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Bildungsforscher Maaz: Obergrenzen für Migrantenkinder “weder umsetzbar noch sinnvoll”

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FRANKFURT AM MAIN. Die Diskussion über Obergrenzen für Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen hat in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen – auch unter Bildungsexpertinnen und -experten. Der renommierte Bildungsforscher Prof. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, hat sich nun mit einem pointierten Beitrag auf LinkedIn klar gegen entsprechende Vorschläge ausgesprochen.

“Schulen in herausfordernden Lagen gezielt unterstützen”: Prof. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF. Foto: fotorismus für DIPF

Ausgangspunkt der Debatte war ein Interview der Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) in der Sendung „Politikergrillen mit Jan Philipp Burgard“ auf Welt TV, in dem sie sich offen für eine solche Maßnahme zeigte. Wörtlich sagte Prien: „Das ist ein denkbares Modell.“ Zwar schränkte sie ein, dass sie als Bundesministerin für Bildung – bei Länderzuständigkeit – nur Empfehlungen aussprechen könne. Entscheidend sei aus ihrer Sicht ohnehin, dass Kinder „wenn sie in die Schule kämen, Deutsch könnten“. (News4teachers berichtete.)

Diese Aussage sei zwar geeignet, um eine Debatte anzustoßen, doch gehe sie am Kern der bildungspolitischen Herausforderungen vorbei, kritisiert Kai Maaz: „Obergrenzen für Kinder mit Migrationshintergrund sind weder praktisch umsetzbar noch pädagogisch sinnvoll. Sie verkennen die Realität an Schulen und adressieren nicht die eigentlichen strukturellen Herausforderungen und verengen die Diskussion auf ein Merkmal, das in der Praxis hochgradig heterogen ausgeprägt ist.“

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„Niemand fordert Obergrenzen für Kinder aus privilegierten Haushalten“

Statt symbolischer Begrenzungen fordert der Bildungsforscher eine systematische Stärkung von Bildungsprozessen. Es gehe um echte Unterstützung statt um neue Hürden – insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen. In seinem Beitrag auf LinkedIn benennt Maaz sieben zentrale Handlungsfelder:

Diese Maßnahmen seien aus Sicht von Maaz zentrale Elemente eines ganzheitlichen Ansatzes zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit. „Wer Bildungsgerechtigkeit ernst meint, muss Schulen in herausfordernden Lagen gezielt unterstützen – durch Ressourcen, qualifiziertes Personal, Fortbildung und Prozessbegleitung. Nicht durch symbolische Begrenzungen“, schreibt er.

Maaz verweist auch auf eine implizite Schlagseite der aktuellen Diskussion: „Niemand fordert Obergrenzen für Kinder aus privilegierten Haushalten. Warum also umgekehrt?“ Einmal mehr, so lässt sich sein Appell zusammenfassen, bedarf es in der Bildungspolitik keiner verkürzten „Grenzdiskurse“, sondern kontextspezifischer, evidenzbasierter Lösungen. Bildung brauche Offenheit, aber eben auch Sachlichkeit. Maaz: „Die Realität in unseren Bildungseinrichtungen verlangt keine Grenzdiskurse, sondern kontextsensible, evidenzbasierte Lösungen.“ News4teachers

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