„Größtenteils haltlose Vorwürfe“: Warum die Debatte um Maria Montessori wenig neue Erkenntnisse bietet – ein Gastbeitrag

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BERLIN. Neues von gestern? Seit einigen Tagen häufen sich Meldungen über die 1952 verstorbene Maria Montessori. So berichtet der Deutschlandfunk über „die dunkle Seite der Reformpädagogin. Die Rede ist von rassistischem Denkweisen und einer Nähe zum Faschismus. Der Anlass: ein gerade erschienenes Buch der Salzburger Erziehungswissenschaftlerin Prof. Sabine Seichter, mit dem sie über 70 Jahre nach Montessoris Tod ein neues, wenig freundliches Bild von der Pädagogik-Ikone zeichnen will. Was ist dran? Wenig – erklärt Prof. Heiner Barz von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der seit Jahren zur Empirie und Praxis der Reformpädagogik forscht, in seinem folgenden Gastbeitrag.

Maria Montessori, hier ein nachträglich coloriertes Foto von 1913, hat pädagogische Prinzipien formuliert, die noch heute gelten. Foto: Wikimedia Commons / Public Domain CC BY-SA 4.0

Aufarbeitung ja – Diffamierung nein: Montessori und der Faschismus-Vorwurf

Im Deutschlandfunk Kultur wurde mit schwerem Geschütz die Gründerin der Montessori-Bewegung angegriffen. Gleich drei Beiträge, in denen schon die Headlines gewissermaßen ein Todesurteil ankündigen, wollen einer bewährten und allein in Deutschland von Hunderttausenden von Eltern, Kindern und Schülern geschätzten, international erfolgreichen Erziehungskonzeption den Garaus machen:

  • Buch über Montessori: „Ihr Denken speist sich vor allem aus eugenischen Ansichten“ (DLF-Radio-Interview mit Prof. Dr. Sabine Seichter am 19. Januar 2024 zu ihrem neuen Buch „Der lange Schatten Maria Montessoris“, Weinheim: Beltz 2024)
  • Pädagoge kritisiert: „Montessori suchte Verbündete von Hitler bis Mussolini“ (DLF-Radio-Interview am 23. Januar 2024 mit dem Erziehungshistoriker Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth)
  • Reformpädagogik: Die dunkle Seite der Maria Montessori (zusammenfassende verschriftlichte Fassung am 29. Januar 2024 auf der DLF-Website)

Man könnte behaupten, der Deutschlandfunk kommt hier nur seiner wissenschaftsjournalistischen Pflicht nach und berichtet über bildungshistorisch neue Erkenntnisse. Da diese „neuen Erkenntnisse“ erstens aber nicht neu und zweitens in diffamierender Weise höchst einseitig und über weite Strecken falsch zugespitzt werden, wäre es naheliegend, wenn auch Kritiker dieser Fundamentalkritik um eine Einschätzung gebeten würden: Audiatur et altera pars („Man höre auch die andere Seite.“). Was aus einer historisch und bildungsphilosophisch weniger voreingenommenen Perspektive zu den Invektiven von Prof. Seichter zu sagen wäre, soll im Folgenden skizziert werden. Die heutige Montessori-Pädagogik scheint indessen auch den neueren, größtenteils haltlosen Vorwürfen, mit Gelassenheit zu begegnen: Ihre internationale Erfolgsgeschichte ist offenbar kaum zu bremsen.

Vorausgegangen ist den aktuellen Behauptungen seit Januar 2024, die eine strukturelle und praktische Verbindung zwischen Montessoripädagogik und Nationalsozialismus behaupten, ein ähnlich argumentierender Beitrag 2022 in einer österreichischen Zeitschrift,[1] auf den es 2023 auch Reaktionen aus der Montessori-Bewegung gab.[2]

Montessori und Mussolini – Das Scheitern einer Zweckgemeinschaft

Das Zentrum der Argumentation von Dr. Sabine Seichter, Professorin an der Uni Salzburg, deren Buch „Der lange Schatten Maria Montessoris. Der Traum vom perfekten Kind“ (Beltz Verlag 2024) im Mittelpunkt der aktuellen DLF-Sendungen stand, bildet die Behauptung einer inhaltlichen und historischen Nähe von Maria Montessori zum Faschismus. Die „Beweisführung“ erfolgt in maßgeblichen Teilen anhand von drei Themenfeldern, nämlich Rassismus, Eugenik und Mussolini. Es erscheint zunächst ziemlich einseitig, die inzwischen 120 Jahre erfolgreiche Montessori-Pädagogik auf die Episode zu reduzieren, in denen Mussolini sich mit der international anerkannten pädagogischen Autorität Maria Montessori schmücken wollte und Montessori eine Chance sah, Einfluss auf die Gestaltung der staatlichen Bildungsanstalten in Italien zu nehmen. Dazu habe ich bereits an anderer Stelle Bemerkungen gemacht.[3]

Hierzu ist es wichtig zu wissen, dass Montessori nicht nur als Pädagogin, sondern auch als Frauenrechtlerin und als Pazifistin international geachtet wurde. Mussolini war insofern mehr am berühmten Namen als an den inhaltlichen Konzepten der Montessori-Pädagogik interessiert. Tatsächlich musste dieses zeitweise Zweckbündnis an der kompletten Unvereinbarkeit der Vorstellungen vom Menschen und von der Erziehung scheitern. Folgerichtig ließ Mussolini 1934 sämtliche Montessori-Einrichtungen schließen. Auch die deutschen Nazis hatten übrigens schnell bemerkt, dass es keine wirklichen Gemeinsamkeiten mit reformpädagogischen Konzepten geben konnte, seien sie waldorf- oder montessori-pädagogischer Prägung.

So erschien am 23. Januar 1936, dem Zeitpunkt der Zwangsauflösung der letzten Montessori-Vereinigungen und –Einrichtungen in Nazideutschland, im „Westdeutschen Beobachter“ eine General-Abrechnung aus NS-Perspektive: „Allerdings verirren wir uns nicht in die individualistische Erziehungsform […], die im Kind ein Einzelwesen sieht. […] Es ist erwiesen, dass ausschließlich jüdische und marxistische Elemente jene Montessori-Pädagogik als willkommene Methode aufgriffen und für sie Propaganda machten. […] Es ist gut, dass wir die Methode kennlernten, um sie als verderblichen und unnötigen Ballast über Bord zu werfen.“[4]

Schon der Würzburger Montessori-Kritiker Winfried Böhm hatte in seiner Doktorarbeit indessen erkannt, dass es äußert schwer, ja eigentlich unmöglich ist, Montessoris Konzept einer bestimmten weltanschaulichen oder politischen Richtung zuzuordnen: „Zunächst wurde die Montessori-Pädagogik in den einzelnen Ländern von verschiedenen Gruppen propagiert: in Deutschland von Sozialisten, in Frankreich von den Theosophen, in Holland von Liberalen, in Österreich von der Kongregation der Weißen Franziskanerinnen; dann folgte überall eine Phase katholischen Montessoriverständnisses, die sich in ihrer Ausbreitung von Italien aus über Holland (1920), Deutschland (1929) und die Tschechoslowakei (1940) verfolgen läßt; nur in Österreich nahmen zur gleichen Zeit die Sozialisten Montessori für sich in Beschlag.“[5]

Die Behauptung einer gewissermaßen immanenten Affinität von Montessoris Menschenbild und Pädagogik zu Faschismus und Nationalsozialismus lässt sich jedenfalls weder anthropologisch noch historisch aufrechterhalten. Montessori selbst hatte viele Jahrzehnte in Barcelona, Amsterdam und Adyar (Indien) gelebt und gelehrt. Als sie 1947 erstmals wieder in Italien war, wurde sie auch zu ihrer Zusammenarbeit mit dem Faschismus gefragt: „Sie haben meine Schulen abgeschafft, weil sie auf einer internationalen Idee beruhten und weil ich mich weigerte, Krieg zu lehren.“[6]

Wer im 21. Jahrhundert über Einstellungen und Äußerungen von Menschen urteilt, die vor 100 oder 120 Jahren gelebt haben, muss die damaligen Verhältnisse und Selbstverständlichkeiten in Rechnung stellen. Nur wer die damals vorherrschenden Anschauungen über Menschen und Völker aus verschiedenen Weltgegenden, über die gesellschaftliche Partizipation von Frauen (z.B. Wahlrecht, Recht auf höhere Bildung) oder über die scheinbar unerschöpflichen Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik zur Verbesserung der Lebensbedingungen kennt,[7] kann sie in Würdigung und Be- oder Verurteilung auch berücksichtigen.

Maria Montessori hat sich als eine der ersten Ärztinnen Italiens und später als Friedensaktivistin sicher über viele hergebrachte Traditionen und in ihrem Umfeld geltende Anschauungen hinweggesetzt. In anderen Punkten war sie ganz Kind ihrer Zeit. Und so finden sich – in dieser Zeit von Kolonialismus und Imperialismus durchaus gewissermaßen „common sense“ – Zitate zur Überlegenheit der „triumphierenden Rasse“ gegenüber den „minderwertigen Rassen“. Insbesondere manches aus Montessoris frühen Schriften, die den Zeitgeist der Jahrhundertwende atmen, wirkt auf uns heute fremd, ja abstoßend. Das wird von Vertretern der Montessori-Bewegung auch unumwunden eingeräumt.

So formuliert etwa der Vorsitzende von Montessori Deutschland, Dr. Jörg Boysen: „Es gibt tatsächlich solche Zitate. Da muss man allerdings weit zurückgehen, zwei Jahrzehnte zurück, in die Anfänge ihrer beruflichen Tätigkeit, als sie Ärztin an einer Klinik war und dann an das Pädagogische Institut der Universität in Rom kam. Von 1905 bis 1908 hat sie für Naturwissenschaftler Vorlesungen zum Thema Anthropologie gehalten, in denen sie den Studenten den damaligen Stand dieser Wissenschaft näherbrachte, der tatsächlich rassistisch geprägt war. Diese Vorlesungen hat sie auf Bitte ihrer Studenten 1910 als Buch veröffentlicht, in dem sie versuchte – so heißt auch das Buch – , eine „pädagogische Anthropologie“ zu entwickeln.“[8]

Es war indessen das, was Dr. Montessori als junge Dozentin an der römischen Universität in den vorhandenen Lehrbüchern vorfand und ihrerseits an ihre Studenten weitergab. Dass sie alles andere als eine nationale Chauvinistin, oder gar Nationalistin war, lässt sich nicht nur an ihrer internationalen Anhängerschaft, an ihren langjährigen Wohnsitzen in Spanien, den Niederlanden und Indien ablesen – sondern auch an ihrem Engagement als Friedensaktivistin, weshalb sie mehrfach als Kandidatin für den Friedensnobelpreis gehandelt worden war.

Das Ministerium für menschliche Entwicklung. Oder: Wie man aus Public Health Rassismus macht

Das „Ministry of the Race“, das angebliche Ministerium für Eugenik und Rassismus, das Montessori (1951) gefordert haben soll,[9] war in Wirklichkeit eines, das Humanismus, Kultur und Bildung fördern sollte. Vor allem durch eine Verbesserung der Bedingungen des Aufwachsens in jeder, insbesondere in kultureller Hinsicht. Mit „Race“ ist also das gemeint, was wir im Deutschen vielleicht Menschheit nennen würden. Und das von Montessori skizzierte Ministerium wäre in heutigem Verständnis vielleicht eines, was Gesundheit, Bildung, Familie und Jugendhilfe umfasst. Von dem, was Seichter und Tenorth insinuieren, nämlich biologistisch motivierte Auslese einer weißen Herrenrasse und womöglich sogar Eliminierung lebensunwerten Lebens, findet sich in der Original-Version des Textes von Montessori rein gar nichts.

Stattdessen ist immer wieder von Kultivierung und von Lern- und Lebensbedingungen die Rede, die erforderlich sind, um Kinder ein ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechendes Aufwachsen zu ermöglichen: „Heute sprechen die Psychologen viel von ‚Unterdrückung‘ bei Kindern, aber wenn man berücksichtigt, dass die Art des Unterrichtens stets ein und dieselbe ist, muss man zu der Schlussfolgerung kommen, dass nicht nur Kinder, sondern auch die Jugendlichen und die Erwachsenen unter den Schülern unterdrückt und deformiert, das heißt, in ihrer Persönlichkeit geschwächt werden, wenn man sie zum Lernen zwingt. Die Bildungseinrichtungen bringen daher ein Geschlecht seelischer Zwerge hervor, bei denen die höheren menschlichen Eigenschaften erstickt worden sind.“[10]

Dementsprechend war der betreffende Text von Montessori auch in den auf Deutsch verfügbaren Fassungen unter die Überschrift „Das Ministerium für menschliche Entwicklung“ gestellt worden.[11] Seichter nutzt den bloßen Klang des englischen Titels „Ministry of the Race“, und übersetzt ihn eigenwillig mit „Ministerium für die Verbesserung der menschlichen Rasse“, um daraus den Vorwurf zu zimmern, dass Montessori auch nach dem Ende von Faschismus und Nationalsozialismus noch eugenische und rassistische Ideen verkündet hätte.

Zunächst ist im Zusammenhang mit dem zurecht heute als Unwort geltenden Begriff „Eugenik“ darauf hinzuweisen, dass die Eugenik im späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts u.a. durch den großen Einfluss des Darwinismus ein durchaus von vielen Wissenschaftlern und einflussreichen Personen vertretenes Konzept darstellte. Als Vererbungslehre mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern und den Anteil negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern, sah man international Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Gegensteuerns vor dem Hintergrund einer als problematisch wahrgenommenen „Degeneration“ der Bevölkerung. Literaten wie D. H. Lawrence, George Bernard Shaw, H. G. Wells traten ebenso dafür ein wie der britische Premierminister Winston Churchill oder der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes – um berühmte Beispiele aus dem angelsächsischen Raum zu nennen. In Deutschland propagierte etwa der Sozialmediziner und Reichstagsabgeordnete der SPD, Prof. Alfred Grotjahn (1869-1931) ein stärker auf Sozialhygiene ausgerichtetes Konzept der Eugenik.

Wenn die späte Montessori sich für die Kultivierung und Verbesserung der Menschheit einsetzte und durch eine wissenschaftlich angeleitete Neugestaltung von Bildung und Erziehung den Weg dazu ebnen wollte, dann war alles andere als die von Seichter behauptete Rassenhygiene nationalsozialistischer Prägung gemeint. Die Intention von Montessori war vielmehr eindeutig auf Menschheit oder Spezies und nicht auf irgendeinen Teil davon gerichtet.

Dementsprechend wurde der Text etwa auch im Italienischen unter die Überschrift gestellt: „II ministero della specie“.[12] Montessori erläutert ihr „Ministerium für menschliche Entwicklung“ damit, dass es für viele Dinge, die für eine Gesellschaft wichtig sind, eigene Ministerien gibt. Dass aber eben für die Verbesserung der Lebensbedingungen insbesondere der Kinder bisher keine Zuständigkeit gesehen worden sei. Sie nennt u.a. das Beispiel der Landwirtschaft, wo die Erträge verbessert wurden, indem man die Bauern darüber aufgeklärt hat, wie man mit wissenschaftlichen Methoden und technischen Errungenschaften (Maschinen, Düngern, Pestizide, Züchtung) die Ernten ertragreicher machen kann. Und sie beklagt, „dass kein ähnlicher Versuch unternommen wird ‚die Menschheit zu kultivieren.‘“ In der Tat werden Pflanzen auch durch Erbgutveränderungen kultiviert.

Der gesamte Kontext und alle von Montessori in Bezug auf die Menschheit vorgeschlagenen Maßnahmen zielen aber nirgends in Richtung Erbgesundheitslehre oder Rassenhygiene. Montessoris Appell gilt einzig und allein der Verbesserung der Erziehungsmethoden, der Ausschöpfung von durch falsche Methoden brachliegenden Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Das, was sie intendiert, hätte man früher vielleicht „Volksgesundheit“ und heute „Public Health“ genannt. Es braucht einen starken Willen zum bewussten Missverständnis, um aus Montessoris Text aus dem Jahr 1951 eugenische Motive herauszulesen.

Die Thesen der Kollegin Seichter entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Halbwahrheiten und Manipulationen – nicht nur beim angeblichen „Ministerium zur Verbesserung der menschlichen Rasse.“ Montessori war etwa auf der Weltausstellung 1915 in San Francisco eingeladen worden, eine Art Demo-Klassenzimmer einzurichten, in dem Kinder bei der Arbeit mit Montessori-Materialien beobachtet werden konnten. Frau Seichter berichtet von einem – so wörtlich – „gigantischen Glaskasten“, einem „gläsernen Schaukasten“, in der Montessori die Kinder zur Schau gestellt hätte (angeblich als Prototypen der überlegenen „weißen Herrenrasse“). Nach dieser Beschreibung stellt man sich einen Menschenkäfig vor, von allen Seiten einsehbar, oder einen saalgroßen Glas-Kubus. Aber die Fotos des realen „Glass Classrooms“ zeigen etwas anderes, nämlich keinen Glaskasten, sondern einen kleinen Klassenraum, in dessen einer Seitenwand durch Sproßenfenster die Möglichkeit des Zusehens geschaffen wurde. Wie im Brennglas scheint sich in dieser manipulativ verzerrten Darstellung die Arbeitsweise von Frau Seichter zu spiegeln.

Mit der Behauptung von Prof. Seichter, der weltberühmte Philosoph und Bildungstheoretiker John Dewey sei ein scharfer Kritiker der Montessori-Pädagogik gewesen, verhält es sich ähnlich: Ein paar Sätze, in denen Dewey die Unterschiede seiner zentralen pädagogischen Postulate zu denen Montessoris sachlich benennt, stehen im Kontext einer großen gemeinsamen Anstrengung beider, für eine neue Sicht auf die Kindheit und für eine Erneuerung der Erziehungsmethoden einzutreten – was Dewey auch überaus wertschätzend gegenüber Montessori so formuliert hat. Usw.

Die Montessori-Bewegung hat schon manche Stürme überstanden. Ausgerechnet aus den USA wurde ihr einst eine mechanistische Methode, eine zu sehr dem Wissenschaftsglauben des 19. Jahrhunderts verhaftete Konzeption unterstellt. Interessant sind dazu übrigens die Richtigstellungen, die Michael Knoll[13] längst in Bezug auf die Position John Deweys geliefert hat, der Montessori gegen die harschen Einwände seines Kollegen Kilpatrick verteidigte. Später wurde die Frage virulent, ob man die Montessoripädagogik wegen ihrer u.a. auch an fernöstlichen Religionen orientierten Weltsicht und Montessoris Sympathie für die Theosophie überhaupt als „genuin christliches“ Konzept gelten lassen könne. Auch wurde gelegentlich die zu geringe Betonung der künstlerisch-musischen Bildung und – im Kindergartenbereich – das Fehlen einer expliziten Würdigung des kindlichen Freispiels kritisiert.

Über all diese Aspekte haben Montessori-Vertreter immer wieder diskutiert[14] und auch teilweise neue Wege gefunden. Ich denke etwa an die Montessori-Waldkindergärten, an Montessori-Naturschulen oder an die Musical-Schule im Montessori-Internat Schloss Hagerhof. Montessori-Einrichtungen haben sich für die empirische Überprüfung ihrer pädagogischen Arbeit geöffnet und sich mit kritischen Rückmeldungen auseinandergesetzt.[15] Und auch die Vergangenheitsbewältigung in puncto der (teilweise fehlenden) Abgrenzung zu Mussolinis faschistischer Bewegung ist etwas, worüber Montessorianer sich Gedanken gemacht haben – und diese auch öffentlich zur Diskussion gestellt haben.[16] Das Argument fehlender Auseinandersetzung oder mangelnder Aufarbeitungsbereitschaft läuft also ins Leere. Und auch der Faschismus-Vorwurf wird nicht dadurch wahr, dass er nun nach einer ersten Welle, um das Jahr 2000 herum, erneut vorgetragen wird.

Alle Wege führen nach Würzburg?

Interessanterweise taucht sowohl hinter den altbekannten (Fuchs, Leenders, Hofer[17]) wie den neueren Schriften (Stiehler, Seichter), die das Ansehen von Maria Montessori mit Hilfe des Faschismus-Vorwurfs beschädigen wollen, als Stichwortgeber und akademischer Lehrer immer wieder ein und dieselbe Person auf: Prof. Dr. Dr. h.c. Winfried Böhm. Birgitta Fuchs ist die Tochter von Böhm. Leenders, Hofer und Seichter wurden bei ihren Doktorarbeiten von Böhm betreut. Seichter hat mit Böhm zusammen mehrfach publiziert. Dr. Miriam Stiehler, die Autorin eines unsäglichen Cicero-Artikels[18], der das Kunststück fertigbringt, Maria Montessori gleichzeitig als autoritäre Anhängerin Mussolinis wie als Mutter der Laissez-Faire-Pädagogik zu verunglimpfen, hat ebenfalls in Würzburg promoviert.

Im Laufe der Jahre war Böhm offenbar vom Apologeten zum Apostaten mutiert. Anhand der Sammlung pädagogischer Quellentexte, die er über Jahrzehnte in immer neuen Auflagen zu Montessori herausgegeben hatte, lässt sich diese Wandlung erahnen. So fand sich bis 1985 darin noch ein Text von ihm selbst, der die Stärken der Montessori-Pädagogik in puncto Individualität und Selbsttätigkeit, in Selbstbestimmung und Eigenzeit der Kinder durchaus würdigt. Während Böhm in späteren Auflagen eher z. B. um die Beweisführung bemüht ist, Montessori des Renegatentums wegen des Abfalls vom Katholizismus, zu überführen. Ursprünglich wusste Böhm den Montessori-Ansatz noch durchaus sehr positiv zu charakterisieren.

Im älteren Text von 1985 (auf S. 113) lesen wir von Böhm noch Sätze wie: „Ohne allen Zweifel geht es Maria Montessori in erster Linie darum, das Eigenrecht des Kindes, seine Andersheit und seine Individualität gegenüber jeder Form von Adultismus und aller die kindliche Eigentümlichkeit einebnenden gleichmacherischen Erziehung zu verteidigen. Indem Montessori mit allem Nachdruck die überragende Bedeutung des individuellen Bauplans und mit aller ihrer Entschiedenheit den Vorrang der kindlichen Entwicklungs- und Wachstumsgesetzlichkeiten verficht, richtet sie das Schwert ihrer Kritik gleichermaßen auf jegliche pädagogische Überheblichkeit und jedweden Hochmut des Erziehers – die Fehler des Kindes sind für Montessori die Fehler des Erwachsenen! –, und genauso brandmarkt sie das Ausufern der gesellschaftlichen Ansprüche und Erfordernisse. Nicht Lernen und Qualifikationen machen das Herzstück der Montessori-Pädagogik aus, sondern die gesunde Entwicklung und der unverquerte ‚Selbstaufbau‘ der kindlichen und jugendlichen Individualität. Eine ‚Erziehung vom Kinde aus‘ also!“[19]

Montessori und „das vermessene Kind“

Sicher mag man zurecht über manche Beobachtungs- und Vermessungsmethoden gerade der frühen Montessori, die noch stark unter dem Einfluss der damaligen biologisch orientierten Anthropologie stand, die Stirn runzeln. Es erscheint mir aber einigermaßen absurd, wenn Frau Seichter allen Ernstes Montessori als Ideengeberin für heutige Gen-Experimente haftbar machen will. So behauptet sie etwa, „Montessoris embryologische (und nach wie vor spirituell-religiöse) Vorstellungen von einem ‚immanenten Bauplan‘ werden in diesen Tagen wissenschaftliche Realität.“ (S. 13) Montessori habe mit ihren „eugenisch motivierten Erlösungsphantasien“ die heutige Vision vom „Design-Baby“ vorweggenommen.

Montessoris Verbesserungsideen und Hoffnungen waren immer eher darauf gerichtet, dass die im Kind schlummernden Kräfte und Talente, seine persönlichen Anlagen und Potentiale durch aufmerksame Erwachsene gefördert und individuell zu bestmöglicher Entfaltung gebracht werden. Sie betonte auch die „Werterfahrung“ der Persönlichkeit. Sie meinte damit nicht nur, dass sich Selbstwirksamkeit vor allem dann entwickeln kann, wenn ein Kind geliebt wird, sondern auch, „dass das Individuum sich für seine Entwicklung anstrengen und sich selbst üben muss und nicht abhängig von anderen sein darf. […] Freiheit ist die Unabhängigkeit, die man mit eigener Anstrengung erwirbt.“[20]

Es gehört wirklich viel Phantasie dazu, dies als ein Reglement schematischer Vorgaben anhand vermeintlicher Idealmuster und Standard-Normen zu interpretieren. Wie weit sich Frau Seichter damit von den tatsächlichen Grundintentionen Maria Montessoris entfernt hat, soll abschließend an einer Episode aus Montessoris Leben verdeutlicht werden:

„1946 sagte sie ihren Schülern, sie glaube, die Säuglinge würden durch die Art der Behandlung, die man ihnen nach der Geburt im Abendland routinemäßig angedeihen lasse, geschädigt. Anstatt sie zu baden, zu wiegen und zu messen, sollte man sie nur einfach einwickeln und an die Brust ihrer Mütter legen, und sie nicht in den ersten Lebensstunden von ihren Müttern trennen.

Das war für sie nicht etwa eine neue Art der Betrachtung. Schon im Frühjahr 1936, bei einem Besuch in Budapest, als Elise Braun in Wien von einer Tochter entbunden worden war, hatte Maria Montessori auf dem Rückweg nach Barcelona in Wien ihre Reise unterbrochen und war gekommen, um sich das Baby anzusehen. Sie stand lange an der Wiege und schaute auf das schlafende Kind. Als es Zeit wurde, das Baby zu stillen, wollte ‚Mammolina‘ dabeisein. Als sie sah, wie Lisl streng die Regeln ihres Wiener Kinderarztes befolgte, das Baby vor dem Stillen wog, und danach noch einmal, um festzustellen, wieviel es getrunken hatte, und nicht weiterstillen wollte, nachdem das Kind die vorgeschriebene achtzig Gramm Milch getrunken hatte, war Maria Montessori entsetzt gewesen:

‚Glaubst du nicht, daß die Kleine weiß, wann sie genug gekriegt hat?‘ schalt sie die junge Mutter und sagte ihr, sie solle die Waage fortwerfen und sich nach dem Instinkt des Babys richten, womit sie die Idee des ‚Stillens auf Verlangen‘ vorwegnahm, wie so viele andere Praktiken der Kindererziehung, lange ehe ihre ärztlichen Kollegen soweit waren.“[21] Von Heiner Barz (Stand: 19. Februar 2024)

Univ.-Prof. Dr. Heiner Barz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, hat sich seit vielen Jahren als Bildungsforscher mit Theorie, Empirie und Praxis der Reformpädagogik und aktuellen Bildungsproblemen befasst. Zum Thema erschien von ihm z.B. das „Handbuch Bildungsreform und Reformpädagogik“ (Springer VS: 2018) und die Monographie „Reformpädagogik. Innovative Impulse und kritische Aspekte“ (Beltz Verlag: 2018).

[1] Stefan T. Hopmann: Wie faschistisch ist Montessori? In „Die Furche“, 04.05.2022.

[2] Thomas Helmle: Zur Diskussion: Frischer Wind erforderlich. Zu einigen konzeptionellen Schwächen der Montessori-Pädagogik. In: Montessori (2023), Heft 1, S. 140-159.

Dr. Jörg Boysen: Montessori und Mussolini – Ein Interview. Auf der Website des Verbandes „Montessori Deutschland“ im Oktober 2023 publiziert: https://www.montessori-deutschland.de/ueber-montessori/maria-montessori/interview-zu-montessori-und-mussolini/

[3] https://www.cicero.de/kultur/serie-bildungsmisere-replik-montessori

[4] Günter Schulz-Benesch (2002): „Ein NS-Pamphlet gegen die Montessori-Pädagogik.“ In: Harald Ludwig; Christian Fischer, Reinhard Fischer (Hrsg.): Montessori-Pädagogik in Deutschland: Rückblick – Aktualität – Zukunftsperspektiven: 40 Jahre Montessori-Vereinigung e.V. Münster: LIT Verlag. S. 177-179.

[5] Winfried Böhm (1969): Maria Montessori. Hintergrund und Prinzipien ihres pädagogischen Denkens. Bad Heilbrunn/Obb. (Unveränderte 2. Auflage: 1991)

[6] Kramer, Rita: Maria Montessori. Leben und Werk einer großen Frau. Frankfurt a.M.: Fischer Verlag. 1996. Amerikanisches Original: 1976. Deutsche Erstausgabe bei Kindler, München 1977. S. 419.

[7] Vgl. etwa Philipp Bloms großes Geschichtspanorama „The Vertigo Years“ (2008; dt. 2009: Der taumelnde Kontinent. Europa 1900–1914. München: Hanser Verlag).

[8] Dr. Jörg Boysen: Montessori und Mussolini – Ein Interview. Auf der Website des Verbandes „Montessori Deutschland“ im Oktober 2023 publiziert:

https://www.montessori-deutschland.de/ueber-montessori/maria-montessori/interview-zu-montessori-und-mussolini/

[9] Maria Montessori: The Ministry of the Race. In: D. D. Kanga (Ed.): Where Theosophy and Science Meet – A Stimulus to Modern Thought, Vol. II: God and Law. Adyar/Madras 1951, pp. 516-522.

[10] Maria Montessori: Das Ministerium für menschliche Entwicklung. In: Harald Ludwig (Hrsg.) (2013): Durch das Kind zu einer neuen Welt. Montessori – Gesammelte Werke, Band 15. Freiburg i.Br.: Verlag Herder. S. 297-304. S. 300.

[11] Winfried Böhm (Hrsg.) (³1985): Maria Montessori: Texte und Gegenwartsdiskussion. Reihe: Klinkhardts Pädagogische Quellentexte. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt. (5. erweiterte und verbesserte Auflag: 1996); Montessori GW Bd. 15 (vgl. Anm. 10).

[12] Vgl. Ludwig 2013, S. 298.

[13] Michael Knoll: John Dewey über Maria Montessori. Ein unbekannter Brief. In: Pädagogische Rundschau 50 (1996), S. 209-219.

[14] Hans Schmutzler (1991): Fröbel und Montessori. Zwei geniale Erzieher – was sie unterscheidet, was sie verbindet. Freiburg i.Br.: Herder Verlag.

[15] Boysen, Jörg; Dirk Randoll; Nina Villwock (2022): „Man lernt Sachen, die man wirklich braucht.“ Absolventenstudie: Ehemalige Montessori-Schüler:innen kommen zu Wort. Weinheim – Basel: Beltz Juventa. Und: Sylva Liebenwein, Heiner Barz, Dirk Randoll (2013): Bildungserfahrungen an Montessorischulen. Empirische Studie zu Schulqualität und Lernerfahrungen. Wiesbaden: Springer VS.

[16] Siehe oben (Anmerkung 2): Helmle (2023) und Boysen (2023). Aber auch schon die Schriften von Leenders, Hofer und Fuchs wurden aufmerksam rezipiert und ebenso kenntnisreich wie kritisch kommentiert: Hans-Dietrich Raapke: Montessori an den Pranger? In: Zeitschrift „Montessori“, 2002, Heft 3-4, S. 272-287. Erneut abgedruckt in: Harald Ludwig, Christian Fischer, Reinhard Fischer (Hrsg.) (2003): Verstehendes Lernen in der Montessori-Pädagogik, Reihe Impulse der Reformpädagogik. Münster: LIT Verlag. S. 232-246. Und: Hans-Dietrich Raapke (2008): Anmerkungen zum Begriff der „Normalisierung“ in der Montessori-Pädagogik. In: Das Kind, Heft 43. S. 150-154. Erneut abgedruckt in: Das Kind. 2014. Heft 56. S. 54-58.

[17] Birgitta Fuchs (2003): Maria Montessori. Ein pädagogisches Porträt. Weinheim: UTB. – Christine Hofer (2001): Die pädagogische Anthropologie Maria Montessoris – oder: Die Erziehung zum neuen Menschen. Würzburg: Ergon Verlag. – Hélène Leenders (2001): Der Fall Montessori. Die Geschichte einer reformpädagogischen Erziehungskonzeption im italienischen Faschismus. Aus dem Niederländischen übersetzt von Petra Korte. Bad Heilbrunn/Obb.: Verlag Julius Klinkhardt.

[18] Vom 15. Januar 2024.

[19] Winfried Böhm (Hrsg.) (³1985): Maria Montessori. Texte und Gegenwartsdiskussion. Klinkhardts Pädagogische Quellentexte. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt Verlag.

[20] Maria Montessori: Moralische und soziale Erziehung (Vortrag von 1938 in Edinburgh) in: Durch das Kind zu einer neuen Welt, Freiburg 2017, S. 87

[21] Kramer, Rita: Maria Montessori. Leben und Werk einer großen Frau. Frankfurt a.M.: Fischer Verlag. 1996. Amerikanisches Original: 1976. Deutsche Erstausgabe bei Kindler, München 1977. S. 412.

Weiterführende Literatur

Heiner Barz (Hrsg.) (2018): Handbuch Bildungsreform und Reformpädagogik. Wiesbaden: Springer VS.

Heiner Barz (2018): Reformpädagogik. Innovative Impulse und kritische Aspekte. Weinheim: Beltz.

Heiner Barz (2018): Montessori & Co. Eine kurze Geschichte der Reformpädagogik. In: Felixberger, Peter / Nassehi, Armin u.a.: Kursbuch 301 Gramm Bildung. Hamburg: Kursbuch Kulturstiftung gGmbH, S. 65-85.

Manfred Berger (2002): „Hilf mir, es allein zu tun!“ – Vor 50 Jahren starb Maria Montessori. In: Martin R. Textor und Antje Bostelmann (Hrsg.): Das Kita-Handbuch. Zuerst erschienen bei Forum: Frau und Gesellschaft (siehe www.forumfrau.de), Februar 2002. Online:
https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/geschichte-der-kinderbetreuung/weitere-historische-beitraege/749/

Cristina De Stefano (2021): Kinder als Lehrer. Das Leben der Maria Montessori. Aus dem Italienischen von Franziska Kristen. München: btb.

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unverzagte
1 Monat zuvor

Interessant verfasster Gastkommentar, der die wesentlichen Komponenten dieser faszinierenden Pädagogik erfasst und nachvollziehbar aufzeigt, dass es sich bei der fragwürdigen Arbeit mit dem unpassenden Titel vom „perfekten Kind“ primär um ein verfehlten Profilierungsversuch denn um eine gelungene Auseinandersetzung mit Kritik an Montessouri handelt.
Beeindruckt hat mich das Verständnis vom sog. „inneren Bauplan“ : Ein Wissen, zu dem nur das jeweilige Kind einen direkten Zugang hat. Aufgabe der Lernbegeleitung muss also sein, eine diesem geheimen Bauplan entsprechende Umgebung zu schaffen, die dem Kind die nötigen Anreize zur bestmöglichen Entwicklung ermöglicht.

Lächerlich, dies in einem Kontext mit Genmanipulation deuten zu wollen.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

https://eplus.uni-salzburg.at/obvusbhs/content/titleinfo/5386286/full.pdf

Wer den Stein des Anstoßes selbst sichten möchte.

Alx
1 Monat zuvor

Da stehen einem die Haare zu Berge.

„War damals gängige Lehrmeinung“ entkräftet das in meinen Augen nicht.

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

Meistens wird doch geglaubt, dass man an der Spitze des Fortschritts steht. Welche Zeit ordnet sich denn selbst als zurückgeblieben ein? Mir kommt oft der Gedanke, dass Bewohner späterer Zeiten unsere Psychiatrie und Behandlungen mit Psychopharmaka, das Durchsetzen unserer geopolitischen Interessen, aber vielleicht auch unsere Schulen und Krankenhäuser genauso als barbarisch erachten werden wie wir die Sklaverei oder die Lobotomie..

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Es gibt heute mehr Sklaven als je zuvor.

Haben sie die verlinkte Arbeit gelesen?

Ich nehme an, dass meine vorherige Antwort nicht veröffentlicht wurde, weil sie Zitate von Montessori enthielt.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

Sklaven, die sie Montessori an dichten möchten?

Haltlose These.

Warum sollte hier von Ihnen angeblich Zitiertes vorenthalten werden… Sinn?

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Da haben Sie sich verlesen.

Ich kann nur mutmaßen, warum die Redaktion meine erste Antwort nicht veröffentlicht hat.

Sie können in dem Artikel einfach „mongoloide“ suchen, dann finden Sie die Aussagen.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

Oder Sie verschreiben sich erneut bzw. was soll Montessori mit downsyndrom zu tun haben ?

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  Unverzagte

Ich Versuche es noch einmal in der Hoffnung, dass es diesmal durchkommen mag.

Zitate aus dem obigen Link:

„Montessori gibt an dieser Stelle ein Beispiel der „sozialen Evolution“ und versucht, daran einen Teil der Evolutionstheorien zu entkräften: „Der Mensch war niemals ein Menschenaffe […]. Und der Mensch, der zur weißen Rasse gehört, gehörte niemals zur negroiden oder mongolischen.“ (vgl. Montessori, 2019, S. 57).“

„Als „minderwertige menschliche Rassen“ (vgl. ebd.) beschreibt Montessori zudem den „negroiden und mongoliden Typus“ (vgl. ebd.), wobei hier aufgrund fehlender Zitation unklar ist, ob es sich um Lombrosos oder um Montessoris Gedankengut handelt.“

Als Ärztin und Dozentin hat Montessori diese Ansichten aktiv gelehrt und publiziert.

Wie würden Sie derartige Aussagen bezeichnen?

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

Crux ist und bleibt, dass aus dem historischen Kontext gerissenen Zitate mit dem facettenreichen Schaffenskomplex Montessoris unvereinbar zu deuten sind.

Johann Friedrich H.
1 Monat zuvor

Mit Spannung erwarte ich den Beitrag der Gegenseite, schön, dass es bei news4teachers eine Debattenkultur gibt, ausgelöst durch eine Buchbesprechung und einem Interview in einem anerkannten Qualitätsmedium wie dem Deutschlandfunk.

Herr Prof. Barz spricht von „Größtenteils haltlosen Vorwürfen“, leider schreibt er nicht, welchen Thesen von Frau Prof. Seichter er offener gegenübersteht. Das wäre ein Weg jenseits von Verherrlichung und Verteufelung gewesen.

Mika
1 Monat zuvor

Zumal Herr Prof. Barz die Darstellungen Seichters zwar als „haltlos“ kritisiert, sie jedoch nicht weitergehend entkräftet.

AvL
1 Monat zuvor

Herzlichen Dank für den sehr umfangreichen
und quellengestützten Beitrag, der auch als
klar strukturierte Gegendarstellung zu
Frau Prof.Dr Seichters unsäglichen Verriss der
Montessori-Pädagogik verstanden werden sollte.

Achin
1 Monat zuvor
Antwortet  AvL

Sehr geehrte*r AvL,

konnten Sie das Buch aus dem renommierten C.H.BECK-Verlag schon lesen? Meiner Lektüre entnahm ich eher eine Auseinandersetzung mit der Biografie und den Originaltexten einer Frau, die von vielen Menschen zu einer Ikone stilisiert wird, um „die Montessori-Pädagogik“ der Gegenwart geht es nur am Rande.

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  Achin

Nein, gelesen habe ich es nicht, obwohl mir die
geschichtsbezogen Verwicklungen sowie die
darwinistische Denkweise dieser Generation
auch durchaus bekannt ist.
Jeder Mensch ist in gewissem Maße stark von
der Denkweise seiner Mitmenschen beeinflusst,
und davon werden auch sie sich nicht freisprechen können.
Nachfolgende Generationen haben auf der
Grundlage neuerer wissenschaftlicher
Erkenntnisse andere Einstellungen.
Diesem Umstand sollte man immer Rechnung tragen,
so man über andere urteilt.

Achin
1 Monat zuvor
Antwortet  AvL

Da stimme ich Ihnen inhaltlich voll zu. Allerdings suggerieren Sie in Ihrem Kommentar, sie hätten das im Deutschlandfunk besprochene Buch gelesen. Das finde ich in einem Fachmagazin-Diskurs bedenklich.

Hoffentlich vermitteln Sie Ihren Schüler*innen andere Standards der Meinungsbildung. Uns Lehrkräften kommt ihr eine besondere Verantwortung zu, die über jede persönliche Zuordnung zu einer pädagogischen Ausrichtung stehen sollte. Blieben Sie in Ihrer Lehrer*innenrolle, wenn Sie ein kritisches Referat über Maria Montessori bewerten müssten?

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  Achin

Weiter oben ist ein Link zur Arbeit von Frau Prof. Dr. Seichter.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  AvL

Sehr geehrter AvL, lesen Sie doch bitte zunächst das Buch Seichters, bevor Sie es als Verriss der Montessori-Pädagogik bezeichnen. Frau Prof. Seichter ist da wesentlich differenzierter und vermag sogar zwischen dem, was heute in Montessori-Einrichtungen praktiziert wird, und den Ansichten Montessoris zu Eugenik zu unterscheiden.

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Danke für Ihren Hinweis, und wenn ich Zeit finde,
werde ich ihrem Ratschlag nachgehen.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  AvL

Falls das jetzt so oberbelehrend rüber kam: so war’s nicht gemeint, sondern exakt wörtlich, wie ich’s geschrieben habe. Ich finde das, was Seichter schreibt, hat Hand und Fuß und redet einfach gegen die Verklärung und Glorifizierung Montessoris, wie sie von vielen ihrer Anhänger betrieben wird.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  AvL

Wurde „mein Kampf“ von allen gelesen, die es als nicht lesenswert bezeichnen?
Schwund bleibt leider Papierverschwendung.

kanndochnichtwahrsein
1 Monat zuvor

„Montessoris Verbesserungsideen und Hoffnungen waren immer eher darauf gerichtet, dass die im Kind schlummernden Kräfte und Talente, seine persönlichen Anlagen und Potentiale durch aufmerksame Erwachsene gefördert und individuell zu bestmöglicher Entfaltung gebracht werden.“
Ist – und sollte das nicht sein – unsere aller Bemühen im Umgang mit Kindern/Jugendlichen??
Vielleicht fand sie – wie viele andere in ihrer Zeit – nicht immer den von uns heute akzeptierten „korrekten“ Ausdruck, die „politisch korrekte“ Formulierung, vielleicht auch nicht immer den im Rückblick besten Weg…
Aber das geht uns allen so!
Jeder von uns nimmt aus seinem Umfeld, von seinen Lehrern, den Vorgesetzten, nicht zuletzt der historisch gewachsenen Gesellschaft Impulse auf und verwertet sie, entwickelt sie weiter, baut daraus eigene Theorien auf, verficht sie teilweise auch vehement.
So funktinoniert Pädagogik, aber auch Wissenschaft.
Keiner kann sich komplett aus seinem Zusammenhang lösen und vollständig objektiv sein.
Wissenschaft kann ich der Objektivität und einer idealen Lösung bestenfalls annähern.
Am Anfang stehen immer mehr oder weniger gut gemeinte, mehr oder weniger gut gemachte Ideen, steht Ausprobieren, Scheitern, Verbessern, Lernen und wieder neu denken.

Montessori kann man m.E. hoch anrechnen, dass sie über die Einflüsse ihrer Zeit hinaus in weit größerem Maße als die meisten ihrer Zeitgenossen an die Kinder selbst gedacht hat. Sie hatte und hat damit das Schulwesen beeinflusst, wenn auch (leider – m.E.) nicht wirklich revolutionieren können. Viele heute selbstverständliche Ideen in Schule sind aus der Reformpäagogik hervorgegangen (anschauliches Lernen, Lernen mit Kopf, Herz und Hand…).
Am wichtigsten aber erscheint mir ihr Ansinnen, das Kind als Mensch ernst zu nehmen.

Sie war eine der ersten, die Kinder nicht nur als unvollständige Objekte sahen, die von Erwachsenen nach Belieben geformt (und dazu im Zweifel durchaus auch verhauen, erniedrigt, instrumentalisiert) werden dürfen.
Leider ist dieses immer noch nicht in allen Teilen der Welt und der Gesellschaften angekommen: bis heute instrumentalisieren Erwachsene Kinder, weil sie sie für minderbemittelt, wenig wichtig, leicht manpulierbar und für eigene Zwecke verwendbar halten.
Ohne manipulierende (statt wachsen lassende, mit Respekt lehrende) Erwachsene gäbe es kaum extremistische Jugendliche, Kindersoldaten, jugendlichen Straftäter. Sowas kommt (mit Ausnahme krankhafter Veranlagungen) nicht aus einem Kind selbst, sondern ist bis heute Resultat nicht wertschätzender Erziehung! Auch nach einem Jahrhundert Reformpädagogik ziehen Erwachsene an Kindern herum, statt sie mit all ihren Potentialen der Mensch werden zu lassen, der in ihnen steckt… vielleicht ein ein Astrophysiker, ein Immunbiologe, eine Ärztin, ein Krankenpfleger, Lehrer, Maler, Schreiner, Forscher… oder auch „nur“ ein immer freundlicher Straßenkehrer. Warum nicht?

Dr. Specht
1 Monat zuvor

Herr Barz geht massiv gegen die Autorin des Buches („Manipulation“) und Ihren wissenschaftlichen Werdegang vor. Das ist überraschend, in meinem Studium wurde hervorgehoben, stets einen gewissen emotionalen Abstand zum Studiengegenstand zu behalten.

Interessanterweise verliert er jedoch inhaltlich über seinen anerkannten Kollegen Tenorth, Prof. em. für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Uni sowie Mitglied der Leopoldina, keine Silbe, obwohl dieser das oben erwähnte Interview im Deutschlandfunk führte:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/maria-montessori-ist-die-kritik-an-den-grundlagen-ihrer-paedagogik-berechtigt-dlf-kultur-d72dc4b2-100.html

Als interessierter Lehrer und Unterrichtspraktiker bleibe ich mit einem gewissen Schulterzucken zurück, wenn ich auf den Geniekult blicke, den manche Kolleginnen und Kollegen um offensichlich sakrosante Gründergestalten wie Maria Montessori oder Rudolf Steiner machen. Was bringen wir den uns anvertrauten jungen Menschen über Reformation, Aufklärung oder Kant bei, wenn gleichzeitig Säulenheilige in Bildung und Erziehung auf ein Podest gehoben werden? „Unglücklich das Land, das Helden braucht“ schrieb Bert Brecht, für Schulen gilt das auch.

Franziska
1 Monat zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Ich bin auch ein Freund wissenschaftlicher Auseinandersetzung und Aufarbeitung.
Jeder mag selbst entscheiden, inwieweit Herr Prof. Barz oder Frau Prof. Seichter mehr oder weniger „massiv“ vorgehen.

Die nach Selbstauskunft von Fr. Prof. Seiter „nüchterne Herangehensweise“ sieht so aus:
„Als Menschen(ver)führerin weiß Montessori…“ (S.9, oben)
„Sich selbst als heilbringende Erlöserfigur stilisierend, kämpfte Montessori…“ (S. 9 u.)
„Die Meisterin …“ (S. 104); „Montessoris Gefolgschaft…“ (S.14 u.), usw… „In der Erziehung erblickt Montessori die Chance zur ‚Höherentwicklung‘ einiger Auserwählter … (S.21).

Genau in diesem Stil ist das komplette Buch geschrieben. Es gibt keine Abwägungen, weil in diesem Buch nicht ein Aspekt der Arbeit von Montessori in einem positiven Licht erscheint.

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Die umfangreichen Recherchen des Prof. Dr. Barz basierend auf relevanter Fachliteratur entsprechen den aktuellen wissenschaftlichen Standards. Eine gewisse emotionale Einfärbung kann ich nur Ihrem Beitrag entbehmen.

Reformpädagogik ist offensichtlich nicht ihr Steckenpferd zu sein. Es gibt seit Jahrzehnten nachvollziehbare Kritik an Montessouri, die aber nicht annähernd deart krude Thesen wie o.g. enthält.

Es ist unnötig, Bert Brecht in diesem Kontext zu bemühen, da Montessouri alles andere als eine Heldin zu sein vorgab. Sie war eine einflussreiche Reformpädagogin, Autorin, Naturwissenschaftlerin, Lehrerin…andere dürfen diese Aufzählung gern vervollständigen.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  unverzagte

Montessori wurde gebeten, ihre Pädagogik auch niederzuschreiben.
Das war nicht primär ihr eigenes Anstreben und Anliegen.
Oder Irre ich mich da?
Ein Großteil hat auch ihr Sohn Mario Montessori – welcher die Pädagogik stark mit beeinflusst und entwickelt hat – niedergeschrieben. Ebenfalls sind bspw. sehr viele Mathematikmaterialien in seiner Mitwirkung entstanden.

Natürlich muss man auch die Eugenik damals in den Diskurs nehmen.
Genauso wie bei Kant und Luther eben den Antisemitismus.
Stauffenberg kommt auch als „Held der Wolfschanze“ oft rüber. Das war jedoch trotzdem ein Hardcore Nazi, welcher einfach zu seiner Zeit „einstecken“ musste, enttäuscht vom Führungsstil war und die Niederlage der Nazis offensichtlich kommen sah und sein Gesicht bewahren wollte. Auch das sollte man bei sowas („Heldenkult“) mitbedenken.
Auch bei Kolumbus änderte sich das Bild von „Entdeckung Amerikas“ zum „Entdeckte Kolumbus Amerika (wirklich)?“ (Unterdrückung und Ausnutzung der Ureinwohner).
Bei Otto von Bismarck (Genialer Stratege) hin zum „gespinnte Friedensverträge“, welche einbrechen mussten. Dazu der Kulturkampf, welcher eben zur eigenen Machterweiterung und gleichzeitig Machtminderung der „(politischen) Gegner“ diente und nicht die Sozialgesetze für das Volk, sondern viel mehr gegen die Kirche einführte …

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Bla

Danke für den Hinweis auf gemeinsames Schaffen mit dem Sohn, das war mir entfallen.
Leben und Wirken innerhalb faschistischer Regime beeinflusst zwangsläufig öffentliche wissenschaftliche Arbeiten, leider.
Heidegger revidierte zum Teil seine existentialistischen Thesen mit Übernahme eines Lehrstuhls in Nazideutschland. An Bedeutung verloren sie dadurch nicht.

Lisa
1 Monat zuvor

Ich selbst habe noch in den Achtzigern ein Eugenik – Fachbuch gehabt. Das sprach nicht mehr von Wertigkeit der Rassen, sondern von allgemeiner Förderung der „guten“ Anlagen durch Geburtenförderung. ( Die Genschere war da noch Science Fiction, die Zeugung in vitrio gerade mal möglich) Ich gestehe, dass ich mir da nicht viel dabei gedacht habe. War eben ein Lernstoff.
Also außer bei Verbrechern neige ich dazu, die Meinungen von Menschen anderer Epochen milde zu beurteilen. Wo will man aufhören? Praktisch jeder antiker Philosoph, außer Diogenes vielleicht, war ein Sklavenhalter, jeder bedeutende Mensch in der Vergangenheit fast immer misogyn. Ich würde hier fragen: Wo in der Montessori Erziehung manifestiert sich faschistisches Gedankengut? Das muss weg, da nicht mehr tragbar. Ansonsten ist es gut.

Christoph Papczyk
1 Monat zuvor

Sehr guter Beitrag und Antwort auf eine relativ unsinnige und haltlose Aufarbeitung bzw. Darstellung von Maria Montessori aus einer „andere“ Perspektive der damaligen antropologischen Auffassung. Was letztlich vordergründig eine Rolle spiele sollte bei der Betrachtung ihres Werkes, ist die eigentliche Auswirkung sowie die liberale Grundgesinnung ihrer Pädagogik. Sie schaffte durch Beobachtung und Verstand die Grundsätze einer äußerst liberalen Erziehung des Kindes. Wie kann die Begründerin einer Pädagogik, welche die Einzigartigkeit eines jedes Kindes in den Mittelpunkt stellt, das Selbstbewusstsein des Kindes stärkt, das freie Denken und den freien Willen des Kindes fördert, Respekt gegenüber dem Kind einfordert, für eine friedliche Zukunft eintritt in ein derart schlechtes Licht gerückt werden? Es muss offensichtlich sein, dass Montessoris liberale Pädagogik, die das freiheitliche Denken der Menschen und somit Frieden fördert, im vollständigen Gegensatz zum Sozialismus und damit auch Nationalsozialismus (nationalem Sozialismus) sowie deren Idiologien steht. Jede Form von Etatismus bzw. Sozialismus ist eigentlich unvereinbar mit dem individualistischen Grundsatz von Maria Montessoris Pädagogik. Unvereinbar vor allem weil der Sozialismus, also ein starker Staat, auf kollektivistischer Weltanschauung beruht und freies Denken einzelner unterbindet bzw seine Ideologie aufzwingt. Es ist eigentlich unverständlich, warum überhaupt bezweift wird, dass Montessori in ihrer Gesinnung grundsätzlich liberal (libertär) und somit für Vielfalt statt Rassismuss war – ihre Pädagogik ist der beste Ausdruck davon.

Das man Montessori politisch nicht zuordnen kann stimmt so also eigentlich auch nicht. Die Grundsätze ihrer Pädagogik sind klar liberal bzw. libertär.

Dr. Specht
1 Monat zuvor

Sie kennen sich bestimmt besser mit modernen Ausprägungen der sog. Montessori-Pädagogik aus, aber mich erstaunt, wie unbefangen Sie hier mit den Begriffen „libertär“ und „liberal“ umgehen, wenn es offensichtlich quellenfundierte Zitate von Frau Montessori wie dieses gibt:

„Es ist mein Ziel, in den Schulen meines Vaterlandes eine Methode zu verbreiten, die […] eine Antwort darstellt auf die höchsten Prinzipien und die tiefe Doktrin, die Ihre Eminenz sich als Fahnenträger und mächtiger Verteidiger zu seiner Aufgabe gemacht hat für die Erhebung und Wiederherstellung des Mutes unseres Volkes und die Größe unseres unsterblichen Vaterlandes.“

https://www.furche.at/gesellschaft/wie-faschistisch-ist-montessori-8339289

Inhaltlich wie begrifflich ist dies das Gegenteil von „libertär“ oder ‚liberal“.

Ich bin mir sicher, dass in sog. Montessori-Einrichtungen viel Gutes geschieht, jedoch ist mir diese Art der Stilisierung eines Menschen schleierhaft. Ein Versuch des kollegialen Humors: Nicht einmal Loriot scheint in einem gewissen Millieu unantastbarer als Maria Montessori zu sein.

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Den Begriff des Verriss nehme ich zurück.

fabula Me
1 Monat zuvor

Hab den Beitrag etwas spät, aber doch endlich zur Kenntnis genommen: ich bin sehr dankbar für diese differenzierte Auseinandersetzung mit den seltsamen Vorwürfen, die mich an meinem Verstand zweifeln ließen. Beschäftige mich seit meiner Schulzeit (Mitte der 1980er) immer wieder mit Montessori und habe never ever diesen befremdlichen Eindruck gewinnen können – im Gegenteil: Erziehung zu Freiheit und dadurch gleichzeitig zu Frieden ist die große Vision der Ärztin, die anfangs soziale und medizinische Missstände, später Missstände in der allgemeinen (Nicht)Erziehung und der weitreichenden Verwahrlosung vieler Kinder entgegenwirken wollte. (ad Musik: war wirklich nicht das dringlichste, wurde aber später nachgereicht durch Montessoris Mitarbeiteri/Kollegin Anna Maria Maccheroni). Zentral ist, Kinder in ihrer Entwicklung, besser: Entfaltung durch die Schaffung eines Möglichkeitsraums zu unterstützen und zu begleiten. Dabei bleiben sie nicht sich selbst überlassen, aber die notwendige Disziplin kommt i.d.R. direkt durch das Material, nur in Notfällen von der/dem Erzieher*in/Lehrer*in, wenn Gefahr im Verzug ist oder solange ein Kind nicht die innere Haltung und Fähigkeit zur „Polarisation der Aufmerksamkeit“, so die Begrifflichkeit, entwickelt hat. Wer selbstbestimmt zu lernen gelernt hat, muss sich nicht gegen eine äußere Macht zur Wehr setzen. Könnte man heute auch noch gut gebrauchen…. flächendeckend. Sorry für die arg verkürzte Darstellung.