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Meidinger: KMK-Gutachten stellt Grundschul-Fächer wie Englisch oder Programmieren infrage

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BERLIN. Als „absolut sinnvolle, dringend notwendige und eigentlich überfällige” bildungspolitische Reformmaßnahmen hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Heinz-Peter Meidinger, die Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftliche Kommission (StäWiKo) der Kultusministerkonferenz zur Stärkung der Basiskompetenzen von Grundschülern bezeichnet. Für ihn ist eine Konsequenz: über den Sinn etwa des Englisch-Unterrichts in den Grundschulen nachzudenken. 

Mahnt: Heinz-Peter Meidinger. Foto: Deutscher Lehrerverband

Bildungsforscher sehen wegen der schlechten Deutsch- und Mathematik-Kompetenzen vieler Viertklässler und angesichts eines relevanten Anteils von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten dringenden Handlungsbedarf. Die „alarmierenden Befunde“ etwa der IQB-Studie müssten als Weckruf verstanden werden, schreiben die Wissenschaftler Prof. Felicitas Thiel und Prof. Michael Becker-Mrotzek in der Zusammenfassung zu einem wissenschaftlichen Gutachten für die Kultusministerkonferenz (KMK), das am Freitag in Berlin vorgestellt worden war (News4teachers berichtete). Erstellt hat es die «Ständige Wissenschaftliche Kommission» (StäWiKo), ein bei der KMK angesiedeltes Beratergremium aus 16 Bildungsforschern, die regelmäßig Expertisen und Empfehlungen für die Bildungspolitik in Deutschland erarbeiten.

Meidinger betont nun: „Die Vorschläge der StäWiKo zur Verbesserung der Grundfähigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen sind die alternativlose Konsequenz aus dem seit über zehn Jahren beobachtbaren Leistungsabsturz deutscher Schülerinnen und Schüler, wie er zuletzt in erschreckender Weise bei der aktuellen IQB-Studie offenkundig wurde. Wir hoffen, dass dieses Gutachten zur Grundlage einer umfassenden bildungspolitischen Reform und eines konkreten Handlungsrahmens wird, vergleichbar dem Maßnahmenpaket und den Handlungsfeldern, wie sie vor 20 Jahren die KMK nach dem PISA-Schock beschlossen hat!“

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„Wir haben keinen Erkenntnismangel, wir haben ein Handlungsdefizit. Liebe KMK, wir wollen jetzt Taten sehen!“

Besonders begrüßt der Verbandsvorsitzende, dass die StäWiKo es nicht bei bloßen unverbindlichen Empfehlungen belassen habe, sondern auch konkrete Vorgaben zum Stundenumfang des Deutsch- und Mathematikunterrichts an Grundschulen in den Bundesländern formulierte. „Da werden sich einige Länder stark bewegen müssen!“, erklärt Meidinger und verweist darauf, dass der Stundentafelumfang zwischen den Bundesländern erheblich differiert. Es stelle sich auch die Frage, ob die Ausweitung des Frühfremdsprachenlernens und die Verwendung von Unterrichtszeit an Grundschulen auf Programmiertools nicht mitunter kontraproduktiv gewesen sei und die Konzentration auf die basalen Kompetenzen verhindert bzw. eingeschränkt habe.

Für besonders wichtig hält der DL die Empfehlung der StäWiKo, eine umfassende Frühdiagnostik einzuführen und Kinder mit Sprachdefiziten bereits vorschulisch spezifisch zu fördern, und zwar über eine alltagsintegrierte Förderung hinaus. „Das ist der eigentliche Schlüssel: nicht nur für bessere Lernleistungen und größeren schulischen Erfolg, sondern letztendlich auch für eine gelingende Integration insgesamt“, ergänzt der DL-Präsident.

In diesem Zusammenhang lobt Meidinger auch die Forderung nach einer aktiven Strategie gegen die zunehmende Segregation im Bildungswesen, also die Konzentration von Kindern aus sozial benachteiligten Familien bzw. von Kindern mit Migrationshintergrund an bestimmten Schulen, was sich nachweislich auf den Lernerfolg der dort beschulten Kinder auswirke. „Es ist gut, dass die StäWiKo dieses Problem aus der Tabuzone holt!“, sagte der Verbandsvorsitzende und betont: „Wir haben keinen Erkenntnismangel, wir haben ein Handlungsdefizit. Liebe KMK, wir wollen jetzt Taten sehen!“ News4teachers

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