Leseförderung in heterogenen Klassen: Mit eKidz leicht gemacht!

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MÜNCHEN. Seit beinahe 10 Jahren setzt Hamburg erfolgreich auf eine flächendeckende Leseförderung. Mit dabei seit 2022: eKidz, eine wissenschaftlich basierte App für Lesediagnose und Lesetraining. Auch andere Bundesländer setzen die App ergänzend zu Methoden wie etwa dem Hamburger Leseband ein. So stehen beispielsweise Lehrkräften in Niedersachsen an allen 1900 Grundschulen seit 2023 eKidz-Lizenzen kostenfrei zur Verfügung. In Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie Oldenburg, der Uni Regensburg sowie der Hochschule Flensburg ist das Start-up Projekt nun auf dem Weg zu einem umfassenden adaptiven Lernprogramm fürs Lesen – egal ob in der Schule oder zuhause. Bereits jetzt macht ein KI-gestütztes Diagnose-Tool den Einsatz der App sowie die Nachbereitung für Lehrkräfte noch einfacher.

Aus der Not eine sinnvolle App für die Leseförderung gemacht: Start-up-Gründerin Nataliya Tetruyeva hat mit eKidz ein wissenschaftlich basiertes Diagnose- und Förder-Tool geschaffen, dass zum Selbstlesen motiviert, die richtige Aussprache und Intonation vormacht, Schüler:innen und Lehrkraft leicht verständliches Feedback ermöglicht und genau auf dem Niveau fördert, auf dem sich das Kind gerade befindet. Foto: Shutterstock

Kinder mit unterschiedlichen Herkunftssprachen und Zuwanderungsgeschichten, durch die Pandemie verstärkte Leistungsunterschiede und unterschiedliche soziale Hintergründe: Heterogene Klassenzusammensetzungen mit bis zu 35 Kindern sind in vielen Regionen die Norm geworden. Woher soll eine einzige Lehrkraft unter dieser Voraussetzung die Zeit für eine effektive Leseförderung nehmen? Das fragte sich auch Nataliya Tetruyeva. Die gebürtige Ukrainerin hat unter anderem in München studiert, arbeitete dann im internationalen Bankwesen und zog vor etwa 10 Jahren wieder nach Deutschland. Als dreifache Mutter, deren Kinder bereits fließend Englisch lesen konnten, sich aber mit den langen Sätzen im Deutschen schwertaten, suchte sie zunächst nach einer Lösung für intensiviertes Üben.

„Lehrkräfte haben oft keine Zeit, sich um jedes einzelne Kind zu kümmern und es individuell zu fördern. Auch die Eltern zuhause sind meist überfordert, das haben wir während der Pandemie auch in unserer Familie erlebt“, so Tetruyeva. „Warum also nicht die Technik helfen lassen?“, dachte sie sich. Da jedoch noch kein Tool am Markt zu finden war, dass nicht nur zum Selbstlesen motiviert, sondern auch die richtige Aussprache und Intonation vormacht, Schüler:innen und Lehrkraft leicht verständliches Feedback ermöglicht und genau auf dem Niveau fördert, auf dem sich das Kind gerade befindet, nahm sie die Sache selbst in die Hand: Gemeinsam mit erfahrenen Pädagog:innen und Input aus der Wissenschaft gründete sie 2017 das Start-up Projekt eKidz. Der Erfolg stellte sich sehr schnell ein – inklusive mehrfacher Auszeichnungen, zum Beispiel dem Unicef EdTech Award, sowie Unterstützung unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Was kann die Lese-App?

Inzwischen ist eKidz in zahlreichen Schulen und Bibliotheken bundesweit im Einsatz (als iOS-, Android- und Web-Version). In Rheinland-Pfalz können Kinder die App beispielsweise in allen Bibliotheken nutzen; Bremen, Hamburg und Niedersachsen haben Landeslizenzen für ihre Grundschulen erworben. Der Grund: Die eKidz-App liefert eine evidenzbasierte Ergänzung zu anderen Leselern-Methoden in der Schule und an jedem anderen Ort. Sie ist konzipiert für das eigenständige Leseflüssigkeitstraining und schult unterschiedliche Teilkompetenzen des Lesens auf dem individuellen Niveau des Kindes. Das Training funktioniert in der Regel wie folgt:

  1. Das Kind sucht sich zunächst eines der zahlreichen Bücher auf der von der Lehrkraft vorgegebenen Sprachniveaustufe aus. Zurzeit stehen über 100 Bücher auf Deutsch zur Verfügung. Die Texte wurden von Profi-Autor:innen und Pädagog:innen verfasst und behandeln moderne Themen aus Alltag und Wissenschaft in unterschiedlichen Textsorten (z.B. Geschichten, Sachbücher, Märchen oder Reime). Sie basieren auf in Lehrplänen empfohlenen Inhalten und dem Grundwortschatz der Grundschule. Animierte Illustrationen verbessern das Textverständnis bei Leseanfängern.
  2. Die Lehrkräfte können dann für jedes Kind den Fokus beim Üben festlegen: Lesen der Texte, Anhören des Sprachvorbilds und eigene Stimmaufnahme anfertigen. Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, können zum Beispiel zielgerichtet das Hörverständnis und die Modellierung der Aussprache trainieren. Fortgeschrittene Leser können prosaisches Lesen üben und eigene Versionen des Vorgelesenen oder Nacherzählungen in der App aufnehmen.
  3. Die Aufnahmefunktion steht im Mittelpunkt des Programms und motiviert die jungen Lernenden: Jede Seite eines Textes kann in der App vom Kind aufgenommen werden. Diese Aufnahmen sind für beide – das Kind und seine Lehrkraft – sofort zugänglich und bleiben als eine „Historie” der Sprachfortschritte im Profil des Kindes erhalten und sichtbar. eKidz bietet zudem eine wirksame und stressfreie Alternative zum Vorlesen in der Klasse: Die Stimmaufnahmen können im Rahmen individueller Arbeit in der Klasse, beim Tandemlesen oder auch als Hausaufgabe angefertigt werden. Der Lehrer oder die Lehrerin können auf einen Blick die Entwicklung jedes Kindes mittels eKidz  beobachten und bewerten.

Das Besondere: Die automatische Lesediagnose

Die KI-basierte Lesediagnose von eKidz ist in das Trainingsprogramm der App auf den einzelnen Niveaustufen integriert. Bei Durchlaufen eines Lesetests erkennt die Lesediagnose automatisch Lesegenauigkeit, Lesegeschwindigkeit, Leseverständnis und bald auch die Intonation. Sie fasst das erreichte Niveau der Leseflüssigkeit entsprechend der jeweiligen Lesestufe zusammen und gibt so Aufschluss darüber, wie flüssig ein Kind bereits lesen kann. Zusammen mit den in der App abrufbaren Statistiken zur App-Nutzung ergeben die integrierte Diagnose und das Lesetraining ein vollständiges Bild der Lesekompetenzen jedes Kindes, das die Lehrkräfte sowohl für die qualitative also auch die quantitative Erhebung des Lernstandes einsetzen können.

„Um den individuellen Stand und Fortschritt beim Lesen feststellen zu können und dann jedes Kind seinen Fähigkeiten entsprechend zu fördern, gibt es zwar analoge Möglichkeiten. Zum Beispiel können Lehrkräfte ein Lautleseprotokoll anfertigen“, erklärt Nataliya Tetruyeva. „Doch das ist bei einer ganzen Klasse sehr zeitintensiv. Hinzu kommen nach der Analyse die Aufgaben, passende Übungen auszuwählen und die Progression ständig zu überprüfen.“

Die in die App integrierte KI übernimmt diese Aufgaben weitgehend für die Lehrkraft. Der Lehrer oder die Lehrerin kann jedoch nach wie vor eingreifen und über eine einfache Verwaltung eine Lesestufen zuteilen oder den Fokus bei der Übung  bestimmen. Kinder können zudem flexibel für sich die beste Lernumgebung schaffen: Dazu gehören etwa die Einstellung verschiedener Schriftarten,  der Silbenschrift oder auch die Farben der Hervorhebung beim Anhören der Texte.

Die ersten Elemente der KI-basierten Lesediagnostik wurden 2023 in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Partnern des Fraunhofer Institutes, der Universität Regensburg und der Hochschule Flensburg im Rahmen des Forschungsprojekts LeseKind innerhalb der eKidz-App veröffentlicht. 2024 wird diese KI-Lösung weiterentwickelt und mit einem umfassenden adaptiven Feedback-System ausgestattet.

Individuelles Üben statt Spielen

Bemerkenswert ist, dass die eKidz-App komplett ohne Spiele auskommt – und dennoch von den Schülerinnen und Schülern rege genutzt wird. Insgesamt wurden im letzten Schuljahr über 7 Millionen In-App-Leseseiten gelesen, gehört oder aufgenommen. Allein an den Bremer Grundschulen werden täglich bis zu 5.000 Seiten gelesen, angehört oder aufgenommen.

Das liegt unter anderem daran, so Nataliya Tetruyeva, dass das Lesen von Beginn an im Kontext von Geschichten erfolgt, die auch von schwachen Lesern mit den angebotenen Lernhilfen bewältigt werden können. Außerdem macht die eKidz-App den Leseerfolg sichtbar und damit wächst auch die Motivation, weiter zu üben.

Denn: Das ganze Programm ist so konzipiert, dass es von hierarchieniedrigen zu hierarchiehöheren Fähigkeiten fortschreitet. Die individuelle Zuordnung der Kinder in eine der 13 Kompetenzstufen und die passenden verschiedenen Übungen sorgen dafür, dass die Lernenden weder Unter- noch Überforderung erleben. Somit erhalten leseschwache Kinder eine differenzierte Förderung und die für sie ideale Unterstützung, um ihre Fertigkeiten weiterzuentwickeln. Lesestarke Kinder wiederum erhalten Anreize zur Vertiefung ihres Könnens. Durch das neue adaptive Feedback befassen sich die Kinder zudem in besonderem Maße mit Übungen, die sie benötigen, um zu fortgeschrittenen Lesern zu werden. Ein positiver, sich wechselseitig bedingender Kreislauf kann so in Gang gesetzt werden, der auch zuhause weitergeführt werden kann.

Über eKidz
 

eKidz ermöglicht eine individuelle Lern- und Leseerfahrung sowie eine zielgerichtete Förderung der Sprachentwicklung für Schülerinnen und Schüler der Primarstufe – sowohl für Kinder mit deutscher Muttersprache als auch solche mit Deutsch als Zweitsprache. Durch die Integration der Sprachen Englisch, Spanisch und Ukrainisch wird die eKidz-App auch im Fremdsprachenunterricht einsetzbar. Auch in Integrations- oder Fördergruppen sowie im sonderpädagogischen Bereich kommt die App zum Einsatz. Lehrkräfte profitieren insbesondere von der automatisierten Erfassung der Lesekompetenz sowie der einfachen Verwaltung und Feedback-Statistik. Sie begleiten das eigenständige Lesetraining ihrer Schüler:innen lediglich, ohne Zeit für die Textauswahl oder die Auswertung der Testergebnisse aufwenden zu müssen.

Wissenschaftliche Begleitung:

Die eKidz-Entwicklung wird vom Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der Universität Regensburg wissenschaftlich begleitet. In mehreren Bundesländern wurde die App außerdem in Schulpiloten und im normalen Schulalltag positiv evaluiert. Mehrere, auch internationale Auszeichnungen (GSV Cup Elite 200 EdTech: „das innovativste Startup“, UNICEF EdTech Award Top 10: „ein EdTech mit Wirkung auf Millionen Kinder weltweit“, LaunchPad Top 5 für  innovative Sprachenlern- Technologien) bestätigen die Vorreiterrolle des Programms für die Sprachförderung. Die Stiftung Lesen empfiehlt eKidz.eu als gewinnbringendes Tool zur Förderung der Leseflüssigkeit sowie des Leseverständnisses.

Hier erfahren Sie mehr über eKidz: www.ekidz.eu.

Über die Seite erhalten Sie außerdem kostenlose Zusatzressourcen wie beispielsweise eine herunterladbare Anlauttabelle, Bildkarten mit Anlauten sowie kreative Ideen fürs Lesen und Schreiben, die die Motivation aufrechterhalten.

Dies ist eine Pressemeldung der eKidz.eu GmbH.

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Lisa
9 Tage zuvor

Das Bezahlmodell ist ein Abonnement, leider kein einmaliger Kauf. Die Kosten liegen unter 10 Euro pro Kind privat ,( evtl interessant für Leistungen für Bildung und Teilhabe) , Schulklassen und Schulen können auf der verlinkten Seite ein Pauschalangebot anfordern.