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Bildungsministerium beklatscht sich dafür, Lehrern Mehrarbeit pünktlich(er) auszuzahlen

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MAGDEBURG. „Die Lehrkräfte im Sachsen-Anhalt können sich über eine spürbare Entlastung freuen“ – meint das Bildungsministerium von Sachsen-Anhalt und kündigt an: Die Bearbeitung und Auszahlung von Zusatzstunden erfolge ab sofort deutlich schneller als bisher. Was bedeutet das konkret? „Nur rund zwei Monate nach der Meldung durch die Schulen starten bereits die Buchungen.“ Wann sie erledigt sind? Unklar. 

Überwiesen. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Die sogenannte Vorgriffsstunde war für Sachsen-Anhalts Bildungsministerium gleich in mehrfacher Hinsicht ein Debakel: Es verpflichtete Lehrkräfte, ab Ostern 2023 eine zusätzliche Stunde pro Woche zu unterrichten. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten sich die zusätzlichen Stunden vergüten lassen oder sie auf einem Arbeitszeitkonto ansparen, um sie ab dem Schuljahr 2033/34 abzubauen. Doch erst haperte es bei der Auszahlung, die immer wieder verschoben wurde (und dann schuljahresweise statt monatlich erfolgen sollte), dann kippte das Bundesarbeitsgericht gleich die gesamte Regelung.

Mittlerweile setzt das Bildungsministerium auf freiwillige Mehrarbeit. Und verspricht, die dann auch pünktlich(er) auszuzahlen, was genau das dann auch heißen mag. „Damit setzen Bildungsministerium und Landesschulamt ein wichtiges Zeichen für eine verlässliche und zeitnahe Vergütung der zusätzlichen Arbeitsleistung von Lehrkräften“, so heißt es in einer Pressemitteilung. „Daneben werden auch die noch ausstehenden Mehrzeiten aus dem vergangenen Schuljahr vollständig erfasst und sukzessive abgearbeitet. Auch die offenen und von den Schulen ordnungsgemäß gemeldeten Vorgriffsstunden, die bislang noch auf eine Bearbeitung warteten, gehen jetzt in die Auszahlung.“

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Bildungsminister Jan Riedel (CDU) hob die Bedeutung des schnelleren Verfahrens hervor: „Wir reden nicht nur – wir machen auch. Die Lehrkräfte im Land leisten Herausragendes und es ist unsere Aufgabe, ihre zusätzliche Arbeit fair und zeitnah zu honorieren. Mit den beschleunigten Prozessen setzen wir genau dort an.“ Der Minister dankte laut Pressemitteilung „den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, die an der Umsetzung beteiligt waren: „Mein Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen in Schulen und Verwaltung, die durch ihren Einsatz diese spürbare Beschleunigung möglich gemacht haben.“

„Damit wird die geleistete Verlässlichkeit der Lehrkräfte besonders anerkannt“

Noch mehr freut sich der Bildungsminister, dass die Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler (und ihn) nicht im Regen stehen lassen. „Nach dem Ende der angeordneten so genannten Vorgriffsstunde durch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts hat sich die freiwillige Zusatzstunde als geeignetes Mittel erwiesen, um die Unterrichtsversorgung zielgenau zu stabilisieren oder sogar zu erhöhen“, verlautete er.

Die Zusatzstunde werde in gleicher Weise vergütet wie die Vorgriffsstunde und biete damit „volle Planungssicherheit“. Zusatzstunden könnten zeitnah und nicht erst nach Ablauf eines Schuljahres ausgezahlt werden. Auch seien bis zu vier Zusatzstunden möglich, sodass Schulen flexibel auf ihre jeweilige Situation reagieren können. Ein weiterer Vorteil laut Ministerium: Die Vergütung der Zusatzstunde erfolgt auch dann, wenn sie krankheitsbedingt nicht erteilt werden konnte. „Damit wird die geleistete Verlässlichkeit der Lehrkräfte besonders anerkannt.“ Was Riedel nicht in der Pressemitteilung erwähnt: Dass genau dies bei der Pflicht-Vorgriffstunde nicht vorgesehen war, war einer der Gründe, warum das Bundesarbeitsgericht die ganze Regelung gekippt hatte. Dafür sind auch noch Nachzahlungen fällig. Wann die kommen? Dazu sagt die Pressemitteilung nichts.

Insgesamt fällt für das Schuljahr 2023/24 eine Nachzahlung zwischen 620.000 und 809.000 Euro an, für das Schuljahr 2024/25 liegt der Betrag zwischen 692.000 Euro und 923.000 Euro, wie das Bildungsministerium auf Anfrage Ende Oktober bestätigte. Der durchschnittliche Stundensatz beträgt 55 Euro. Ob auch Lehrer die sogenannte Vorgriffsstunde bezahlt bekommen, die länger als 12 Wochen krank waren, ist noch strittig – heißt dann wohl: kann dauern. News4teachers 

Nach BVG-Hammer zur Vorgriffsstunde: Bildungsminister appelliert an Lehrkräfte, Unterricht nicht einfach ausfallen zu lassen

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Rainer Zufall
2 Monate zuvor

“Damit setzen Bildungsministerium und Landesschulamt ein wichtiges Zeichen für eine verlässliche und zeitnahe Vergütung der zusätzlichen Arbeitsleistung von Lehrkräften”
Ich schätze, Selbstverständlichkeiten lassen sich als “wichtiges Zeichen” bezeichnen, lenken allerdings die Aufmerksamkeit darauf, dass im Ministerium eine zeitnahe Auszahlung offenbar keine Selbstverständlichkeit zu seien scheint…

Wollten die nicht mal um Lehrkräfte werben?

Karl Heinz
2 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wollten die nicht mal um Lehrkräfte werben?”

Dies taten und tun sie doch via Headhunter-Programm.
Bislang wurden im Rahmen des „Headhunter“-Projekts insgesamt 201 Lehrkräfte eingestellt. Zum Jahresende 2024 haben hiervon 63 den Schuldienst wieder verlassen”
Super-Bilanz bei ca. 1,- Mill. € Kosten pro Jahr.

Hätte man bei den Seiteneinsteigern mal mehr Zeit und Geld investiert, um diese deutlich besser vorzubereiten, dann wären wohl nicht so viele wieder abgesprungen und die Gesamtbilanz sähe etwas besser aus…

Am 06.09.2026 ist es eh vorbei.

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Karl Heinz

“Ihr dreht euch doch schlicht um Nebenkriegsschauplätze…. mehr LuL? … lächerlich!
Entscheidend ist doch, dass wir uns endlich – egal was andere denken – als das darstellen, was wir sind … das geilste KuMi westlich – sorry – östlich des Missisippi!”

Karl Heinz
2 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ergänzend ein Beitrag zu den pädagogische Unterrichtshilfen.
vor ein paar Monaten gehypt. Inzwischen nichts mehr davon zu hören oder zu sehen.

Die noch vorhandenen LuL gehen lieber eher.
Aber hey – die gute alte Taktik “Abwarten und Aussitzen” zeigt doch schon Licht am Ende des Tunnels. (Ironie)

Hans Malz
2 Monate zuvor

Ein wichtiges Zeichen, wenn Selbstverständlichkeiten endlich eingehalten werden … Autsch, die schämen sich aber auch für nichts.

Chris
2 Monate zuvor

Nur mal zur Info: In der freien Wirtschaft darf der Arbeitnehmer sofort fristlos kündigen und bei der Konkurrenz anfangen, wenn der Lohn nicht pünktlich gezahlt wird. Dürfen Lehrer auch ihre Arbeit niederlegen bis zur Zahlung, wenn die Alimentation nicht rechtzeitig gezahlt wird?

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Chris

Natürlich nicht … in der Zwischenzeit werden die von den leuchtenden Kinderaugen entlohnt.
Da kommt kein Goldstandard gegen an.

DienstnachVorschrift
2 Monate zuvor

Naja, man hätte als Lehrkraft daraus lernen sollen, das heißt keine Zusatzstunden und keine deutliche Überschreitung der Mehrstunden durch Vertretung.
Viele Kollegen haben sich doch nur für die Zusatzstunde entschieden, aus Angst ansonsten aus Klassen ausgeplant zu werden oder, dass sich der Stundenplan sonst verschlechtert.

Hysterican
2 Monate zuvor

Tscha, wenn einen sonst niemand lobt … dann macht man das einfach selber.

“Wir sind das beste KuMi ever … niemals war ein KuMi besser als wir… wir haben großartige Dinge geleistet … alle sind begeistert von uns … wir denken, dass wir auf jeden Fall eine dritte Amtszeit anstreben sollten … die Leute wollen das … so sagt man…!”

BaldWeg
2 Monate zuvor

Ich warte immer noch auf die Bezahlung von Überstunden der letzten 3 Jahre. Das Schreiben, dass ich im Rahmen meines Ausscheidens aus dem “schönen” Lehrerberuf von der Landesschulbehörde erhalten habe, ist von Inhalt und Form her echt “lesenswert” und bedarf keines weiteren Kommentars.
Zum Glück hat das bald ein Ende!
Man muss ich nicht wundern, dass zu wenig Lehrer da sind und hätte ich Kinder, würde ich ihnen vom Lehrerberuf zumindest im Landes- und Staatsdienst abraten.

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  BaldWeg

Auf Kündigungen sind die aber auch so was von nicht vorbereitet. Die verstehen einfach nicht, wie so eine undankbare lehrkraft denen die Brocken vor die Füße wirft, wo sie doch den schönsten Beruf der Welt administrieren – sorry, zu vergeben haben.

Ludwig Briehl
2 Monate zuvor

Die Infsntilisierung der Verwaltung schlägt sich hoffentlich nicht auf die Lehrerschaft durch!

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