Home Leben Nach islamistischen Morden an Lehrern: Macron würdigt die Schule als „Bollwerk“

Nach islamistischen Morden an Lehrern: Macron würdigt die Schule als „Bollwerk“

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PARIS. Nach dem islamistischen Mordanschlag auf den Lehrer Dominique Bernard im nordfranzösischen Arras haben die Schulen in Frankreich am Montag eine Schweigeminute abgehalten. Es war zugleich der dritte Jahrestag des Anschlags auf den Lehrer Samuel Paty, der ebenfalls von einem Islamisten getötet worden war. Die Schule müsse ein „Bollwerk gegen Obskurantismus“ bleiben, schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer Botschaft an Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler im Onlinedienst X (früher Twitter).

Richtet emotionale Worte an die Lehrerschaft: Frankreichs Staatspräsident Macron. Foto: Shutterstock / Victor Velter

In Frankreich gilt vor dem Hintergrund der tödlichen Messerattacke und der aktuellen Lage im Nahen Osten die höchste Terrorwarnstufe. Bis zu 7.000 Soldaten der Antiterror-Einheit „Sentinelle“ sollen landesweit und bis auf weiteres zum Einsatz kommen, wie der Radiosender RTL unter Berufung auf den Elysée-Palast berichtete. Am Freitag hatte ein islamistisch radikalisierter junger Mann in einem Gymnasium in Arras in Nordfrankreich den Lehrer Dominique Bernard mit einem Messer getötet und drei weitere Menschen schwer verletzt.

Der 20 Jahre alte Täter stammt aus Tschetschenien und soll während seines Angriffs auf Arabisch „Gott ist groß“ gerufen haben. Die Polizei konnte den Angreifer mit einem Taser außer Gefecht setzen und festnehmen. Auch mehrere Familienmitglieder des Angreifers, darunter seine Schwester, seine Mutter, sein Onkel und zwei seiner Brüder wurden Medienberichten zufolge in Polizeigewahrsam genommen.

Wie die Zeitung „Le Parisien“ unter Verweis auf die Behörden berichtete, wurde der ältere Bruder des Angreifers bereits 2019 wegen der Vorbereitung eines Anschlags auf den französischen Präsidentenpalast festgenommen und als Mitglied einer terroristischen Organisation zu einer Haftstrafe verurteilt.

„Wir handeln und wir werden weiterhin handeln, um sicherzustellen, dass unsere Schule ein Zufluchtsort für unsere Schüler und alle, die dort arbeiten, bleibt“

Die Attacke fand fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem tödlichen Angriff auf den Geschichtslehrer Samuel Paty statt. Der 47-Jährige war am 16. Oktober 2020 in einem Pariser Vorort von einem Angreifer getötet und dann enthauptet worden. Am Jahrestag der Tat, dem Samstag, fanden mehrere Gedenkveranstaltungen im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine statt, wo Paty an der örtlichen Mittelschule unterrichtet hatte.

Landesweit sollen sich Schulen, etwa in speziell gestalteten Unterrichtsstunden, mit dem Thema befassen, erklärte Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer. Am Schulgebäude werde eine Statue des Lehrers enthüllt, dazu sollen Kollegen und Schüler Patys sprechen. Im Ort finde ein Gedenkmarsch statt. Ebenso werde der Samuel-Paty-Platz gegenüber der Pariser Sorbonne offiziell eingeweiht.

Der Geschichtslehrer Paty war am Nachmittag des 16. Oktober 2020 in seinem Heimatort Conflans-Sainte-Honorine auf offener Straße enthauptet worden. Der 18-jährige Täter wurde beim Versuch der Festnahme im Anschluss von der Polizei erschossen.

„Wenn ich zu Ihnen spreche, möchte ich Ihnen allen versichern, dass wir an Ihrer Seite stehen, dass die Nation, die der Bildung so viel zu verdanken hat, für Sie da ist“, schrieb Macron nun auf X mit Blick auf die Lehrkräfte in Frankreich. Dominique Bernard sei ermordet worden, weil er heldenhaft versucht habe, seine Schülerinnen und Schüler zu schützen. Die Terroristen wüssten, dass es die Republik ohne die Schule, ohne kritisches Denken und ohne die in der Schule vermittelten Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Säkularismus nicht gebe. „Wir handeln und wir werden weiterhin handeln, um sicherzustellen, dass unsere Schule ein Zufluchtsort für unsere Schüler und alle, die dort arbeiten, bleibt. Die Schule muss ein Bollwerk gegen Obskurantismus bleiben.“ News4teachers / mit Material der dpa

Messerangriff in französischem Gymnasium: Lehrkraft getötet, weitere verletzt

 

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26 COMMENTS

  1. Vorbildlich, wie sich er französische Präsident an die französischen Lehrkräfte wendet. Liegt vielleicht daran, dass seine Frau eine Ex-Lehrerin ist, vielleicht aber auch daran, dass die Politik in Frankreich Respekt vor der Arbeit von Lehrkräften hat.

    • Ich vermute: Bald sind wieder Wahlen.

      Ich kann mich noch erinnern, wie ein franz. Lehrer geköpft, eine Außenstelle einer Zeitung inkl. Mitarbeiter in die Luft gejagt wurde. Kann sein, dass die Details leicht anders aussehen, jedoch gab es keine Konsequenzen außer die übliche Beileidsbekunden und solche Aussagen, wie es der Präsi gerade tat.

    • Es ist zu traurig. Ich habe sehr wegen den französischen Kollegen geweint. Sie machen alles richtig, wollen die Schüler zu kritischen Bürgern erziehen, und dann werden sie von zu tiefst fanatisierten und skrupellosen Individuen getötet bzw verletzt. Und trotzdem sehen viele auch hier in Religion etwas Gutes. Doch was taugt Religion, die nicht einmal den Respekt vor dem Leben lehrt?

      • Es ist allerdings auch traurig, wenn eine jahrtausendalte Religion aufgrund von fanatisierten Skrupellosen aus dieser Epoche, auf ihren generellen Nutzen hin kurzerhand und generell in Frage gestellt wird.

        Wäre dann z.B. die Bibel auch Schuld an den Kreuzzügen, Hexenverbrennungen etc. oder sind es Menschen, die sie in ihrer Absicht missbrauchten !?

        • Die Bibel ist ein Buch, das von vielen Autoren über einen sehr langen Zeitraum geschrieben wurde. Daher findet sich Erschreckendes und Anwendbares gleichermaßen. Sie zur alleinigen Richtschnur seiner Handlungen zu machen wie die Evangelikalen beispielsweise halte ich durchaus für gefährlich. Genauso gefährlich wie das Gleiche mit dem Koran zu tun. Es ist weniger Missbrauch, sondern der sklavische Gebrauch eines antiken bzw mittelalterlichen Textes. Das etwas jahrtausendealt ist, ist für mich natürlich historisch interessant, doch es ist kein Qualitätsmerkmal.

          • Eine sog. heilige Schrift ansich, unabhängig ob jetzt aus dem Koran oder Bibel, kann aus meiner Sicht nicht verantwortlich gemacht werden für den „sklavischen Gebrauch“ von Fanatisten, die diese für ihren (Un-)Sinn – ich bleibe dabei – missbrauchen. Wo sehen Sie eine mögliche Differenz zwischen sklavischen Ge- und Missbrauch?

            Ihre persönliche Lesart, die Qualität dieser uralten Texte interessiert anzuzweifeln, erscheint mir durchaus nachvollziehbar. Der historisch und philosophische Wert dieser religiösen Fundamente wird von all diesen „unseren“ Deutungen weiterhin bestehen bleiben.

        • Religion wurde schon vor über 200 Jahren von der philosophischen Aufklärung infrage gestellt, man kam auf die Idee, die Leute sollten lieber selber ihren Verstand gebrauchen (sapere aude) als sich nach uralten religiösen Schriften und nicht legitimierten Autoritäten (Religionsführern) zu richten.
          Auch heute gilt doch wohl für die Regierungen in aller Welt: je religiöser, desto reaktionärer (zumindest hinsichtlich Menschenrechten, Frauenemanzipation, queer und Regenbogen usw.).

          • Ja, das ist mir von diesem „man“ durchaus bekannt. Verstand ist ein sehr großes Wort. Ein Herr namens Piaget meinte einst: Verstehen heißt erfinden 🙂

            Ihre Sicht auf den stets reaktionären Gebrauch „aller Regierungen“ von immerhin fünf Weltreligionen teile ich nur bedingt.

          • Das Wort „Weltreligion“ besagt eigentlich gar nichts. Was ist denn der prinzipielle Unterschied zu Sekten neben der reinen Quantität der Anhängerschaft und einer quasi-staatlichen Organisiertheit? Die Achtung der Menschenrechte ist offenbar kein Kriterium.

  2. Eine klare Botschaft, verständlich vor dem Hintergrund der französischen Geschichte. Den Schulen dort kommt eine größere Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeitzu als jenen hierzulande.

    Im Mittelpunkt steht das Lernen für die Realität, keine Weltflucht wie dies große Teile der sogenannten „Reformpädagogik“ in Deutschland anstrebten und anstreben. In Frankreich spielen auch legendenumwobene Gründergestalten wie Rudolf Steiner oder Maria Montessori eine viel kleinere Rolle.

    • Ja, die Lage mag in der Hinsicht für Lehrer besser sein.
      Auch höre ich (reines Hötensagen), dass Zustände wie an deutschen Schulen wohl angeblich mehr oder weniger undenkbar sind, was Respektlosigkeiten gg. LuL betrifft. Ob es stimmt weiß ich nicht.

      Wie allerdings diverse Angriffe gezeigt haben, wurde auch in Frankreich der entscheidende Grund so lange totgeschwiegen, bis sich selbst Parteien jenseits des rechten Spektrums etablieren und populistisch-rechte Kräfte so weit anwachsen konnten, dass zeitweise die Möglichkeit einer Le-Pen-Präsidentschaft im Raum stand.

      • Nett, dass Sie es auch hier mit schlichten rechtspopulistischen Parolen versuchen. Wenn in Frankreich etwas „totgeschwiegen“ wurde, dann das koloniale Erbe des Landes. Das ist nämlich bis heute nicht umfassend aufgearbeitet. Immerhin: Macron hat damit angefangen.

        „Frank­reich ist nicht nur das Land der Menschen­rechte, sondern hat auch eine lange und grau­same Kolonial­geschichte. Der Algerien­krieg (1954-1962) belastet die Beziehungen zwischen Frank­reich und Algerien wie ein ‚Wund­brand‘ (Benjamin Stora), aber auch das Ver­hältnis der französischen Nation zu sich selbst. Der Schleier des Bes­chweigens, der lange über dieser Geschichte hing, wurde in den letzten Jahren nach und nach gelüftet. Präsident Macron hat den Kolonial­ismus ein ‚Menschheits­verbrechen‘ genannt und die Folter­praktiken der Armee in Algerien einge­standen, worauf ehe­malige Generäle sich prompt zu Wort meldeten, um sie zu verteidigen, wie das Jean-Marie Le Pen seit langem tut. Zu den strammen Wählern des rechts­extremen Front national gehört die Mehrheit der pieds noirs, d.h. der Franzosen, die während und nach dem Algerien­krieg nach Frank­reich überge­siedelt sind.“ Quelle https://www.hsfk.de/veranstaltungen/veranstaltung/news/frankreich-und-sein-schwieriges-koloniales-erbe

        Herzliche Grüße
        Die Redaktion

        • Natürlich hat Frankreich ein koloniales Erbe. Nix neues.
          Das ist ja wesentliche Ursache für so manches Banlieu, das weiß man doch nach 10 Sekunden googeln – oder halt nach Algerien und Co., etc. pp., Mali & Zugang zum Uranabbaugebiet in der Grenzregion dort und und und.

          Was daran „rechtspopulistisch“ sein soll, offensichtliche Tatsachen (egal welche Emotionen man mit diesen Tatsachen verbindet) anzusprechen – das bleibt wohl ihr „linkspopulistisches“ Geheimnis. (SCNR, ich wollte Ihren Stil auch mal kopieren)

          • Rechtspopulistisch ist Ihr Geraune davon, dass der „entscheidende Grund totgeschwiegen“ worden sei – klassischer AfD-Sprech zum Thema Migration. Herzliche Grüße Die Redaktion

          • Weder die AfD noch sonst wer setzt mir eine Gedankenschere in Kopf, mit der ich mich vorab selbst zensiere.

          • Dann brauchen Sie ja auch die Sprüche der AfD nicht hier nachzuklopfen. Herzliche Grüße Die Redaktion

      • Gerade Freinet ist wie Montessori auch absolut anwendbar. Ich habe in Bogotá mit Freinet Alphabetisierung mit Erwachsenen gearbeitet. Also die Reformpädagogik ist bestimmt nicht Schuld an dem, was hakt.

      • Bitte genau lesen: Ich schrieb „kleinere Rolle“, nicht „keine Rolle“.
        Sie können gerne die Anzahl der Privatschulen mit sogenannter oder selbsternannter „reformpädagogischen Ausrichtung“ vergleichend recherchieren, die sich explizit auf eine legendenumwobene Gründergestalt berufen, vielleicht aber nicht nur über Wikipedia.

        Bei dieser Gelegenheit könnten Sie sich zudem erneut mit dem Begriff „Pamphlet“ auseinandersetzen.

        • Apropos Pamphlet: Sie verbinden Reformpädagogik mit „Weltflucht“. Möchten Sie diese verunglückte Wortwahl im Nachhinein als wertschätzend darstellen?

          Sie können also doch selbst recherchieren.

          • Gerne würde ich Ihnen antworten, mir erschließt sich jedoch nicht Ihre Intention. Wie meinen Sie das, fragend oder auffordernd?

    • Ein „Bollwerk“ gegen religiöse Ansprüche gibt es in Europa eigentlich seit über 200 Jahren: die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem „Reichsdeputations-hauptschluss“. In Frankreich hat man Ernst gemacht damit, in Deutschland aber nicht. Da werden noch heute manche Bischöfe vom Staat besoldet, und Bischöfe werden zu Staatsfeierlichkeiten eingeladen und sitzen dann neben Vertretern der Islamverbände, so als seien sie im Range von Ministern.

  3. „Die Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Säkularismus“.
    Genau den letzten Wert „Säkularismus“ erkennen viele, viele Leute nicht an und meinen wohl, ihn dem Land Frankreich sozusagen „austreiben“ zu sollen. An diese Stelle sollen dann Götter gesetzt werden, die ihre Befehle in sog. heiligen Schriften kundgetan haben. Und das scheint der Kern des Problems zu sein.

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