STUTTGART. Oliver Hintzen, Schulleiter und stellvertretender Landesvorsitzender des VBE in Baden-Württemberg, hat Klimaschutz-Maßnahmen für Schulen gefordert. Schulgebäude würden nur selten klimatisiert. Die Folge: Die für Büros geltende Höchsttemperatur von 26 Grad werde im Sommer regelmäßig überschritten. Unterricht sei oftmals kaum mehr möglich.
In der „Arbeitsstättenregel ASR A3.5 Raumtemperatur” ist festgelegt, dass in Arbeits- und Sozialräumen die Höchsttemperatur von 26 Grad grundsätzlich nicht überschritten werden soll. Schon vor 20 Jahren urteilte das Landgericht Bielefeld, dass der Arbeitgeber für eine Absenkung der Raumtemperatur sorgen muss, wenn ein Büroraum durch Sonneneinstrahlung über diese Grenze hinaus erhitzt wird – dann hat er Sonnenschutzsysteme zu installieren, etwa Jalousien, hinterlüftete Markisen oder eine Sonnenschutzverglasung. Dies alles gelte allerdings nur „soweit, als die Natur der Dienstleistung es gestattet“.
In der Schule ist das offenbar nicht der Fall. „In Schulen wird diese Grenze regelmäßig überschritten“, sagt Oliver Hintzen, stellvertretender Landesvorsitzender des VBE in einem Interview mit dem „Spiegel“. Denn: „Durch die großen Fenster brennt die Sonne herein, oftmals lassen sie sich gar nicht oder nur einen Spalt weit öffnen. So heizen sich die Räume auf. Trotzdem werden Schulen nur extrem selten klimatisiert.“ Wenn draußen 30 Grad herrschten, sei in vielen Schulen kein vernünftiger Unterricht mehr möglich.
Auf die Frage, was denn in einem solchen Fall passiert, antwortet Hintzen: „Nichts. Es wird einfach ignoriert.“ Er betont: „Hitze in Schulen wird in der Gesellschaft nicht als Problem wahrgenommen. Nicht mal Schul-Neubauten sind klimatisiert. Da heißt es dann: »Früher bei uns war es auch mal warm.« Nur dass zwischen diesem »Früher« und heute gut 30 Jahre Klimawandel liegen. Die Zahl der heißen Tage hat schon zugenommen und wird weiter zunehmen.“
Viele Kommunen seien mit einer klimafesten Ausstattung der Schulgebäude überfordert – auch der Schulträger seiner eigenen Schule. „Ich habe den Wunsch nach einer Klimaanlage mal bei meiner Gemeinde angesprochen. Da wurde ich kurz ausgelacht, damit war das Thema erledigt“, so Hintzen. „Allerdings beginnen unsere Probleme viel früher. Unser Schulgebäude müsste dringend saniert werden. Die Fenster sind so undicht, dass bei Regen Wasser hineinläuft. Dazu kommen die Toiletten, der Brandschutz – alles in allem würden wohl allein die dringendsten Renovierungen rund zehn Millionen Euro kosten. Der politische Wille in der Gemeinde, das anzupacken, ist auch da. Aber es fehlt schlicht am Geld. Und von Klimatisierung ist da noch gar nicht die Rede.“
Und was ist mit Hitzefrei? Hintzen: „Hitzefrei klingt toll, funktioniert heute aber nicht mehr. Vor einigen Jahrzehnten, als nur ein Elternteil berufstätig war, konnte man die Schülerinnen und Schüler nach Hause schicken. Dann sind die an den Baggersee gegangen oder ins Freibad. Heute arbeiten in vielen Familien beide Elternteile. Wenn ich da »Hitzefrei« anordne, habe ich nachher 80 Prozent der Schüler in der Notbetreuung sitzen. Und die Eltern machen Rabatz, weil der Unterricht ausfällt.“ News4teachers / mit Material der dpa
