Brandbrief-Schule: Lehrkraft schildert Zustände im Unterricht (“unverletzt rauskommen”)

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LUDWIGSHAFEN. Seit dem Brandbrief des Kollegiums ist klar, dass an der Karolina-Burger-Realschule Plus in Ludwigshafen einiges aus dem Ruder gelaufen ist. Darin beschrieben die Lehrkräfte einen Schulalltag voller Gewalt, Angst und Überforderung – ein Hilferuf, der bundesweit Aufmerksamkeit erregte. Ein aktuelles Interview des SWR mit einer anonymen Lehrkraft der Schule verstärkt den Eindruck, dass von einem geordneten Schulbetrieb nicht mehr die Rede sein kann.

Lichterloh. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

„Die Kräfte schwinden eklatant.“ Es ist ein Satz, aus dem tiefe Erschöpfung spricht. Gesprochen hat ihn eine Lehrkraft der Karolina-Burger-Realschule Plus in Ludwigshafen, die nicht möchte, dass ihr Name veröffentlicht wird – aus Angst vor dienstlichen Konsequenzen. Doch die Situation, sagt sie in einem Gespräch mit dem SWR, sei inzwischen so unerträglich geworden, dass Schweigen keine Option mehr sei. Ihre Schilderungen sind drastisch, sie zeichnen das Bild eines Schulalltags, der jede pädagogische Normalität hinter sich gelassen hat – und sie bestätigen eindrücklich das, worüber News4teachers bereits berichtete: Die Schule befindet sich im Ausnahmezustand.

Die Lehrkraft beschreibt eine Realität, die mit Unterricht im eigentlichen Sinne kaum noch etwas zu tun hat. Viele Schülerinnen und Schüler kämen „ohne Bücher, ohne Hefte, ohne Stifte“ in die Schule, häufig ohne grundlegende Kompetenzen. Die einfachsten Regeln des Zusammenlebens seien ihnen fremd, ebenso die grundlegenden Kulturtechniken. „Die Kinder können oft weder lesen noch schreiben“, sagt sie. Manche könnten nicht einmal die Grundrechenarten, sollen aber dennoch anspruchsvolle Aufgaben lösen. Die Lehrkraft spricht von einem System, das überfordert ist – und von Kolleg*innen, die tagtäglich versuchen, Situationen zu entschärfen, anstatt Bildungsziele zu erreichen.

„Wir versuchen, die Kinder und uns zu schützen, aber es geht unter diesen Bedingungen nicht“

„Wir sind im Prinzip eine Förderschule mit einer Klassengröße von 30 Schülern und einer Lehrkraft“, fasst sie zusammen. Ein geregelter Unterricht sei unmöglich. Man plane den Tag so, dass alle „unverletzt rauskommen und irgendwie beschäftigt sind“.

Besonders belastend ist die allgegenwärtige Gewalt. Laut SWR-Bericht sagt die Lehrkraft: „Gewalt ist Alltag.“ Lehrkräfte müssten Schlägereien in den Gängen bewusst übersehen, um schnell ins eigene Klassenzimmer zu gelangen und dort das Schlimmste zu verhindern. Kinder würden unter Druck gesetzt, keine Zeugenaussagen zu machen. Wenn auf dem Hof Böller flögen, bildeten Schülergruppen eine Mauer um die Lehrkraft, die Aufsicht habe. „Bis man da ist, sind die Täter unsichtbar.“

Die Lehrkraft spricht offen aus, was eigentlich niemand an einer Schule sagen möchte: „Wir sind nicht mehr in der Lage, diese Dinge zu kontrollieren. Wir versuchen, die Kinder und uns zu schützen, aber es geht unter diesen Bedingungen nicht.“

Seit Monaten versuche das Kollegium, Hilfe zu bekommen. Dutzende Brandbriefe seien an die Aufsichtsbehörde ADD in Trier gegangen, ohne spürbare Wirkung. Der Messerangriff auf eine Lehrerin im Mai – eine 16-Jährige war mit einer Klinge ins Lehrerzimmer eingedrungen – sei ein Kipppunkt gewesen. Seitdem gehe es vielen Kolleginnen und Kollegen deutlich schlechter, nicht wenige seien krank oder überlastet.

Eine Amokdrohung Ende Oktober (die sich am Ende als substanzlos erwies) habe das Gefühl, im Stich gelassen zu sein, noch verstärkt. Ausschlüsse von Schülerinnen und Schülern fänden kaum statt, weil der bürokratische Aufwand so groß sei, dass er nur für extreme Fälle betrieben werde. Eine Veränderung sei nicht in Sicht, sagt die Lehrkraft. Die Forderungen des Kollegiums – mehr Sicherheit, Kameras, kleinere Klassen, Unterstützung durch Jugendamt und Schulpsychologie – seien seit Langem bekannt. Doch es fehle der politische Wille. „Es geht hier um Geld – und das stellen weder Kommune noch Land ausreichend zur Verfügung“, sagt die Lehrerin. Die Folgen seien absehbar: „Die Folgen werden katastrophal sein – und unbezahlbar.“

„Wir können so nicht mehr unterrichten“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bestätigt die dramatischen Zustände. Auf Anfrage des SWR erklärte die GEW-Landesgeschäftsstelle, dass „dort aktuell kein gutes Lernen stattfinden“ könne, weil der Schulalltag von Gewalt und Angst geprägt sei. Die GEW-Landesvorsitzende Christiane Herz berichtet, sie habe mit jungen Lehrkräften gesprochen, die überfordert seien und teils krankheitsbedingt ausfielen. Man fühle sich im Stich gelassen und wünsche sich, dass endlich offen über die Probleme gesprochen werde. Herz beschreibt ein Kollegium, das sich nach Entlastung sehnt – und nach einem politischen Signal, dass die Missstände ernst genommen werden.

Die Schilderungen der Lehrkraft fügen sich ein in das Bild, das bereits der Brandbrief des Kollegiums an die Schulaufsicht gezeichnet hat. Nach dem Messerangriff und wiederholten Amokalarmen hatten sich die Lehrkräfte in einem längeren Schreiben an die Behörden gewandt. Darin berichten sie von einem Schulalltag, in dem Gewalt, Drohungen und massive Störungen zum Normalfall geworden sind.

Lehrkräfte werden den Schilderungen zufolge mit Büchern beworfen, es gibt sexualisierte Beschimpfungen, körperliche Übergriffe und Fake-Accounts von Lehrerinnen und Lehrern in sozialen Medien, über die sie gezielt beleidigt und diffamiert werden. Schüler zerstören Mobiliar, schlagen Löcher in Wände und zünden Böller in Klassenräumen. Die hygienischen Zustände sind ebenso erschütternd: überflutete Toiletten, beschmierte Wände, Urinlachen in Gängen. Schüler sollen sogar im Kellergeschoss unter Treppen ihr Geschäft verrichtet haben. Manche Lehrkräfte würden ganze Gebäudeteile meiden, weil die Luft dort „unerträglich“ sei. Laut Schulaufsicht gab es nach Auskunft der Polizei im vergangenen Jahr zwölf Einsätze an der Schule.

Die Lehrkräfte sprechen in ihrem Schreiben offen von Überforderung: „Wir können so nicht mehr unterrichten.“ News4teachers

Gewalt an der Schule: „In den Pausen demütigen sich Schüler auf den Toiletten, alles wird gefilmt” – eine Lehrerin berichtet

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Susanne M.
1 Monat zuvor

Das klingt furchtbar für Lehrer und Schüler. Ich kann mir auch vorstellen, dass gewöhnliche Eltern alles tun, ihre Kinder nicht an diese Schule zu schicken.

Wombat lover
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Ich denke, es gibt dort sicher so viele Kinder gewöhnlicher Eltern, dass eine Spendenaktion eine Kameraüberwachung ermöglichen sollte. Wenn dann noch konsequent bei jedem Zwischenfall die Polizei gerufen würde, käme das das Land so teuer, dass vielleicht doch noch Geld für die Schule aufgewendet wird. Wie kann es sein, dass bei solchen Zuständen die Polizei nur einmal im Monat da ist? Die müsste täglich da sein.

JonasG
1 Monat zuvor
Antwortet  Wombat lover

Genau. Die Lösung ist klar Kameraüberwachung und mehr Polizei. Symptombekämpfung statt Ursachenforschung

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  JonasG

Schließt sich gegenseitig nicht aus, Fehlverhalten bzw. Straftaten müssen geahndet werden, UM einen sicheren Raum für Kinder und Jugendliche herzustellen.

Birgit Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  JonasG

Am Anfang ist es ein Weg, Ruhe reinzubekommen. Wir haben das durchgezogen und haben jetzt wieder mehr Ruhe drin und können uns um die Probleme kümmern. Es macht keinen Sinn, einen Psychologen in ein laufendes Schlachtfeld zu schicken.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Wombat lover

Oh, sweet summer child…Sie haben den mittlerweile bzw. schon länger perfektionierten Täterschutz- und Täterversteherkreislauf nicht verstanden:
Eine minderjährige Person kann WORTWÖRTLICH jemanden zu Brei schlagen oder abstechen…und befindet sich nach einem kurzen Ausflug auf die Wache (festen Wohnsitz & existierende Erziehungsberechtigte sowie keine akute Gefahr vorausgesetzt) keine 24 Stunden später gemütlich im warmen Wohnzimmer vor der Playsi.

So ist die Rechtslage.

Was soll die Polizei da machen ?

Schaulaufen?

Mit großem Theater “Anzeigen” aufnehmen, die nach durchlaufen des Jugendgerichtssystems nach frühestens 6, eher 12 Monaten in nothing-burgern wie “deutliche Ermahnung”, “ins Gewissen reden”, “Sozialstunden” enden ?

Was sowohl die Täter als auch die Polizisten wissen?

Dafür braucht die Streife nicht losfahren.

Kleopas
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Ohne Gesetzesänderungen wird es wohl nicht gehen. Wie wäre es denn, die Eltern bei der Hofaufsicht zu beteiligen, sofern ihre eigenen Kinder dabei sind und sofern sie Bürgergeld bekommen, weil arbeitslos?
Und könnte man Missetäter vielleicht zur Toilettenreinigung verpflichten? Die sind ja deshalb verschmutzt, weil die lieben Kinder sie verschmutzt haben, oder?

vhh
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

Sie meinen die Eltern, aus deren Erziehung viele der Problemfälle kommen? Die haben, in ganz seltenen Fällen, eine gewisse Tendenz bedingungslos und faktenunabhängig zu ihrem Kind zu stehen. Das könnten sehr spannende Aufsichten werden.
Die Missetäter werden fast nie ermittelt, wie auch, wer könnte eine Videoüberwachung ausgerechnet der Toiletten den Eltern vermitteln? Wenn man einfach irgendwelche ‘Erwischten’ dafür nimmt: erniedrigende Bestrafung, möglicherweise komplett unbeteiligt…

Kleopas
1 Monat zuvor
Antwortet  vhh

Eine Pausenaufsicht in Toiletten wäre ja immerhin möglich, wenn man genügend viele Leute hat. Auch auf dem Schulhof — ich würde darauf spekulieren, dass allein die Anwesenheit von Eltern was bewirken würde. Die hätten bestimmt kein Verständnis für jeden Quatsch (Böller oder Raketen), und die Kinder würden die proletarischen Erziehungsmethoden eher fürchten als das Laissez faire der Lehrer. Zu Hause sind die Kinder doch immer so brav …
Kontraproduktiv wären natürlich Prügeleien zwischen Eltern.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

Nicht einmal im Vorraum der Toiletten statthaft. Allenfalls kann eine Aufsicht vor den Aussentoiletten rechtlich abgesichert werden. Die namentliche Erfassung der Toilettennutzer ist nicht statthaft.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Wie wäre es mit einem angestellten Putzdienst wie bei Sanifair? Die sind in den Toiletten und achten auf Sauberkeit. Ich gehe davon aus, dass sie Hilfe rufen können, wenn jemand Stress macht. Also- saubere Toiletten und eine Verbindung zur Aufsicht oder ins Rektorat. Regt sich bei Sanifair jemand über das Reinigungspersonal auf? Nein, im Gegenteil, man weiß, dass man sauber und sicher auf Toilette gehen kann. Das sollten die Kinder und Jugendlichen auch so erleben dürfen.

Kleopas
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Aber in öffentlichen Toiletten gibt’s doch eine Aufsicht, die gleichzeitig für die Reinigung zuständig ist. Und solche Regeln könnte man auch ändern, wenn es einen Grund dafür gibt (etwa Vandalismus in den Toiletten seitens der Schüler). Bürokratische Regeln sind letztlich nie ein Grund, wenn die Verhältnisse sich geändert haben. Man kann sie der neuen Zeit anpassen. Bei der Digitalisierung ist das doch selbstverständlich.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

Nur Schultoiletten sind rechtlich keine öffentlichen Toiletten.

Alese20
1 Monat zuvor
Antwortet  Wombat lover

Glauben Sie nicht, dass die Kameras als erstes zerstört würden?

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  Wombat lover

Kameraüberwachung ist aus rechtlichen Gründen an Schulen nicht möglich. Schon gar nicht auf den Toiletten, wo es leider sehr häufig zu Übergriffen kommt.

Birgit Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Doch, ist es, wenn auch kompliziert. In Thüringen wird gerade für 3 Schulen ein Modell mit den Behörden entwickelt.

Bettina
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Sie sprechen von “gewöhnlichen Eltern”, was die Frage nach den “ungewöhnlichen” Elternhäusern dieser Kinder aufwirft. Hier liegt in Sachen Erziehung und Bildung wahrscheinlich vieles im Argen. Zur Besserung der Lage vermisse ich deswegen Überlegungen, wie man die Eltern mehr einbinden kann in die Verantwortung für ihre Kinder.
Ohne die Eltern kämpft man bei den Kindern gegen Windmühlenflügel.

Schotti
1 Monat zuvor
Antwortet  Bettina

Dafür gibt es eine ganz einfache Lösung. Das Kinder-oder Bürgergeld müsste an die Kooperation von Eltern mit der Schule gebunden sein.

Canishine
1 Monat zuvor

An diesem Beispiel, sollten die Beschreibungen zutreffen, kann man sehen, wie weit die Selbstausbeutung und Selbstaufgabe von Lehrkräften gehen kann und wie der Dienstherr oder die Dienstdame und Teile der Gesellschaft auf dem guten Willen parasitiert.

Lehrer Gaga
1 Monat zuvor

Teilweise kann ich an unserer Schule in NRW solche Zustände bestätigen.
Mit Unterricht hat das lange schon nichts mehr zutun.

Ostiarius
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrer Gaga

Genauso ist es. Wir machen uns alle nur noch etwas von. Schule ist hier nur das Indiz für ein gesamtgesellschaftliches Versagen.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Aber hier bei N4T war doch neulich zu lesen, dass ADD und Schulamt bereits reagiert haben und man jetzt ein neues Konzept bei Feueralarm hat. Außerdem machen die Lehrkräfte mehr Aufsichten. Wo ist denn jetzt noch das Problem???

potschemutschka
1 Monat zuvor

Na ist doch logisch: Wenn es brennt (Brandbrief), muss ein gutes Konzept für den nächsten Feueralarm erarbeitet werden. 🙂

potschemutschka
1 Monat zuvor

Die bisherigen Brandbriefe von Schulen haben bisher nicht so viel bewirkt, weil die ihr “Feueralarm-Konzept” nicht an die “Brandlage” angepasst haben. Diesmal klappt es ganz bestimmt!
In Zukunft werden wir sicher nichts mehr von Brandbriefen aus Schulen lesen, weil die alle ihr “Feueralarm-Konzept” entsprechend überarbeiten.
>daumendrück< (wie ein Forist hier immer schreibt) 🙂

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Brandbrief? Im Zuge der Digitalisierung müsste das doch eine “fire-email” sein.

Hans Malz
1 Monat zuvor

Der Drucker ist kaputt. Die Handreichung kann nicht ausgedruckt und laminiert werden.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Laminieren erfolgt mit elektrischen Geräten unter großer Hitze – das könnte schon wieder zu brandgefährlichen Situationen führen. Also wird das im neuen Feueralarm-Konzept verboten werden!

Ale
1 Monat zuvor

Jups, das ist wie bei Kompass 4 in BW: man glaubt mehr Überprüfung (also Test in BW und zusätzliche Aufsichten in Lu) lösen das Problem. Dass es mehr schadet, weil noch mehr Kraft gebraucht wird, sieht man nicht. Vielleicht wären hier Polizisten (mwd) und ein Sicherheitsdienst die bessere Alternative. Früher gab es in Mannheim doch Klassen mit “grünen Männchen” im Klassenzimmer.

potschemutschka
1 Monat zuvor

Ich habe mir mal Gedanken gemacht, wie so ein angepasstes Konzept für Feueralarm aussehen könnte:

  • man legt alle Brandmelder still (= stellt sie ruhig)
  • man verlegt/versetzt die Melder an andere Stellen (manche versetzen sich freiwillig, siehe Burg)
  • sind keine Brandmelder mehr da, werden Brände nur noch auf dem offiziellen Dienstweg gemeldet, auf dem langen Weg ersticken die Flammen und es wird weniger medialer Rauch erzeugt

Problem gelöst!
(Ironie oder Zweideutigkeit? Das muss der geneigte Leser selbst herausfinden. Ich bin multilingual) 🙂

mama51
1 Monat zuvor

Ach , u.a. mehr Aufsichten? Haben die Lk wieder die A-karte durch noch mehr (!!!) Arbeit und noch weniger Zeit zum Durchschnaufen??? ☹️
Toller Plan, vor allem billig! ☹️

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Da muss nur ordentlich digitalisiert werden und schon ist alles in Butter!

Digitalisierung ist alles!

Dann lernen die Kinder von alleine in ihrem eigenen Tempo und machen brav die ihnen gestellten Aufgaben.

Wer braucht da schon Stifte oder Sozialverhalten?!

Nur aus Vorsicht: ironie inside 😉

Tigrib
1 Monat zuvor

Gestern bei Maybrit Illner: Steigt Deutschland ab?

Wenn man das liest, eindeutig “ja!”

Chris
1 Monat zuvor

Bei solchen Zuständen ist es wohl an der Zeit nicht nur über eine Kameraüberwachung nachzudenken sondern auch über drastischere Maßnahmen. Ich denke spontan da an eine Polizeidienststelle direkt im Schulgebäude und Sicherheitskontrollen an allen Eingängen.

Brennpunktschule
1 Monat zuvor

Leider kein Einzelfall, auch wenn die Verhältnisse hoffentlich nur in Ausnahmefällen so schlimm sind.

Wenn die Kollegen vor Erschöpfung umfallen und monatelang wegen psychischer Belastungen ausfallen, vielleicht wird dann erkannt, dass eine Schule so nicht funktionieren kann.

Man muss sich dem nicht aussetzen, niemand verlangt die totale Selbstaufgabe. Die eigenen Grenzen muss man schützen. Das führt bis hin zur nicht Erledigung von Basisaufgaben. Aber wenn die Arbeitszeit vorbei ist, ist sie vorbei.

Wir haben aufgrund von Erkrankungen in den letzten Wochen jeden Tag mindestens eine Klasse zu Hause gelassen. Doppelbesetzungen und Stunden der Sonderpädagogen haben wir so gut es eben ging versucht zu schützen.

Wenn wir unsere letzten Ressourcen verwenden, um den Mangel auszugleichen und nicht mehr positiv arbeiten, dann können wir den Laden dicht machen.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Brennpunktschule

Sie sollten einen Brandbrief schreiben. Ohne öffentlichen Druck wird sich die Lage von alleine wohl nicht mehr verbessern.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Apropos Brief, haben Sie Ihren handschriftlichen Brief an Ihre Abgeordnete schon geschrieben und auch abgeschickt? Erhielten Sie vielleicht schon eine Antwort? Bitte berichten Sie uns über den aktuellen Stand! Dankeschön!

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Zwei Möglichkeiten, warum Sie die Frage nicht beantworten:

  • die Idee mit dem handschriftlichen Brief damals, war nur heiße Luft
  • sie bekamen keine Antwort darauf

Ich tendiere zu Variante 1.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

@Rainer Zufall
Sie haben vergessen zu erwähnen, dass der Brandbrief am besten handschriftlich verfasst werden sollte, denn dann wird er ganz sicher gelesen! (Zumindest schrieben Sie das mal vor einiger Zeit).
Wie Ihre persönlichen Erfahrungen mit solch handschriftlichen Briefen ausgingen, haben Sie leider noch nicht verraten. Schade!

Kleopas
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Und Sie feixen einfach? Was ist denn Ihr Vorschlag?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Kleopas

War kein Feixen.
Der Dienstweg scheint (derzeit) zu langsam bzw. zu wenig Gewicht zu haben, dass Verantwortliche Initiative ergreifen.

Daher ja mein Vorschlag an Brennpunktschule, nicht zu resignieren und sich in der Situation einzurichten, sondern lieber mit Kolleg*innen einen Brandbrief zu schreiben und bestenfalls Verbesserung loszutreten

Brennpunktschule
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Brandbrief – gab es natürlich schon. Ist jetzt fast drei Jahre her.

Nur mal ein Detail – die 2023 versprochene Einbruchmeldeanlage ist leider im Amt “untergegangen” und wird natürlich jetzt mit Nachdruck äh… Na ja… Also, ich glaube es, wenn ich es sehe.

Dabei ist das wirklich von Seiten des Schulträgers kein böser Wille, auch nicht von Seiten der Bezirksregierung. Was sollen sie machen, wenn das Hemd zu kurz ist und einfach hinten und vorne nicht reicht?

Und Lehrkräfte gibt es einfach nicht in ausreichender Anzahl. Eine grundständig ausgebildete Lehrkraft? So richtig mit Referendariat und allem? So häufig wie ein Einhorn. Na ja, jedenfalls an Standorten, die nicht privilegiert sind.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Brennpunktschule

@Brennpunktschule
Im Rahmen des neuen Feueralarm-Konzepts sollten Sie ernsthaft über einen neuen Nick nachdenken. Die Bezeichnung “Brennpunktschule”, auch für Ihre und andere Schulen, verstößt sicherlich gegen das neue Konzept zu Feueralarm, denn der Begriff suggeriert, da ist (Feuer)gefahr.
Duden schlägt u. a. folgende Synonyme für “Brennpunkt” vor:
Fokus, Mittelpunkt, Kerngebiet, Hochburg und weitere. Suchen Sie für sich und Ihre Schule etwas passendes aus! (Ironie)

TaMu
1 Monat zuvor

Ist es nicht auch Kindeswohlgefährdung, Kinder täglich in diese Schule zu schicken? Warum klagen Eltern nicht? Es ist nicht Aufgabe der Eltern und ihrer Kinder, solche völlig irren Zustände auszuhalten. Es ist Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu schützen.
Hier gehen offensichtlich Erziehungskonzepte und auch Schulkonzepte schief. Wie kommt überhaupt jemand mit sehr schlechten Deutschkenntnissen in Sprache und Schrift auf eine Realschule? Wie soll dieses Kind dem Unterricht folgen und Leistung erbringen? Wenn in eine Realschule, in der auf dem mittlerem Niveau zwischen Gymnasium und Hauptschule unterrichtet werden sollte, alle Inklusionsaufgaben ohne flankierende Maßnahmen hineingepresst werden, verlieren auch die echten Realschulkinder ihre Recht auf Bildung und auf Sicherheit. Beides sind Kinder – Grundrechte. Zumindest in Brennpunktschulen scheint kein Kind mehr gute Inklusion zu erleben, weder die normal entwickelten noch die bedürftigen.
Hier wird anscheinend gar nichts mehr aufgefangen, sondern eher verstärkt.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Wie kommt überhaupt jemand mit sehr schlechten Deutschkenntnissen in Sprache und Schrift auf eine Realschule? “

Diese Kinder werden oft anhand ihrer vorherigen Schullaufbahn eingestuft. Und nein, das muss keine Grundschule in Deutschland gewesen sein. Wo sollen die sonst hin? Es gibt ja nichts anderes als die staatliche Regelschule.

TaMu
1 Monat zuvor

Ich verstehe jetzt auch, warum Kinder sich im Keller erleichtern. Als ich davon zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich, das sei eine Provokation. Bei der Beschreibung der hygienischen Zustände in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten verstehe ich nun jeden, der sich dafür einen Keller, ein Gebüsch oder eine sonstige Notlösung sucht.
Dass Kinder und Jugendliche sich allerdings genötigt sehen, im Keller zwar sauber, aber ungeschützt so zu hocken, um ein ursprüngliches Menschenrecht zu befriedigen, ist eine Kindeswohlgefährdung.
Meine Kinder wären alle drei an dieser Schule zu Schulverweigerern geworden, unter anderem aus diesem Grund.

potschemutschka
1 Monat zuvor

… und täglich grüßt das Murmeltier:
https://www.news4teachers.de/2025/01/brandbrief-schule-bewaffnete-jugendbande-rottet-sich-zusammen-um-schueler-zu-jagen/
Seit Jahren immer wieder “Brandbriefe” von denen man liest. Von den Jahren danach – den Verbesserungen – liest man kaum etwas, nur von der Rütli-Schule (2006). Diese Schule scheint es geschafft zu haben. Aber was ist mit allen anderen?
https://www.rundschau-online.de/politik/immer-noch-ein-brennpunkt-berliner-ruetli-schule-hat-die-wende-geschafft-929243
Okay, kleine Probleme gibt es auch an der Rütli-Schule noch ab und zu. Dort gab es vor kurzem homophobes Mobbing (wie an der Carl-Bolle-Schule von der n4t schon berichtete)
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/10/berlin-ruetli-schule-vorwuerfe-beleidigungen-ermittlungen.html

Ale
1 Monat zuvor

Bitte um Erklärung (ernst gemeinte Frage): Es ist eine Realschule Plus, also keine Grundschule. Wie geht es, dass die Kinder aus der Grundschule auf eine “Mittelschule” kommen und weder rechnen und lesen können? Nochmals: ernst gemeinte Verständnisfrage. Danke

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Ale

Kurzversion:
Der Name ist eine Mogelpackung, der suggerieren soll, dass es sich um die “gute alte Realschule” handelt.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Ale

Weil das Sitzenbleiben in RLP weitestgehend abgeschafft wurde – egal, wie schlecht die Leistungen waren.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Ale

Ich nenne einmal drei mögliche Gründe:

  • Die Grundschule dauert maximal sechs Schuljahre. Wenn dann immer noch keine Versetzung in die 5. Klasse erreicht ist, wird man das Kind trotzdem nicht auf die Straße schicken…
  • “Lesen und Schreiben” ist relativ. Jemand der einfache Sätze lesen und schreiben kann ist eventuell mit “Bildungssprache” und Fachsprache, wie sie in der Sekundarstufe I langsam eingeführt wird, kognitiv überfordert.
  • Es gibt auch Schüler, die an Schulen der Sekundarstufe I “plötzlich” auftauchen, ohne dass diese vorher eine (deutsche) Grundschule besucht haben.
Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor
Antwortet  Ale

Ludwigshafen… Ludwigshafen… Da war doch was… Ah, ja: Gräfenauschule.

https://www.news4teachers.de/2023/04/40-erstklaessler-nicht-schulreif-grundschule-in-ludwigshafen-ist-kein-einzelfall/

https://www.news4teachers.de/2024/06/brennpunkt-graefenauschule-wo-praktisch-jedes-schulkind-einen-migrationshintergrund-hat-aber-die-mittel-fuer-besondere-sprachfoerderung-fehlen/

https://www.news4teachers.de/2025/05/graefenau-grundschule-wie-ein-land-dabei-scheitert-ein-kollegium-im-brennpunkt-wirkungsvoll-zu-unterstuetzen/

Mit anderen Worten, wenn Kinder nicht schulreif sind, dennoch eingeschult werden, notwendige Unterstützung aus haushälterischen Gründen nicht erfolgt, gar explizit verweigert wird… dann kann (Grund-)Schule nicht gelingen und das setzt sich dann eben weiter fort in der “weiterführenden” Schule.

Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor
Antwortet  Ale
Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Der sehr genau ein Grundproblem skizziert:

Die Politik befördert die Migration (was aus demographischer Perpektive, Stichwort “Überalterung der Gesellschaft” ja nicht ganz verkehrt ist), lässt die Schulen mit den sich daraus ergebenen Problemen (zu viele Kinder mit mangelhafter Kenntnis der deutschen Sprache) aber praktisch allein: Ohne massives zusätzliches Personal bleiben die Kinder auf der Strecke, was ein Trauerspiel ist.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Tscha, … und dann ist es auch Essig mit den so benötigten gut ausgebildeten zukünftigen Fachkräften, wenn unsere Lehrer dazu zu faul und unfähig sind. Dann müssen wir die schon im Ausland ausbilden lasssen und dann erst hierher holen …. Hmmm, läuft aber auch nicht so richtig1 ich sehe es tagtäglich … die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, die deutsche Bürokratie …. läuft auch alles nicht rund! Egal! Wir schaffen das! Träumen darf man doch noch, oder?

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Die in Wirklichkeit keiner braucht. Woher kommt sonst die hohe Zahl der Hochschulabsolventen, die derzeit den Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht finden. Und ich meine damit ingenieru- und naturwissenschaftliche Masterabsolventen. Bei bWLern und Juristen sieht es auch nicht viel besser aus. Selbst die Einstellung von jungen lehrkräften geschieht seitens der Länder nur sehr zurückhaltend. Investitionen in die Zukunft? – Fehlanzeige.
Das Prinzip auch privater Investoren lautet:

“Sparen, egal was das kostet.”

Die fehlenden Investitionen in die Energiewende weg von fossilen Energieträgern bedeutet, Selbstmord aus Angst vor dem Tod zu begehen.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Dass der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im schulpflichtigen Alter bei über 40% liegt ist aber nicht neu und auch nicht Folge der Flüchtlingswellen. Dank einer CDU/CSU, die Deutschland eben lange nicht als Einwanderungsland sehen wollte, fehlt es an entsprechenden Ressourcen.
Die Zahl der Deutschlehrkräfte mit der Zusatzqualifikation für Deutsch als Zielsprach (DAZ) ist nicht ausreichend, um die Zugewanderten entsprechend sprachlich zu qualifizieren. Das wiederum hat Auswirkungen auf alle Fächer und somit den Bildungsabschluss.

Ich habe Mitte der 2000er als Lehrkraft an einer IGS angefangen und schon damals gefrotzelt, dass eine gute GE-Lehrkraft daran zu erkennen ist, dass sie die Klassenliste am Anfang der fünften Klasse fehlerlos aussprechen kann, um die SuS aufzurufen.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Nach zehn Jahren an einer Schule mit hohem Migrationsanteil kann ich das inzwischen wirklich ziemlich gut….nur asiatische und afrikanische Namen bereiten mir mitunter noch Schwieirigkeiten

dickebank
1 Monat zuvor

Tja, man lernt im Laufe des Beruflebens dazu

Konfutse
1 Monat zuvor

Vielleicht könnte von der Berzirksregierung oder vom ADD Verstärkung abgezogen werden, die den LK hilft, Aufsicht führen oder mit einer LK im Tandem unterrichtet? Jede tatkräftige Hilfe wäre bestimmt willkommen, könnte ich mir vorstellen….

Mizkei
1 Monat zuvor

Mir fehlt hier ganz eklatant die Schulleitung. Mit keinem Wort wird sie erwähnt – nur indirekt: es gibt keine Unterrichtsausschlüsse. Gibt es die Leitung nicht? Müssen das die Kolleg:innen zusätzlich auch noch stemmen? Oder ist die Leitung ein Vogel Strauß und steckt den Kopf in den Sand?

Nnrif
1 Monat zuvor

Die Schule wäre doch mal was für den “Deutschen Schulpreis”. Auch sollte mal die Bildungsminsterin dort medienwirksam die Schule besuchen, um über wesentliche Dinge wie Digitalisierung oder Inklusion zu sprechen.

Nein? War ja klar.

Jeder, der mal an einer Brennpunktschule gearbeitet hat, weiß dass es noch Schulen gibt, die nicht mehr als Brennpunktschulen geführt werden, sondern lediglich Verwarungsanstalten sind.

Reiner
1 Monat zuvor

Was in dem Artikel natürlich nicht gesagt wird, muss es aber auch nicht, denn es dürfte allen klar sein: Der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund wird in dieser Schule sehr groß sein.