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Leistungsabsturz wegen Inklusion und Migration? Prien sieht “statistische Zusammenhänge”

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KIEL. Die IQB-Studie erhitzt die Gemüter auch im Kieler Landtag: Grundschüler sind mit ihren Leistungen spürbar abgefallen – in Schleswig-Holstein ebenso wie im Rest der Bundesrepublik. Zu den Ursachen gibt es eine Kontroverse. Das nächste Mal sollen die Ergebnisse deutlich besser ausfallen, sagt Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Prien.

«Bildung muss immer Vorrang haben»: KMK-Präsidentin Karin Prien (CDU). Foto: Frank Peter / Land Schleswig-Holstein

Der Leistungsabfall bei Grundschülern in Schleswig-Holstein und ganz Deutschland hat Parlament und Landesregierung von Schleswig-Holstein alarmiert. Der jüngste sogenannte IQB-Bildungstrend hatte ergeben, dass Mädchen und Jungen zunehmend nicht mehr die Mindeststandards erreichen, weil ihnen Basiskompetenzen fehlten. Die Auswirkungen der pandemiebedingten und im internationalen Vergleich sehr langen Schulschließungen in Deutschland seien deutlich sichtbar geworden, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch im Landtag.

Die Studie sah die Mädchen und Jungen aus dem Norden zwar noch im deutschen Mittelfeld, aber in Deutsch und Mathematik zum Teil deutlich verschlechtert. Zudem verstärkten sich soziale Ungleichheiten. Doch der Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Leistung sei hier geringer als in Deutschland insgesamt, sagte Prien. Die Landesregierung habe intensiv daran gearbeitet, sozial benachteiligte Schüler zu stärken. Der jüngste Bildungstrend zeichne ein düsteres Bild, befand der CDU-Politiker Martin Balasus.

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«Weder in Schleswig-Holstein noch deutschlandweit ist eine erhebliche Ausweitung inklusiver Beschulung zu beobachten»

Bildung müsse gesamtgesellschaftliche Priorität haben und hätte es auch in der Corona-Pandemie stärker haben müssen, sagte Prien. «Bildung muss immer Vorrang haben.» Die Pandemie ist aus Priens Sicht nicht die einzige Erklärung für die Studienergebnisse. Der negative Trend habe sich bereits deutlich vorher abgezeichnet. Deshalb habe die Landesregierung bereits in der vergangenen Wahlperiode intensiv daran gearbeitet, sozial benachteiligte Schüler zu stärken, sagte sie unter Hinweis auf ein Programm für Problemschulen. Dieses sei erfolgreich. Ziel sei es, bei der nächsten Studie deutlich besser abzuschneiden, sagte sie.

Der SPD-Bildungsexperte Martin Habersaat kritisierte, Prien habe die Verantwortung für Leistungsverschlechterungen bei Menschen mit Behinderung und Ausländern gesucht und damit nicht das erste Mal diesen Erklärungsansatz gewählt. «Unsere Grundschulen sind in einer Krise», sagte Habersaat. Dies liege nicht an Inklusion und mehr Migrantenkindern. Die Landesregierung brauche eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Gesamtstrategie.

Prien wies Habersaats Vorwurf zurück. Sie habe unter Bezug auf den Bericht nur auf statistische Zusammenhänge verwiesen und in dem Zusammenhang keinerlei Schuldvorwürfe gemacht, sagte sie.

«Gerade beim Thema Inklusion dürfen die Ergebnisse nicht missinterpretiert werden», meinte auch der Grüne Malte Krüger. Nicht der Inklusionsgedanke sei für den Kompetenzabfall an Grundschulen verantwortlich. «Weder in Schleswig-Holstein noch deutschlandweit ist eine erhebliche Ausweitung inklusiver Beschulung zu beobachten.» Wissenschaftlern zufolge hat Inklusion auch keine negativen Auswirkungen auf die Lernentwicklung von Kindern ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung. Studien stellen eher das Gegenteil fest.

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt nannte die Studienergebnisse verheerend und nicht allzu überraschend. Der Trend gehe seit zehn Jahren beständig nach unten. Es seien auch lernstärkere Schüler in den Leistungen abgerutscht, nicht nur schwächere. Der Lernerfolg der Schüler hänge viel zu stark von Elternhaus und Wohnort ab. Prien greife zu Ausflüchten und werfe Nebelkerzen.

Armut sei der größte Verhinderer eines erfolgreichen Bildungsweges, sagte Jette Waldinger-Thiering vom SSW. Wo die soziale Schere auseinandergeht, müsse unbedingt so früh wie möglich gehandelt werden.

Beim Erlernen von Mindeststandards will Prien auch die Eltern stärker mit ins Boot holen

Das Ministerium arbeitet Prien zufolge an einem speziellen Handlungsplan, um Kinder in der Entwicklung grundlegender Kompetenzen zu fördern. Viele geeignete Programme stünden den Schulen zur Verfügung, würden aber noch nicht flächendeckend genutzt. Wichtig sei es, schon in der Kita Kinder mit mangelnden Sprachkenntnissen zu fördern, sagte Prien. Auch müsse die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kitas besser werden. Beim Erlernen von Mindeststandards wolle sie auch die Eltern stärker mit ins Boot holen, sagte Prien.

SPD, FDP und SSW hatten in einem Antrag nach den Ursachen für den Leistungsrückgang in allen gemessenen Kompetenzbereichen gefragt. Nach Veröffentlichung der Studie hatte Prien unter Hinweis auf den Bildungstrend unter anderem angegeben, außer Schulschließungen, Wechselunterricht und Distanzlernen wegen Corona hätten auch fortschreitende Inklusion und die Zunahme der Kinder mit Migrationshintergrund eine Rolle gespielt. News4teachers / mit Material der dpa

Leistungsabsturz von Grundschülern: Versucht die KMK-Präsidentin, die Verantwortung dafür den Kitas zuzuschieben?

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