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Debatte nach der Bluttat von Freudenberg: Gibt es einen Trend hin zu mehr Kinder- und Jugendgewalt?

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DÜSSELDORF. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich bestürzt über den gewaltsamen Tod der zwölfjährigen Luise aus Freudenberg geäußert. “Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg”, sagte Wüst über das von zwei Kindern gestandene Verbrechen. “Nordrhein-Westfalen trauert.” Der CDU-Politiker sieht in der Bluttat einen Höhepunkt in einem Trend zunehmender Jugendgewalt. Die Polizeistatistik bestätigt diesen aber nicht, jedenfalls nicht für Deutschland.

Hat eine Debatte um Jugendgewalt angestoßen: Hendrik Wüst (CDU). Foto: Land NRW / Sondermann

Die zwölfjährige Luise ist erstochen worden. Bei der Obduktion der Leiche in der Rechtsmedizin der Uniklinik Mainz seien zahlreiche Messerstiche festgestellt worden, teilten die Behörden mit. Das Mädchen aus dem siegerländischen Freudenberg sei in der Folge verblutet. Zwei Mitschülerinnen, zwöf und 13 Jahre alt, haben die Bluttat gestanden. Die mutmaßlichen Täterinnen und das Opfer sollen in eine Klasse gegangen sein, die 7. Klasse einer Gesamtschule.

Es sei unvorstellbar und kaum auszuhalten, dass Kinder zu solchen Taten fähig seien, sagte Wüst. “Die geschilderten Details lassen uns erschaudern.” Die Behörden würden nun alles tun, um vollständig aufzuklären, wie es zu dieser schrecklichen Tat habe kommen können.

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“Nach allem, was wir wissen, ist die Tat ein zutiefst verstörender Höhepunkt der Gewalt von Minderjährigen”

In den vergangenen Jahren sei in Nordrhein-Westfalen ein beunruhigender Anstieg von Straftaten, auch Gewalttaten, durch Jugendliche oder gar Kinder festzustellen gewesen. “Nach allem, was wir wissen, ist die Tat ein zutiefst verstörender Höhepunkt der Gewalt von Minderjährigen”, sagte Wüst. “Wir müssen diese Entwicklung nicht nur genau beobachten, wir müssen sie untersuchen, Ursachen finden und Präventionsarbeit leisten”, betonte er. “Die Tat von Freudenberg wird Spuren über den schrecklichen Tod von Luise hinaus hinterlassen.”

Wie ZDFheute berichtet, belegt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für Gesamt-Deutschland keinen Anstieg von Gewaltkriminalität durch Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren. Tatsächlich nehme die Gewalt sogar ab. Seit einem Höhepunkt der Gewaltkriminalität in den Jahren 2008 und 2009 hat sich die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren etwa halbiert – auf rund 550 Tatverdächtige pro 100.000 Jugendliche im Jahr 2021. Bei Kindern bis 14 Jahren fällt die Entwicklung im gleichen Zeitraum schwächer aus. Hier sanken die Zahlen von 194 Tatverdächtigen pro 100.000 auf zuletzt 132. Laut PKS gab es bei Gewaltkriminalität 2021 insgesamt 7.477 Tatverdächtige unter 14 Jahren.

Allerdings hatte es erst vor Kurzem ein spektakuläres Verbrechen im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren gegeben – ebenfalls mit einem Messer. Am 10. Januar wurde dort eine 55-jährige Lehrerin in einem Klassenraum erstochen. Der mutmaßliche Täter war einer ihrer Schüler. Der 17-Jährige war vor der Tat verbal aggressiv aufgefallen und die Schule hatte erzieherische Maßnahmen angeordnet (News4teachers berichtete).

Was das aktuelle Geschehen in der Orts- und der Schulgemeinschaft von Freudenberg auslöse, lasse sich bestenfalls erahnen, so Wüst. “Wo das Land helfen kann, wird das Land helfen”, versicherte der Regierungschef. “Der Familie wünschen wir die notwendige Kraft, durch diese Zeit unfassbaren Schmerzes zu kommen.” Wüst dankte auch den Ermittlern und allen, die Trost spenden und psychologische Hilfe leisten.

“Das ist auch damit verbunden, dass die Kinder nicht ihre bisherigen Schulen besuchen”

Die beiden geständigen Täterinnen sind wegen ihres Alters noch nicht schuldfähig und können deshalb nicht vor Gericht angeklagt werden. Sie leben vorerst nicht mehr bei ihren Eltern. Die beiden 12- und 13-Jährigen seien “außerhalb des häuslichen Umfeldes untergebracht”, teilte der zuständige Kreis Siegen-Wittgenstein mit. “Das ist auch damit verbunden, dass die Kinder nicht ihre bisherigen Schulen besuchen.”

Die Mädchen hätten aber weiterhin Kontakt zu ihren Eltern. “Der Kontakt zur Familie ist aufgrund des jungen Alters der Mädchen für die Entwicklung einer gelingenden Unterstützung sehr bedeutsam und wird insofern unterstützt”, teilte der Kreis mit. Auch für die beiden Tatverdächtigen handele es sich um eine “ganz außergewöhnliche Situation, die viel Empathie und umsichtiges Agieren erfordert”, sagte Kreis-Jugenddezernent Thomas Wüst.

Luise war am Sonntag tot in der Nähe eines Radweges auf rheinland-pfälzischem Gebiet unmittelbar an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen gefunden worden. Das Kind war am Samstag als vermisst gemeldet worden. News4teachers / mit Material der dpa

Schülerinnen, zwölf und 13, gestehen Tötung von zwölfjähriger Luise (nach Streit?)

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