
Die Linke drängt auf verbindliche Gedenkstättenbesuche von Schülern in Sachsen-Anhalt. «In Zeiten zunehmender antisemitischer, rechtsextremer Übergriffe – auch an Schulen – muss die Landesregierung Maßnahmen ergreifen, um politische Bildung und das Demokratieverständnis zu fördern», sagte die Fraktionsvorsitzende Eva von Angern.
Einen entsprechenden Antrag will die Linke in der Juni-Sitzung des Landtags stellen. Darin heißt es, in Sachsen-Anhalt existierten zwar Förderprogramme für Gedenkstättenbesuche. Doch diese Angebote seien freiwillig, oft vom Engagement Einzelner abhängig und regional unterschiedlich ausgestaltet. Es fehle an Verbindlichkeit und an systematischer Verankerung. Deshalb soll künftig sichergestellt werden, dass jede Schülerin und jeder Schüler an allgemeinbildenden Schulen an einer Gedenkstättenfahrt teilnimmt.
Man müsse die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis intensivieren, sagte von Angern. «Dazu soll auch das Personal in den Gedenkstätten aufgestockt werden.» Gedenkstätten seien Orte, die Geschichte erfahrbar machten. «Junge Menschen brauchen ein historisches Bewusstsein, das deutlich macht, was passiert, wenn Rechtsextreme an die Macht kommen», so von Angern.
Auch die neue Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte sich kürzlich für den Pflichtbesuch von Schülern in Gedenkstätten ausgesprochen. News4teachers / mit Material der dpa
Gedenkstätte Bergen-Belsen: Gymnasiasten gröhlen Nazi-Parolen, wo Anne Frank starb









Überraschende Forderungen angesichts dessen Gewicht im Wahlkampf (https://www.volksverpetzer.de/analyse/parteien-check-erinnerungskultur/)
Vielleicht machen die einen (umgekehrten) Merz und wollen Sachen umsetzen, welche ihmen im Wahlkampf nicht so wichtig waren?
Eine Kollegin bietet im Rahmen einer AG auch eine (mehrtägige) Fahrt nach Auschwitz an. Es ist jedes Mal eine ziemliche Anstrengung, Sponsoren zu bekommen, damit die Fahrt bezahlbar bleibt.
Besuche von Gedenkstätten sind, vernünftig vor- und nachbereitet, auf jeden Fall sinnvoll. Wenn das landesweit verpflichtend sein soll, muss es von Seiten der Politik aber eine niederschwellige Finanzierungsmöglichkeit geben.
Ebenso müssen hinreichend viele Lehrkräfte mitfahren und die Mehrarbeit auch angerechnet werden.
Eine andere Schwierigkeit ist, dass die Zeiträume für Fahrten im Schuljahr durch zentrale Abschlussprüfungen, Abitur, entsprechende Vorbereitungen und andere feste Termine stark eingeschränkt sind. Man will aber auch nicht, dass z.B. 200 weiterführende Schulen aus Sachsen-Anhalt in der Woche vor den Herbstferien mit ganzen Jahrgängen zu einer Gedenkstätte fährt. Insofern müsste zentral organisiert werden, welche Schule wann zu welcher Gedenkstätte fährt.
Ich würde jederzeit mit Freunden eine freiwillige Gedenkstättenfahrt betreuen und vorbereiten.
Zu einer Zwangsveranstaltung (besonders für die, die es nötig haben) bekommt man mich nicht mehr. Reden Sie gerne mal mit Mitarbeitern dieser Gedenkstätten, was diese im Laufe der Zeit schon erlebt haben. Und wie sich das in den letzten Jahren verändert hat. Aber vermutlich ist das dann nur anekdotisch und subjektiv.
? Dann eben auch noch mit Vor- und Nachbereitungszwang.
Ich verstehe Ihren Einwand nur bedingt. Ich bereite meine S*S IMMER vor auf solche Besuche. Das ist doch wohl selbstverständlich.
Eine Vor- und Nachbereitung ist SELBSTVERSTÄNDLICH! Naiv und blauäugig ist allerdings die Annahme, dass das automatisch zu einem – aus meiner Sicht – angemessenen Verhalten führt.
Okay, bei den sich durch gedanken- und geschmacklose Statements profilierende Pubertieren sicherlich. Da “erntet” man – glücklicherweise – oft echte Betroffenheit, manchmal sogar Tränen.
Aber was ist mit denen, die die Schuhe der Opfer zählen, sich über jeden, der nicht mehr in ihnen laufen kann, lautstark freuen und … die das auch genauso meinen?
Vor- oder Nachbereitung erzeugt eben nicht automatisch Empathie, wenn Menschen der Meinung sind, es wäre den Opfern quasi “recht geschehen”.
Je gefestigter die Weltbilder der Schüler sind, desto weniger bewirkt so eine Pflichtveranstaltung. Mögliche pubertäre Provokationen kommen noch erschwerend dazu.
Heuchelei. Bevor Jugendliche zu Besuchen in Gedenkstätten gedrängt werden, sollte erstmal der kollegiale Rassismus jeder Spielart benannt und bearbeitet werden. Den lernt man allerdings nur wirklich kennen, wenn man selbst einer Minderheit angehört. Dann aber auch nur, wenn es keine Zeugen gibt oder aber die Person nichts von der “Andersartigkeit” des anderen weiß und ihrer Meinung aus einem Gefühl der Sicherheit heraus freien Lauf lässt.
Einzelfälle? 4 Lehrkräfte (ich schließe Religion mit ein) an 2 verschiedenen Schulen haben sich entsprechend geäußert.
Dabei ging es nicht um Kritik an kulturellen Besonderheiten, die “unseren” Werten nicht entsprechen. Es ging tatsächlich u.a. um Aussagen, die den Wert andersfarbiger Menschen als 0 bezeichneten oder bestimmte Menschen als “Unkraut” (dafür wurde ein Wort im Dialekt benutzt).
Die gleichen Kollegen stehen öffentlich natürlich voll hinter Diversität und kultureller Differenz. Es wird eben genau differenziert, ob das Kind aus einer “guten” anderen Kultur kommt oder einer “rückständigen”.
Solange solche Kollegen im Dienst sind, halte ich erzwungene Besuche von Gedenkstätten für Heuchelei.
Die Linke als Nachfolgerin der PDS als Nachfolgerin der SED müsste doch noch wissen, dass es sehr viel “verordneten Antifaschismus” in der DDR gab (nicht nur Besuche von KZ-Gedenkstätten). Gerade im Osten gab es aber nach der Wende plötzlich eine ganze Menge neuer Nazis und auch (nicht gleichermaßen) die AfD ist ja im Osten besonders stark.
Die DDR hatte einen “Antifaschismus von oben” und auch eine verordnete Freundschaft zur Sowjetunion. Es lebten aber noch Millionen Frauen, die die sowjetischen Soldaten am Kriegsende nicht nur als Befreier erlebten. Das wurde totgeschwiegen. Man durfte nicht drüber reden. Linke (nicht nur in der Partei Die Linke) argumentieren immer noch nach dem “Selber-Schuld-Prinzip”. Doch darf das eine niemals eine Rechtfertigung für das andere sein.