Kinder stärken und das Bildungssystem verändern: Mehr Erlebnispädagogik in der Schule wagen!

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DORTMUND. Erlebnispädagogik steht für ein handlungs- und erfahrungsorientiertes Lernen und für eine intensive und nachhaltige Wirkung auf die Entwicklung von Kindern und Heranwachsenden. Insbesondere auf Klassenfahrten werden erlebnispädagogische Programme angeboten, denn Schüler:innen sammeln dabei wertvolle soziale und emotionale Erfahrungen. Der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. will die Erlebnispädagogik daher noch stärker in der Schule verankern.

Lernen mit allen Sinnen ist nachhaltig. Foto: Shutterstock

Kinder und Jugendliche stehen vor großen Herausforderungen, nicht erst durch die Corona-Pandemie. Sie müssen sich in Schule, Familie und Gesellschaft behaupten, sich ihrer psychischen und physischen Entwicklung stellen und Teamfähigkeit, eigene Wertvorstellungen sowie Resilienz aufbauen. Erlebnispädagogik unterstützt diesen Weg. Denn im Fokus erlebnispädagogischer Arbeit stehen die Schwerpunktbereiche Persönlichkeitsentwicklung, soziale Kompetenzen, Werte und Normen sowie Wissen und Können. Erlebnispädagogik schafft herausfordernde, neue Situationen, welche die Teilnehmenden zum aktiven Handeln anregen.

„Für die Erlebnispädagogik gilt: Nur wer etwas Neues wagt, kann Neues lernen. Das führt auch dazu, dass man lernt unterschiedliche Situationen mit allen möglichen Risiken und Gefahren einzuschätzen und die – eigentlich ganz normalen – Herausforderungen des Alltags zu meistern. Die Erlebnispädagogik unterstützt junge Menschen dabei die eigene Lebenswelt zu gestalten, Verantwortung für sich selbst, für andere und die Gesellschaft zu übernehmen und eine gesunde, starke Persönlichkeit zu entwickeln“, erklärt Reinhard Zwerger, erster Vorsitzender des Bundesverbandes Individual- und Erlebnispädagogik e.V.

Klassenfahrten bieten eine gute Möglichkeit für erlebnispädagogische Angebote. Sie gehören zu den wichtigen Ereignissen der Schulzeit, gerade aus pädagogischer Sicht. Schüler:innen sammeln in der Gruppe und abseits des gewohnten Alltags wertvolle soziale und emotionale Erfahrungen. Lehrer:innen und Fachleute für erlebnispädagogische Programme begleiten die Kinder und Jugendlichen dabei, mehr und mehr Selbständigkeit zu entwickeln und vermitteln Wissen und Erfahrungen in einem außergewöhnlichen Kontext. Kinder und Jugendliche brauchen gemeinsame, professionell geführte Aktivitäten außerhalb von Schule, denn soziales Lernen und gemeinschaftliches Miteinander sind die Basis für erfolgreiches Lernen, Chancengleichheit in der Bildung und die individuelle positive Entwicklung. Für diese Haltung steht auch das Bündnis Schul- und Klassenfahrten mit der Kampagne „Klassenfahrt, aber sicher“, dem der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik als einer von über 60 Bündnispartnern angehört (www.klassenfahrtabersicher.de).

„Neurobiologische Forschungen haben ergeben, dass handlungs- und erfahrungsorientiertes Lernen eine intensive Wirkung auf die Entwicklung von Kindern hat und dass Lernen dann am effektivsten und nachhaltigsten ist, wenn eigenes Handeln, aktives Tun und eine ausgewogene Verknüpfung von Herausforderungen, Erlebnissen und Erfahrungen mit allen Sinnen stattfinden. Erlebnispädagogik soll damit einen sichtbaren, relevanten Beitrag zur psychosozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen leisten“, sagt Thomas Sablotny aus dem Vorstand des Bundesverbands.

Der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. will die Erlebnispädagogik nun durch einen konsequenten politischen Diskurs weiter stärken und ihr den notwendigen Stellenwert in der Bildungslandschaft verschaffen. Erlebnispädagogik ist die maßgebliche Antwort auf die Themen und Herausforderungen der Kinder und Jugendlichen in der aktuellen Zeit und wird es auch in Zukunft sein. Sie gibt eine Antwort auf Probleme wie die Gefahren von Einsamkeit, Armut, Bildungsrückstand, (gefühlter) Perspektivlosigkeit, mangelnder Gesundheit etc. Dafür fordert der Bundesverband, dass Erlebnispädagogik und handlungsorientiertes Lernen fester Bestandteil von Schule werden, nicht nur auf Schul- und Klassenfahrten. Denn Bildung ist eine ganzheitliche Aufgabe. Sie darf nicht nur auf Wissensvermittlung und rein kognitive Lernprozesse reduziert werden. Im Fokus steht die Transformation der Bildung zum nachhaltigen Erfahrungslernen durch Kopf, Herz und Hand. Dafür muss Erlebnispädagogik in den Bildungsplänen der Länder verankert sein. Zudem ist eine staatliche Finanzierung, auch von Klassenfahrten, unerlässlich.

Die Forderungen des Bundesverbandes sind im Positionspapier „Kinder und Jugendliche brauchen mehr! Durch Erlebnispädagogik das Bildungssystem verändern und die Gesellschaft nachhaltig stärken“ ausführlich dargestellt. Es ist unter https://www.bundesverband-erlebnispaedagogik.de/service/downloads.html als PDF frei erhältlich.

„Wir sind Impulsgeber aus erlebnispädagogischer Sicht und arbeiten gerne an der Integration dieser Konzepte in die bestehenden Betreuungs- und Bildungssysteme. Insbesondere die Schule erachten wir als wichtigen Lernraum und Partner. Für eine stabile physische und psychische Gesundheit und ganzheitliche Bildung braucht es deutlich mehr Entfaltungs- und Erlebnisräume als Gegenpole in einer Zeit von zunehmender Digitalisierung, wachsender Komplexität und steigenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten. Erlebnispädagogik bietet die Lösung für diese Anforderungen“, betont Reinhard Zwerger.

Pressekontakt

Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V.
Reinhard Zwerger, erster Vorsitzender
Dahmsfeldstraße 2
44229 Dortmund
Telefon: 0231 9999490

Über den Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V.

Der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. repräsentiert als führender Fachverband in Deutschland seit 1992 die Vielfalt der Arbeitsfelder der Individualpädagogik und der Erlebnispädagogik mit den Schwerpunkten Hilfen zur Erziehung, Klassenfahrten und Gruppenprogramme, Aus- und Weiterbildung und Erlebnistherapie. Der Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik ist als gemeinnützig eingetragener Verein tätig und anerkannter Träger der Jugendhilfe. Der Verband wird von Reinhard Zwerger als erstem Vorsitzenden geführt.

Unter wissenschaftlicher Begleitung verbreitet der Verband den ganzheitlichen und handlungsorientierten Ansatz in der Öffentlichkeit. Er entwickelt Qualitätsstandards für die verschiedenen Fachbereiche und setzt sich auf Landes- und Bundesebene für die Interessen seiner Mitglieder aus dem In- und Ausland ein.

Die Mitglieder des Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. stehen für ein handlungsorientiertes und erfahrungsgeleitetes Lernen und bekennen sich zu dem im Grundgesetz verankerten Schutz der Menschenwürde. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses unveräußerbare Recht gilt unabhängig von Geschlecht, den persönlichen Fähigkeiten, Herkunft, Religionszugehörigkeit oder sonstigen Orientierungen. Seit 2009 zertifiziert der Bundesverband Anbieter und Träger mittels des Zertifizierungsverfahrens „Qualität in der Individual- und Erlebnispädagogik – Mit Sicherheit pädagogisch!“ („beQ“). Mit der Formulierung des Berufsbildes Erlebnispädagog:in sowie der Entwicklung des Titels „Erlebnispädagoge be®“ / „Erlebnispädagogin be®“ und des dazugehörigen Anerkennungsverfahrens hat der Bundesverband weitere Meilensteine der Professionalisierung der Erlebnispädagogik geschaffen. Mehr Informationen unter https://www.bundesverband-erlebnispaedagogik.de

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2 Kommentare
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Carsten60
3 Monate zuvor

Klassenfahrten pauschal als „Erlebnispädagogik“ zu bezeichnen ist ja wohl etwas naiv. Das ist natürlich möglich, aber ebenso möglich ist auch, dass Klassenfahrten zum Zelebrieren einer „Hackordnung“ führen, wann immer die betreuenden Lehrer nicht hinschauen. So lieb und brav sind dann doch nicht alle SuS. Die „Professionalisierung der Erlebnispädagogik“ könnte man auch für das „Unwort des Jahres“ vorschlagen. Das ist reine Lobbyistensprache.

U.B.
3 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Haben wir nicht „Erlebnispädagogik“ jeden Tag?
Ich bin schon ziemlich lange im Schulgeschäft, doch was ich heute so alles erlebe…