Home Politik Streit um vermeintlich faule Lehrkräfte: CDU fordert plötzlich Arbeitszeiterfassung

Streit um vermeintlich faule Lehrkräfte: CDU fordert plötzlich Arbeitszeiterfassung

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STUTTGART. Die CDU Baden-Württemberg will nach einem Sieg bei der anstehenden Landtagswahl nach eigenem Bekunden gegen «dauerhaft mangelnde Leistungsbereitschaft» in den Kollegien vorgehen – wehrt sich aber gegen den Vorwurf, mit dieser Ankündigung Lehrkräfte-Bashing zu betreiben. Neueste Volte: Die Christdemokraten fordern plötzlich die Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte. 

Zauber, zauber. (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

Nach Kritik an CDU-Plänen zu Sanktionen für Lehrkräfte mit mangelnder Leistungsbereitschaft fordert die Partei eine «differenzierte Auseinandersetzung». Diese habe es rund um die Passage im Wahlprogramm bislang nicht gegeben, stattdessen hätten Akteure für Schlagzeilen ein Klischee über Lehrkräfte bespielt, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Sturm, im Landtag in Stuttgart (und unterschlug dabei, dass es die CDU war, die in ihrem Wahlprogramm wenig differenziert implizite Lehrerschelte betrieben hatte).

Handlungsbedarf sieht Sturm – plötzlich – bei der Verteilung der Arbeitszeit zwischen einzelnen Lehrkräften. Er zitierte eine Studie der Universität Göttingen, wonach die Streuung der wöchentlichen Arbeitszeit zwischen einzelnen Lehrkräften mit gleichem Deputat bei 14 Stunden liege. «Das heißt: Manche Lehrkräfte arbeiten sieben Stunden mehr, andere sieben Stunden weniger», sagte Sturm. Die Ergebnisse der Studie stammen aus Berlin und Hamburg, die Zahlen seien aber vermutlich für Baden-Württemberg ähnlich.

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Fairness und Gleichbehandlung?

Sturm zitierte aus der Studie, dass das System der Deputate zu großen individuellen Schwankungen führen könne, wenn Lehrkräfte zusätzliche Aufgaben übernähmen. Fragen der Fairness und Gleichbehandlung blieben demnach ungelöst. Der Begriff Deputat beschreibt, wie viele Unterrichtsstunden eine Lehrkraft wöchentlich zu leisten hat. Neben dem Unterricht haben Lehrkräfte aber noch weitere Aufgaben wie die Korrektur von Arbeiten oder die Vorbereitung von Unterricht.

Darauf müsse man als Politik eine Antwort finden, sagte Sturm. Engagierte Lehrkräfte dürften nicht mehr ausbrennen, weil sie über ihre Belastungsgrenze gingen. Aus Sicht von Sturm braucht es deswegen eine Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte und Handlungsmöglichkeiten für Schulleiter. Es bedürfe einer validen Bemessungsgrundlage, sagte der Abgeordnete. Zudem müssten Schulleiter auf Ungleichgewichte reagieren können. «Dabei geht es nicht um Druck, sondern um ein Instrument zur Entwicklung, Förderung und Stärkung des Lehrerkollegiums.»

Instrumente gegen «dauerhaft mangelnde Leistungsbereitschaft»

In ihrem Wahlprogramm ist davon allerdings nichts zu lesen. Dort fordert die CDU mehr Druck auf Lehrkräfte, die ihre Pflichten nicht erfüllen. Nach Plänen der Partei sollen sich die Verantwortung und das Leistungsprinzip im Lehrerberuf künftig stärker niederschlagen.

«Wir versetzen Schulleitungen in die Lage, Engagement, Verlässlichkeit und besondere Leistung zu honorieren und schaffen dafür nachvollziehbare Kriterien sowie geeignete Evaluationsinstrumente», heißt es im Wahlprogramm, das der Parteitag in Heidelberg beschlossen hat. Die Christdemokraten pochen darin außerdem auf Instrumente, um «dauerhaft mangelnde Leistungsbereitschaft und Pflichtverletzungen» bei Pädagogen zu adressieren. An dem Vorstoß hatte es heftige Kritik seitens der GEW und des VBE gegeben.

Die CDU hat gute Chancen, die Landtagswahl im März tatsächlich zu gewinnen. Sie liegt in Umfragen deutlich vor den Grünen, die bislang den Ministerpräsidenten (Winfried Kretschmann) stellten. Allerdings rückt den Christdemokraten die AfD auf die Pelle. News4teachers / mit Material der dpa

CDU-Spitzenkandidat versucht, sich auf Kosten von Lehrkräften zu profilieren (GEW: “Unwählbar”)

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Götz
1 Monat zuvor

Das wird nichts. Kräfte und Gegenkräfte formieren sich und alles bleibt so ungerecht wie es ist.

Petra OWL
1 Monat zuvor

Die Arbeitszeiterfassung muss kommen!!!
Runter von den 41 Stunden, hin zur 35 Std Woche mit Homeoffice.
Flexibles Arbeiten ist hier das Stichwort.
5 Tage voll im Raum, 30 Menschen mit Viren dabei passt da nicht mehr.
Wir sind doch online gut dabei?!

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Petra OWL

@Petra OWL

Ist das oben auf dem Foto dein Original-Terrassen-Hasi, von dem du uns immer erzählst? 😉

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Nur, wenn er goldene Ostereier legt. Und kurz vor der Rente steht.

SCNR

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Ohh, der ist aber süß!! 😉

the Dude
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Nee, das mit Brille unten. Der Hase wirkt sympathisch

Wolfgang
1 Monat zuvor
Antwortet  Petra OWL

Liebe Petra,
du bist die Größte 🙂
Wie du dich für Veränderung einsetzt und Schule denkst ist großartig.
Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Möglichkeiten von Heimunterricht und digitalen tools wird noch gar nicht genutzt.
Homeoffice geht auch für Schule.
Hab eine schöne Adventszeit

JonasG
1 Monat zuvor

Was soll sich ändern? Stempeluhren an den Schulen? Eigene Angaben in einer App?
Für Burnout Kollegen wird sich sowieso ja dann nichts ändern. An Entlastungen glaube ich hier wenig. Und “geschickte” Lehrkräfte lassen dann nebenbei Zuhause eben die Arbeitszeiterfassung laufen…..

Ich freue mich schon wenn jedem Sportkollegen dann direkt jedes zweite Amt aufgedrückt wird. Natürlich ohne finanziellen oder entlastungstechnischen Vorteil. Denn den darf sich das Land dann klemmen…

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  JonasG

In anderen Berufen, vor allem im Hime Office, klappt Arbeitszeiterfassung doch ganz hervorragend. Wieso soll es bei Lehrern nicht funktionieren?

Tabasco
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Zum Beispiel weil ArbeitsZEIT nicht gleich ArbeitsBELASTUNG ist, was jedem einleuchtet, der sich mal vorstellt, wie es ist, vier Stunden am Stück 30 SuS in einem Hallendrittel im Ballspiel zu unterrichten, während in den anderen Hallendritteln Ähnliches stattfindet…

mama51
1 Monat zuvor
Antwortet  Tabasco

Oooooh jaaaaa! 🙁 Das stimmt genau!

Karl Heinz
1 Monat zuvor

Arbeitszeiterfassung ist ein schöner, aber zunächst unnützer Begriff
wichtig wird sein, wie man ihn rechtlich definiert und praktisch ausgestaltet.
und da traue ich der CDU/CSU alle Gemeinheiten zu

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Das sehe ich auch so.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Man kann die Arbeitszeiterfassung natürlich so unbequem wie möglich machen durch eine entsprechende App, die einen in den Wahnsinn treibt…

ABER: Auch die Arbeitszeiterfassung ist Arbeitszeit. D.h. wenn der Dienstherr es will, dass er aus reinem Misstrauen eine App baut, bei der man täglich eine Zeitstunde zur (über-)korrekten Arbeitszeiterfassung vergeudet… dann soll es so sein!

Mr X
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Für die app brauche ich zunächst mal ein Dienstgerät sonst läuft da gar nix.
Ich hab nämlich kein Smartphone, das für dienstliche Zwecke zur Verfügung steht.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Für Arbeitszeiterfassung gibt es gesetzliche Vorgaben. Erfasst werden darf nur: „arbeitet von bis, Pause von bis“. Der AG hat keinen Rechtsanspruch darauf, die genaue Art der Tätigkeit (Korrektur, Unterricht, Elterngespräch,…) zeitlich zu erfassen.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Arbeitszeiterfassung ist keine Leistungserfassung.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Genau

Henni
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Wollt Ihr nun Arbeitszeiterfassung oder nicht? Oder geht es weiterhin nach fühlifühli? Wenn ich den ganzen Nachmittag nichts mache und abends nochmal von 21 bis 22 Uhr arbeite, habe ich nämlich NICHT “den ganzen Tag bis 22 Uhr” gearbeitet.

PatOber
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Ich bin absolut PRO-Erfassung. Und Einhaltung von wöchentlichen Höchstarbeitszeiten, gesicherten Pausenzeiten usw.

Ich bin täglich allein mindestens 5:30h in der Schule, eher 6h. Wenn ich dann Mo-Fr abends noch ,,ne Stunde’‘ schaffe von 21-22 Uhr (LoL), habe ich schon fast 35h. Wer das hinbekommt: Hut ab.

Die Realität ist aber eher: Mo-Fr plus 3-4h (Vorbereitung, Korrekturen, Verwaltung), plus Sa 3-4h plus manchmal So (so im Schnitt), zB für Sonderprojekte, Liegengebliebenes usw. Selbst bei knausrigem Rechnen komme ich locker auf 45h pro Woche, in Spitzenzeiten (vor den Herbst-, Winterferien, Zeugnissen, Osterferien) geht das natürlich nach oben.

Und wie die das mit der Aufsicht während der Klassenfahrt machen, würde mich echt interessieren . Oder wird das dann ne ,,normale Vollzeitwoche‘‘? So 24/5 Bereichschaft, Troubleshooting, Orga…

Henni
1 Monat zuvor
Antwortet  PatOber

Wenn es in der Unterrichtszeit keine Überstunden mehr gibt, wie sollen dann die Ferien aka unterrichtsfreie Zeit geregelt werden? Unterricht findet ja dann nicht statt… was passiert in diesen wochen?

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Nicht dein Problem, denn dafür ist der Arbeitgeber Arbeigeber. Er muss dir eine deinem Qualifikationsprofil angemessene Arbeit zuweisen.

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Die Rechnung ist relativ einfach, man muss sich lediglich auf die Parameter einigen:
Arbeitnehmerarbeitstage/Schultage*Wochenarbeitszeit
Arbeitstage gibt es je nach Bundesland ca. 250, davon gehen Urlaubstage ab, zwischen 28 und 30, also etwa 222 Arbeitstage. Schultage hat das Jahr, ebenfalls bundeslandabhängig, etwa 200. Bei der Wochenarbeitszeit sprechen wir von 41 bei Lehrern über 38,5 bis 35 bei Arbeitnehmern.
Es ergibt sich für die ferienbereinigte Wochenarbeitszeit von Lehrern ein Wert zwischen 45,5 und 38,9 Stunden pro Schulwoche (41h/w vs 35 h/w). Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass Arbeitnehmer Krankheitstage in den Ferien gutgeschrieben bekommen (vielleicht 3-5 pro Jahr). Außerdem wären dann Schulferien für Lehrer komplett frei.
Man sollte den Effekt von unterrichtsfreien Tagen (Schulferien) nicht unbedingt überschätzen.

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Ich bin gerne offen für Korrekturen.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Canishine

Bitteschön: Ich habe aktuell 100 Klausuren zu korrigieren.

Anne
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Warum sollte es wegen der AZE in der Unterrichtszeit keine Überstunden mehr geben? Im Gegenteil, dann werden diese Stunden endlich mal offiziell erfasst.

Henni
1 Monat zuvor
Antwortet  Anne

Ähm. Weil generell permanent auf die paar Wochen hingewiesen wird, wo überbordende Mehrarbeit geleistet wird und auch hier im Forum ständig betont wird, dass man ja nach 8 Stunden den Griffel fallen lassen soll.
Die AZE, auf die hier alle schielen wird im Schulbetrieb nicht funktionieren, weil dieser im Kern auf dem Um-die-Ferien-herum Arbeiten ausgerichtet ist.
Ich würde es allen gönnen, in einem gemäßigten Flow über das Jahr zu arbeiten, ohne Belastungsspitzen. Aber das Problem ist: Es geht ausschließlich darum, die Ferien zu legitimieren. Und dafür sind nunmal Überstunden notwendig.
Auch hat niemand eine Antwort auf die Frage nach den Minusstunden, die mit Sicherheit bei Sport-, Musik-, Religionslehrern anfallen. Nachdem niemand eine Idee hat, wie man Lehrer außerunterrichtlich beschäftigen kann, wird dieses Problem vermieden. Eben durch fehlende AZE. Hat eh niemand Kontrolle, was überhaupt erfasst wird (“Zeitung lesen”)

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Auch Sportlehrer begleiten Kinder auf Wettkämpfe, leiten AGs oder verwalten iPads, sind Klassenlehrer, Musiklehrer leiten Chöre oder Orchester, planen Weihnachtkonzerte, Musicals, schmücken die Pausenhalle, planen Tage der offenen Tür, schreiben Curricla, setzen vergessener Passwörter zurück, beraten Eltern, Religionslehrer organisieren Gottesdienste, führen spezielle Fahrten und Ausflüge durch usw. Auf zu viele Minusstunden würde ich da nicht wetten (zumindest nicht an meiner Schule).
Zum „Zeitung lesen“. Ich würde mir das abendliche Gespräch über ein problematisches Experiment, das Überlegen über den Umgang mit einem schwierigen Schüler unter der Dusche oder im Auto usw. nicht als Arbeitszeit anrechnen wollen, aber sehe dann auch nicht ein, dass ich nur auf den Startkopf der Stoppuhr drücken darf, wenn es klingelt oder ich das Heft zur Korrektur aufschlage, wenn ich in der Schule bin, wie es gewisse Arbeitszeitmodelle vorsehen.

PatOber
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Ich beschwere mich nicht über Überstunden, ich will nur eine Erfassung. Es geht um Transparenz, nicht um Arbeitsvermeidung.

Mein Job ist intensiv, macht Freude (meistens), aber ist eben auch extrem stressig. Überstunden gehören dazu, sollten sich aber in einem fairen Rahmen bewegen, wie bei jedem gut, aber nicht spitzenmäßig bezahlten Job.

Und wenn ich nachweislich mehr oder zuviel arbeite, was ich aktuell ja nicht rechtssicher nachweisen kann, erwarte ich entsprechende Kompensation – monetär oder im Deputat, oder durch praktische Entlastung. Darum geht es beim Thema Az-Erfassung!!

Konfutse
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Man arbeitet ja quasi vor. Wenn ich in der Woche als Vollzeitkraft auf meine 45 Std. komme, sind die Ferien oder die unterrichtsfreie Zeit abgegolten. Ich habe ja leider nicht mehr nur zu unterrichten und nachzubereiten, das wäre herrlich. Ich bin vielmehr mit Verwaltungskram beschäftigt, hinzu kommen Elterngespräche, Betreuung von Azubis, Konferenzen usw., da gibt es einiges, was noch nebenher erledigt werden muss. Ein Büro in der Schule wäre klasse. Da könnte ich am Tag Elterngespräche, Vorbereitung, Nachbereitung, runde Tische, Konferenzen, also alles, was so anfällt, erledigen. Heimkommen und Feierabend! Traumhaft: Ich würde um 7:00 antanzen und um 16:30 den Stift fallen lassen.

Heinz
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Wollte ich gerade auch sagen. Wenn die App bescheiden sein sollte, dann ist mir das doch egal, geht mit von der Arbeitszeit ab.

Was halt klar sein muss, dass man sich nicht mehr mit Geld Freizeit erkaufen kann, wie z.B. die Kollegen die ihr ganzes Geld für diverse Arbeitsblätter o.ä. ausgeben … und das ist auch gut so.

Onkel Thomas
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Zu erfassen ist NUR:

  • Beginn / Ende der Arbeitszeit
  • Pausen

Die Frage ist eher, ob die CxU sich an Ihre Wahlversprechen erinnert.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Jepp, und wir werden uns wundern, was seitens der übergeordneten Behörden alles in den Bereich “dienstliche Verpflichtungen” hinzudefiniert wird, wenn die merken, dass die deutliche Mehrheit der LuL über der zulässigen Arbeitszeit liegen.
Der Schlüssel ist dann die zugemessene Zeit für die jeweiligen dienstlichen Teilaufgaben und der dann folgende Vorwurf, dass die betroffenen LuL eben nicht ausreichend zeiteffektiv arbeiten.
Der “Schwarze Peter’ ist bereits im Vorfeld aller denkbaren Maßnahmen klar bestimmt … und daran wird festgehalten.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Ach, die CDU will sich nur mit fremden Federn schmücken und sich als Pioniere der Arbeitsteiterfassung feiern – wer auch immer die zuvor bremste 😀
Nachtigall, ich hör Dir trapsen

Peter Parker
1 Monat zuvor

Herr Sturm bezieht sich wohl auf diese Studie:
https://kooperationsstelle.uni-goettingen.de/projekte/arbeitszeit-arbeitsbelastung-berlin

Was er leider vergessen hat zu erwähnen ist, dass die Streung von +-7Stunden sich nicht auf die Sollarbeitszeit bezieht, sondern auf die im Schnitt mehr als 2 unbezahlte Überstunden pro Lehrer und Woche! Laut der Studie wird die Jahresarbeitszeit im Schnitt um 100 Stunden pro Jahr überschritten!

Da Herr Sturm ja ähnliche Zahlen für Baden-Württemberg vermurt, wie gedenk er die järlich anfallenden 10Millionen! unbezahlte Überstunden der Lehrer (Überstunden * Anzahl LehrerBW) abzubauen? ->Das wär doch mal eine interessante Frage an Herrn Stum 😉

Ale
1 Monat zuvor

Habe nur ich Angst bei dem Satz “Das heißt: Manche Lehrkräfte arbeiten sieben Stunden mehr, andere sieben Stunden weniger», sagte Sturm.” Für mich hört es sich so an, dass die Kollegen die mehr arbeiten zur Schulleitung zu einem Gespräch eingeladen werden, was sie falsch machen. Oder zu einer verpflichtenden Fortbildung, wie man effektiver den Arbeitstag gestalltet. Gab es doch bei uns bei den Junglehrern schon 2 Jahre lang. Das wäre wiederum genau das Gegenteil von dem, was wir uns erhoffen.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Ale

Ich denke schon, dass Lehrer mit aufwendigeren Korrekturfächern wie Deutsch wahrscheinlich wirklich mehr arbeiten als andere Lehrkräfte. Wer nur Nebenfächer unterrichtet, muss auch nie eine Erst- oder Zweikorrektur einer Abschlussprüfung machen (von der gymnasialen Oberstufe mal abgesehen).

Konfutse
1 Monat zuvor

Das stimmt absolut, was z.B. die Prüfungskorrekturen angeht. Was aber auch nicht verschwiegen werden darf, ist der immense Aufwand, den man als Klassenlehrer hat oder Mentor von Referendaren ist.
Nicht zu unterschätzen sind ebenfalls 1-2 stündige Fächer wie G, GK, EK, Bio, Physik, Reli, Ethik, Musik usw. Da hat man aufgrund der geringen Stundenzahl dafür mehr Klassen zu versorgen. Und wenn man als Lehrkraft in diesen Fächer gewissenhaft arbeitet, dann hat man ganz schön zu tun. Ich sitze weniger am Schreibtisch mit einem Korrekturfach in 2 verschiedenen Klassenstufen und einem weniger intensiven Hauptfach (Technik) und nur einem Nebenfach als mein Mann mit drei Nebenfächern (und er ist trotzdem auch Klassenlehrer). Er hat erheblich mehr Klassen und damit auch mehr Schüler in der Woche zu unterrichten als ich. In jedem Nebenfach 2 Klassenarbeiten im Halbjahr in schätzungsweise 8 (und mehr) verschiedenen Klassen, dazu Hefte benoten, Tests schreiben und Bewertung von praktischen Abgaben…da kommen schon einige Stapel zusammen. Natürlich gibt es auch Kollegen, die da sparsamer arbeiten, was den Aufwand von Vor-und Nachbereitung angeht, auch in den Hauptfächern. Deshalb wäre beispielsweise eine Anwesenheitspflicht (Büro mit Computer, Telefon) gar nicht so schlecht. Da arbeitet man eben sein Zeug ab und hat dann zuhause keinen Kram liegen, am WE auch nicht. Und wenn jemand vor lauter Quatscherei und Kaffeetrinkerei im Büro seine Brocken nicht schafft, dann muss der halt am WE oder in den Ferien ran. Das würde möglicherweise auch beim einen oder anderen effektives Arbeiten trainieren.

Henni
1 Monat zuvor

Nach der quantitativen Erfassung muss die qualitative Erfassung kommen.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Na, da bin ich aber mal gespannt, wie Henni sich das so vorstellt!

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Henni

Haben wir schon die quantitative Erfassung?

Unfassbar
1 Monat zuvor

Ganz offensichtlich hat der Dienstherr ein großes Misstrauen in seine Lehrer. Andernfalls gäbe es eine Vertrauensarbeitszeit.

Eine mögliche Lösung, Anwesenheitspflicht am Dienstort, ist aber wegen der dann für jeden Lehrer, nicht nur jede rechnerische Vollzeitstelle, erforderlichen Büroarbeitsplatz nicht umsetzbar. Zwei Halbtagskräfte können sich unmöglich einen Büroarbeitsplatz teilen.

Eine zweite Lösung, übertarifliche Bezahlung ohne Fedtlegung der Arbeitszeit wie sie beim Management in großen Firmen üblich ist, ist dem Land zu teuer und/oder würde Vertrauen des Dienstherren voraussetzen.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ganz offensichtlich weiß der Dienstherr, dass leider immer noch viel zu viele Lehrer wegen der “strahlenden Kinderaugen” unbezahlt Überstunden machen. Solange dies so bleibt, hat er gar kein Interesse daran, die Arbeitszeit zu erfassen.

BBS-Lehrer
1 Monat zuvor

Naiv, wer die Erfassung der Arbeitszeit als ein Instrument als Lösung seiner Zeitmanagementprobleme ansieht.
Man sieht doch, dass der wahre Treiber hinter einer Zeiterfassung für Lehrer nicht der Wunsch nach Gerechtigkeit, sondern ein Misstrauen gegenüber Lehrern ist. Wenn die Wirtschaft schwächelt, muss gespart werden. Sprich, wir sollen mehr arbeiten ohne mehr Gehalt.

Caro
1 Monat zuvor

Ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt und über das ich problemlos ein ganzes Buch schreiben könnte. Dafür reichen jedoch weder meine Zeit noch der Platz an dieser Stelle aus.
In deutschen Schulen läuft seit einigen Jahren einiges schief. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die Arbeitszeit der Lehrer. Es sollte jedem klar sein, dass zur Tätigkeit einer Lehrkraft auch umfangreiche Vor- und Nachbereitungen gehören. Das eigentliche Problem liegt vielmehr im Mangel an Motivation und pädagogischer Vernunft. Diese können jedoch nicht von außen verordnet werden, sondern müssen von jeder Lehrkraft gemeinsam mit den Schülern erarbeitet werden.
In einem Gespräch mit einem ehemaligen Lehrer wurde deutlich, dass sich der vermittelte Wissensstand über die Jahre kontinuierlich verringert hat. Er sprach davon, dass pro zehn Zeitjahren etwa ein Schuljahr an Wissen verloren gehe. Seine Erklärung: Lehrer sind auch nur Menschen und wählen häufig den für sie bequemsten Weg. Es gibt klare Erwartungen an Lehrkräfte – etwa, dass das Klassenziel erreicht wird. Ist dies nicht der Fall, wirkt sich das negativ auf die Leistungsbewertung der Lehrkraft aus und führt zu erheblichem Mehraufwand, beispielsweise durch das Wiederholen von Klassenarbeiten. Um dies zu vermeiden, werden die Anforderungen schrittweise gesenkt. Das Ergebnis ist ein kontinuierlicher Qualitätsverlust, der die Bildung in Deutschland inzwischen in eine sehr kritische Lage gebracht hat.

Was kann man verbessern?
1. Lehrer müssen Schüler motivieren und Freude am Lernen vermitteln
Da auch Schüler den natürlichen Hang zum bequemsten Weg haben, ist es Aufgabe der Lehrer, ihnen zunächst zu vermitteln, dass Wissens­erwerb Spaß machen kann und dass es bereichernd ist, im Leben über ein solides Allgemeinwissen zu verfügen.
2. Schulreformen kritisch hinterfragen und teilweise rückgängig machen
Die klare Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium sollte wieder gestärkt und die Inklusion deutlich zurückgefahren werden. Nachhaltiger Unterricht ist nur in relativ homogenen Lerngruppen möglich. Menschen sind von Natur aus unterschiedlich leistungsfähig, haben verschiedene Stärken, Schwächen und eine unterschiedliche Leistungsbereitschaft. Werden diese Gruppen zwanghaft vermischt, sinkt die Leistung aller: Leistungsstarke Schüler verlieren den Anreiz, ihr Potenzial auszuschöpfen, während leistungsschwächere Schüler resignieren, da sie den Anschluss als unerreichbar empfinden.
3. Unterrichtszeit konsequent für Unterricht nutzen
Lehrer sollten im Unterricht tatsächlich unterrichten und sich nicht von Gesprächen über private Interessen ablenken lassen. Wenn eine ganze Unterrichtsstunde über die Kinder der Lehrerin, ihr Pferd oder den Beruf des Partners gesprochen wird, wird wertvolle Unterrichtszeit verschenkt.
4. Digitalisierung deutlich zurückfahren und sinnvoll einsetzen
In der Digitalisierung müsste man zunächst mehrere Schritte zurückgehen. Viele Lehrkräfte nutzen digitale Möglichkeiten unstrukturiert und ohne ausreichende Planung. Beispiele dafür sind:

  • Hausaufgabenfür den näcshten Tag, die erst spät abends 22.30 Uhr online verschickt werden, weil sie im Unterricht vergessen wurden
  • kurzfristige Mitteilungen am Morgen, obwohl Schüler bereits seit Stunden unterwegs sind
  • Vokabellisten, die in der letzten Ferienwoche versendet und direkt nach den Ferien abgefragt werden
  • Aufforderungen zur Handynutzung im Unterricht, obwohl an der Schule eigentlich ein Handyverbot gilt

Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein und darf nicht auf Kosten von Planbarkeit und Fairness gehen.
5. Objektive und faire Leistungsbewertung sicherstellen
Ein besonders gravierendes Problem ist die fehlende Objektivität bei Leistungsbewertungen, die in manchen Fällen offensichtlich nichts mehr mit der tatsächlichen Leistung, sondern ausschließlich mit der Person des Schülers zu tun hat. Mir ist ein konkreter Fall aus dem direkten Umfeld bekannt:
Nach einem Lehrerwechsel, erhielt Schüler A – bisher nur bute Bewerungen – nur noch mangelhafte oder ungenügende Bewertungen – unabhängig vom tatsächlichen Inhalt und der Qualität seiner Arbeiten. Selbst dann, wenn seine Leistungen objektiv mit denen anderer Schüler vergleichbar oder sogar besser waren, blieb die Bewertung konstant schlecht. Schülerin B hingegen erhielt bei derselben Lehrkraft nahezu durchgehend die Note „sehr gut“, selbst bei offensichtlich schwächeren Leistungen.
Wie kann es sein, dass eine Antwort des Schülers A als Unsinn abgetan wird, dieselbe Antwort aber – von Schülerin B wörtlich wiederholt – plötzlich als hervorragend gilt?
Um dieser wahrgenommenen Ungerechtigkeit auf den Grund zu gehen, entschieden sich die Schüler der  Klasse zu einem Experiment: Die Schüler A und Schülerin B tauschten bei einer schriftlichen Leistungskontrolle ihre Arbeiten aus und gaben diese jeweils unter dem Namen des anderen ab. Das Ergebnis war eindeutig und erschreckend zugleich. Die von Schüler A erstellte Arbeit wurde mit der Note „sehr gut“ bewertet, da sie unter dem Namen von Schülerin B abgegeben wurde. Die tatsächlich von Schülerin B erbrachte Leistung hingegen wurde mit „mangelhaft“ bewertet, da sie unter dem Namen von Schüler A eingereicht wurde. Dasselbe Bild zeigte sich bei den anderen Schülern der Klasse. Jeder Schüler hatte seine gewohnte Note, unabhängig davon, wessen Arbeit er unter seinem Namen abgegeben hatte.
Dieses Beispiel zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Benotung in diesem Fall nicht auf Grundlage der Leistung erfolgte, sondern allein auf Basis der Person. Solche Erfahrungen sind für Schüler extrem demotivierend, zerstören jedes Vertrauen in Fairness und Leistungsprinzip und vermitteln die fatale Botschaft, dass Anstrengung und Können keine Rolle spielen, wenn die persönliche Wahrnehmung durch die Lehrkraft bereits festgelegt ist.
 
6. Soziale Netzwerke konsequent regulieren
Ein großes gesellschaftliches Problem, das sich auch massiv auf Schulen auswirkt, ist die Nutzung sozialer Netzwerke. Seitens des Staates sollte die Nutzung von Diensten wie WhatsApp, TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook etc. für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vollständig verboten werden. Über diese Plattformen erreichen Kinder unkontrolliert und ungefiltert Inhalte, die sie noch nicht einordnen können und die ihnen ein verzerrtes Weltbild vermitteln.

Jetzt muss ich wieder an mein Arbeit.

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