DÜSSELDORF. Ranga Yogeshwar, Deutschlands wohl bekanntester Wissenschaftsjournalist, ist in dieser Woche zu Gast beim Deutschen Schulleitungskongress (der am morgigen Donnerstag, 27. November 2025, in Düsseldorf beginnt). Im Vorfeld seines Auftritts spricht er im Podcast „Hey Diggis! So geht Lernen heute“ über die zentralen Herausforderungen des Bildungssystems – von sozialer Ungleichheit über den Lehrkräftemangel bis zum Einfluss von KI – und fordert nichts weniger als eine grundlegende Erneuerung der Schule.

In der neuen Folge des Wissenspodcasts „Hey Diggis! So geht Lernen heute“, die in Kooperation mit dem Deutschen Schulleitungskongress entstanden ist, begrüßen Viola Patricia Herrmann und Gert Mengel einen Gast, der für viele Bildungsinteressierte prägend war: den Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar. Herrmann erinnert sich daran, wie sie als Kind vor dem Fernseher saß und seine Sendungen („Quarks“) verfolgte – weil dort Naturwissenschaften endlich so erklärt wurden, dass „auch der Normalbürger es verstehen konnte“.
Der Podcast nimmt eingangs Bezug zu Yogeshwars Vortrag „Emils Welt“, benannt nach seinem 2020 geborenen Enkel – stellvertretend für junge Menschen, die die Folgen heutiger Entscheidungen tragen werden. „Für uns ist das ganz weit weg, für diese Generation wird es Gegenwart sein“, sagt er und fordert, Probleme nicht länger in die Zukunft zu verschieben.
Die Corona-Pandemie markiert für Yogeshwar einen Wendepunkt: Sie habe das Leben, Arbeiten und Lernen dauerhaft verändert. „Das war vor Corona eher die Ausnahme“, sagt er mit Blick auf digitale Vernetzung. Zugleich seien Familien durch Homeoffice, Homeschooling und veränderte Tagesabläufe stärker in die Lernprozesse ihrer Kinder einbezogen worden. Das habe unmittelbare Folgen für Schulen gehabt: Lernorte, Zuständigkeiten und Erwartungen hätten sich verschoben – und viele Kinder hätten erstmals erlebt, dass Lernen nicht ausschließlich an den Schulraum gebunden ist.
„Wir haben heute quasi neue Lehrer“ – Lernvideos und KI-Tools, die individuell unterstützen können
Ausführlich geht Yogeshwar auf den Einfluss digitaler Medien und der KI ein. „Wir haben heute quasi neue Lehrer“, sagt er – Lernvideos und KI-Tools, die individuell unterstützen können. Dass diese Entwicklung kein Selbstläufer ist, unterstreicht er mit einem Verweis auf sein Projekt „Quarks at School“, das Schulen vor Jahrzehnten per VHS-Kassette mit Lernmaterial versorgte. Wissen müsse für alle zugänglich sein: „Bildung darf kein Preisschild haben.“ Dass viele seiner Erklärvideos bis heute im Unterricht genutzt werden, bestätigt der langjährige Schulleiter Gert Mengel.
Von hier führt das Gespräch zu einer Grundsatzfrage: Welche Verantwortung trägt eine Gesellschaft für Bildung? „Es braucht ein ganzes Land, um die nächste Generation zu erziehen“, sagt Yogeshwar. Deutschland aber schneide seit Jahren mittelmäßig ab. Der Grund: soziale Ungleichheit. „Das Portemonnaie der Eltern entscheidet über die Bildungskarrieren“, sagt er. Gymnasialempfehlungen seien unfair, weil sie Herkunft reproduzierten. „Deutschland ist ein Land, bei dem diese soziale Schieflage ziemlich groß ist“, so Yogeshwar. Dass jährlich rund anderthalb Milliarden Euro in Nachhilfe fließen, sei dafür ein deutliches Zeichen – allerdings kaum von den Familien, die am dringendsten Unterstützung bräuchten.
Trotz jahrelanger öffentlicher Debatten habe sich wenig verbessert. Warum? „Ich glaube, das ist ein Mentalitätsproblem in Deutschland“, sagt Yogeshwar. Man habe sich an Defizite gewöhnt – in der Infrastruktur, bei Zukunftstechnologien und ebenso in der Bildung. Doch ohne Kurswechsel drohten gravierende Folgen.
Dazu zählt er auch die Strukturen des Bildungsföderalismus: „Bildung ist immer Ländersache und das ist absurd.“ Unterschiedliche Standards in Mathe oder Biologie erschwerten Mobilität und erzeugten Bürokratie. Gleichzeitig treffe der Lehrkräftemangel das System mitten ins Mark. „Wir haben sehr nachlässig Lehrernachwuchs gefördert“, sagt er. Während die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, fehlten junge Lehrkräfte – obwohl das Problem lange bekannt sei. Die Folgen reichten von verspäteten Einschulungen bis zu jährlich rund 50.000 Jugendlichen ohne Abschluss.
„Es gibt heute keinen Abschluss mehr“, sagt er – Lernen endet nicht mit einem Zeugnis
Yogeshwar fordert deshalb eine grundlegende Reform: „Wir brauchen eine Art Bildungsrevolution.“ Das preußische System, geprägt von Gehorsam und Gleichschritt, passe nicht mehr in eine Welt, in der Kreativität, soziale Fähigkeiten und lebenslanges Lernen entscheidend seien. „Es gibt heute keinen Abschluss mehr“, sagt er – Lernen ende nicht mit einem Zeugnis.
Besonders kritisch sieht Yogeshwar das Prinzip des Gleichschritts in Schulen: Prüfungen zur gleichen Zeit für alle, starre Erwartungen, wenig Raum für individuelles Lernen. Lernen funktioniere aber emotional – eine Erinnerung, die er aus Rückmeldungen zu seinen Sendungen kennt: Menschen, die in der Schule Physik abwählten, entdeckten durch Erklärvideos plötzlich Interesse.
Einen zentralen Verlust erkennt er in der mangelnden Förderung von Neugier: „Wir werden neugierig geboren“, sagt er – doch in Schulen werde diese Offenheit oft „pulverisiert“. Statt Fragen zu stellen, gehe es allzu oft um das Pauken für Noten. Allerdings nicht immer: Eine Lehrerin habe einmal seine Tochter aufgefordert: „Guck mal aus dem Fenster, wo siehst du überall Mathematik?“ Für Yogeshwar ein gutes Beispiel, wie Schule immer sein müsste: Lernen als Prozess, nicht als Prüfung.
Auch KI spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Zwar ermögliche sie schnelle Antworten, aber Lernen bestehe aus Fehlern, Umwegen und eigenen Entdeckungen. KI könne Bekanntes reproduzieren, aber nichts Neues schaffen. Gleichzeitig sei ihr Energieverbrauch enorm. Rechenzentren verschlängen immense Mengen Strom, während das menschliche Gehirn mit „20 Watt“ arbeite. Die Herausforderungen seien klar: technologische Entwicklung und ökologische Verantwortung müssten zusammengedacht werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs sind Fake News und Deepfakes – ein wachsendes Problem für Schulen. KI sei ein „gigantischer Verstärker“ für falsche Nachrichten; Studien zeigen, dass sich diese schneller verbreiteten als korrekte Inhalte. Besonders ältere Menschen fielen darauf herein, während Jüngere sensibler seien. In dieser Lage bekämen Schulen eine besondere Bedeutung: „Das ist einer der ganz wenigen Orte, wo man weiß, da wird nichts verkauft“, sagt Yogeshwar. Vertrauen werde zur zentralen Ressource – auch im Umgang mit KI, deren Ergebnisse stets überprüft werden müssten. Andernfalls drohe ein Zeitalter des „digitalen Orakels“.
Zum Abschluss lenkt der Podcast den Blick auf Yogeshwars Keynote beim Deutschen Schulleitungskongress. Dort will er für eine neue Haltung in der Bildung werben. Bildung dürfe nicht wie eine Raststätte verstanden werden, die man schnell hinter sich lassen wolle. Entscheidend sei der Prozess: „Der Weg, der zu einem Ergebnis führt.“ Für die kommenden Jahre fordert er ein Bildungssystem, das diese Perspektive ernst nimmt – für Emil, seine Enkelinnen und die gesamte nächste Generation. News4teachers / Nina Odenius
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grundlegende Erneuerung der Schule
grundlegende Erneuerung des Rentensystems – ach was – des ganzen Sozialsystems
grundlegende Erneuerung der Wirtschaft
machen wir es kurz und runden auf:
Deutschland hat sich abgeschafft.
Wenngleich anders als das ein ehemaliger Berliner Finanzsenator beschrieben hat.
Aber keine dieser Veränderungen wird kommen.
Selbst die Wirtschaft wendet sich schon den Blauen zu.
Wie unlängst jemand in einem anderen Zusammenhang sagte:
„Ihr hattet eure Chancen, Leute. Ihr habt diese Chancen nicht genutzt,
ihr habt sie einfach vertan“
Wer genau ist hier mit “Leute” gemeint?
“Deutschland hat sich abgeschafft.”
Im Gegenteil, Deutschland hält am Früheren wider besseren Wissens fest.
Die Verbände, die sich der AfD annähern wollen, haben hoffentlich die letzte Sitzung um Bundestag mitverfolgt: “Weidels Programm, kurz zusammengefasst: Energiewende stoppen, Rückkehr zur Atomenergie, Erdgas und Erdöl aus Russland, Deutschland den Deutschen, Ausgabenkürzungen, Steuersenkungen.” (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-im-bundestag-die-koennen-es-nicht-kommentar-a-3f27f4b5-8443-4aa7-a8d0-e2ded8a88e82)
Spricht am Ende vielleicht wieder sehe für Herrn Yogeshwars Appell an eine Bildungsrevolution zu sein – scheint auch in manchem Mittelstand bereits überfällig 😉
“Es gibt heute keinen Abschluss mehr“ und auch immer seltener einen einzelnen Arbeitsplatz fürs Arbeitsleben – “Flexibilität” und so…
“KI sei ein „gigantischer Verstärker“ für falsche Nachrichten”
Absolut, aber da sehe ich einen Funken Hoffnung. SOLLTEN die Deepfakes tatsächlich so verstörend echt ausfallen, können hier zuverlässige Quellen an Bedeutung gewinnen.
Ob ich bei BILD, Tiktok oder Youtube von Leuten “erfahre”, welche 6000€ vom Sozialamt kassieren sollen, die Schüler*innen können hier am Beispiel die eigenen Grenzen erkennen und für sich feststellen, dass diese Medien mächtig, aber nicht vertrauenswürdig sind
Ich würde auch eher zu Informationsgewinnung über offizielle Quellen wie z.B. Drucksachen auf buergerschaft-hh.de raten.
“Dazu zählt er auch die Strukturen des Bildungsföderalismus: „Bildung ist immer Ländersache und das ist absurd.“ Unterschiedliche Standards in Mathe oder Biologie erschwerten Mobilität und erzeugten Bürokratie.”
Also entweder müssen die starken Bundesländer mit ihrem Niveau nach unten (was sicher nicht passieren wird…warum sollten sie auch?) oder die schlechten Bundesländer müssen mit ihrem Niveau nach oben (was Schüler und Eltern auf die Barrikaden bringen wird, weil natürlich die Noten entsprechend absacken werden).
Was wäre eine Lösung? Noten abschaffen, damit Niveauunterschiede nicht mehr so einfach dargestellt und erfasst werden können.
Gibt es denn überhaupt unterschiedliche Standards in Fächern mit Zentralabitur?
Es gibt Leute, die diese Frage eindeutig mit “Ja” beantworten würden.
Sieh z.B. Artikel wie im Spiegel :
“Der Abiturbetrug geht in die nächste Runde”
“Besonders kritisch sieht Yogeshwar das Prinzip des Gleichschritts in Schulen: Prüfungen zur gleichen Zeit für alle, starre Erwartungen, wenig Raum für individuelles Lernen.”
Ja genau, die Lösung ist Noten abschaffen! Einfach alle Standards abschaffen! Noten und Leistung abschaffen! Dann kann jeder inividuell lernen und weil alle auf unterschiedlichen Niveaus sind, ist die Mobilität auch kein Proplem mehr 😛
Wenn Sie wirklich Akademiker/Lehrer sein sollten – dann war bereits zu den Zeiten Ihres Abiturs die Bildungsqualität schlecht. Daher extra für Sie und Ihre Upvoter: Wo hat Yogeshwar die Abschaffung von Noten und Standards gefordert?
Sie interpretieren in Aussagen einfach etwas hinein, um dann dagegen polemisieren und polarisieren zu können.
Mit anderen Worten: Sie – und Ihre Upvoter – dürften zu den Problemen gehören, nicht zur Lösung.
Da gehe ich mit – ich mach auch für jeden ganz tolle Lernstandsrückmeldungen.
Nein – wäre keine wirkliche Lösung.
Die Lösung wäre ein Fächerkanon, der mit verfügbaren Ressourcen tatsächlich unterrichtet werden kann.
Und wenn es nur Schreiben ist, dann bitte das.
Wenn es nur Chemie sein sollte, dann jenes.
Es kann nicht sein, dass alle möglichen interessanten Themen oder auch wichtigen Themen in die Schulen vorverlagert werden – insbesondere vor der Modell-Vorstellung des lebenslangen Lernens.
Auch im Studium werden Kurse gestrafft, um akkreditierbar zu sein und noch mehr Themen vor dem Bachelor oder dem Master nahe zubringen.
Die Zeiten von natürlichen Universalgelehrten sind einfach schon viele Jahr(hundert)e vorbei.
NRW hat etwa so viele Einwohner wir die Niederlande und ist größer als manche andere europäische Nachbarstaaten.
Ich kann da nicht sehen, wieso es ein Problemsein soll, dass Bildung Ländersache sein soll.
Am Ende ist es auch egal, ob auf der Länderebene oder der Bundesebene Fehler gemacht werden. Wenn die Fehler auf Länderebene gemacht werden, gibt es immerhin noch die Chance, dass nicht alle den gleichen Fehler machen.
Im Augenblick sind die Regierungen vieler Länder auch stabiler als die Bundesregierung. Das spricht nicht dafür, Kompetenzen auf die Bundesebene zu verlagern.
Bei IQB 2024-Mathematik lag der landesweite Punkteschnitt aller Schüler*innen in NRW deutlich niedriger als der Punkteschnitt der Schüler*innen mit Migrationshintergrund in den beiden Bundesländern mit den höchsten Punktwerten.
Das spielt doch für mein Argument gar keine Rolle.
Wenn Sie kein Problem in den massiven Unterschieden zwischen den Bundesländern und ihren Bildungssystemen sehen, dann sei das halt so.
Mein Argument ist, dass die Unterschiede gut sind, weil eine Vereinheitlichung ja nicht automatisch bedeutet, dass es überall besser wird. Eien Vereinheitlichung kann auch bedeuten, dass es fast überall schlechter wird.
Die Konkurrenz unter den Ländern führt zumindest dazu, dass sichtbar wird, wenn es irgendwo nicht so läuft.
Wenn das Ihre Meinung ist, werde ich das natürlich respektieren.
Ob wohl Eltern die massiven Unterschiede ebenso gut finden würden wie Sie , wenn sie mit schulpflichtigen Kindern von einem Bundesland ein anderes umziehen würden?
“dass sichtbar wird, wenn es irgendwo nicht so läuft.”
Nicht unbedingt.
Wenn z.B. in einem Bundesland 12,5% der Schüler*innen bei IQB-Lesen die Mindeststandards nicht erreicht hätten, sähe das für viele Leute vermutlich so aus, dass das besser wäre als der Bundesschnitt von 15%.
Es könnte aber trotzdem sein, dass dort 175 von 1000 Probanden die Punktzahl für die Mindeststandards verfehlt hätten.
Nicht nur das sondern auch noch so groß wie BB, BE, MV, SN, ST und TH zusammen, kommt aber mit fünf Bezirken klar.
“kommt klar” ist aber eine sehr positive Ansicht.
Andererseits wäre es natürlich schön, wen wir als Lehrer in Zukunft wie Bundesbeamte bezahlt würden.
Bei Bundesbeamten gibt es noch die Regelbeförderung, nix einmal A13 immer A13:)
Oder man übergibt die Verantwortung für die Bildung an den Bund. Dann hätten wir deutschlandweit einheitliche Lehrpläne. In der DDR ging das ja auch.
Muss ich mir Sorgen machen, dass Herr Yogeshwar sich demnächst mit Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen muss, so wortgleich wie seine Aussagen zur Pulverisierung des angeborenen Wissensdurstes durch den preußisch ausgerichteten (Physik-)Unterrichts im Gleichtakt mit stur notenorientiertem Pauken zu denen von Eltern- und Schülervertreten und anderen ist?
Oder ist das schon ein Anzeichen dafür, dass die evtl. für die Expertise hinzugezogene, ständig mit ihren eigenen Produkten gefütterte KI nur noch das Verdaute widerkäut?
Oder vielleicht ist ja etwas dran und ich sollte endlich beginnen, für meine 150+ Schülerinnen und Schüler individuell zugeschnittene Erklärvideos zu produzieren, anstelle sie jeden Morgen stehend die auswendig gelernten Physikformeln der letzten Woche im Chor rezitieren zu lassen.
Ich schätze die Arbeit von Herrn Yogeshwar, aber solche klischeebehafteten Bilder zu malen, schadet mehr, als dass es nützt.
Klischeebehaftet sind leider auch Ihre Ansichten von Eltern- und Schülervertretern – und so entwerten Sie sich selbst und schaden damit ebenfalls mehr, als dass es nützt.
„Klischeebehaftet sind leider auch […]“
Darf ich daraus lesen, dass Sie mir grundsätzlich zustimmen, dass die hier bei n4t zu lesenden Äußerungen von Herrn Yogeshwar und Eltern- und Schülervertretern klischeebehaftet und damit schädlich sind?
Sicherlich kann Herr Yogeshwar besser im Fernsehen komplexe Fragen einer gewissen Öffentlichkeit erklären als die allermeisten Lehrkräfte, von der Arbeit in der Institution Schule hat er aber nur ein sehr begrenztes Wissen, von professioneller Erfahrung ganz zu schweigen.
Was wäre, wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer in einem Fachmagazin für Wissenschaftsjournalismus die These “Wir brauchen einen neuen Wissenschaftsjournalismus” in die Welt Posaunen würde?
Wir Lehrkräfte sollten dringend unsere eigene Professionalität hinterfragen:
Warum fallen zahlreiche Kolleginnen und Kollegen immer wieder auf Promis aus den Medien rein?
Und wie groß sind Redaktion und Produktion, die ihn wie jede Lehrkraft auch unterstützen. Und wenn was nicht funktioniert kann jede Einstellung so oft wie nötig ohne Publikum wiederholt werden. Dauert das gelungene Experiment halt etwas länger als ne Einzel- oder Doppelstunde im 7. und 9. Jahrgang. Immerhin ohne Ausfälle sind das 80 Schulwochen. Mehr Physik braucht kein Mensch.
Dann kostet die “Produktion” jeder Unterrichtsstunde aber auch mehrere hundertausend Euro (Team, Örtlichkeiten, Material, Zeit). Dann ist es vorbei mit der Schule zum Billigtarif (Lehrerunterrichtsstunde so ca. 60 Euro).
Eben. Der Unterricht erhält somit mehr Wertigkeit. Wir wissen doch beide, was nix kostet, ist auch nix.
Warum ist das Material noch nicht bereitgestellt? Wo ist mein Text? Warum sind die Einspieler nicht fertig? – Ich kann so nicht arbeiten!
Professionalität würde bedeuten, dass man sich mit Kritik konstruktiv auseinandersetzt und diese nicht reflexartig ablehnt. Stellen Sie sich vor, ihr Schüler würden auch so auf Sie reagieren.
Zudem sind leider Lehrer die Konstante der Bildungsmisere, Schüler und Politiker wechseln dagegen öfter. Damit wäre für einfache Gemüter die Schuldzuweisung naheliegend, wer die Verantwortung trägt. Ihr reflexhaftes Polemisieren verstärkt dies nur noch. Daher müssen wir uns auch nicht wundern, dass Lehrer in der Öffentlichkeit pauschal gerne als “faule Säcke” angesehen werden, die zudem die Verantwortung immer nur bei anderen sehen. Vielen Dank dafür.
Sicherlich haben Sie Ihren Namen mit Bedacht gewählt, dem Sie mit unterkomplexen Formulierungen wie
“Zudem sind leider Lehrer die Konstante der Bildungsmisere…”
alle Ehren machen, mit fast schon verschwörungstheoretischen Nuancen. Jede Äußerung über “DIE Schulen” oder “DIE Lehrer” sagt eine Menge aus, allerdings nur über jene, die dies seltsam selbstbewusst im Internet posten.
Wenn Sie sich über die konkrete Schule oder einzelne konkrete Lehrkräfte Ihrer Kinder ärgern, so sprechen Sie es doch bitte vor Ort analog an, so erleuchtet sollten Sie, Herr Illuminator, doch sein,
„Es gibt heute keinen Abschluss mehr“, sagt er – Lernen ende nicht mit einem Zeugnis.
Im Gegensatz zu früher? Bullshit.
Ich fürchte, diese ganze Debatte krankt daran, dass im wesentlichen Menschen, die nie vor einer Klasse standen, Lehrern erklären wollen, was sie alles falsch machen. Ist ein bisschen wie Fußball-WM, da sitzen auch an jedem Stammtisch mindesten vier Bundestrainer.
Aber fast alle saßen Jahre lang (in der Regel mindestens 10) in einer Klasse!
Und teilweise haben sie selbst erlebt, wie ihr Wissensdurst in der Institution Schule verdurstet ist oder können es aktuell bei ihren Kindern beobachten.
Als NICHTLehrer kann ich nicht über den Lehrerberuf und die Probleme an sich sprechen, als langjähriger Schüler aber wohl über das Lernen in einer Klasse mit klassischer Struktur und lernen im Gleichschritt. Und heute als Elternteil sehe ich auch das Ergebnis.
Sorry, aber aus Schülersicht früher hat man wohl vieles noch nicht verstanden bzw. nie hinter die Kulissen gucken können und wusste noch lange nicht, wie die Arbeit als Lehrkraft wirklich ist, einmal aus deren Perspektive und dann noch außerhalb des Klassenzimmers. Als Schüler bekommt man nur einen kleinen Teil von all dem mit!
Ich fürchte, diese Debatte krankt auch daran, dass viele Lehrer Außenansichten nicht akzeptieren können oder wollen.
Viele sind Eltern und nahezu alle waren Schüler, sie kennen daher durchaus Schulen von innen – und manchmal besser, als es vielen Lehrern lieb sein dürfte.
Das Problem ist eher, dass zu viele Lehrer nicht kritikfähig sind, weil sie dies im Klassenzimmer als Angriff auf ihre Autorität wahrnehmen. Man braucht sich nur genug Lehrerbeiträge hier durchlesen, um diese Kritikunfähigkeit und mangelnde Veränderungsbereitschaft bei vielen durchschimmern zu sehen.
“Das preußische System, geprägt von Gehorsam und Gleichschritt, passe nicht mehr in eine Welt, in der Kreativität, soziale Fähigkeiten und lebenslanges Lernen entscheidend seien. „Es gibt heute keinen Abschluss mehr“, sagt er – Lernen ende nicht mit einem Zeugnis.”
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Besonders kritisch sieht Yogeshwar das Prinzip des Gleichschritts in Schulen: Prüfungen zur gleichen Zeit für alle, starre Erwartungen, wenig Raum für individuelles Lernen. Lernen funktioniere aber emotional – eine Erinnerung, die er aus Rückmeldungen zu seinen Sendungen kennt: Menschen, die in der Schule Physik abwählten, entdeckten durch Erklärvideos plötzlich Interesse.
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“Einen zentralen Verlust erkennt er in der mangelnden Förderung von Neugier: „Wir werden neugierig geboren“, sagt er – doch in Schulen werde diese Offenheit oft „pulverisiert“.”
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Kommentar ist nicht nötig. Herr Ranga Yogeshwar hat es auf dem Punkt gebracht.
Hoffentlich sind Sie keine Lehrerkollegin.
Wahrscheinlich nicht, sonst hätte sie sich vermutlich jegliche Kritik reflexartig verbeten und Außenansichten auf Schule von Nichtlehrern als grundsätzlich falsch bezeichnet.
Schließlich wissen doch alle, dass Lehrer per se immer Recht haben und falls sie sich doch mal geirrt haben sollten, dann nur mit Absicht, um andere zum Denken anzuregen.
Hoffentlich können Ihre Schüler besser mit Kritik und Anregungen umgehen.
Ja, einige Lehrer denken, dass sie alles besser wissen:-), aber es gibt bestimmt auch viele moderne Lehrer, die es gern anders machen würden, aber aufgrund der furchtbaren Bürokratie und der Umstände es nicht so können. Jedenfalls schafft es die Schule erfolgreich, dass die meisten Schüler die Lust am Lernen und die Neugierde verlieren, spätestens in der Oberstufe. Aber daran ist generell das System schuld, zu wenig Lehrer, zu wenig Geld für die Bildung, veraltete Lehrpläne, Eltern, die sich nicht für die Kinder interessieren und ein veraltetes Mindset etc.. In vielen Dingen sind die Deutschen ja sowieso recht unmodern.
Idiot hat auch einen Punkt.
dickebank auch 🙂
“Die Corona-Pandemie markiert für Yogeshwar einen Wendepunkt: Sie habe das Leben, Arbeiten und Lernen dauerhaft verändert. „Das war vor Corona eher die Ausnahme“, sagt er mit Blick auf digitale Vernetzung. Zugleich seien Familien durch Homeoffice, Homeschooling und veränderte Tagesabläufe stärker in die Lernprozesse ihrer Kinder einbezogen worden. Das habe unmittelbare Folgen für Schulen gehabt: Lernorte, Zuständigkeiten und Erwartungen hätten sich verschoben – und viele Kinder hätten erstmals erlebt, dass Lernen nicht ausschließlich an den Schulraum gebunden ist.”
Und das es sogar effizienter funktionieren kann.
“Und das es sogar effizienter funktionieren kann.”
Da muss ich Ihnen tatsächlich recht geben. Aber es gab leider auch sehr viele Verlierer in dieser Zeit…kam nicht jedes Kind mit klar.
Herr Yogeshwar mit seinem Werdegang als kreativer Denker sollte nicht auf die Mechanismen der Beschulung der Normalbevölkerung schließen. Denn die Masse benötigt einübenden Drill beim Lernstoff der strukturalen Fächer Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen.
Dieser Drill wird in der deutschen Schule unmöglich gemacht durch das Vollstopfen der Klassenräume mit völlig unterschiedlichen Menschen.
Deutschland schafft sich ab, auch im Klassenzimmer.
Deutschland schafft sich ab, weil Drill nicht mehr geht. Aha.
Lassen wir mal zu Dokumentationszwecken hier stehen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das ist von allen Leuten die was zu sagen haben UND der Mehrheit der Bevölkerung so gewollt.
Egal wie sehr es die Bildung dauerhaft schädigt.
Das mag zunächst sehr ärgerlich sein und langfristig auch wirtschaftlich fatal – ist aber klar demokratisch so gewollt, daher ist das alles rechtens und so zu akzeptieren.
Statt sich wie Rumpelstilzchen aufzuregen – lieber die positiven Effekte mitnehmen, es selbst bei den eigenen Kindern richtig machen und “Let it burn” betreiben.
Vor einem klaren Crash-Ereignis wird es keine echten Reformen geben.
Er kann gerne mal 1 Monat lang versuchen, es besser zu machen.
„Es gibt heute keinen Abschluss mehr“, sagt er – Lernen ende nicht mit einem Zeugnis.
Deshalb heißt es auch “Schulabschluss”, denn die Schule kann man durchaus abschließen (im Sinne von “beenden”) und dann anderswo weiter lernen – sobald man die Basics intus hat. Auch ich lerne heute noch Dinge, keine Frage. Aber die Schule zeigte mir, wie genau ich das mache. Dies tat sie nicht, indem sie mich machen ließ, was ich wollte. Wäre ich danach gegangen, hätte ich nämlich nur Fußball gespielt und Videospiele gezockt. Nein, es brauchte auch einen gewissen Druck von außen. Genau der soll ja abgeschafft werden und die Zeichen dafür stehen überall auf “grün”.
Gut, dann versuchen wir es und fahren mal zwei, drei Schülergenerationen an die Wand, um dann ggf. doch wieder zurückzurudern. In Zeiten, wo Schüler nicht mehr richtig lesen, schreiben und rechnen können, möchte man ihnen jetzt zudem ein iPad in die Hand drücken, an dem sie morgen für morgen selbstständig Aufgaben bearbeiten, auf die sie gerade Lust haben. Gerne mit KI, weil das ist modern und macht man jetzt so. Ja, es kann nur großartig werden.
Wenn man das für typisch halten würde, was manche hier schreiben, scheint sich mindestens eine Lehrergeneration durch Veränderungsunwilligkeit und Kritikunfähigkeit sowie pauschaler Polemisierung selbst vor die Wand zu fahren.
Man muss sie aber auch wirklich “krachen” lassen.
Nur der Aufprall kann sie lehren.
Und der kann auch noch 30 Jahre auf sich warten lassen.
Was Yogeshwar fordert, läuft auf gutes homeschooling hinaus, nicht wahr?
Herr Yogeshwar ist zu zögerlich. Alle sehen die Probleme, aber fürchten, dass eine Reform für sie erheblichen Mehraufwand bringen könnte. Deshalb wird es immer nur kleine Reförmchen geben.
Herrmann erinnert sich daran, wie sie als Kind vor dem Fernseher saß und seine Sendungen („Quarks“) verfolgte – weil dort Naturwissenschaften endlich so erklärt wurden, dass „auch der Normalbürger es verstehen konnte“.
Das ist übrigens die Fehlvorstellung, die auch viele unserer Schüler haben: Ich schaue mir ein Video an, alles logisch, ich glaube, etwas verstanden zu haben. Aber eigentlich habe ich aktiv kaum etwas denken müssen. Habe ich mir damit ernsthaftes Wissen angeeignet?
Nur weil ich mir tolle Dokus über das Alte Ägypten anschaue, habe ich kein zusammenängendes Wissensnetz, sondern nur ein paar unverbundene Informations-Inselchen…
Zugleich seien Familien durch Homeoffice, Homeschooling und veränderte Tagesabläufe stärker in die Lernprozesse ihrer Kinder einbezogen worden.
Im besten Fall schon. Ansonsten sind die Kinder halt massiv abgehängt worden…
…und viele Kinder hätten erstmals erlebt, dass Lernen nicht ausschließlich an den Schulraum gebunden ist.
Was bitte soll das denn für eine Aussage sein? Kinder haben wirklich nie zu Hause etwas gelernt, sondern nur in der Schule? Lernen fand explizit immer nur in der Schule statt?
Ausführlich geht Yogeshwar auf den Einfluss digitaler Medien und der KI ein. „Wir haben heute quasi neue Lehrer“, sagt er – Lernvideos und KI-Tools, die individuell unterstützen können.
Genau das ist doch paradox: Noch nie war es so leicht, an Informationen zu gelangen – und dennoch fällt es den heutigen Schülern unfassbar schwer.
„Bildung darf kein Preisschild haben.“
Bitte zwei Euro in das Phrasen-Schwein einwerfen!
„Es braucht ein ganzes Land, um die nächste Generation zu erziehen“, sagt Yogeshwar.
Im afrikanischen Sprichwort ist es noch ein Dorf. Heute brauchen wir ein ganzes Land, das Leben ist offenbar schwieriger geworden… Ansonsten zumindest einen Euro ins Phrasen-Schwein!
Yogeshwar fordert deshalb eine grundlegende Reform: „Wir brauchen eine Art Bildungsrevolution.“ Das preußische System, geprägt von Gehorsam und Gleichschritt, passe nicht mehr in eine Welt, in der Kreativität, soziale Fähigkeiten und lebenslanges Lernen entscheidend seien. „Es gibt heute keinen Abschluss mehr“, sagt er – Lernen ende nicht mit einem Zeugnis.
Wer früher mit 16 von der Schule gegangen ist, der hat zeitlebens gar nichts mehr gelernt? War das wirklich so?
Und auch wenn man lebenslang Neues lernt, so schließt man doch die Schule (hoffentlich) mit einem “Schul-Abschluss” ab. Ansonsten bitte weiteres Futter für’s Phrasen-Schwein…
Besonders kritisch sieht Yogeshwar das Prinzip des Gleichschritts in Schulen: Prüfungen zur gleichen Zeit für alle, starre Erwartungen, wenig Raum für individuelles Lernen.
Wenn man mehrere Personen in einem Raum unterrichtet, ist es schon sinnvoll, wenn alle in einer ähnlichen Geschwindigkeit vorankommen. Wenn ich z.B. Spanisch an der VHS lernen möchte, hilft es mir als blutigem Anfänger nicht, wenn ich in einen C2-Konversationskurs gehe – und für die anderen Lernenden ist das auch nicht hilfreich…
Übrigens widerspricht die Idee des individuellen Lernens auch nicht dem gleichzeitigen Erreichen eines Ziels. Man müsste nur andere Lernwege beschreiten, z.B. mit mehr Hilfen, anderen Bearbeitungsformen usw. Nennen wir es “Differenzierung” – und plötzlich ist es gar nicht mehr so schlecht…
Eine Lehrerin habe einmal seine Tochter aufgefordert: „Guck mal aus dem Fenster, wo siehst du überall Mathematik?“ Für Yogeshwar ein gutes Beispiel, wie Schule immer sein müsste: Lernen als Prozess, nicht als Prüfung.
Und seiner Tochter liegt jetzt Mathe, weil sie aus dem Fenster geschaut hat? Natürlich ist es grundsätzlich sinnvoll, sich zu fragen, warum man etwas lernt. Aber das ist doch grundlegende Pädagogik…
Was soll die Phrase? – Natürlich ist das Lernen ein Prozess – und dennoch muss man immer wieder überprüfen, ob das Lernen erfolgreich war. Und wenn wir es nicht “Abprüfen” sondern “Diagnostik” nennen, wird die gleiche Sache sofort positiv…
Über die Behauptung, im deutschen Schulsystem herrschten “Gehorsam und Gleichschritt” habe ich herzlich gelacht – als Praktiker erlebe ich viel eher Laissez faire und überbordende Egozentrik, übrigens auch im Kollegium.
“Ein Lehrer hat einmal seine Tochter aufgefordert, …..” Das fasst das Problem aller gutgemeinten Ratschläge der Rubrik ‘es ist doch eigentlich ganz einfach’ perfekt zusammen. 30 Schüler, maximal heterogen in Voraussetzungen und Interesse, keiner fühlt sich persönlich angesprochen, die Veranstaltung wiederholt sich zu festen Zeiten – das hat mit dieser ganz einfachen, ach so tollen Idee, sich mit seinem eigenen Kind zu befassen wenig zu tun. Lernen als Prozess, nicht als Prüfung – billig, wo ist bitte Lernen identisch mit Prüfung? Wir tun was weiß ich alles, um die Lern- und Übungsphasen so angenehm wie möglich zu gestalten, von Fordern und Fördern bleibt fast nur noch das Zweite in Dauerschleife, aber ohne jede Relativierung oder Präzisierung wird Schule mit Dauerprüfung gleichgesetzt? Das ist, freundlich gesagt, etwas unterkomplex dargestellt, vielleicht ist es auch nur die Version der Realität, die er besser ‘verkaufen’ kann.
Und es braucht neue Lehrpläne, denn es muss nicht alles unterrichtet werden, was die Menschheit an wissen hat. Der Mensch kann sich ohnehin nur nachhaltig das merken was für ihn Sinn ergibt.
Ich schätze ihn und seine Sendungen sehr, allerdings sehe ich nicht die nötige Qualifizierung im Bildungsbereich, um solche Aussagen zu treffen. Mich wundert, dass in den eigenen Reihen nicht zuerst daran gearbeitet wird, dass die genannten Dinge besser werden können. Er spricht hier von VHS Kasetten mit Bildungsvideos und den Vorteilen daraus, die ich durchaus auch sehe und erlebe (gerade in Bezug auf die schlechte Ausstattung von Schulen). Da stellt sich mir allerdings die Frage, warum dann trotzdem nach so vielen Jahren später das Urheberrecht immer noch dermaßen stark beschränkt ist, dass selbst Sendungen aus dem Bildungsfernsehen, nach einer recht kurzen Zeit wieder von Lehrern gelöscht werden müssten.
Dafür haben die sog. privaten Medien gesorgt, da sie durch die Dauerverfügbarkeit ihr Geschäftsmodell beeinträchtigt sahen. Den ÖR zutrifft daran keine Schuld
Mir geht es mittlerweile tierisch auf die Nerven, dass mir irgendwelche Leute, die vor Jahrzehnten in der Schule waren, ständig erklären, dass ich keinen Unterricht auf der Höhe der Zeit machen würde. Angeblich würde ich nichts von KI verstehen, nichts über die Herausforderungen der Zeit wissen oder erklären, die Kinder lernen nichts darüber wie sie sich im Internet verhalten müssen oder welche Gefahren im Internet lauern, sie würden angeblich nicht lernen, wie man Fake News enttarnt, etc. All das läuft bei uns tagtäglich. Leckt mich doch alle am A…..
Das ganze Konzept ist hier falsch: Es werden von Außenstehenden Revolutionen gefordert und der Ist-Zustand massiv kritisiert, aber alles wirkt wie Wolkenkuckucksheim und ahnungslos, denn der Experte testet seine Wünsche nicht durch einen Dialog mit Menschen, die tatsächlich in Schulen arbeiten. Und es ist nun einmal so: Wenn es keine Prüfungen und Noten in diesem System geben würde, in dem 30 Personen in kleine Räume gestopft werden, gäbe es gar kein Lernen mehr. Das, was hier gewünscht wird, funktioniert in Gruppen mit vielleicht 12-15 Personen und hervorragender technischer und materialer Ausstattung. Solange keine Bereitschaft da ist, das zu finanzieren, gibt es auch keine Bildungsrevolution. Und natürlich braucht man grundsätzlich Prüfungen, um das Beherrschen von Kompetenzen nachzuweisen. Mir graut vor einem Arzt, der keine Prüfung bestehen musste. Und als würde es etwas ändern, wenn Prüfungen zu unterschiedlichen Zeiten abgelegt werden können: Es würden bloß viele den Prüfungstag hinausschieben. Das gibt es übrigens schon heute und nennt sich „Nachschreibarbeit“, weil eine ganze Reihe von Eltern nur zu gerne die Entschuldigung für den Haupttermin unterschreiben. Der Bildungspromi, der hier ohne jede kritische Gegenfrage der Redaktion seine Meinung ausbreiten darf, hat offensichtlich auch keinerlei Kenntnis von Differenzierung, die an Schulen täglich stattfindet, obwohl das die Arbeitsbelastung noch einmal extrem erhöht. Ich sehe nur Vorurteile und Behauptungen, aber nichts Überzeugendes. Und „preußisch“ ist an der heutigen Schule wirklich gar nichts (mit Ausnahme der Idee der Allgemeinbildung und die ist mit Sicherheit verteidigungswert).
“Und als würde es etwas ändern, wenn Prüfungen zu unterschiedlichen Zeiten abgelegt werden können: Es würden bloß viele den Prüfungstag hinausschieben.”
Gerade Klassenarbeiten zu bestimmten Zeiten geben Struktur, teilen die Lerninhalte in leistbare Stücke ein. Gerade wenn man in jedem Fach Prüfungen hat, ist das sinnvoll.
Der große Unterschied wäre eine Mehrbelastung für uns Lehrkräfte, wenn man jede Woche eine neue, aber vergleichbare Arbeit erstellen muss.
Die einzig praktikable Alternative wäre es m.E., ähnlich wie beim Führerschein einen Pool mit z.B. 500 Aufgaben zu erstellen (inklusive Freitext-Aufgaben und materialgestütze Aufgaben) und daraus für Prüfung einfach 20 Aufgaben zufällig zusammenzustellen.
Das können wir gerne machen, die meisten SuS werden daran aber scheitern…
Alle paar Wochen fordert das irgendwer, nur der Beamtenapparat im jeweiligen Bundesland verhindert es konsequent.
Resultat: https://www.rosalux.de/news/id/53875/boom-der-privatschulen
Eltern mit Geld wissen das also längst und schicken ihre Kinder auf Privatschulen, Kinder ohne Lobby können in die Ruinen mit den verbeamteten Lehrern.
Interessant in diesem Zusammenhang:
Selbst die linke GEW kämpft in Baden-Württemberg lieber gegen Realschulen als gegen Privatschulen, elbst die esoterische Waldorf-Pädagogik wird dort bei manchen noch als fortschrittlich gefeiert.
Generell wäre ich für ein ähnliches Modell wie in den angelsächsischen Ländern, zumindest in den oberen Klassen. Nur wenige Pflichtfächer (z. B. Mathe, Deutsch, Englisch und Sport). Aus den Bereichen Naturwissenschaften (Informatik, Bio, Chemie, Physik), Fremdsprachen, Geisteswissenschaften (BWL, Geschichte, Geographie, Ethik) und künstlerische Fächer (Musik, Kunst, Schauspiel, kreatives Schreiben) wählt das Kind jeweils ein Fach aus. Da kommt man auf auf sieben bis acht Fächer. Weitere Fächer können vom Schüler freiwillig im Selbststudium belegt werden (gerade bei Geisteswissenschaften bietet sich das an). Die Benotung beim Selbststudium kann über Projektarbeit oder indem die Schüler nur an den Prüfungen teilnehmen.
Unser Abitur gehört zu den Abschlüssen, bei denen man im internationalen Vergleich am meisten Fächer belegen und einbringen muss.
Man kann das gerne reduzieren. Konsequenterweise sollte man dann aber mit dem Abschluss auch nicht mehr alle Fächer studieren können. Das ist in den meisten anderen Ländern so nämlich auch nicht mehr möglich.
Kein Geld für Bildung. Konsequenz: Absenkung der Anforderungen und geringeres Bildungsniveau an allgemeinbildenden Schulen; daraus folgt: Abitur für Viele, und damit Bedeutungsverlust des Abiturs, denn wenn Alle Abitur haben, hat keiner mehr Abitur; damit keine wirkliche Studierfähigkeit vorhanden und somit Absenkung der Anforderungen…. Die Spirale dreht sich weiter… .
Konsequenz: Eine Gesellschaft, bis auf die „ Wissenselite“, die auf Populismus gut findet.
„Ein dummes Volk regiert sich gut.“ Und nun… .
Achso, … so eindimensional darf man das ja nicht sehen.
Als Wissenschaftsjournalist dürfte er wohl keine Unterrichtserfahrung haben und den Schulbetrieb nur aus Schülersicht kennen. Die Theorie ist uns auch allen geläufig, scheitert leider an so vielen Baustellen, vielleicht sollten die Wissenschaftler eher da mal ansetzen.