeld aus den Bonbongläsern bekommen konnte ( lieber 10 „Bonsches“ für 1 Pfennig, oder 2 von den leckeren Schokostücken für 5 Pfennig, oder doch 5 von den Gummischlangen für je 2 Pfennig, oder 3 Gummimäuse für 3 Pfennig und ein „Bonsche“), Rabattmarken ordentlich ausschneiden und aufkleben, die Kirchturmuhr lesen, da man beim „Angelusläuten“ zu Hause sein musste, ordentlich und laut grüßen wenn man irgendwo war, im ganzen Satz antworten, Gedichte aufsagen, das Bett morgens ordentlich machen, die Briefe an die Großeltern, Tanten und Onkel leserlich unterschreiben, Schuhe binden und putzen, Eier einsammeln, ohne dass eines zerbrach, usw. usw.
      Und vor dem Zubettgehen wurde vorgelesen und eines der Kinder durfte erzählen, was im Buch bis dato passiert war!
      Was davon passiert denn heute noch, zu Hause oder in der Kita?
      Und NEIN, nicht alles hat uns Spaß gemacht! Aber „Erst kommt die Pflicht, dann das Spiel“, dass war jedem Kind klar!
      Der Schuleintritt änderte wenig daran.

      Trotzdem fand ich meine Kindheit schön! Ich war stolz auf mich, wenn ich als 4-jährige dann endlich die Teller abtrocknen durfte, während die jüngeren Geschwister noch bei den Löffeln und Gabeln waren.

      • Ach ja, in einer 3. Klasse war das Thema : „Briefe“ dran. Gerade mal 20% der Kinder kannten ihre Adresse. Und damit meine ich Straße und Hausnummer, nicht etwa Postleitzahl und Wohnort!
        Das wurde uns schon mit 3 Jahren eingetrichtert!

  21. a) Ich lese mir den Quatsch oben nicht durch – Überschrift reicht.

    Grund: Idee finde ich toll – brauche aber deutlich mehr Kollegen und Kolleginnen für die Umsetzung.

    Dumm: Gibt es nicht.

    Folge: Quatsch von oben lese ich nicht.

  22. „Raus aus der Enge der Klassenräume.“

    HÄ? Die Klassenräume sind u.a. deswegen eng, weil zu viele Schüler und Schulbegleitungen (in einer Klasse mit 25 Schülern sind es inzwischen 5! Tendenz steigend) gefercht werden.

    „Jetzt sollen sie sich aus freien Stücken auf einen Weg der Veränderung begeben.“

    Das ist ein Widerspruch in sich – ich SOLL aus FREIEN Stücken!?

    „«Wir fragen uns: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert?»“

    Nun, Lesen, Schreiben und Rechnen gehören – wenn Eltern und Schüler beteiligt sind – sicher nicht mehr dazu. Schade um die Fächer. Und um die, die diese Fächer studiert haben.

    „Jeder Aufbruch fängt mit einer Bestandsaufnahme an.“

    Dann ist ja klar, wieso es keine Lösungen und Ziele zum Klimaschutz, Artenschutz und Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Und zum Thema: Plastik all over the world. Die Bestandsaufnahmen werden wohl von den „falschen“ Leuten gemacht.

    „Die Schullandschaft in Deutschland zeige noch viel 20. Jahrhundert, aber nicht unbedingt die Schule, wie sie 2030 oder 2050 gebraucht werde, sagt die Bildungsministerin.“

    Na, da hattse ja was erkannt – die Umweltlandschaft zeigt auch noch viel 20. Jahrhundert, aber leider nicht, wie man aus der Misere 2030 oder 2050 rauskommt.

    Vielleicht brauchen wir uns in dem Zusammenhang auch gar keine Gedanken mehr um Schule zu machen – wer weiß das heute schon?

    «Wir fragen uns: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert? Das sind andere als im 19. oder 20. Jahrhundert.»

    Hammagut erkannt! Hochachtung! Ich würde meinen Hut ziehen, wenn mein kleiner Neffe nicht zu demselben Schluss kommen würde.

    „Die Schulen seien früher die zentrale Säule der Wissensvermittlung gewesen, aber dies habe sich verändert.“

    Genau. Heute machen das die Eltern! Ach, bin im falschen Film. Das machten mal die Eltern.
    Nun sind es Netflix, google und all die anderen, die ungefilterte fake news nach Lust und Laune verbreiten dürfen, die sie von (un)gebildeten Youtubern erhalten.

    „Heute gebe es viele weitere Wege der Wissensvermittlung, die miteinander vernetzt werden sollten.“

    Ja, seufz. Aber ist es nicht der Mensch, der wissen sollte? Die Megaallumfassende Vernetzung bringt nichts, wenn der Mensch – hier der lernende Schüler – nichts lernt und somit kein Wissen anhäuft. Gibt google – reicht.

    „Bei der Digitalisierung soll künftig nicht mehr so sehr die technische Ausstattung im Vordergrund stehen.“

    Klar, bei den Schülern spielt die häusliche und elterliche Ausstattung ja auch schon lange keine Rolle mehr. (Ich weiß zum Glück, dass es auch die richtig guten Eltern gibt – euch ein DANKE, dass ihr euch gut um eure Kinder kümmert!)

    „«Wir müssen die digitalen Mittel nutzen, um individuelle Förderung besser zu gestalten»“

    Ganz klar – Bücher zur individuellen Förderung gehen ja nicht.

    „, sagt Hubig und nennt adaptive Lernprogramme, intelligente Lernsoftware, Blended Learning als Verbindung von Lernen in der Schule und zu Hause sowie die Möglichkeiten der Virtual Reality: «Schülerinnen und Schüler können damit andere Lernorte aufsuchen oder etwa im Biologieunterricht den Körper von innen anschauen.»“

    Und weiß genau, was das bedeutet – oder? Eon und Konsorten werden ihr dankbar sein. Und da die Kids ja jetzt schon nichts in der Schule lernen, können sie sich ja zu Hause damit beschäftigen. Wow – mein Körper von innen – uns reichten Bilder in Büchern – klappte überwiegend gut.

    „Tradition und Beständigkeit sollen in den Schulen weiter ihre Berechtigung haben. «Aber die Kompetenzen, die heute benötigt werden, sind andere als noch vor 20 Jahren: Es geht heute auch um Kreativität, kritisches Denken, Zusammenarbeit oder Kommunikationsfähigkeit.»“

    Ach, du SCHEi__! Das unterrichte ich seit Jahren! Durfte ich das nicht?! Bitte nicht verpetzen.
    Ich wusste nicht, dass ich meine SuS in Kunst und Deutsch im Bereich der Kreativität hätte einschränken müssen. Ich wusste nicht, dass ich sie nicht zum kritischen Denken hätte anregen dürfen in Bezug auf WiPo und Texte im Deutschunterricht. Mir war auch nicht klar, dass die Förderung von Zusammenarbeit und Gruppenarbeit ein dienstliches Vergehen ist. Sie im Bereich der Sprache, der Eloquenz zu schulen, Schulz von Thun (vier Ohren) zu lehren…… Wie unfassbar falsch habe ich das alles gemacht! Da ist eine Entschuldigung an alle meine Schüler wohl nicht mehr ausreichend – mea culpa und nichts kann es ändern.

    Aber die haben gute Jobs gefunden, stehen überwiegend mit beiden Beinen im Leben (ja, es gibt selbstverständlich Ausnahmen ….. ob das daran liegt, dass sie die o.g. Fertigkeiten und Fähigkeiten erlernen durften?!)

    „Stundenplan und Noten sind kein Selbstzweck. «In der Schule der Zukunft geht es auch darum, Lehr- und Lernzeiten zu flexibilisieren und von den Stundentafeln ein Stück weit abzurücken», sagt die Ministerin.“

    Nun, meine liebe Dame, dieser Quatsch ist ja nicht auf unserem Mist gewachsen. Wir müssen bei der Flexibilisierung auch an die Busfahrpläne denken – Schulbusse, die extra eingesetzt werden, kosten nämlich Geld. Soweit ich weiß, sind die Stundentafeln vorgegeben und wir kriegen eins auf den Deckel, wenn wir die nicht erfüllen. Wir wollten schon…… Aber IHRE Vorgaben (KM) verhindern das erfolgreich.

    „«Den Bildungsstandards bleiben wir verpflichtet, aber in ihrem Rahmen soll es mehr Freiheiten für neue Lernprozesse geben. Wir erkunden gezielt Wege zum selbstbestimmten Lernen.»“

    Dat mach mal schön. Wichtig dabei ist immer, dass der eine oder andere tatsächlich was lernt und nicht nur googlet. Nennt man intrinsische Motivation – gibt es eher selten.

    „Dazu könne auch eine Auflösung der klassischen Stundenpläne gehören und ihre Weiterentwicklung zu Arbeitsfenstern.“

    Na, da bin ich gespannt. Vor allem, was die Arbeitsfenster betrifft – es wird ja jetzt kaum eine halbe Stunde pro U-Stunde gelernt – der Rest geht für Störungen drauf, dem Suchen nach Arbeitsmaterial wie Block, Blatt, Füller, Schere, Hausaufgaben, Rucksack……

    „«Die Lehrkräfte stehen dann vielleicht nicht mehr vor einer Klasse, sondern den Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Räumen zu unterschiedlichen Fragen mit ihren jeweiligen Kompetenzen zur Seite.»“

    Da kriege ich aber Kilometergeld, ein Megafon und eine Peitsche – denn ich bin sicher, dass ich dann zwanzig Räume mit unterschiedlichen Fragestellungen (Flexibilität in Kopf und Fuß ist ein Mus(s)) ersetze ich ja schon wieder zig Kollegen und arbeite mich in neue Fächer ein – äh, wann eigentlich?

    „Auch bauliche Veränderungen sollen für die Schule der Zukunft entwickelt werden.“

    Prima Idee. Bitte nicht selber denken, sondern bei Beatenberg abschauen. Das ist eine gute Vorlage.

    „Die Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler kritisiert schon länger, dass viele unter einer hohen Frequenz von benoteten Klassenarbeiten leiden.“

    Ja, die leiden immer. Sie wollen schließlich Spaß! Die Anzahl könnten KuMis reduzieren….. by the way. Dann würden die armen Kids nicht so leiden. Wir bräuchten nicht wochenlang und oft vergebens hinter nicht unterschriebenen Klassenarbeiten herrennen….. eigentlich eine prima Idee – wenn die Notengebung nicht wäre.

    „Auch die Ministerin räumt ein: «Es ist klar, dass Leistungs- und Notendruck für manche nicht der richtige Weg sind, um ihre Fähigkeiten zu entfalten.»“

    Ich bin beeindruckt.

    „Zwar gebe es auch Kinder und Jugendliche, die sich gerne aneinander messen wollten. Aber «Lernen soll Teil des Lebens sein, Lebensfreude ist auch Freude am Lernen.»“

    Ja, doch Freude allein heißt noch lange nicht lernen.

    „Und Hubig fügt hinzu: «Eine Idealvorstellung wäre es, die Grenzen zwischen Schule und sonstigem Leben aufzulösen.»“

    Disko, Alkohol, Drogen, Netflix, Cocooning, (Jugendzentren – ja! In meiner gering bemessenen Erholungszeit? nee), Döner, Streit, Playstations, …. muss ich dann auch die Ballerspiele ab 18 spielen? Mir auf Netflix SquidGames anschauen? Neverever!

    „Dann müssten Kinder und Jugendliche nicht mehr das Gefühl haben, ihre Aufgaben nur für die Schule machen zu müssen.“

    Bei uns haben kaum SuS dieses Gefühl – die machen nämlich einfach keine Aufgaben. Es gibt immer mehr Verweigerer. Und ja, ich bin sicher, das Elternhaus und das geltende Schulsystem spielen hierbei eine sehr große Rolle.

    „«Stattdessen sollte Lernen eine Chance sein, wie sich junge Menschen die Welt erschließen und sich möglichst viele Türen öffnen.»“

    Dann habe ich schon wieder etwas falsch gemacht – mea culpa – seit Jahren schon – mea maxima culpa. Ich habe ihnen genau das zu vermitteln versucht – bei vielen ist es gelungen. Tut mir leid, mir war nicht klar, dass das noch nicht auf dem Programm stand.

    «Die Heterogenität von Schülerinnen und Schülern, die jetzt schon groß ist, wird noch weiter zunehmen»

    Jepp. Aber die Zahl der Lehrkräfte nicht.

    „Wenn es um neue Gestaltung geht, sind Ideale als Orientierung nötig, um eine klare Richtung vor Augen zu haben.“

    Ein revolutionärer Gedanke. Vollkommen neu.

    „Bei der Umsetzung in die tägliche pädagogische Arbeit will das Pädagogische Landesinstitut den Lehrerinnen und Lehrern zur Seite stehen.“

    Sag ich ja – keine neuen Lehrkräfte. Aber vermutlich auch nur eine Person für 20 Schulen. Danke für nichts.

    „Dessen Direktorin Birgit Pikowsky erwartet, «dass die Heterogenität von Schülerinnen und Schülern, die jetzt schon groß ist, noch weiter zunehmen wird».“

    Eine Frau mit Weitblick – oder wo hat sie das gehört? Ich frage mich, was eigentlich mit Heterogenität gemeint ist – zur Zeit haben wir extrem viele verhaltenskreatiefe Schüler, aggressive Schüler…. kommen nun auch interessierte und kluge hinzu? (Ich bin echt genervt!)

    „Da könnten Kinder nicht im Gleichtakt lernen – die einen seien unterfordert, andere überfordert. «Wir brauchen beides: individualisiertes und gemeinsames Lernen.»“

    Voll der neue Trend! Macht SH seit Jahren – meine Meinung dazu – Sparpaket!

    „Nach den Überlegungen beim Zukunftskongress und in anschließenden Runden soll zügig die Umsetzung beginnen.“

    In ein paar vielen Jahren gehe ich in Pension – ob ich das noch mitbekomme?

    „«Sobald die ersten Maßnahmen aufgestellt sind, können sich alle Schulen bewerben, sich in einem Pilotprojekt auf diesen Weg zu begeben und begleitet zu werden», sagt Hubig.“

    Danke – und schon wieder unbezahlte Mehrarbeit.

    „Geplant sind im ersten Schritt bis zu 100 Pilotschulen, die für die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen Mittel aus dem Fonds «Schule der Zukunft» erhalten.“

    Geht davon etwas auf mein Gehaltskonto? Schließlich wird – wieder einmal – sehr gute Arbeit geleistet – in der Freizeit – …..

    „Die anderen rund 1500 Schulen in Rheinland-Pfalz dürften dann aber «nicht das Gefühl bekommen, jetzt Vergangenheitsschulen zu sein», sagt Pikowsky.“

    Olle LOOSER

    „«Alle Schulen sind Zukunftsschulen.» Lernen entstehe immer wieder neu in der Begegnung mit dem Lernstoff und mit anderen Menschen.“

    Ey! Ich dachte DIGITAL ist der Weg! Was sollen Menschen da?! Entscheidet euch mal!

    „«Wenn einzelne Schulen in diesem Prozess bestimmte neue Erfahrungen sammeln, sollen andere rege daran teilnehmen und auch übernehmen, was sich als gut herausstellt.»“ Von Peter Zschunke, dpa

    Ach so!

    Tja, ich wusste, dass mein erster Kommentar hierzu um 15.30 Uhr völlig ausreichend war:)

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