Viele haben Corona längst abgehakt – doch was passiert mit den Tausenden mobilen Luftfiltergeräten, die Hessens Kommunen einst für ihre Schulen, Kitas und Verwaltungen beschafft haben? In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur geben die Städte höchst unterschiedliche Antworten? Was sagt das Land?
Hessens Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) antwortet auf eine parlamentarische Anfrage im Landtag, mit dem Ende der Pandemie seien «Empfehlungen zur Nutzung von Luftfiltergeräten» für die Träger von Schulen und Kindergärten nicht mehr erforderlich. Die Kommunen hätten keine «Berichtspflicht» zum Betrieb und Verbleib der einst finanziell geförderten Geräte. Dabei sei es ursprünglich um Räume «mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit» gegangen.
Tausende Luftfilter für Schulen und Kitas
Laut Minister Schwarz hatten die Träger von Schulen und Kitas in Hessen im Rahmen eines Förderprogramms zu Corona-Zeiten 2.637 mobile Luftfiltergeräte beschafft. Deren Gesamtkosten beliefen sich auf fast 4,1 Millionen Euro. Das Land steuerte dafür knapp eine Million Euro bei.
Die Geräte haben Folgekosten: Sie müssen gewartet und ihre Filter nach allmählicher Verschmutzung gewechselt werden, damit sie effizient bleiben. Manche Geräte sind nicht groß, andere aber wuchtig – sie benötigen viel Platz.
In Hessens größter Stadt Frankfurt werden einer Sprecherin zufolge Schulen gegenwärtig gefragt, ob sie ihre Filtergeräte weiter nutzen wollen. Falls nicht, können Dienststellen der Stadt sie bekommen. Übrige Geräte werden über die bundeseigene Treuhandgesellschaft Vebeg zum Verkauf angeboten. Diese sitzt ebenfalls in Frankfurt. Eine Einlagerung der Filter ist für die Stadt laut der Sprecherin «aufgrund fehlender Lagerkapazitäten ausgeschlossen».
Feuerwehr Frankfurt hält Geräte weiterhin vor
Die Berufsfeuerwehr Frankfurt trennt sich dagegen nicht von ihren Luftfiltergeräten. Ein Sprecher erläutert: «Sie werden betriebsbereit gehalten, eingelagert und stehen mit kurzem Vorlauf für entsprechende Szenarien zur Verfügung.»
Auch die Stadt Offenbach hat ihre Filtergeräte für Schulen nach Worten einer Sprecherin «eingelagert für den nächsten Anwendungsfall», ebenso ihre Geräte für Veranstaltungen in öffentlichen Räumen – insgesamt mehr als 1.000 Luftfilter. «Damit ist die Stadt für eine nächste Pandemie vorbereitet. In der Corona-Pandemie waren eine enorme Preissteigerung und auch Lieferprobleme bei diesen Geräten zu beobachten», erklärt die Sprecherin.
Ebenfalls keine Verschrottung in Gießen
Auch die Stadt Gießen beabsichtigt nach eigenen Angaben derzeit keinen Verkauf, Schenkung oder gar Verschrottung dieser hochwertigen Geräte. Die rund 170 Filter vorwiegend in Schulen und Kindergärten würden instand gehalten. Sie «erfüllen nach wie vor den Zweck einer verbesserten Luftqualität», heißt es weiter. Die Filtergeräte würden «entweder genutzt oder abgeschaltet und stehen bei Bedarf weiterhin und kurzfristig zur Verfügung».
Ganz anders die Lage weiter nordöstlich: Die Stadt Kassel hat nach eigenen Worten seinerzeit «keine Corona-Luftfiltergeräte angeschafft». Das Umweltbundesamt empfehle diese nur für Räume, «die sich nicht ausreichend lüften lassen oder nicht über eine Raumlüftungsanlage verfügen. Solche Räume gibt es in den Kasseler Schulen nicht.»
«Effiziente Lüftung weit über die Pandemie hinaus»
Während der Pandemie hätten die Schulen auf zentrale Lüftungsanlagen mit ständigem Luftwechsel sowie auf Stoßlüftung über Fenster gesetzt, erklärt ein Sprecher in Kassel. Außerdem seien in 140 Klassenräumen an stark befahrenen Straßen, wo die Fenster wegen des Lärms nicht geöffnet werden könnten, professionelle «Kompakt-Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung» und gutem Schallschutz dauerhaft installiert worden. Diese «sorgen langfristig für gute Luft und effiziente Lüftung weit über die Pandemie hinaus», ergänzt der Sprecher.
Die Stadt Darmstadt hat nach eigenen Angaben während Corona rund 600 Luftfiltergeräte vornehmlich für Schulen und Kitas angeschafft. «Die Weiternutzung der Geräte, etwa aufgrund von Grippeviren oder Ähnlichem, liegt im Ermessen der jeweiligen Einrichtungen», erläutert ein Sprecher. Zurückgegebene Geräte würden vorerst «zentral eingelagert. Ein Verkauf oder Verschrottung ist derzeit nicht vorgesehen».
«Sehr leise und wartungsarm»
In der Landeshauptstadt Wiesbaden setzt das Umweltamt noch zwei Luftfilter bei Veranstaltungen mit vielen Besuchern ein, etwa beim «Weihnachtsdeko-Tauschtisch und Repair-Café. Die von uns angeschafften Geräte sind sehr leise und wartungsarm», erklärt ein Sprecher.
Über die Verwendung der rund 450 für Schulen besorgten Luftfilter sei noch nicht entschieden worden. Von den etwa 320 für Wiesbadener Kindergärten gekauften Luftreinigern «sind schätzungsweise noch 60 bis 70 Prozent funktionsfähig und werden auch in den Kitas noch vorgehalten», fügt der Sprecher hinzu. Acht Geräte seien zudem noch in Jugendzentren im Einsatz. Von Jens Albes, dpa
