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Vom Berufskolleg zur Promotion: Wie eine praxisnahe Ausbildung Wege eröffnet

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DÜSSELDORF. Was aus einer Ausbildung am Berufskolleg werden kann, weiß Sabine Fischer aus eigener pädagogischer Erfahrung. Die Lehrerin am Heinrich-Hertz-Berufskolleg in Düsseldorf stellt in ihrem Beitrag zum Abschluss des News4teachers-Themenmonats „Berufsorientierung & Berufliche Bildung“ zwei ehemalige Schüler:innen vor, deren Weg von der chemisch-technischen Assistenz bis zur Promotion führte. Ihre Werdegänge zeigen, welche wissenschaftlichen Perspektiven eine praxisnahe Ausbildung eröffnen kann – und wie früh erworbene Laborerfahrung zum entscheidenden Fundament für akademische Karrieren wird.

Berufsschulabsolventen: Dr. Andrea Hermsen und Dr. Nils Nöthling. Illustration: News4teachers

Wege in Wissenschaft und Forschung – Perspektiven nach dem Berufskolleg

Zwei ehemalige HHBK-Schüler:innen berichten von ihrem Weg zur Promotion

Was aus einer Ausbildung am Berufskolleg werden kann, zeigen zwei eindrucksvolle wissenschaftliche Lebenswege: Dr. Nils Nöthling und Dr. Andrea Hermsen haben beide ihre schulische Laufbahn am Heinrich-Hertz-Berufskolleg (HHBK) begonnen und später im Fach Chemie promoviert. Heute arbeiten sie in sehr unterschiedlichen Bereichen – der eine in der internationalen Grundlagenforschung, die andere an der Schnittstelle von Naturwissenschaft, Digitalisierung und Beratung. Ihre Werdegänge machen deutlich, wie vielfältig die Perspektiven nach einer naturwissenschaftlichen Ausbildung sein können.

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Dr. Nils Nöthling stammt aus Hamminkeln, einem ländlich geprägten Ort am Niederrhein. Für seine schulische Ausbildung pendelte er mehrere Jahre täglich mit der Bahn nach Düsseldorf, wo er von 2007 bis 2010 am Heinrich-Hertz-Berufskolleg die Ausbildung zum Chemisch-technischen Assistenten mit Fachhochschulreife absolvierte. Rückblickend verbindet er diese Zeit mit großer Motivation, Freude am praktischen Arbeiten und dem besonderen Erlebnis, in der Landeshauptstadt zu lernen.

Besonders hilfreich für seinen späteren Studienweg seien die umfangreichen Laborpraktika gewesen. Der sichere Umgang mit Chemikalien, Geräten und Analyseverfahren habe ihm im Studium einen deutlichen Vorteil verschafft. Zentrale Abläufe des Laboralltags und viele praktische Arbeitsweisen waren ihm bereits vertraut, während andere Studierende sich diese Kenntnisse erst mühsam, neben dem Studium, aneignen mussten.

Nach dem Schulabschluss entschied sich Nöthling für ein Studium an der Hochschule Niederrhein. Ausschlaggebend waren neben sehr guten schulischen Leistungen auch persönliche Eindrücke: Ein Besuch des Tags der offenen Tür, Gespräche mit Lehrenden, die offene Atmosphäre des Fachbereichs und die vielen möglichen Schwerpunkte überzeugten ihn. Auch die räumliche Nähe spielte eine Rolle.

Die beiden Werdegänge zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich naturwissenschaftliche Karrieren verlaufen können – und welche Rolle eine praxisnahe Ausbildung dabei spielt

Bereits früh übernahm er Verantwortung im Studium, arbeitete als Tutor und sammelte Erfahrung in Industrieprojekten sowie anwendungsorientierter Forschung. Nach Bachelor- und Masterabschluss führte ihn sein Weg in die Grundlagenforschung. Heute arbeitet Dr. Nöthling am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, einem international angesehenen Forschungsinstitut, das bereits zwei Chemie-Nobelpreise erhalten hat. Dort arbeitet er in internationalen Teams mit Kolleg:innen aus Oxford, Cambridge, Tokiyo und weiteren renommierten Universitäten zusammen. Konferenzen führten ihn sogar bis nach Australien.

Inhaltlich beschäftigt er sich mit chemischer Kristallographie und Katalyseforschung. Was ihn antreibt, sei vor allem die Neugier: chemische Zusammenhänge im Detail zu verstehen und Reaktionen zu ermöglichen, die es vorher so noch nicht gab oder diese effizienter und nachhaltig zu machen. Sein Rat an heutige Schüler:innen: offen an das Studium herangehen, Kontakte knüpfen, Lerngruppen bilden – und die eigene Neugier bewahren.

Dr. Andrea Hermsen wuchs in Düsseldorf auf und absolvierte von 2009 bis 2012 am Heinrich-Hertz-Berufskolleg ebenfalls die CTA-Ausbildung mit Fachhochschulreife. Sie erinnert sich an eine strukturierte, praxisnahe Ausbildung mit intensiver Betreuung. Trotz der damals noch älteren Gebäude habe die Qualität der Ausbildung überzeugt: Analysen, Präparate und Laborarbeit seien klar aufgebaut und zielführend gewesen.

Besonders wertvoll für ihren weiteren Weg war die frühe Orientierung im Laboralltag. Versuchsplanung, Gerätekunde und analytisches Arbeiten waren ihr bereits vertraut, als sie ins Studium startete. Hinzu kam ein sechswöchiges Anerkennungspraktikum im letzten Schuljahr, das ihre Studienentscheidung weiter festigte.

Im Studium rückte für sie zunehmend das eigenständige Arbeiten an komplexen Fragestellungen in den Mittelpunkt. In kleinen Projektgruppen bearbeitete sie praxis- und umweltbezogene Themen und sammelte früh Erfahrungen in der selbstständigen Planung, Durchführung und Auswertung wissenschaftlicher Arbeiten. Der Wunsch, Dinge noch genauer zu verstehen, führte schließlich zur Promotion. Die Freiheit, eigene Fragestellungen zu entwickeln, und die Verbindung von experimenteller Arbeit mit theoretischen Methoden empfand sie als besonders motivierend.

Heute arbeitet Dr. Hermsen als Projektleiterin in einem mittelständischen IT- und Beratungsunternehmen, das Softwarelösungen für Labore entwickelt und Kund:innen bei der Umsetzung von digitalen Lösungen unterstützt. Dort bewegt sie sich an der Schnittstelle von Chemie, IT und Projektmanagement. Ihr Arbeitsalltag umfasst unter anderem die Digitalisierung von Laborprozessen, die Einführung strukturierter Arbeitsabläufe sowie die Beratung von Kund:innen bei der Umsetzung effizienter und transparenter Prozesse. Perspektivisch strebt sie an, künftig noch mehr Verantwortung in größeren Projekten und Teams zu übernehmen.

Ihr Rat an heutige Schüler:innen: Vorbereitungskurse nutzen, sich früh Lerngruppen suchen, Zeit für die Vorbereitung von Laboren und Prüfungen einplanen – und sich bewusst machen, dass eine fundierte Ausbildung ein starkes Fundament bietet, selbst wenn sich der berufliche Weg später weiterentwickelt.

Die beiden Werdegänge zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich naturwissenschaftliche Karrieren verlaufen können – und welche Rolle eine praxisnahe Ausbildung dabei spielt. Vor diesem Hintergrund besuchten kürzlich Schüler:innen des Heinrich-Hertz-Berufskollegs im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung den Fachbereich Chemie der Hochschule Niederrhein und erhielten Einblicke in Studium, Labore und Forschung. Solche Begegnungen machen sichtbar, welche Wege möglich sind, und tragen dazu bei, Schüler:innen bei ihrer Studien- und Berufsorientierung zu unterstützen. News4teachers 

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Berufsorientierung und Berufliche Bildung“.

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