Corona und die Folgen: Wenn das eigene Kind plötzlich lebensgefährlich erkrankt – eine Familie berichtet

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BERLIN. Zwar müssen Kinder vergleichsweise selten aufgrund einer Corona-Infektion ins Krankenhaus oder gar auf die Intensivstation. Richtig ist aber ebenfalls, wie der Expertenrat der Bundesregierung in seiner aktuellen Stellungnahme betont: „Auch Kinder und Jugendliche, insbesondere mit Vorerkrankungen und Risikofaktoren, können schwer erkranken.“ Die Wissenschaftler und Mediziner zeigen sich insbesondere wegen des PIM-Syndroms besorgt, „einer schweren hochfieberhaften Allgemeinerkrankung mit überschießender Entzündungsreaktion“, die im Anschluss an Covid-19 auftreten kann, wie es in dem Papier heißt. Rund 700 Fälle – plus Dunkelziffer – werden in Deutschland gezählt. Wir haben mit einer Familie gesprochen, deren nicht vorerkrankte Tochter plötzlich lebensgefährlich an PIMS erkrankte.

Wenn das eigene Kind plötzlich schwer erkrankt, ist das ein Schock. Foto: Shutterstock

Es stimmt, sie sind selten, aber es gibt sie: Kinder, die schwer an Corona, Long Covid oder PIMS erkranken. Hanna Schmitz (Name von der Redaktion geändert) ist eins davon. Im Sommer 2020 erkrankt die damals Sechsjährige an PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome), eine zeitverzögerte Entzündungsreaktion auf eine Covid-Infektion. Hannas Leben stand auf der Kippe. Seitdem hat ihre Familie sich abgeschottet, trifft kaum noch Freunde oder Verwandte und auch zur Schule geht Hanna nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass die inzwischen Achtjährige sich dort erneut infiziert, ist den Eltern viel zu groß. Und das Risiko, noch einmal zu den seltenen Fällen zu gehören, wollen sie nicht noch nochmal eingehen. Zu eindrücklich ist das Erlebte.

„Dort hat man festgestellt, dass die Entzündungswerte stark erhöht sind, ohne aber die Ursache zu finden“

Alles beginnt damit, dass Hanna im Juni 2020 hohes Fieber bekommt, das trotz Medikament nicht sinkt. Stattdessen kommen Übelkeit und Durchfall und nach zwei Tagen auch der für PIMS übliche Hautausschlag hinzu. Nur kennt zu diesem Zeitpunkt noch niemand PIMS – auch nicht die behandelnde Kinderärztin. Zudem weiß noch keiner, dass Hanna sich etwa sechs Wochen zuvor mit Corona infiziert hat. Das stellt sich erst bei einer späteren Blutuntersuchung heraus. Dementsprechend schlägt die Behandlung gegen das Fieber und den Durchfall nicht an, Hanna geht es zunehmend schlechter. Etwa fünf Tage nach den ersten Symptomen, bringen ihre Eltern sie in die Notaufnahme. „Dort hat man festgestellt, dass die Entzündungswerte stark erhöht sind, ohne aber die Ursache zu finden“, erinnert sich Vater Markus Schmitz.

Hannas Lymphknoten verdicken sich, sie hat starke Schmerzen. Die Ärzte diagnostizieren das Kawasaki-Syndrom, das PIMS sehr ähnlich ist, und behandeln sie entsprechend. Doch die Therapie schlägt nicht an. Schlimmer noch: Die Entzündung geht auf Hannas Herzmuskel über. Sie kommt auf die Intensivstation. Abends gilt ihr Zustand als „sehr kritisch“. „Freitagmorgens haben sie Hanna dann wieder untersucht und wir konnten sehen, wie die Ärzte die Panik in ihren Augen stehen hatten“, berichtet der Vater. Die Ärzte erklären ihm und seiner Frau, dass sie nichts mehr für Hanna tun können, außer zu versuchen, einen Platz bei einer Spezialklinik zu bekommen. „Die haben uns einfach weggeschickt“, sagt Schmitz.

Hanna hat Glück im Unglück: Im Herzzentrum in Duisburg ist auf der Intensivstation für Kinder ein Bett frei. Mit Blaulicht geht es dorthin. Nach der Aufnahme erklärt der Chefarzt den Eltern, dass man nun eine andere Therapie beginnen werden, wenn sie anschlage und Hanna die Nach überlebe, habe sie es geschafft. Es folgen lange und bange Stunden. Aber am nächsten Morgen wissen sie: „Hanna wird überleben.“

Dieses Ohnmachtsgefühl kann er nicht vergessen, und schon gar nicht die Angst, dass das eigene Kind stirbt

Eine Woche bleibt die Sechsjährige auf der Intensivstation, weitere knapp drei Wochen im Krankenhaus, dann kommt sie nach Hause. Die Entzündungen sind alle zurück gegangen und nach aktuellem Stand hat sie keine Folgeschäden davongetragen, auch psychisch nicht. Den Eltern dagegen fällt es schwer, das Erlebte zu verarbeiten. Zu sehen, wie es dem Kind immer schlechter geht. Wie es vor lauter Schmerzen schreit, weint und bettelt, dass die Ärzte sie nicht mehr anfassen sollen, und ihr nicht helfen zu können, all das hat tiefe Spuren hinterlassen. Zudem durfte Markus, nachdem die kritische Nacht in der Duisburger Klinik überstanden war, wegen der dortigen Corona-Regeln nicht mehr zu seiner Tochter ins Krankenhaus. „Es durfte nur einer bleiben“, erzählt er. Das habe seine Frau übernommen, die damit aber auch alles vor Ort allein regeln musste. „Ich konnte weder sie unterstützen noch bei meinem Kind sein“, so der Vater. Auch dieses Ohnmachtsgefühl kann er nicht vergessen, und schon gar nicht die Angst, dass das eigene Kind stirbt.

Die Konsequenz für ihn und seine Familie lautet: Wir schotten uns ab. Persönliche Treffen mit Freunden und Verwandten gibt es kaum noch – wenn nur draußen und mit Maske. Sobald es möglich war, haben er und seine Frau sich impfen lassen. Hanna dagegen ist noch ungeimpft. „Es gibt seltene Fälle, in denen Kinder nach der Impfung an PIMS erkrankt sind“, erklärt Markus Schmitz. Und selten – das kennen sie schon.

Ohne Impfung wollen sie Hanna aber auch nicht zur Schule schicken. Distanzunterricht wäre für sie eine Option. „Während des zweiten Lockdowns, hat Hanna daran wie alle anderen auch teilgenommen“, erzählt der Vater. Seit jedoch wieder alles in Präsenz stattfindet, unterrichten er und seine Frau ihre Tochter. Die Schulbücher sind alle zu Hause, Arbeitsblätter erhält sie von ihren Lehrern. „Inzwischen muss sie ja auch Arbeiten schreiben. Dazu geht Hanna nachmittags in die Schule, wenn alle anderen Kinder zu Hause sind, und sitzt dann allein mit der Lehrerin im Klassenraum“, schildert Schmitz.

Die Lernstandserhebungen zeigten, dass Hanna auf dem gleichen Leistungsstand sei, wie ihre Mitschüler, wertet Schmitz. Trotzdem möchte die Schule den Sonderweg für Hanna, den sie bisher mitgetragen hat, nun beenden. Für Familie Schmitz kommt das zum völlig falschen Zeitpunkt. „Gerade jetzt, wo es unter den Schülern so viele Infektionen gibt wie noch nie, geben wir unsere Tochter doch nicht in die Schule“, erklärt Schmitz. Eines der genannten Gegenargumente lautet: Aufgrund der hohen Infektionszahlen seien aktuell doch nur wenig Kinder in der Schule, da sei Hanna doch sicher. Familie Schmitz überzeugt es nicht. Und auch die Ankündigung der Schule, dass das Fernbleiben des nun wieder gesunden Kindes Konsequenzen nach sich ziehen werde, ändert die Meinung der Eltern nicht. „Wenn wieder etwas passiert, sind wir es, die damit klarkommen müssen. Wir stehen wieder im Krankenhaus, wir müssen unser Kind leiden sehen. Von denen, die uns jetzt Druck machen, ist dann niemand da und hilft uns oder unserem Kind. Und wir müssen dann zusätzlich mit dem Gedanken leben, dass wir es besser gewusst, aber unser Kind nicht geschützt haben“, erklärt er. Die angedrohten Konsequenzen sind für ihn daher nur „zusätzlichen Druck in einer ohnehin schwierigen Situation“.

Denn bei aller Angst wissen natürlich auch die Eltern, dass Hanna derzeit kein Leben führt, wie es eine Achtjährige führen sollte. Wie alle anderen vermissen auch sie ihr „altes Leben“, Reisen, Ausflüge, Sozialkontakte. Und sie wissen, ewig kann und soll es so nicht bleiben. Doch ihr Fahrplan ist langsamer getaktet. „Mitte März wollen wir Hanna impfen lassen“, erklärt er. Zumindest wenn dann die Omikron-Welle überstanden und die Kinderintensivstation im Herzzentrum nicht überfüllt ist. Und nach den Osterferien, wenn Hanna auch die zweite Impfung hoffentlich gut überstanden hat, und die Infektionszahlen weiter runter gehen, dann soll sie wieder am normalen Unterricht teilnehmen. Von ihrer vierjährigen Grundschulzeit hat sie dann zwei Jahre verpasst.

So etwas passiert selten – aber es gibt diese Fälle. Leider gibt es aber keine Regelungen, wie Schule damit im Interesse aller umgehen kann. Beate Berrischen, Agentur für Bildungsjournalismus

Peinlich für die Kultusminister: Corona-Expertenrat übernimmt Forderungen der Schülerinitiative #WirWerdenLaut

 

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mama51
3 Monate zuvor

Liebe Familie „Schmitz“,
liebe Hanna,
Alles Gute weiterhin für die Gesundheit von Ihnen allen!
Bleiben Sie Ihrer Linie treu !
Du, Hanna, bist ein tapferes Mädchen, dazu fleißig und gut „in der Schule“! Du hast fabelhafte Eltern!
Haltet durch und steht fest zusammen, dann „packt“ ihr auch die herzlosen, bürokratischen Sesselfurzer, die von deinem Leiden und dem Kummer deiner Eltern Null Ahnung haben! Und wohl auch nicht haben wollen! 🙁
Sehr herzliche Grüße 🙂

Und ich bete derweil zum
„Heiligen Sankt Korinthus“, dem Schutzpatron aller Erbsenzähler, Besserwisser und Rechthaber:
✓ lass es endlich Empathie und Hirn regnen!!!!!ll
Damit alle Kinder vor den Folgen dieser Pandemie geschützt werden! Und davor, solchen Bürokraten in die Hände zu fallen!

Birkenstock
3 Monate zuvor
Antwortet  mama51

„Heiligen Sankt Korinthus“ ✓

Schattenläufer
3 Monate zuvor

Bevor es los geht mit dem Geschwurbel, PIMS ist eine Folgeerkrankung von Corona!.

Im beschriebenen Fall ist das Kind also AN Corona erkrankt und nicht MIT Corona.

Trotzdem eine Neuigkeit für alle AN/MIT Fans.

Die Versicherungen überlegen für die momentanen Sturmschäden nicht auf zu kommen.
Der gestrige Sturm hat die Dachziegel ja nicht zerstört!
Sie gingen erst beim Aufprall auf den Boden zu Bruch.
Das Dach ging als mit AN dem Sturm sondern MIT dem Sturm kaputt.
Die Kosten bekommen als nur Personen erstattet die zusätzlich zur Sturmversicherung auch noch eine „Auf-den-Boden-Aufprall-Versicherung haben.

Man muss bei solchen AN/MIT Sachen eben absolut korrekt und logisch denken und unterscheiden.
🙂

Schattenläufer
3 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Berichtigung: „als mit AN dem Sturm“ soll „also nicht AN dem Sturm“

Sissi
3 Monate zuvor

@ Redaktion
„So etwas passiert selten.“
Ja, hoffe ich auch und
Nein, wenn ich selbst feststelle, dass ein Schüler postcovidär bei Leistunserhebungen „abkackt“ , ein anderer , Leistunssportler, Probleme hat, zum Unterricht im 3ten Stock zu kommen und beide immer wieder über bleierne körperliche und geistige Müdigkeit klagen. (In diesen Klassen tragen i.Ü. alle ohne Angst gerne Maske ). Ein anderer Forist hat ähnliche Beobachtungen bei Schülern bereits an anderer Stelle beschrieben. Ich selbst kann seit Anfang Dezember ein bisschen mitreden, als mich delta erwischte. Auch ich bin oft müder als zuvor, Körper und Konzentration signalisieren nicht immer, aber so doch oft , dass es nicht vorbei ist. Wieder zu den Kindern: Fieber, haben sie öfters, geht vorbei; kann sich nicht Konzentrieren, hat durchgezockt; verhält sich anders als sonst, ist unsicher; die Pubertät.
Es gibt einfach zu wenig gesicherte Erkenntnisse für postcovid bei Kindern/ Jugendlichen; selbst die Depression, die dem DU als Folge zugeordnet wurde, könnte auch postcovidanzeichen sein.
In Ihrem Artikel zeigen Sie eindrucksvoll, wie berechtigt die Angst vor und nach covid bei Eltern und Kindern ist; der Weg nach der Infektion ins „normale Leben“ , die Zweifel , ob sie alles richtig machen, die Sorge, den richtigen Impfzeitpunkt zu wählen, all das wünscht sich niemand; einige haben kein Gefühl dafür, einige leugnen derlei einfach, ist einfacher.
Ich wünsche der Kleinen von ganzem Herzen gute Besserung und dass der Schulleiter:in ein Einsehen hat und sich seiner Mittel(Wiedereingliederung gibt es auch für Kinder) bedient.
Vlt an dieser Stelle: Es werden möglicherweise auch neue Regelungen für Coronagenesene Kids nötig werden, – wenn man mehr über postcovid weiß, – auch für LuL, wenn z.B wie bei mir gerade die Konzentration durchsackt.
Danke für den Artikel.

Realist
3 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

„Es werden möglicherweise auch neue Regelungen für Coronagenesene Kids nötig werden, – wenn man mehr über postcovid weiß, – auch für LuL, wenn z.B wie bei mir gerade die Konzentration durchsackt.“

Welche Regelungen schweben Ihnen da vor, in einem System, das jetzt schon wegen Personalmangels auf dem Zahnfleisch kriecht? Außer allgemeiner Leistungsabsenkung (man will ja niemanden benachteiligen) fällt mir da nichts ein. Und Leistung absenken wollen wir ja auch nicht, denn es gilt ja „Wirtschaft first“ und die braucht gut ausgebildete Leute…

Es rächt sich jetzt, dass man das Sytem Schule jahrzehntelang auf Kante gefahren hat. Statt Reserven / Redudanzen aufzubauen hat man immer mehr potemkischen Dörfer errichtet, mit denen das System schon vor Corona mangels Personal überfordert war: Inklusion, Integration, Ganztagsunterricht. Und jetzt hat Corona dem System in Verbindung mit dem demographischen Wandel (Fachkräftemangel überall, auch in der für leistungsfähige und intelligente Menschen deutlich besser zahlenden „freien Wirtschaft“) den Rest gegeben. Aus diesem Loch kommt das System Schule in den nächsten zehn Jahren nicht mehr heraus. Es kann nur schlimmer werden…

tachelesme
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Zustimmung. Auch wenn man jetzt sofort etwas verbessern würde, würde es 10 Jahre nicht ausreichen, um es auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Schon die Ausbildung der Lehrer ist ein Fehlschlag. Pandemie ist keine Ursache, nur ein Katalysator der Misere. Die Fassade (wenn es sie überhaupt gibt) brökelt. Es fehlt an Visionen und Interesse etwas zu verbessern.

Trulla
3 Monate zuvor

Der Familie und allen anderen von PIMS und Long Covid Betroffenen wünsche ich alles Gute, Kraft und gute Besserung.

All‘ das beschriebene Leid relativiert eine Frau Prien -und auch die anderen KM agieren in diesem Sinne.
Der Bericht macht mich noch wütender, fassungsloser. Gerade KM sind doch FÜR die Kinder da, haben zu deren Wohl zu agieren.
Alle SuS abholen, „wo sie stehen“, auf Lernschwãchen Rücksicht nehmen. Aber das Leid „vulnerabler “ SuS wird relativiert, weil „selten“. Partielle Solidarität?
DAS ist einfach zynisch.
Insbesondere, wenn unsere Abgeordneten in Bundes- und Landtag, die in Deutschland auch „eine Minderheit“ sind, sich alle erdenklichen Hygienemaßnahmen inklusive Aussetzen von Präsenz und Videoschalten gönnen. Genau das, was für Schulen gefordert wird.

Elly
3 Monate zuvor

„Die Schule möchte ihren (Hannas) Sonderweg beenden“. Bei diesem Satz zuckte ich zusammen. Wie schrecklich, wie empathielos von der Schulleitung (die wahrscheinlich dazu gezwungen ist?) – was für eine zynische und schlimme Situation, dass ANDERE, Außenstehende sich anmaßen, das arme Kind in die Schule zu zwingen. Ich fühle von ganzem Herzen mit diesen Eltern…
Die Präsenzpflicht ist überkommen und muss dringend durch eine pädagogisch wertvollere Alternative ersetzt werden, wie z.B. ein Bildungsrecht.

Mika
3 Monate zuvor
Antwortet  Elly

Ja, Elly, die Schulleitung ist aufgrund der Personalsituation dazu gezwungen. Ich finde es eine herausragende Leistung der Schule, insbesondere der betroffenen Lehrkräfte, überhaupt bisher diese besondere Beschulung (wie z.B.Einzelarbeit am Nachmittag) angeboten zu haben. Das machen die Lehrkräfte nämlich für lau, in ihrer Freizeit, da gibt das Schulamt keine einzige Stunde für! Irgendwann kann man das als Lehrkraft nicht mehr zusätzlich stemmen, und es ist eine verantwortungsvolle Entscheidung der Schulleitung in Bezug auf die beteiligten Lehrkräfte, dieses Modell zu beenden. Dem Mädchen hilft das allerdings nicht weiter, und die Fragen, die sich mir spätestens seit Beginn des Jahres 2 der Pandemie stellen, sind: warum gibt es keine Konzepte der Länder für genau diese Fälle? Warum gibt es keine landesweite Onlineschule für Kinder in Quarantäne oder in Distanz? Warum gibt es keine Stundenzuweisungen für die Einzelbetreuung solcher Kinder? Und letztlich: Wann will man in den Kultusministerien denn mal anfangen, über solche Konzepte nachzudenken, sie zu entwickeln und umzusetzen?

TaMu
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Danke , Mika! Genau das ist notwendig: gut gestalteter online-Unterricht von einer zentralen Stelle im Bundesland für die jeweiligen Klassenstufen. Kranke Kinder hat es schon immer gegeben und diese müssen lernen können, wenn sie gerade die Kraft dazu haben, ebenso die besonders schutzbedürftigen Kinder und die, die von einer Aufhebungen der Präsenzpflicht Gebrauch machen wollen. Es macht wenig Sinn, kranke Kinder in Präsenz über Bildschirme in ihr Klassenzimmer zuzuschalten, wenn es ihnen gerade sehr schlecht geht oder sie im Krankenhaus nicht alleine liegen. Es gibt so viele gute Fernstudiengänge mit Foren, Telefonkontakt und Unterstützung, das müsste doch auch beim Schulen möglich sein?

Alla
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Das mit den landesweiten Online Schulen ist auch immer so eine Idee von mir.
Aber: Gerade in der GS ( möglicherweise auch in SEK2?) sind die Lerngruppen so heterogen, muss so viel individualisiert werden, daß ich kaum weiß, wie eine Onlineschule das umsetzen soll.
In diesem Fall scheint es ja möglich zu sein, das Kind im „normalen“ Bereich zu beschulen.
Aber in normalen Klassen sind Kinder mit sehr unterschiedlichen Deutschkenntnissen, von Anfänger über Kinder, die schon lange in D sind und denen erstmal nur die Grammatik schwerfällt bis hin zu Kindern, die von Haus aus einen elaborierten Code haben. Kinder mit Leseschwierigkeiten und/ oder LRS.
Kinder, die im Bereich Sachkunde kaum Vorkenntnisse mitbringen (ich habe immer wieder Erstklässler, die zum ersten Mal wahrnehmen, dass es unterschiedliche Bäume/Blätter gibt), bis hin zu Kindern, die mit der Familie vieles unternehmen und entsprechend viel wissen.
Kinder, denen Mengenerfassung und Mathe allgemein schwerfällt und andere, die mathematische Strukturen sofort begreifen.
Kinder mit Lernschwächen und Hochbegabungen…….
In der Klasse kenne ich meine SuS und ihre Begabungen und Schwächen, sehe die fragenden Blicke, wenn etwas nicht verstanden wurde, kann differenzierte Aufgaben geben.

Klar, es gibt Lernapps, die auch Übungen immer wieder wiederholen, aber vieles läuft ja schon in der Erklärungsphase schief.
Da die allermeisten Länder aber „nur“ die Bildungspflicht haben, würde es mich sehr interessieren, wie es in Online Schulen ganz praktisch läuft! Es scheint ja möglich, denn überall müssen Lernzielkontrollen geschrieben werden.

Dass ein Lehrer nicht immer gleichzeitig Präsenzunterricht und zusätzlich guten Online Unterricht machen kann, ist selbstverständlich.
Zwischen Mitte Februar 2021 und Juni 2021 hatte ich 3 Kinder aus verschiedenen Klassen/Fächern zu betreuen, deren Eltern von der Aufhebung der Präsenzpflicht Gebrauch gemacht hatten. Bei allen Bemühungen (und auch allem Verständnis!) meinerseits wäre es ohne das große häusliche Engagement der Eltern nicht gegangen!
So haben die 3 Kinder super gelernt, jedes in seinem (in 2 Fällen: schnellen) Tempo und sind sogar besser geworden, weil sie ganz ohne Störungen arbeiten konnten! Diese Ruhe und die 1zu1 Betreuung hätte ich Ihnen in der Klasse nicht bieten können!

Auch im Bereich Sozialkontakte wurde einiges auf die Beine gestellt, mit etwas Abstand und im Freien, da waren die Eltern sehr kreativ! Von Familien-Schnitzeljagden im Wald mit gemeinsamem Grillen auf einer großen Grillwiese, Radtouren und Reitausflügen, einem Trampolinwettbewerb am Wochenende in der Schule, Ausflug in den Kletterwald mit mehreren Klassenkameraden, bis hin zu Videokonferenzen zu unterschiedlichen Themen (Legofilme mit StopMotion, Pfannkuchen backen….).

Anonymous
3 Monate zuvor
Antwortet  Elly

„Die Präsenzpflicht ist überkommen und muss dringend durch eine pädagogisch wertvollere Alternative ersetzt werden, wie z.B. ein Bildungsrecht.“
Wieso sollte denn ein Bildungsrecht pädagogisch wertvoller sein? Die Qualität des Unterrichts hängt schließlich nicht davon ab, ob er auf Grundlage einer Pflicht oder eines Rechts stattfindet.
Und eine Schulplicht, die durchaus mit einem Recht auf Bildung kompatibel ist, halte ich für alternativlos. Für mich unvorstellbar, dass Reichsbürger, Querdenker und andere gesellschaftliche Gruppen ihre Kinder in eigenen „Schulen“ unterrichten, will meinen: in ihrem Sinne indoktrinieren.

Ruthie
3 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Aha. Die müssen wohl ausschließlich in Ihrem Sinne\im Sinne des Staates indoktriniert werden?

Anonymous
3 Monate zuvor
Antwortet  Ruthie

Gerade eben nicht! Der Beutelsbacher Konsens, der Ihnen hoffentlich etwas sagt, wenn Sie Lehrkraft sind, verbietet über das Bewältigungsverbot Indoktrination, da diese unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers ist.

Ruthie
3 Monate zuvor
Antwortet  Anonymous

Ich bin keine Lehrkraft. Meine Kinder bzw. die meiner Freunde müssten sich schon Einiges in der Schule anhören, was in unser Weltbild nicht passt und nicht unseren Werten entspricht. (Inklusive“ Weißt du, was Mama und Papa dir sagen, muss nicht unbedingt stimmen“:- gesagt einem Erstklässler von seiner KL.) Oder am Unterricht teilnehmen, an dem man sie nicht teilnehmen lassen möchte, da man es nicht passend findet.Wenn das nicht indoktriniert heißt…

Ann
3 Monate zuvor

Danke für diesen Artikel. Wir fühlen uns oft mit dem was wir erlebt haben, bzw. erleben sehr alleine gelassen. Auch unsere Tochter ist Anfang des Jahres am Pims erkrankt und auch uns fällt es schwer das Erlebte zu verarbeiten. Unser (ansonsten sehr gesundes Kind ohne Vorerkrankungen) hat sich im November mit Corona infiziert. Leider war zu diesem Zeitpunkt die Impfung für Kinder in diesem Alter noch nicht zugelassen. Im Januar bekam sie dann Pims. Ich kann nicht in Worte fassen was wir erlebt haben und die Sorgen, die uns umtreiben. Auch haben wir noch eine Odyssee an Arztterminen vor uns. Unser eigentlich so fröhliches Kind ist voller Traurigkeit und hat Angst sich nochmal anzustecken. Eine Impfung ist vorerst noch nicht möglich. Wir müssen warten bis zum Sommer. Wir sind allen Ärztinnen und Ärzten und den engagierten Krankenpflegerinnen der Kinderklinik, sowie unserem Kinderarzt unglaublich dankbar. Sie waren stets kompetent, einfühlsam und ehrlich.
Wir haben nun auch tatsächlich große Sorge. Wie geht das alles weiter. Was machen wir, wenn wir Menschen begegnen, die das alles nicht ernst nehmen und unser Kind durch Nachlässigkeit oder durch das Ablehnen von Masken (zum Beispiel) gefährden?
Nochmals danke ich für den Artikel, den durch weitere Berichte von Menschen, die in ähnlichen Situationen waren, fühlt man sich nicht ganz so allein und es wird vielleicht zu einem Thema, das andere Menschen aufhorchen lässt.

Sissi
3 Monate zuvor

Weil man/ viele gehofft haben, dass es gut geht. Danke, liebe @ Mika, für Ihre Vorschläge
@ Realist , Mika macht Klassevorschläge, die derlei bei dem derzeitigen Personalstand etc. schwer umsetzbar sind, das ist klar. Jedoch, auch bei z.B bei Rehakliniken ist Umorganisieren nötig ( Interview mit Frau Dr Fromhold)
Kommt auch darauf an, wie viele von uns LuL corona plus postcovid so erwischt, dass sie nicht mehr arbeiten können. Ich betreue selbst Referendare; ihnen möchte ich diese Jobs, die außer Fachwissen viel Erfahrung erfordern, nicht abverlangen, …wird schwierig.

Birkenstock
3 Monate zuvor

Wenn das Immunsystem Amok läuft: Vier bis sechs Wochen nach einer Corona-Infektion kann bei Kindern das lebensgefährliche Entzündungssyndrom PIMS (auch Akronymen MIS-C) auftreten.

„In Folge einer Corona-Infektion könnten in Deutschland seit Beginn der Pandemie etwa 1.000 Kinder an der seltenen Krankheit PIMS erkrankt sein, schätzen Experten. Gemeldet wurden seit Mai 2020 rund 660 Fälle (Stand 6. Februar), zeigt das Register der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Kinder- und Jugendmediziner Jakob Armann vom Universitätsklinikum Dresden verwaltet die Meldungen an das Register.
Die aktuellen Zahlen finden Sie hier:“
https://dgpi.de/pims-survey-update/

https://www.mdr.de/wissen/corona-pims-schwere-entzuendung-erkrankung-kinder-100.html

https://www.helios-gesundheit.de/magazin/corona/news/neuartige-krankheit-mis-c-bei-kindern-nach-corona-infektion/

Arrrgh von Baaaargh
3 Monate zuvor

Um die aktuelle Wirtschaftslage zu schützen, wird mit der Durchseuchung der Kinder die Zukunft (auch der Wirtschaft) aufs Spiel gesetzt. Es ist noch nicht mal gesagt, wie sich das Virus auf die Vererbung auswirkt, in jungen Körpern, die sich erst noch entwickeln!

Das ist aktuell ein so gefährlicher Weg, der hier vorangetrieben wird, und die KMK kann noch nicht einmal belangt werden, für das NICHTSTUN!

A.H.
3 Monate zuvor

Gute Besserung für Hanna. Ich kann sie gut verstehen. Eines unserer Kinder erkrankte schwer am RSV, eines an einem Enterovirus, ich selber schwer an der Influenza A aufgrund einer Immunschwäche. So etwas prägt und man bekommt eine andere Betrachtungsweise. Unser RSV-Kind hat sich vollständig erholt. Glück. Bei mir alles gut? Wer weiß das schon. Schließlich sind viele Beschwerden unspezifisch. Man behält auf jeden Fall den Respekt vor Viren. Ich hoffe, Hanna behält nichts zurück.

TaMu
3 Monate zuvor

Im beschriebenen Fall und auch sonst wird deutlich, dass die Krankenhäuser mit den „Freiheitswünschen“ und den entsprechenden politischen Lockerungen ganz brutal umgehen. Der Vater musste nach der „kritischen“ Nacht, in der sein Kind beinahe gestorben wäre, gehen und durfte nicht wieder zu seiner Tochter. So war die Familie in diesem Trauma getrennt. In den letzten beiden Jahren musste ich miterleben, wie Sterbende, die noch nicht in der akuten Sterbesituation waren, keinen Besuch bekommen durften, erst, wenn sie bereits bewusstlos waren und nichts mehr gesprochen werden konnte. Letzte Worte blieben ungesagt. Das Leid auf den Stationen und bei den Angehörigen ist unermesslich. Auch bei Krebsdiagnosen und zu den Besprechungen der Therapie müssen Erkrankten alleine kommen. Der Partner darf per Video zugeschaltet werden. Auch OPs und Therapien müssen alleine durchgestanden werden und alle danken ständig für das „Mittragen der Maßnahmen und das Verständnis“. Ja gerne, natürlich, aber wo bleiben die Bedürfnisse der Menschen, die nicht einfach keinen Bock mehr haben auf Tests und Masken und Sicherheit endlich wieder „normal“ treffen möchten, sondern schwer erkranken oder geliebte Menschen alleine durch die Hölle gehen lassen müssen? Und es könnte jeden jederzeit erwischen. Eine kleine, harte Stelle in der Brust? Der Partner, der sich ständig ans Herz greift und sich danach ein Weilchen hinlegen möchte? Der 18jährige Sohn, der mit dem Fahrrad verunglückt? Lust auf Krankenhaus? Wer drin ist, ist allein und du kommst nicht rein. Und wer hat sich gestern noch aufregen müssen über Maßnahmen in der Gastronomie? Das wird plötzlich sooo klein und unbedeutend.
Während politisch der Freedom Day näher rückt, zeigen die Krankenhäuser, welche grausame Last auf der anderen Seite der Skala getragen wird.

Grottenolm
8 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Vielleicht etwas spät: Aber danke, dass es noch Leute gibt, die das sehen. 2 Jahre Corona und meine Tochter muss jedes halbe Jahr operiert werden Dazu die ganzen Arzttermine in Krankenhäusern zwischendurch. Und Kinderkrankenhäuser haben immer noch strenge Regelungen. Ich glaube mein Partner kennt mittlerweile die Hälfte der Ärzte nicht, die sich um sein Kind kümmern. Darf ja nur ein Elternteil dabei sein…….wenn überhaupt. Bei älteren Kindern teils nur sporadisch stundenweise……