Rechtsruck unter Jugendlichen: Zustimmung zur AfD schießt hoch (wegen TikTok?)

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BERLIN. Jugendliche und junge Erwachsene sind einer Studie zufolge immer unzufriedener und wenden sich stärker der vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ geführten AfD zu. 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen würden demnach AfD wählen, wenn jetzt Bundestagswahl wäre. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren, wie aus einer vorgelegten repräsentativen Befragung für die Studie „Jugend in Deutschland 2024“ hervorgeht. 2022 hatten sich noch 9 Prozent für die AfD ausgesprochen, im vergangenen Jahr waren es 12 Prozent.

Social-Media-Strategie geht auf: AfD-Fraktionschefin Alice Weidel. Foto: Shutterstock / photocosmos1

Für die Studie der Jugendforscher Simon Schnetzer, Klaus Hurrelmann sowie des Politikwissenschaftlers Kilian Hampel wurden im Januar und Februar gut 2000 junge Leute von 14 bis 29 Jahren repräsentativ befragt: nach ihrer Parteipräferenz, ihren größten Sorgen, der Zufriedenheit mit ihrer persönlichen Lage (Finanzen, Gesundheit, berufliche Chancen) und der gesellschaftlichen Lage (Wirtschaft, Zusammenhalt, politische Verhältnisse, Lebensqualität in Deutschland). Das Ergebnis: Die junge Generation wird im Vergleich zu den Befragungen der Vorjahre immer unzufriedener, besonders mit der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Lage.

Nach den Auswirkungen der Corona-Zeit stünden nun wirtschaftliche und politische Sorgen um die Zukunft im Vordergrund, etwa wegen der Inflation, hoher Mieten, der Kriege in der Ukraine und in Nahost oder wegen einer Spaltung der Gesellschaft, schreiben die Autoren. „Es wirkt so, als hätte die Corona-Pandemie eine Irritation im Vertrauen auf die Zukunftsbewältigung hinterlassen, die sich in einer anhaltend tiefen Verunsicherung niederschlägt.“

Die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Lage, den beruflichen Chancen, der Gesundheit und der sozialen Anerkennung liegt zwar insgesamt auf einer Skala von „sehr zufrieden“ bis „sehr unzufrieden“ weiterhin leicht im positiven Bereich, aber überall sind Rückgänge zu sehen. Eher unzufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und den politischen Verhältnissen war die junge Generation auch schon 2022 und 2023.

Besonders die Zufriedenheit mit den politischen Verhältnissen ist dieses Jahr aber noch einmal deutlich gesunken. Die Sorgen mit Blick auf den Klimawandel gehen zurück und wachsen dafür bei Themen wie Inflation, Wirtschaft oder Altersarmut.

„Wir können von einem deutlichen Rechtsruck in der jungen Bevölkerung sprechen“, sagte Hurrelmann. „Während die Parteien der Ampel-Regierung in der Gunst immer weiter absinken, hat die AfD besonders großen Zulauf.“

18 Prozent der Jugendlichen und Jungen Erwachsenen würden demnach die Grünen wählen, 2022 waren es noch 27 Prozent. Die FDP sackte in der Umfrage ab von 19 auf 8, die SPD verlor von 14 auf 12 Prozent. Die Union verbesserte sich der Umfrage zufolge bei jungen Menschen von 16 auf 20 Prozent, das neue Bündnis Sahra Wagenknecht kommt auf 5 Prozent. Die Zahl derjenigen, die auf die Frage, wen sie wählen würden, mit „Ich weiß es nicht“ antworteten, stieg deutlich von 19 Prozent vor zwei Jahren auf heute 25 Prozent.

Auffällig ist, dass trotz gestiegener Zustimmungswerte für die AfD die meisten jungen Menschen in einer ganz zentralen Frage eine andere Meinung haben als die rechtspopulistische Partei. Der Aussage „Deutschland wäre ohne die EU besser dran“, stimmten nur 13 Prozent zu, 56 Prozent nicht. Hier blieb das Meinungsbild relativ stabil.

Sehr stark gesunken ist den Autoren zufolge aber im Vergleich zur Shell-Jugendstudie von 2019 die Zustimmung zur Aufnahme vieler Flüchtlinge. 57 Prozent waren damals dafür, in der vorliegenden Studie sind es nur noch 26 Prozent. „Hier hat offensichtlich ein heftiger Meinungsumschwung in der jungen Generation stattgefunden“, schreiben die Autoren.

Aus der Erhebung ergebe sich für die Regierungsparteien „das eindeutige Signal, dass sie auch im Blick auf die junge Generation eine Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik betreiben müssen, die das positive Potenzial von Migration für die Zukunft in Deutschland fördert und lösungsorientiert mit den damit verbundenen Ängsten umgeht“, heißt es. „Hier gibt es offensichtlich ein erhebliches Kommunikationsdefizit.“

AfD punktet bei Tiktok – Regierung zieht spät nach

Apropos Kommunikation: Wer nicht auf relevanten Social-Media-Kanälen und Plattformen aktiv ist, wird der Studie zufolge von jungen Menschen schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Die AfD ist auf der Videoplattform Tiktok schon lange aktiv und hat dort viele Follower. Die Partei erreiche die junge Generation in einem großen Ausmaß. „Den anderen Parteien ist dringend anzuraten, hier nachzuziehen.“

Die Befragung zeigt, dass sich die Mehrheit (57 Prozent) der Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Nachrichten und Politik auf Social-Media-Kanälen informiert. 92 Prozent nutzen regelmäßig WhatsApp, dahinter kommen Instagram (80 Prozent) und Youtube (77 Prozent). Tiktok nimmt an Bedeutung zu: Inzwischen nutzen mit 51 Prozent mehr als die Hälfte aller 14- bis 29-Jährigen die App regelmäßig, vor einem Jahr waren es noch 44 Prozent.

So langsam reagiert auch die Bundesregierung: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat vor Kurzem einen Tiktok-Kanal gestartet, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ebenfalls. Und es gibt neuerdings auch einen WhatsApp-Kanal der Regierung, der über Entscheidungen und Vorhaben der Ampel informiert. News4teachers / mit Material der dpa

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39 Kommentare
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Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Was ist sonst neu? Viele Abgehängte faszinierten sich auch an der Verbrecherbande des IS, welcher Neuanfänge, Ruhm und andere Lügen anbot.

Der IS hat sein Verbot in Deutschand nicht mit beknackten Anträgen zu verschleppen versucht -___-

Karl Heinz
1 Monat zuvor

Geht es jetzt um die AfD oder um TikTok?

Das die Zustimmung für diese Partei (trotz inhaltlicher Differenzen oder völliger Unkenntnis, was die politisch überhaupt wollen) unter SuS zunimmt, nehme ich auch wahr.
Da jetzt aber einen monokausalen Zusammenhang mit der Präsenz auf SocialMedia abzuleiten, ist dümmlich und unverantwortlich.

Btw – ich nehme auch eine andere Entwicklung wahr:
Jugendliche, die mit Pluralismus (Stichworte u.a. LGTBQ, Migrantionshintergründe etc.) keinerlei Problem darstellt und die damit dezidiert ein anderes Gesellschaftsbild vertreten als ihre Eltern.

-mm-
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Ich kenne Tiktok nur, weil meine Kinder es ab und zu nutzen. Da halten sich die unterschiedlichsten Communities auf. Von Scholz bis AFD, von Jugendlichen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen bis hin zu denen, die das Gegenteil im Sinn haben. Von meinen Kindern weiß ich, dass es sehr wohl von rechten Beiträgen durchwandert wird. Auch andere politisch kritische Statements tauchen manchmal wie aus dem Nichts heraus auf. Meine Tochter macht zum Beispiel gerne Addits zu Filmen und Musikern und wurde unter anderem von einer Russin geliked, die außer Filmaddits auch heroische Beiträge zu Putin postet. Verfolgt man das Ganze weiter, (an dieser Stelle vertraue ich meinen Kindern, dass sie das nicht tun) landet man in einer Bubbel aus Gleichgesinnten und wird mit ähnlichen Beiträgen und Kommentaren vollgeballert. Solche Beiträge können dann bei nicht gefestigten Kindern schon mal zum Brandbeschleuniger werden. Schauen sie doch mal, wieviel Kinder sich in ihrer Freizeit stundenlang mit TikTok beschäftigen. Viele schlafen statt mit einem Buch mit ihrem Tiktok Account in der Hand ein. Ich halte ein Zensur auf kritische Inhalte für wichtig und ihre Aussage, die den Zusammenhang zu politischen Einflüssen klein redet, für falsch. Ob jetzt alle Parteien auf dieser Plattform gegeneinander antreten sollten- weiß nicht, eher nicht. Es dient ja eher als Austausch von Jugendlichen und da müssen jetzt nicht unbedingt die Ü-50er Politiker reinfunken. Wenn es dann von Erwachsenen Nutzern mehr und mehr überschwemmt wird, werden sich die Jüngeren irgendwann mal eine neue Plattform suchen.

DerechteNorden
1 Monat zuvor

Tiktok ist eine chinesische Plattform. Und China hat kein Interesse daran, dass es zu harmonisch bei uns läuft.
Ich kann nicht verstehen, warum wir nicht genauso wie China Inhalte zensieren können. Bei uns können nicht einmal Gewaltvideos entfernt werden. AfD-Schwachfug rausfiltern und gut. Ich verstehe unter wehrhafter Demokratie auch eine Demokratie, die der Verblödung der Jugend entgegenwirkt.
Wir schaufeln uns unser eigenes Grab mit dieser Liberalität.

DerechteNorden
29 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nachtrag: China arbeitet daran, Demokratien zu destabilisieren. Und wir lassen das einfach so zu. Die paar geldgierigen AfD-Spione sind doch nur die Spitze des Eisbergs.

Hans Malz
1 Monat zuvor

„Die AfD ist auf der Videoplattform Tiktok schon lange aktiv und hat dort viele Follower. Die Partei erreiche die junge Generation in einem großen Ausmaß. „Den anderen Parteien ist dringend anzuraten, hier nachzuziehen.““

Müssen die anderen dann auch populistische Fakenews verbreiten? Die verbinden Themen, die die Jugendlichen intressieren mit rechter Ideologie. Kommt mir irgendwie bekannt vor…

Es ist doch so, dass dort nur diejenigen zur Kenntnis genommen werden, die am lautesten Schreien und möglichst schrill sind. Außerdem ist es eben schwer komplexe Wahrheiten in ein paar Sekunden darzubringen … wird schwierig …

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Alles wird gut, wenn unsere etablierten Politik-Heroen auf TicTacTock ihre eigenen Kanäle unterhalten … so wie jüngst unser Bundes-Schlumpf Olaf, der so hochbrisante wie politisch wirksame Posts erstellt, wie den über seine Aktentasche.

Solche durch und durch solide und verlässlich gemachten Beiträge werden letztlich unsere Demokratie retten … da bin ich ganz sicher, denn sie begeistern die jungen Menschen, die ihre Tage mit TucTäckTickerTock füllen.

Hans Malz
29 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

Genau an sowas habe ich gedacht. Die geballte TikTokKompetenz schlägt zurück. Ganz nah am Puls der Jugend. Wer guckt sich das denn an?
Außer uns vielleicht, als Comedy-Ersatz

DerDip
29 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

Nur zur Klarstellung. Ihr Beitrag ist ironisch gemeint, richtig?

Lisa
1 Monat zuvor

Da es nur einen kleinen Kuchen zu verteilen gibt ( es ist dahin gestellt, ob das stimmt oder nicht) wird jeder beäugt, der auch ein Stück davon bekommt ( Flüchtlinge, Ukraine usw). Das ist eigentlich keine höhere Mathematik. Die AfD verspricht ein Ledigsein von allen Verpflichtungen. Sind ja auch keine wirklichen Berufspolitiker.
Es ist aber schon bezeichnend, dass die Familienministerin nie soviel Aufmerksamkeit bekommt wie Außen – Gr nanz- Wirtschafts – oder Außenministerin. Das Letzte war die arg abgespeckte Kindergrundsicherung.
Die die jetzt AFD wählen, hätten zuvor eventuell links gewählt. Die Linke ist nur für soziale Fragen völlig aus dem Diskurs verschwunden.
“ Jugendliche wollen AfD wegen Tiktok wählen “ trieft allerdings vor Vorurteilen.

DerDip
29 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Eines ist klar: Jugendliche werden keine Partei wählen, die mit dem Gedanken spielt, TikTok zu verbieten.

Parteien und Personen, die ernsthaft darüber Nachdenken, den Jugendlichen dir Platform wegzunehmen, die die Jugendlichen hauptsächlich nutzen, im sich dort frei auszutauschen, werden alleine durch diese Idee von den Jugendlichen abgestraft werden.

DerechteNorden
28 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

? Warum muss man das denn ankündigen? Die Sicherheit des Staates ist gefährdet. Sollte dann auch so gehen.

Marie Brand
28 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das geht aber leider nicht so einfach.
Meinetwegen gerne. Aber leider….
Aber Jugendliche sind nicht der AFD zugeneigt, wegen tiktok.
Die AFD weiß aber, wo sie ansetzen muss, um Anhänger zu finden. Die Triggerpunkte sind gut gewählt.

Leider macht halt unsere Politik nicht viel gegen diesen Trend. Im Gegenteil. Überall brennt es und nicht viel passiert.

Marie Brand
28 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja die AFD verspricht Lösungen. Die sie nicht anbieten kann, sollte sie gewählt werden. Aber das ist dann nach der Wahl.
Ich erlebe aber eben gerade eine Politik die an der Mehrheit vorbeiregiert. Eigenartige Entscheidungen trifft und teils nicht mal den Versuch unternimmt, gegenzusteuern.
Ich gehe aktuell nicht davon aus, dass die AFD über die Stimmen, die sie aktuell haben, hinauskommen. Bisschen brenzlig wird es in Thüringen.
In Sachsen wird es nicht klappen. Da erwarte ich, dass die CDU bleibt. Die AFD ist zwar laut Umfragewerte stärkste Kraft. Aber es ist leicht rückläufig und CDU ist fast gleichauf. Mag daran liegen, dass die CSU sich etwas rechts orientiert. Aber rechts heißt ja nicht radikal und wenn es der Sache dient….

Aber wenn sich nicht grundlegend was ändert und die AFD nicht verboten wird, dann wird die übernächste Wahl anders.
Der Osten ist zwar Vorreiter aber der Westen legt halt auch zu. Es gibt Bundesländer, da hätte ich nie gedacht, dass die AFD da überhaupt Fuß fassen kann, z.b. Schleswig Holstein. Aber da sind wir bei ca 12%.
Man stellt die AFD mit einer guten Politik. Dann kommt keiner auf die Idee überhaupt die AFD in Erwägung zu ziehen. Aber im Moment liegt viel Argen. Allein wenn man sich nur die Brennpunkte in Sachen Bildung anschaut.

Rainer Zufall
28 Tage zuvor
Antwortet  Marie Brand

Also warum wählen die Menschen AfD, wenn sie Ihrer Meinung nach keine Besserungen, geschweige Lösungen anbietet?
Stehen die einfach auf Rassismus und Faschismus?

Marie Brand
28 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Viele Menschen, auch wenn ich hier dafür verbal gesteinigt werde, haben ein Problem mit der ungebremsten Einwanderung. Vorallem die Einwanderung in die Sozialsysteme. Dass dem so ist, kann man kaum weg diskutieren.
Die wirtschaftliche Situation in Deutschland wackelt. Wir haben Insolvenzen wie noch nie. Größe Unternehmen wandern aufgrund der Energiepolitik ab. Man kann halt nicht so richtig verstehen, warum Deutschland auf „erneuerbare“ Energie setzt, wenn der Rest der Welt in Braunkohle und Kernkraft investiert.
Die Steuergelder fließen zwar reichlich, aber es scheint trotzdem zu wenig zu sein. Versprochene Zahlungen (Klimageld) bleiben aus, Steuern werden erhöht, Krankenhäuser stehen reihenweise vor der Insolvenz.
Und dann steht da eine hohe Summe in Milliarden, welche jährlich in die Flüchtlingszuwanderung gesteckt wird. Nur in Bürgergeld und Asylzahlung. Vom Rest gar nicht zu sprechen.
Straßen sind marode, Schulen sind marode. Viele Kommunen haben Haushaltssperre.
Heizungsgesetz. Etc. Viele Menschen empfinden das eben als übergriffig.
Aufarbeitung der Corona-maßnahmen (mag man sie gut oder schlecht gefunden haben) fehlt. Es sind wirklich viele Baustellen.
Das wird alles die AFD nicht in Ordnung bringen können, aber sie verkauft sich als Heilsbringer.
Und es sind bei weitem nicht nur dumme Menschen für die AFD.
@ Redaktion, die Frage, ob Freibier ist dumm und arrogant. Auch Sie haben viele Dinge, in der Bildungspolitik, die Sie anprangern. Wäre Ihnen mit Freibier geholfen?

Marie Brand
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Gut, gerade Brennpunktschulen benötigen alle Hilfe, die es gibt. Das kann ich nicht einschätzen, ob das die Mehrheit ablehnt. Da habe ich nicht viel davon gehört.
Klar muss man manches aushalten.
Ich bin kein Freund vom Gendern und auch kein Freund vom Heizungsgesetz.
Ein Genderverbot lehne ich trotzdem ab. Genauso wie den Zwang zum Heizungswechsel.
Ich bin auch gegen ein Abtreibungsverbot.
Aber was passiert, wenn die AFD demokratisch gewählt wird? Dann müssen wir ja deren Entscheidung auch aushalten.
Das man aushalten muss, was gewählte Regierungen beschließen, ist leicht dahin gesagt.

Marie Brand
28 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Und bevor ich wieder gemaßregelt werde…. Ich habe aufgezählt, was die Menschen wahrscheinlich umtreibt. Mehr nicht. Darum wurde ich gebeten.
Im Osten ist es auch noch der ewige Ost-West-Konflikt. Der Osten fühlt sich vom Westen immer noch belächelt und bevormundet. Die AFD tut das nicht. Und zwar sehr bewusst nicht. Und der Plan geht ja augenscheinlich auf.
Es müssen sich viele Dinge wieder ändern. Auch im Miteinander.
Die ändern sich aber nicht, indem jeder so tut, als hat er sie richtige Meinung zum Thema. Die ändert sich, wenn wir vernünftig mit einander reden und uns zuhören. Nicht jeder, der eventuell die AFD wählen möchte, ist automatisch rechtsextrem. Solange wir so denken, wird die Spaltung der Gesellschaft immer größer werden.

Marie Brand
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, wir müssen miteinander reden. Tun wir es nicht, kann uns das vielleicht teuer zu stehen kommen.
Wir werden uns gegenseitig nicht erreichen, wenn wir uns vorverurteilen.

Ich kann auf eine Person zeigen und sagen, du unterstützt rechtsextreme. Oder ich kann versuchen, mich mit der Person zu unterhalten. Das führt nimmt immer zum Erfolg. Aber da besteht zumindest die Möglichkeit. Mache ich den Fingerzeig, habe ich ihn von vornherein verloren. Und wir wollen dich eigentlich, dass die Menschen die AFD NICHT wählen. Da muss ich aber überzeugen.

Besseranonym
27 Tage zuvor
Antwortet  Marie Brand

Oder AUFzeigen ? wie die AfD agiert ( Mediennutzung, Rhetorik, Einseitigkeit, Sendungsbewusstsein, etc ).

Allerdings sind eben viele zu Recht nicht mehr gesprächsbereit, wenn sie die scheinbar gemeinnützigen Aktivitäten, die z.B. ein Tommy Frenck in Thüringen/ Veßra mit Flohmarkt und Riesenschnitzel betreibt, kennen und erkennen – Werbung und Propaganda für blau mit dem Motto : Ich bin einer von euch ! Wer das nicht weiß hat nichts zu lachen.

Am Rande: Sie lesen sich teils wie Tommies Mutter; diese argumentiert wie Sie.

Indra Rupp
27 Tage zuvor
Antwortet  Marie Brand

Würde ich jetzt gerne mal wissen:
Was tut die Afd, was man als „Respekt vor Ostdeutschland“ bezeichnen kann? Ist die Anti-Migranten – Einstellung = Respekt vor Ostdeutschland? Mehr nehme ich da jedenfalls nicht wahr.
Und umgekehrt : Was tut der Rest, wessen man als „belächeln von Ostdeutschland“ betiteln kann? Kritik an Burg oder den Afd-Erfolgen?

Rainer Zufall
28 Tage zuvor
Antwortet  Marie Brand

Spannend. Wo sind die Triggerpunkte der Jugendlichen und wo soll die AfD sie abholen?

Marie Brand
27 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich habe versucht, zu erklären, warum Menschen sich von der aktuellen Politik/Regierung nicht abgeholt fühlen. Ich muss nicht recht haben.
Sie AFD bietet natürlich Lösungen an. Die AFD suggeriert, dass sie die Sorgen der Menschen versteht. Und natürlich holt sie damit den einen oder anderen ab.
Trotzdem liegt es mir persönlich fern, jeden der die AFD in Erwägung zieht, pauschal als rechtsextrem zu bezeichnen. Würde ich das machen, hätte ich den einen oder anderen Menschen schon aus meinem Leben entfernen müssen. Möchte ich aber nicht. Ich möchte lieber reden.
Mich hat das schon bei Corona fertig gemacht. Dieses gegeneinander und nicht zuhören. Und die jeweiligen Ängste nicht ernstnehmen.

DerDip
28 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Solange demokratische Wahlen stattfinden, ist die Sicherheit des demokratischen Staates nicht gefährdet.

Gefährdet sehe ich aber die öffentlich Rechtlichen Medien durch TikTok und co, die über keinerlei Zensur verfügen und daher aus Sicht vieler jugendlichen attraktiver sind.

Marie Brand
28 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Bei ersterem gebe ich Ihnen recht.

Zweiteres würde ich nicht ganz unterschreiben. Ob es eine Zensur ist, mag ich nicht beurteilen. Aber es gibt schon eine Tendenz bei den öffentlich-rechtlichen.
Erst seitdem vermehrt Kritik Richtung ÖR geäußert wird, vollzieht sich eine Wandlung. Aber erst seit einigen Wochen.

Rainer Zufall
28 Tage zuvor
Antwortet  Marie Brand

Welcher Bias soll das sein? Zu wenig über Gewalt von Flüchtlingen gegen Flüchtlinge?

DerDip
28 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Erstens:
Mit demokratischen Wahlen meine ich natürlich echte demokratische Wahlen. Die finden doch aktuell in Deutschland statt, oder sehen Sie das anders. Solange das so bleibt, sehe ich keine Gefahr. Auch eine AfD kann ja wieder abgewählt werden. Dies gilt bspw. für die AFD Landräte.

Zweitens:
Ein Verbot von TikTok wäre eine Zensur.
Die Tatsache, dass auf TikTok Inhalte geteilt werden, die auf anderen Kanälen nicht geteilt werden können, macht den Unterschied deutlich. (In Gewissem Maße ist Zensur ja auch gut. Man darf aber nicht übertreiben).
Nehmen wir als Beispiel X. Bevor Elon Musk die Platform übernahm, gab es dort mehr Zensur als jetzt.

Rainer Zufall
28 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Die Extremist*innen jeglichen Spektrums in Deutschland wurden auch ohne Tiktok groß. Was ist deren Ausrede?

DerDip
27 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Richtig. Daraus würde ich schließen, dass ein TikTok Verbot nicht helfen wird. Und was schließen Sie daraus?

RainerZufall
23 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Das gleiche wie Sie.
Noch bevor wir social media auf die Kette kriegen, überrumpelt uns dann KI. Als wären wir Höhlenmenschen mit Laserschwertern.

Wichtig wären also bessere und gleiche Spielregeln für alle. Werbung muss (auf youtube) gekennzeichnet werden. Wie wäre ähnliches bei politischen Kanälen?

Ehrlichgesagt lebe ich in einer repräsentativen Demokratie und wähle regelmäßig Leute, die solche Probleme für mich lösen sollen =P

Indra Rupp
29 Tage zuvor

Die Jugendlichen bekommen reihenweise Kurzmeldungen im Bild-Format über Tictoc. Wenn sie die genau durchlesen würden, würden sie auch erkennen, dass die Sache anders ist, als die Schlagzeile suggeriert. Das tun sie aber nicht, sondern beachten kurz die einzelnen Meldungen, eine Flut von populistischen Überschriften und Fakenews, wischen die dann weiter und nur die die einzelnen Fakeinfos bleibt hängen.
So entsteht ein Meinungsbild unter Jugendlichen.
Das kriegt man aber auch außerhalb von Tictoc.
„Arbeitsloser lacht sich schlapp….“, “ Bürgergeldempfängerin verprasst gleich am ersten Tag….“, “ Förderschulen. Wo kratzen und beißen zum Alltag gehört…“, “ Mr Cash-Money feiert im Ausland..“, “ Bürgergeldempfänger mit Clan-Villa“, “ Jobcenter sprechen Klartext gegen Bürgergelderhöhung“, “ Massendemos gab es gar nicht“, „Afd gewinnt gegen Correctiv“,….

Schulmeister
29 Tage zuvor

Was soll mit dieses TikTok – Videos eigentlich erreicht werden? Es sollen Follower generiert werden. 
Was es sicher nicht leistet, ist über Politik zu informieren. Das ist in dem Zeitrahmen der kurzen Filmchen auch gar nicht möglich. 
Von daher ist es für mich höchst beunruhigend, dass dieses Medium als Informationsquelle für Heranwachsende eine immer wichtigere Rolle spielt. Wenn dann namhafte Politiker wie Herr Lauterbach und Herr Scholz nun ebenfalls auf TikTok tätig werden, macht das die Sache nicht besser. 
Das Filmchen über die Aktentasche unseres Bundeskanzlers ist irgendetwas zwischen rührend, niedlich und peinlich, was der Besitzer der Tasche politisch vorhat, wird nicht deutlich. 
Von daher ist es im Grunde genommen unsere Pflicht, unsere Schüler genau damit zu konfrontieren, 

  1. dass die Filmchen inhaltlich eher auf Zwerchfell (wenn überhaupt), nicht aber aufs Hirn zielen
  2. dass es in dem Rahmen gar nicht möglich ist, komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen 
  3. dass andererseits aber hier ein Medium geschaffen wurde, dass Parolen unreflektiert präsentiert (ich denke an bestimmte Filmchen einer Partei, die sich gerne in freundlichem Blau präsentiert)

Im Grunde liefert dieses Medium genau das Gegenteil dessen, was in unserer täglichen Arbeit wichtig ist, unreflektierte Parolen statt detaillierter Information. 

-mm-
28 Tage zuvor
Antwortet  Schulmeister

Ganz so Schulmeisterlich würde ich die Sache nicht betrachten. Letztendlich geht es bei den meisten Tiktok Accounts und somit auch bei „Teambundeskanzler“, wie sie selber sagen, nicht um die Darstellung komplexer Sachverhalte. Vielmehr geht es um ein Präsent-Sein im Sinne von sichtbar für die junge Generation bleiben. Ähnlich wie bei Plakaten, Werbebroschüren oder Werbeanzeigen, die auch keine allumfassende Aufklärung bieten. Man überfliegt sie, vergisst sie wieder und behält sie trotzdem im Hinterkopf. Mit dem Handy vor dem Gesicht werden sie allerdings gar nicht wahrgenommen. Und da kommen jetzt neue Medien ins Spiel, unter anderem Tiktok : Nach dem Motto: Hallo Jugend, uns gibt es noch, auch wenn es viele von euch jetzt gerade nicht interessiert. Dafür reicht ein Beitrag über Scholzis Aktentasche oder ein Bundeskanzler-Waschbärblick in die Kamera völlig aus. Viel mehr will keiner, denn umfassende Informationen gehören hier nicht hin. Die kann man sich bei Interesse woanders holen. Den Jugendlichen ganz allgemein zu unterstellen, dass sie zu sowas nicht mehr in der Lage sind oder dass ihre gesamte Grundeinstellung auf TikTok-.Filmchen basiert, halte ich für übergriffig. Zudem sollte man nun auch nicht zu sehr in der Rolle des lebenserfahrenen, über-Tiktok-naserümpfenden Erwachsenen verfallen. Den Generationenkonflikt wird es immer wieder geben, negative Verführung Jugendlicher auch, und den Austausch von Jugend innerhalb einer Jugendkultur in Form von (digitaler) Kunst und Musik, möglichst unter Ausschluss der älteren Generation, auch. Nicht alles muss von uns älteren Erwachsenen verstanden und gutgeheißen werden. Ich erinnere mich da an Interviewbeiträge von älteren Passanten über Punks in den 80ern, in denen sie das Aufkommen der Punkszene als Anzeichen eines gesellschaftlichen Untergangs und Zerfalls anprangerten.
Dass heute alles schneller, effektiver und somit unkontrollierter verläuft ist eine Problematik, mit der Jung und vor allem Alt erst noch klarkommen muss. Ohne gesetzliche Kontrolle und Regeln kann man das Ganze sicherlich nicht laufen lassen.