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Durchseuchung – und was dann? Kinder sind nach der Omikron-Welle offenbar kaum vor weiteren Infektionen geschützt

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BERLIN. Die Omikron-Welle rollt durch Deutschlands Kitas und Schulen. Ist das der Anfang vom Ende der Pandemie? Kolportiert wird die Geschichte, dass das Virus insbesondere bei Kindern allenfalls leichte Symptome hervorrufe – und dass nach einer Infektion dann ein Immunschutz vor weiteren Ansteckungen bestehe. Wie immer mehr Wissenschaftler und jetzt auch der Bundesgesundheitsminister warnen, könnte sich diese Hoffnung allerdings als trügerisch erweisen: Mehrfach-Infektionen drohen – mit unabsehbaren Gesundheitsfolgen.

Was für Folgen hat es, wenn sich Kinder gleich mehrfach mit dem Coronavirus infizieren? Das ist unklar. Foto: Shutterstock

Bereits jeder zehnte Schüler in Deutschland, so berichtet das ZDF unter Berufung auf Daten des Robert-Koch-Instituts, hat sich seit dem Jahreswechsel mit dem Coronavirus infiziert. Tendenz: stark steigend. Politische Reaktionen darauf? Gibt es nicht. Die Kultusminister in Deutschland – sowie viele Eltern – setzen augenscheinlich darauf, dass die Omikron-Welle einmal durch die Kitas und Schulen rollt, die Kinder sich infizieren, ohne zu erkranken, und sie anschließend vor weiteren Coronainfektionen immunisiert sein werden. „Infizieren werden wir uns sowieso alle, ich erwarte täglich, dass eins meiner Kinder positiv getestet nach Hause geschickt wird. Warum? Weil dies der Weg eines jeden Virus ist: Es rauscht einmal durch und verliert Stück für Stück seinen Schrecken“, so schreibt ein Vater im Leserforum von News4teachers.

„Studien legen nahe, dass man sich relativ kurz nach der Infektion wieder anstecken kann“

Verliert das Virus tatsächlich seinen Schrecken? Das könnte sich in vielen Fällen als falsche Hoffnung erweisen. „Es ist wichtig, Omikron nicht zu unterschätzen“, so warnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aktuell auf Twitter. „Studien legen nahe, dass man sich relativ kurz nach der Infektion wieder anstecken kann. Ein langer Schutz wie bei Delta ist weniger wahrscheinlich. Wiederholte Infektionen sind nicht ungefährlich.“

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Lauterbach bezieht sich in seinem Post auf die norwegische Virologin Gunhild Alvik Nyborg von der Universität Olso, die zuvor vom Vorabdruck einer neuen Studie berichtet hatte, dass diese nur eine sehr begrenzte Immunantwort auf eine Infektion mit Omikron aufzeige. „Die ersehnte Herden-Immunität könnte ein weit entfernter Traum bleiben: Es scheint, als könnte man sich mehr oder weniger direkt nach einer Infektion neu anstecken“, schreibt sie.

„Kann die Omikron-Welle die Immunitätslücke schließen? NEIN! Nach einer Infektion haben Ungeimpfte deutlich weniger neutralisierende Antikörper gegen Omikron als Geimpfte/Genesene und kaum Schutz gegen andere Varianten. Weitere Impfung notwendig!“, so betont auch Prof. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Der Mediziner Jan Hartmann verweist auf eine weitere, „viel zu wenig beachtete“ US-Studie. Er postet auf Twitter: „Immunität nach Omicron-Durchbruchsinfx nur gering wegen geringerem Schwergrad der Infx. Herstellung von Bevölkerungsimmunität durch breite Infektion der Bevölkerung mit Omicron somit unsinnig.“ Was wiederum Lauterbach zu der Aussage bringt: „Das hört niemand gerne, ist aber so. Die Studie unterstützt die Analyse des RKI, dass 3 Mon nach Genesung bei leichter Omicron Infektion von der Immunität nicht viel übrig bleibt.“

Das hat Konsequenzen – insbesondere für die nach wie vor weitgehend ungeimpften Kinder, wie der Mediziner Dr. med. Thomas Hadlich betont: „Da anscheinend die Immunantwort auf Omikron nicht ausreicht, kommen wir nicht an der Ausweitung der Impfung der Kinder vorbei (plant die jemand…?, Stiko? ) -> Aus medizinischer Sicht wäre die Impfung vor! einer Ansteckung die bessere Alternative.“

Geteilt wird dieser Post von Prof. Isabella Eckerle, der Leiterin des Zentrums für Neuartige Viruserkrankungen an den Universitätskliniken in Genf, wo sie die Rolle der Kinder bei der Übertragung von Corona erforscht. Sie mahnt die Politik mit Blick auf die Omikron-Welle in Kitas und Schulen: „Da Altersgipfel um 9-10 Jahre, wäre gerade hier ein riesiger Benefit, wenn es die Kinder noch zur 2. Impfung schaffen (die ja bereits zugelassen & verfügbar ist) ohne sich vorher zu infizieren. Nur einige wenige Wochen Infektionsschutz an den Schulen würde viele Fälle verhindern.“

“Fazit: ohne ausreichende Impfquote der Kinder ist die Durchseuchung eine unethische Sauerei“

Sie schreibt auf Twitter mit Blick auf den Durchseuchungskurs der Kultusminister von einer „Wette mit 2 falschen Annahmen. 1. Corona sei nicht gefährlich für Kinder (longcovid, pims, Typ 1 Diabetes) 2. Nach Ansteckung besteht eine dauerhafte Immunität. Fazit: ohne ausreichende Impfquote der Kinder ist dies eine unethische Sauerei.“

Mit Blick auf die verharmlosende Kommunikation der Kultusminister, die nach wie vor behaupten, die Schulen seien sicher, schreibt Eckerle: „Verarscht werden hier beide Lager von Eltern: die, die sich um Covid-19 Sorgen machen & denen man sagt, die Schulen seien sicher; genau wie die, die das Infektionsrisiko akzeptieren, um Ihrem Kind unbeschwert (!) Bildung & Sozialkontakte zu ermöglichen.“ Nicht nur an den Schulen sei die Situation dramatisch, sondern auch in den Kitas. Die Medizinerin und Corona-Expertin: „Ich wünschte, die ganz Kleinen, deren einziger Schutz aus dem Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen bestünde, könnten sich auch schon äußern. Kinder < 5 werden gerade komplett vergessen.“

Eckerle warnt Eltern: „Wichtige Info: wer bei seinem Kind 4-6 Wochen nach Covid-19 (und auch ohne bekannte Infektion) Fieber & Verschlechterung des Allgemeinzustands bemerkt, sollte sofort einen Arzt konsultieren. Anstieg an #PIMS #MISC bei aktuell sehr hohen Zahlen bald zu erwarten.“ News4teachers

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