Wie stark natürliche urbane Räume die psychische Gesundheit von Jugendlichen fördern

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WATERLOO. Erstmals ist es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der University of Waterloo gelungen, den Einfluss bestimmter städtischer Gestaltungsmerkmale auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen zu quantifizieren.

Etwa 50 Prozent der psychischen Erkrankungen im Leben beginnen im Alter von 14 Jahren oder früher. Schon im Jahr 2020 waren nach Zahlen des Statistischen Bundesamts psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausbehandlungen junger Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.

Zwei Fontänen in einem Teich in einem Park.
Schon ein Teich im Park kann der psychischen Gesundheit von Jugendlichen zuträglich sein. Foto: Joan / Unsplash.com (U. L.)

Zugleich lebt die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in Städten und Zusammenhänge zwischen der städtischen Umwelt und der psychischen Gesundheit von Jugendlichen haben nun Wissenschaftlerinnen Wissenschaftler um Adrian Buttazoni und Leia Minaker von der kanadischen University of Waterloo unter die Lupe genommen. Um verschiedene städtebauliche Einflüsse zu untersuchen, erhoben sie im Rahmen ihrer Studie erstmals vor Ort und in Echtzeit Daten von Jugendlichen über ihre emotionalen Reaktionen auf verschiedene städtische Umgebungen wie Verkehrsknotenpunkte, Wohnstraßen, Wanderwege, Parks und Wasserwege.

Durch den Einsatz einer validierten Angstskala ist es ihnen dabei gelungen, die Auswirkungen städtischer und architektonischer Gestaltungsmerkmale auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen zu quantifizieren. Statistisch kontrollierten sie zugleich Faktoren wie Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit der Jugendlichen ebenso wie Diagnosen der psychischen Gesundheit und ihren sozialen Status, so Buttazoni und Minaker.

Befund: Natürliche urbane Räume waren durchweg mit signifikant höheren Werten für positive Ergebnisse verbunden. Insbesondere städtische Umgebungen mit hoher Komplexität (also visuellem Reichtum), einem eigenen, unverwechselbaren Image und raumähnlicher Abgeschlossenheit förderten tendenziell positive Gefühle. Darüber hinaus schienen gemischte Gebäude-Natur-Räume, die in Bezug auf Fußgängerfreundlichkeit und Komplexität einen hohen Stellenwert hatten, die Gelassenheit zu erhöhen und Ängstlichkeit zu mindern, während biophile Architektur (Natur in gebautem Design) die wahrgenommene Regenerationsfähigkeit zu unterstützen schien. Nachdem sie etwa nur zwei bis drei Minuten an einem städtischen See gestanden und ihn betrachtet hatten, sanken die Angstwerte der Jugendlichen auf der Skala um neun Prozent. Hielten sie sich dagegen die gleiche Zeit in einem belebten Stadtzentrum auf, stiegen ihre Angstwerte um 13 Prozent.

„Auch wenn die Ergebnisse für die meisten Menschen nicht überraschend sind, ist es doch wichtig, dass wir zum ersten Mal konkret sagen können, wie stark die Angst abnimmt, wenn sich Kinder in der Nähe eines Parks aufhalten, im Gegensatz zu einem Stadtzentrum“, stellt Leia Minaker, außerordentliche Professorin an der School of Planning der Waterloo University, fest. Angesichts der zunehmenden Urbanisierung sei es von entscheidender Bedeutung, die Auswirkungen des städtischen Umfelds auf junge Menschen besser zu verstehen. Dies gelte umso mehr, als Depressionen und Angstzustände zu den häufigsten Krankheitsursachen bei Jugendlichen zählten.

Im Hinblick auf eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Stadtgestaltung für alle Altersgruppen lieferten die Ergebnisse eindeutige Belege, die von Planern, Stadtplanern und Gesundheitsdienstleistern genutzt werden könnten, um bestimmte natürliche Merkmale der Stadtgestaltung zu fördern.

So habe die Studie auch gezeigt, dass natürliche Motive oder Muster an Gebäuden, natürliche Areale in städtischen Umgebungen wie Seen und öffentliche Parks sowie Landschaftselemente wie Gärten und Bäume positive emotionale Erfahrungen bei Jugendlichen fördern. Dabei gelte es auch die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Nutzerinnen und Nutzer zu berücksichtigen, die eng mit ihren jeweiligen Aktivitäten zusammenhingen. Beispielsweise gingen, so Linaker Erwachsene in Grünflächen eher spazieren oder joggen, während Jugendliche eher Skateboard führen oder „abhängen“.

„Junge Menschen werden oft von Entscheidungen über die Städte, in denen sie leben, ausgeschlossen“, sagt Minaker. „Es ist wichtig, ihre Meinung einzuholen und ihre Erfahrungen zu quantifizieren, da die Erfahrungen in der Kindheit viele langfristige Gesundheits- und Krankheitsfolgen beeinflussen. (zab, pm)

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2 Kommentare
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Unfassbar
13 Tage zuvor

Also Klassenausflug in den Görlitzer Park mit Übernachtung im Zelt!!!

Und ernsthaft: Klingt plausibel. Ein Park mit See und Tieren strahlt eine Ruhe und Sicherheit aus, die eine hektische Innenstadt nicht bieten kann.

Lisa
13 Tage zuvor
Antwortet  Unfassbar

Die Jugendlichen, die bereits ländlich wohnen, sehen das nur oft anders. Sie würden am liebsten in die so graue und hässliche Großstadt ziehen.