Klassenfahrten: Durch die Pandemie so wichtig wie nie

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Wegen der Lernrückstände durch Corona Klassenfahrten kategorisch streichen? Auf keinen Fall, warnt das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Klassenfahrten seien enorm wichtig und sollten deshalb unbedingt geplant und – wenn die Corona-Lage es zulässt – durchgeführt werden. Der perfekte Ansprechpartner dafür sind die Jugendherbergen in Deutschland. Sie bieten für die gemeinsame Reise altersgerechte Programme, geben den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, endlich wieder ein Wir-Gefühl zu entwickeln, und haben hohe Hygienestandards sowie auf Corona angepasste Stornierungsmöglichkeiten.

Klassenfahrten – Lichtblick für viele Schülerinnen und Schüler in der Pandemie. Foto: Shutterstock

Gemeinsam mit der ganzen Klasse etwas Schönes erleben – das ist in knapp zwei Jahren Pandemie viel zu kurz gekommen und hat deutliche Spuren bei den Kindern und Jugendlichen hinterlassen. Die Mahnung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, aufgrund der Lernrückstände sorgsam abzuwägen, für eine Klassenfahrt weiteren Unterricht ausfallen zu lassen, hält das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung deshalb für den falschen Ansatz.

Klassenfahrten geben den Kindern die Möglichkeit, ein Wir-Gefühl zu entwickeln und die Sozialkompetenzen zu schulen

„Klassenfahrten sind enorm wichtig“, sagte Martin Bujard, stellvertretender Direktor des BiB gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Denn sie geben den Kindern die Möglichkeit, endlich mal wieder intensiv mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen, ein Wir-Gefühl zu entwickeln und die Sozialkompetenzen zu schulen, so Bujard weiter. Hinzu kommt, dass aktuell viele Schülerinnen und Schüler wieder im Homeschooling stecken – weil sie sich mit Corona infiziert haben, in Quarantäne sind oder ihre Schule aufgrund hoher Infektionszahlen schließen musste. Gerade sie benötigen die Vorfreude auf ein Highlight – zum Beispiel die Aussicht auf eine Klassenfahrt.

Hilfe bei der Planung der Fahrten bietet das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH). Auf der Website unter www.jugendherbern.de/klassenfahrten/ können Lehrkräfte oder Eltern gezielt nach altersgerechten Reisen suchen. „Wir bieten vollständige Programme sowie einzelne Baustein-Elemente, mit denen eine Fahrt leicht geplant werden kann“, erklärt Oliver Peters, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DJH Bundesverbandes.

Eingeteilt sind die Programme in die Themenschwerpunkte Natur und Umwelt, Gesundheit und Sport oder Kultur und Gesellschaft. Aber egal welche Kategorie, es gibt jede Menge zu erleben: So heißt es bei der Adventure-Academy der Jugendherberge Simmerath-Rurberg gemeinsam aus Hölzern, Tonnen und Seilen ein Floß zu bauen. In Altleinigen werden „Meisterdetektive auf Spurensuche“ geschickt, in Grumbach gehen „UmweltBIOniere auf geheime Mission“, es werden Upcycling-Tage angeboten, das Mittelalter oder die Steinzeit erlebbar gemacht und Stadtgeschichte erforscht.

Entwickelt wurden die Programme von Erlebnispädagogen, die den Lehrkräften auch bei der Planung der Reise und auch vor Ort unterstützend zur Seite stehen. Sie haben zudem dafür gesorgt, dass die Angebote immer auch Elemente enthalten, in denen es um Teamfähigkeit, Teambuilding oder soziales Miteinander geht. Gerade für Fahrten der aktuellen Erst- und Zweit-, sowie Fünft- und Sechstklässler ein wichtiger Aspekt, da sie sich nur unter Corona-Bedingungen kennengelernt und kaum zusammengefunden haben.

„Alle unsere Häuser haben Hygienekonzepte, die fachgerecht entwickelt und mit den Gesundheitsämtern abgestimmt wurden“

Bleibt die Sorge vor Ansteckung, die einige Eltern, Lehrer und Schulleiter davon abhält, eine gemeinsame Reise zu buchen. Aber: „Alle unsere Häuser haben Hygienekonzepte, die fachgerecht entwickelt und mit den Gesundheitsämtern abgestimmt wurden“, erklärt  Peters. Der Gesundheitsschutz für Lehrerkräfte sowie Schülerinnen und Schüler sei damit sehr hoch.

Einen guten Grund, die Klassenfahrt aus dem Schulprogramm zu streichen, gibt es also nicht. Dafür aber mindestens zwei, um sie gerade jetzt zu planen: Klassenfahrten sind enorm wichtig für das soziale Miteinander und ein echter Lichtblick in der sich zuspitzenden Pandemie-Lage.

Alle Angebote der 450 deutschen Jugendherbergen finden sich unter www.jugendherberge.de/klassenfahrten/.

Dies ist eine Pressemitteilung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH).

„Klassenfahrten sind der perfekte Rahmen, um die sozialen Kompetenzen in der Klasse zu stärken – gerade in dieser Zeit“

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15 KOMMENTARE

  1. Na, ob die Rolle der Klassenfahrten da nicht doch etwa zu rosarot gemalt wird? Nicht für jeden ist ein Aufenthalt in einer Jugendherberge ein Traum. Und wieso haben Jugendherbergen sog. „Hygienekonzepte“, die die Schulen ansonsten nicht haben? Ob das „Teambuilding“ zur Zeit wirklich so viel wichtiger ist als die Vermeidung von Ansteckungen? Oder lugt da die „Employability“ um die Ecke?
    Alle warnen vor Corona, aber es muss Fußballspiele mit 50.000 Zuschauern geben. Und wenn Diskotheken und „Clubs“ schließen müssen, wird gewarnt, als sei die abendländische Kultur in Gefahr. Mir kommt das alles sehr unehrlich vor.

  2. Die Kinder haben Eltern für Freizeit und Urlaub. Lernen an anderen Orten ist momentan zu riskant. Außerdem gilt es jetzt, Pensum aufzuholen und die Lücken zu schließen.
    Lernstandserhebungen zeigen eklatante Rückstände.

      • Das weiß ich auch! Aber die Inhalte muss man in jetzigen Zeiten weniger riskant und pointierter bearbeiten- ggf. auch aufs Wesentliche beschränken.
        Gruppenbildung, soziales Lernen sind auch so eine Sache, wenn in vielen Klassen ein Großteil gar nicht mehr mitfahren kann/will.
        Wir haben jetzt in Schulen wahrlich anderes zu tun.
        Und wenn`s um Freizeit und Urlaub…das sagte ich schon.

  3. @ Carsten60:
    Selbstverständlich haben die Schulen Hygienekonzepte – diese werden als Hygienepläne von den Schulbehörden herausgegeben und gelten landesweit. Anders als bei Fußballspielen, bei denen sich 50.000 wildfremde Zuschauer treffen, handelt es sich bei Klassenreisen um so genannte Kohorten, die im Schulalltag ohnehin täglich über mehrere Stunden zusammen sitzen.
    @Andi:
    Haben Sie den Artikel gelesen? Auf einer Freizeit geht es nicht vorrangig um Freizeit und Urlaub sondern um Soziales lernen beziehungsweise Lernen vor Ort – das ist in den Bildungsplänen der Länder bereits seit Jahren integriert.
    @ Klugscheisser:
    Bei den Klassenreisen unserer Schule musste insgesamt EIN Schüler isoliert werden – als Vorsichtsmaßnahme, weil sich zu Hause seine Familie infiziert hatte – aber vielleicht liegt das ja daran, dass ich in einem Bundesland unterrichte, in dem die Impftquote hoch ist…

    • Die Inhalte muss man in jetzigen Zeiten weniger riskant und pointierter bearbeiten- ggf. auch aufs Wesentliche beschränken.
      Gruppenbildung, soziales Lernen sind auch so eine Sache, wenn in vielen Klassen ein Großteil gar nicht mehr mitfahren kann/will.
      Wir haben jetzt in Schulen wahrlich anderes zu tun.
      Und wenn`s um Freizeit und Urlaub…das sagte ich schon.

  4. Ja, total gut, wenn man Kinder nachts in 4-6 Bettenzimmer ohne Maske unterbringt. Super Hygienekonzept.

    Kann man sich auch gleich sparen!

    • Das ist der absolute Wahnsinn!!! Alle anderen Großverabstaltungen müssen geschlossen bleiben,doch Kindern mutet man alles in der Pandemie zu!!!
      Das,mit den Hygienevorschriften an den Schulen gibt es nur auf dem Papier! Tatsächlich sieht die Sachlage ganz anders aus! Die waschen sich nichtmal mehr die Hände! Nur noch wenige Lehrkräfte befürworten das!
      Was wird unseren Kindern da eigentlich noch Logisches beigebracht????
      Ich bin nur noch entsetzt! Das kann es nicht sein,und natürlich müssen die Schüler jetzt unbedingt,auch,wenn das gesamte Volk besser nicht reisen sollte (sei denn es sei geboostert,geturbot oder weiss das Virus….),auf Klassenfahrt gehen! Das ist Gemeinschaft,durchinfizieren oder auch gemeinschaftlich krankfeiern….Bis zu 10 Personen können sich ja auch sowieso,auf einer nicht definierten Quadratmeterzahl,tummeln. Das ist mal nicht verboten in Good Old Germany! Das kann man nur noch sark – eher – „sarg“ kastisch sehen,wenn es nicht so tragisch wäre,regelrecht zum Totlachen!

  5. „Alle unsere Häuser haben Hygienekonzepte, die fachgerecht entwickelt und mit den Gesundheitsämtern abgestimmt wurden“

    Wie soll das funktionieren? Seit wann haben Jugendherbergen Einzelzimmer? Anders ist der Gesundheitsschutz ja wohl kaum zu gewährleisten, denn niemand wird mit einer perfekt sitzenden FFP2-Maske schlafen (ganz abgesehen davon, dass er nach 112,5 Minuten aufstehen muss, rausgehen, das Ding entsorgen, draußen 30 Minuten Pause und dann mit der nächsten Maske wieder 112,5 min schlafen…).

    Was mich an dem ganzen „xyz ist wichtig“-Gerede nervt: Natürlich ist xyz wichtig, aber wir haben eine PANDEMIE! Je mehr kleine Extrawürste man wegen xyz macht, desto länger wird sie dauern und desto mehr Opfer wird sie fordern.

    Wer bei den jetzigen Inzidenzen über Klassenfahrten nachdenkt, hat den Knall nicht gehört.

    • Es geht ja wohl darum, Klassenfahrten für 2022 weiter zu planen – die vierte Welle wird ja nicht ewig laufen. Wer in diesem Schuljahr noch fahren möchte, wer seinen SuS mit der Aussicht auf eine Klassenfahrt auch etwas Hoffnung in dunklen Tagen geben will, der hält ihnen eine Klassenfahrt zumindest mal gedanklich parat. Wahr ist: Die meisten Kinder haben Gemeinsamkeit wirklich nötig, wie sich am Sozialverhalten einiger ablesen lässt.

      • Je nach Anzahl und Ausmaß dieser einiger würde ich mit so einer Klasse alles mögliche, aber nicht auf Klassenfahrt fahren. Dort muss man sich auf alle verlassen können, was man bei den einigen wohl ausschließen kann.

    • Das finde ich auch!
      Heute,bei 80000 Infektionen an einem Tag,wurde die Klassenfahrt bestätigt! Da gibt es eine sogn.Präsenzpflicht.
      Ich muss mein Kind mitschicken,sonst gefährde ich die Unterichtsnoten und das Kindeswohl und seien wir doch mal „ehrlich“,anstecken können wir uns doch wohl überall,warum denn dann nicht alle gemeinsam?!
      Hygienevorkehrungen:
      – 4 bis 7 Personen auf einem Zimmer
      – vollgequetschrte Reisebusse,alle Prallelklassen fahren gemeinsam
      – volle Speisesääle
      – gemeinsame Duschen und Toiletten
      – keine Maskenpflicht auf den Zimmern und beim Schlafen
      – Die Kinder,die keine Abholmöglichkeit haben,bekommen für 200 € Extragebühren eine Taxifahrt nach Hause,nach der Quarantäne,in einer fremden Umgebung quasi geschenkt!
      Geplant sieht anders aus und Hygiene auch!
      ES IST EINE REGELRECHTE SCHANDE,WAS SCHÜLERN UND LEHRERN ZUGEMUTET WIRD!!! EIN SKANDAL!
      Ich bin zutiefst entsetzt! Nichts ist für mich in daran noch nachvollziehbar!

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