KÖLN. Was ist Bildung in Deutschland noch wert? Für Silke Müller ist die Antwort drastisch – und eindeutig. „Wenn wir ein Wirtschaftsunternehmen wären im Bildungssystem, dann wären wir insolvent“, sagt die frühere Schulleiterin im Gespräch mit WDR 5 aus Anlass des „Streiktags Bildung“, den die GEW für heute ausgerufen hat (News4teachers berichtete). Müller: „Das, was wir gerade machen, ist eine Insolvenzverschleppung – und ich habe mal gehört, dass das eigentlich strafbar ist. Genau so gehen wir mit Bildung um.“ Nüchtern betrachtet sei das eine Bankrotterklärung für ein reiches Land wie Deutschland.

Der Befund kommt nicht aus der Distanz, sondern aus langjähriger Praxis. Müller leitete 16 Jahre lang eine Real- und Mittelschule in Niedersachsen – jetzt schreibt sie Bestseller. Über das, was der ungebremste Konsum digitaler Medien mit Schülerinnen und Schülern anrichtet („Wir verlieren unsere Kinder“). Und über das Bildungssystem („Schule gegen Kinder“). Wo das System versagt, benennt sie klar. Im WDR-Interview heute Morgen verweist sie auf bekannte Problemlagen: mangelnde Digitalisierung, Fachkräftemangel, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Gebäude.
In einem aktuellen Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) wird Müller noch grundsätzlicher. Dort bezeichnet sie das Bildungssystem als „Ruinenverwaltung“. Schulen erfüllten ihre zentrale Aufgabe nicht mehr, sagt sie: Kinder so auszubilden, dass sie sich später selbstbestimmt in der Welt zurechtfinden können.
Das beginne bereits bei den Grundkompetenzen. „Jedes vierte Kind kann am Ende der Grundschule nicht richtig lesen, fast genauso viele beherrschen die Grundrechenarten nicht sicher. Wie sollen sie da erfolgreich weiterlernen?“ Gleichzeitig, so Müller, vermittle Schule vielen Heranwachsenden das Gefühl, dass ihr Wohlergehen niemanden wirklich interessiere. Angst, Leistungsdruck und Mobbing seien Riesenthemen – Lehrkräften fehle aber die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.
Die zunehmende psychische Belastung vieler Kinder und Jugendlicher sei kein neues Phänomen, betont Müller gegenüber der SZ. Die Pandemie habe bestehende Probleme lediglich verschärft. Die Gesellschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert, die Schule hingegen arbeite weiter mit überholten Methoden. Kinder würden entweder mit Stoff überfrachtet – oder, „wenn man ehrlich ist, einfach nur ruhiggestellt, um mit dem Unterrichtsstoff durchzukommen“.
„Bildung ist aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Überlebensfrage“
Vor diesem Hintergrund bewertet Müller auch aktuelle Proteste wie den Bildungsstreik der GEW. Es sei richtig, dass Gewerkschaften für ihre Mitglieder kämpften. Doch die Vorstellung, bessere Bildung lasse sich allein über bessere Bezahlung von Lehrkräften erreichen, greife zu kurz. Nötig sei eine grundlegende Veränderung des Bildungssystems selbst. Dazu gehörten der Fächerkanon, die Strukturen – und vor allem ein grundsätzlich anderer gesellschaftlicher Umgang mit Bildung. „Bildung ist kein Kostenfaktor“, betont Müller. „Bildung ist aus meiner Sicht eine gesellschaftliche Überlebensfrage.“
Einzelne innovative Schulen, die neue Wege gingen, sieht die Schulleiterin a. D. inzwischen kritisch. Sie stabilisierten ein kaputtes System, weil sie suggerierten, es funktioniere mit genug Engagement. „Ein paar Hundert von 32.000 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland“, sagt Müller im SZ-Interview, könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Breite nicht laufe. „Ich sehe nichts, wo es in der Schule noch gut läuft. Wirklich in keinem Bereich.“ Was also tun? Die Antwort bleibt radikal. „Schule braucht eine Bankrotterklärung“, sagt Müller. Politik und Gesellschaft müssten sich eingestehen, dass das System nicht mehr funktioniere. Erst dann könne über grundlegende Veränderungen entschieden werden – so wie bei einem insolventen Unternehmen, das auf einen Neustart setze.
Besonders scharf kritisiert Müller die Kurzfristigkeit bildungspolitischer Entscheidungen. Im WDR spricht sie davon, Bildung müsse „entpolitisiert“ werden, Reformen dürften nicht alle vier Jahre kippen. Im SZ-Interview führt sie das weiter aus. Schule sei ein Spielball politischer Interessen, gedacht von einer Legislaturperiode zur nächsten. Gleichzeitig bastelten 16 Bundesländer an eigenen Lösungen. „Wir haben zum Beispiel 16 verschiedene Richtlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz, aber keinen gemeinsamen Plan.“
Ihre Vorschläge: ein Bildungsstaatsvertrag, der bundesweit verbindliche Kernkompetenzen festlegt, und ein nationaler Bildungsrat mit echter Entscheidungsmacht. Ein Gremium aus Wissenschaft, Praxis, Eltern und Schülerinnen und Schülern, das Bildungsstandards festlegt und überprüft – wissenschaftsbasiert und dauerhaft. Im SZ-Interview ergänzt Müller, ein solcher Rat könne Schulen auch vor parteipolitischer Einflussnahme schützen, etwa wenn extremistische Parteien Regierungsverantwortung übernehmen.
„Wer nur Inhalte vermitteln, aber keine Beziehungen gestalten kann, ist für den Job nicht geeignet“
Neben Strukturen rückt Müller immer wieder die Arbeit der Lehrkräfte in den Mittelpunkt. Im WDR fordert sie mehr Zeit für Beziehung, mehr Qualität, mehr Fachkräfte – und auch verpflichtende Fortbildungen. In der Süddeutschen Zeitung wird sie noch deutlicher. Beziehungsarbeit sei der Kern des Lehrerberufs, komme aber systematisch zu kurz. Kinder müssten sich sicher und gesehen fühlen, um nachhaltig lernen zu können. „Wer nur Inhalte vermitteln, aber keine Beziehungen gestalten kann, ist für den Job nicht geeignet“, sagt sie. Das müsse schon im Lehramtsstudium klar werden.
Angesichts des Lehrkräftemangels warnt Müller vor einer weiteren Eskalation. Sie sagt voraus, dass auf jede altersbedingte Pensionierung voraussichtlich zwei weitere Lehrkräfte kommen, die den Beruf aus Überlastung verlassen. Der Lehrerberuf müsse wieder attraktiver werden, Ausbildung praxisnäher, Teamarbeit zum Standard. Medienbildung und KI-Kompetenz müssten Pflichtbestandteile des Studiums sein. Gerade die rasante Entwicklung generativer KI bereitet Müller Sorgen. Sie warnt davor, dass Kinder sich zunehmend mit ihren Fragen an Chatbots wenden. KI sei ein geduldiger, immer erreichbarer Ansprechpartner – eine gefährliche Entwicklung. Dass politische Reaktionen darauf Jahre brauchen, mache sie fassungslos.
Dass sie sich als Schulleiterin beurlauben ließ, sei kein Rückzug, betont Müller in der Süddeutschen Zeitung. „Nein, meine Arbeit hat mir Spaß gemacht, ich bin jeden Tag gern in die Schule gegangen. Aber ich hatte immer stärker das Gefühl, dass ich dieses System nicht mehr mittragen kann. Stattdessen will ich mich dafür einsetzen, dass sich grundsätzlich etwas ändert. Und dass wir in der Diskussion über Strukturen nicht die wichtigste Frage aus den Augen verlieren: Was brauchen die Kinder?“
Dass diese Sichtweise nicht unumstritten ist, weiß Müller. Progressive Konzepte – mehr Raum für Beziehungen, offenere Lernformen, weniger Tempo- und Leistungsdruck – stießen auf Widerstand. Konservative Stimmen hielten an einem traditionellen Bild von Schule fest. Für Müller ist das ein Kernproblem. „Wir brauchen eine Vision von Schule, die die neuen Kompetenzen, die wir für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft benötigen, überhaupt erst einmal in den Blick nimmt und definiert.“
Das bestehende System hält sie für historisch überholt. „Wir arbeiten in einem System, das ungefähr 200 Jahre alt ist und aus der preußischen Zeit kommt“, sagt sie. Strukturen wie der Schulgong stammten aus einer Zeit, in der Menschen zum Gleichschritt erzogen werden sollten. Selbst Notensysteme seien historisch belastet. „Die Schulnote 6 kommt aus dem Jahr 1938, um die noch Schlechteren von den Schlechten abzugrenzen.“ Angesichts heutiger Anforderungen müsse man sich fragen, wie Kinder mit den Herausforderungen von heute in einem System von gestern lernen sollen. News4teachers
Hier geht es zum vollständigen Interview mit Silke Müller in der “Süddeutschen Zeitung”.
„Die Schulnote 6 kommt aus dem Jahr 1938, um die noch Schlechteren von den Schlechten abzugrenzen.“
Ich glaube, hier irrt Frau Müller: Man hatte zunächst nur fünf Notenstufen, aber die 4 war “mangelhaft” und die 5 war “ungenügend”.
Dann stellte man auf 6 Notenstufen wie heute um, da war die 4 “ausreichend”, aber unzählige Kinder wurden verprügelt, weil auf ihren Zeugnissen plötzlich (nur in Ziffern) viele Vieren standen und die Eltern die Umstellung gar nicht mitbekommen hatten. Das war ein Flop der damaligen Bildungsverwaltung.
Ich glaube, hier irrt Frau Müller: Man hatte zunächst nur fünf Notenstufen, aber die 4 war “mangelhaft” und die 5 war “ungenügend”. (…)
OH HEILIGER SANKT KORINTHUS…
Wenn`s an den Aussagen von Frau Müller sonst nichts zu bemängeln oder zu loben gibt, dann ist die pädagogische Welt wohl in Ordnung,…Oder?
Frau Müller wollte wohl ihren unbeirrten Antifaschismus ausdrücken: Die Nazis sind Schuld an der 6. Aber die Schweiz hat auch 6 Notenstufen, die 6 ist dort die beste.
Im 5-Noten-System der DDR galt die 3 immer schon als schlechte Noten. Das hat sich im Denken der Ostdeutschen noch vielfach erhalten. Im 6-Noten-System ist die 3 aber bereits die “kleinste gute Note”.
An der Uni genügen 5 Notenstufen, nur die 5 ist “unterm Strich”, die “4 minus” aber auch.
Bei Abiturklausuren dagegen brauchen wir 16 Notenstufen, und 0 Punkte entsprechen der alten “6”, 1 Notenpunkt ist dann “5 minus”, 3 Punkte sind dann “5 plus”, oder? Also doch eine Unterscheidung zwischen 5 und 6. Jeder mag ein anderes System vorschlagen.
Faktisch hat man heute ein 4-5-Notensystem, wobei die Note 5 in rein mündlichen Fächern nur in homöopathischen Dosen gesetzt wird.
Richtig, aber sagen Sie das doch der Frau Müller, der Schulleiterin. Die hat doch gegen die 6 gemotzt und auch gegen das 200 Jahre alte Schulsystem. Dieses “System” (mit dem schrecklichen Schulgong) gilt jetzt als ursächlich dafür, dass die Grundschüler nicht mehr Lesen und Schreiben lernen. Vor 50 Jahren war das aber noch der Fall. Ich glaube, da gibt es andere Ursachen.
mein Mann ist auch ausgestiegen, wir haben beide zusammen studiert.
Was war ich traurig damals. Jetzt sehe ich, wie gut es ihm ergangen ist.
Die Entscheidung war ein Glücksfall für Hasi.
Er verdient viel mehr als wir, er hat die 35 Stunden Woche, 3 Tage Homeoffice und auch so ein Flexiurlaub (richtig tolle Sache und macht alle in seiner Firma glücklich). Also da wird so richtig was dafür getan, dass es den Mitarbeitern gut geht. Das ist nicht 0-8-15, mach deine Arbeit, kannst nicht usw, sindern sehr flexibel, offen, eigenständig und digital.
Naj KI, die Technik, Roboter werden auch irgendwann unsere Arbeit verändern.
Dennoch brauchen wir jetzt die 4 Tage Woche für echte Entlastung und die 7 oder 9% der Verhandlung.
Ich kann Ihnen nur danken 🙂
Es wäre für uns Lehrkräfte am besten.
wenn du schon beim Rundfunk 36 Stunden Woche hast und 13,5 Monatsgehälter kassierst, müssen sich alle schon ins Zeug legen, um den Beruf mit der Schule nicht noch attraktiver zu machen
Ja, und evtl erhalten die Verkehrsbetrieben jetzt auch die 35h Woche
Welche Landesverkehrsbetriebe kennen Sie?
Die meisten sind kommunal, also gilt der TVöD.
Nein, sie hasst Schüler und ist daher für den Job vollkommen ungeeignet. Wir haben alle in der Pandemie gesehen, dass Online-Beschulung für sehr viele Schüler eine Katastrophe ist. Für erfolgreichen Unterricht ist der direkte und persönliche Kontakt unerlässlich, das sagt einem jede Studie.
schließlich auch von Steuergeld bezahlt, der Rundfunk!!
…und täglich grüßt das Murmeltier!
Vergessen Sie es. Frau Müller hat es hevorragend ausgedrückt:
„Wer nur Inhalte vermitteln, aber keine Beziehungen gestalten kann, ist für den Job nicht geeignet“
Wir haben Lehrermangel und wollen dringend Verbesserungen für alle.
Wenn es so bleibt und die Arbeitsbelastung so hoch bleibt, geht es nicht mehr weiter.
Aber das verstehen sie nicht 51?
Die Arbeitsbelastung muss runter, aber das ist keine Frage eine 4-Tage-Woche.
Mehr als Geschäftsbeziehung kommt aber nicht in Frage. Und Grundschüler sind nicht geschäftsfähig. Ab einem gewissen reifegrad gilt dann der Taschengeldparagraph. Die volle Geschäftsfähigkeit erhalten die allermeisten erst gegen Ende der SekII.
Apropos Geschäftsbeziehungen – dass Bildung eine Ware ist, ist schom klar. Folglich sollte man im Sinne guter Geschäftsbeziehungen aber auch einen Preis dran schreiben. Dann können die Eltern als gesetzliche Vertreter der nicht-geschäftsfähigen Sprösslinge das Angebot erwerben oder es bleiben lassen. Es gilt der Grundsatz, gekauft wie gesehen. Die Regeln für die Haftung kann jeder den AGB und dem BGB entnehmen. Sollten einzelne Bestimmungen nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, gilt für den Rest des Vertrages die salvatorische Klausel.
Tschüs Lerncoach, Grüß Gott Bildungskaufmann/-kauffrau.
Wech mit der HS, hin zum Bildungsdiscounter und zum gymnasialen Feinkostgeschäft. Salem als Käfer der deutschen Bildungsgastro.
Für Bildungshungrige empfehlen wir das “all you can eat” Angebot.
Und wie immer am Ende des “knabenführenden” Verkaufgespräches die gerne gehörte Fleischtheken Frage: ” Darf’s ein bischen mehr sein?”
Wollen Sie nicht der Firma von Hasi vorschlagen, dort die innerbetriebliche Fortbildung zu organisieren? Dafür ist immer Bedarf.
Oder wir verbessern das Modell, reduzieren die Deputate und erfassen die Arbeitszeit?
Oder wir reformieren das System komplett und stellen alles auf den Prüfstand.
Dauer und Verteilung der Ferien
Lehrpläne
Qualifikation der LK
Vergütung der LK
Durchlässigkeit des Systems
Verbeamtung
Ganztag
Einsatz von Spezialisten im Schulbetrieb (für nicht Unterricht. Zu vernünftiger Bezahlung)
Immer noch am Kapern von Nicknames?
Es wird den aktuellen Anforderungen nicht mehr gerecht und das auf allen Seiten.
Es ist zu wenig interaktiv, es fehlt Medienkompetenz und Informatik.
Für Lehrkräfte wird es immer unattraktiver bei schlechten Arbeitsbedingungen und nicht mehr fairen Löhnen mit all den Nullrunden.
Das ist alles nicht mehr richtig, oder?
Genau, es fehlt an digitalen Kompetenzen.
Ich plädiere für
30 % Homeschooling und den Ausbau von Digitalem.
Die Verbesserung der Arbeitswoche gelingt uns durch die 4-Tage Optimierung.
Dann passen wir uns auch den anderen Gewerkschaften endlich an!
Am besten den Unterricht reduzieren: 10 % bei den Lehrern, 20 % bei den Schülern, dann hat man auch wieder eine 100 % – Versorgung, und alles ist in Butter.
Ja die 20% hätte man ja bei den Schülern bereits, wenn man diesen dusseligen und gescheiterten gebundenen Ganztag endlich mal wieder abschaffen und nicht weiter forcieren würde.
… diese Butter können Realistin, Petra & co beim gemeinsamen Brunch mit Hasi auf der Terrasse im Grünen aufs Brötchen schmieren.
Hätte der Dienstherr digitale Kompetenzen, die AZE wäre schon längst umgesetzt.
Es ist zu wenig interaktiv, es fehlt Medienkompetenz und Informatik.
Ich sehe das inzwischen ganz anders:
Wir sehen heute in der 5. und 6. Klasse Kinder, die offenbar noch nie etwas ausgeschnitten haben, die noch nie auch nur einen Papierflieger gefaltet haben, die noch nie im Wald waren (obwohl wir in einer Kleinstadt sind) usw. Selbst am Abwischen eines Tisches scheitern sie.
Und nein, das sind keine Außnahmen, inzwischen sind das ca. 90% der Schüler!
Kinder werden zunehmend von klein auf vor Bildschirmen geparkt und sind sowas von abgesättigt, dass sie selbst nicht mehr wissen, worauf sie eigentlich noch Lust haben.
Harald Lesch und Klaus Zierer schreiben in ihrem Buch, dass Schule helfen sollte, die Erfahungswelt von Kindern und Jugendlichen zu erweitern. Früher war es vielleicht neu, sich mit digitalen Medien zu beschäftigen.
Heute müssten wir in den Schulen eigentlich ganz anders arbeiten, die Kinder in die Natur schleppen, draußen sein, ggf. im Freien übernachten, haptische Erfahrungen sammeln, basteln, experimentieren usw.
Tatsächlich “müssten” wir beides tun.
Weil das keine Medienkompetenz ist, was die SuS hier von Privat “mitbringen”. Das ist reiner Unterhaltungskonsum.
Daher sollte (und müss[t]e) Schule den technischen Fortschritt und den Gesellschaftswandel – auch didaktisch und pädagogisch mitnehmen.
D. H. Natürlich Natur und “Motorik”.
Auf der anderen Seite Medienkompetenzen und technische Gegebenheiten.
– 3D Druck
– Laserdruck/-cut
– VR
– Arbeiten mit digitalen Geräten [nicht “zocken” – keine “Beschäftigungstherapie – kein Aktionismus]
– Robotik und ggf. Android/Cyborg
– Technischer Einsatz in verschiedenen Bereichen wie Medizin, Ausbildung und co.
Nur … Woher die Zeit nehmen? Woher die Materialien? Dazu ist der AG wiederum verantwortlich diesen Rahmen überhaupt zu ermöglichen.
Schule muss sich verändern. Grundlegend. Auch wenn ich hier ggf. an “Wand” von “aber ging bereits immer mit Kreidetafel” fahren werde …
Traditionelle Tafeln wird hier kaum einer noch verlangen, so rückschrittlich wie Sie meinen, sind ist die Lehrerschaft nicht. Sie hätte nur gerne zumutbare Arbeitsbedingungen und Schüler, die grunsätzlich etwas lernen wollen.
Die Kreidetafel würde ich nicht das erste Mal hören. Ist (noch) ein kleinerer Teil tatsächlich. Den gibt es aber.
Bevorzugen Sie etwa die Smartboards?!? Auf die kann ich gerne verzichten, auf einen Beamer mit kabelloser Ansteuerung hingegen nicht. Kreidetafel, Whiteboard oder handschriftlich auf dem Tablet ist mir relativ egal.
Ich bin wie gesagt kein Freund von sinnlosem Einsatz von digitalen Tools, auch auch nicht von Kreidetafeln. Persönlich wäre ich auch bei Dingen wie 3D-Druck, Laser-Cuttern usw. voll dabei.
VR-Brillen hingegen fände ich schon wieder schwierig für regulären Unterricht: Im Klassensatz sind sie i.d.R. zu teuer, Anwendungen müsste man teuer bezahlen und schließlich kann man diese auch als Lehrkraft nicht wirklich verändern. Da erschließt sich mir der Mehrwert für Schüler nicht.
Mich ärgert hier aber v.a., dass es unserer Summse-Biene und anderen Foristen gar nicht um einen Mehrwert von Technik beim Lernen geht, sondern nur um vermeintliche Vorteile für solche Lehrkräfte, die mit ihrem Allerwertesten zu Hause bleiben wollen und deshalb nach Digitalität schreien.
In NRW gibt es ca. 300 Anwendungen in der Bildungsmediathek. In jedem Medienzentrum gibt es einen Satz mit ca. 30 Brillen, den man sich ausleihen kann. Weiß nur kaum einer…
“Ich bin wie gesagt kein Freund von sinnlosem Einsatz von digitalen Tools”
Ich auch nicht. Daher sinnvoll machen.
“Persönlich wäre ich auch bei Dingen wie 3D-Druck, Laser-Cuttern usw. voll dabei. ”
Sollte wie gesagt durchaus Standard sein meiner Meinung mach. Wird es nicht … Gründe sind bekannt. Geld, Einsatzzeit, Keine Deputatsanrechnung, “Wartung” Privat/Nebenbei etc..
Aber rein der “Schule der Zukunft – eigentlich sogar Schule der Gegenwart” sollte es halt meiner Meinung nach so sein.
“VR-Brillen hingegen fände ich schon wieder schwierig für regulären Unterricht: Im Klassensatz sind sie i.d.R. zu teuer, Anwendungen müsste man teuer bezahlen und schließlich kann man diese auch als Lehrkraft nicht wirklich verändern. Da erschließt sich mir der Mehrwert für Schüler nicht.”
Klar, muss man abwägen. Auch Motion-Sickness als Problem etc.
Anwendungsbereiche müsste man ausbauen. Je nach Schulprofil eben auch schauen.
Beispielsweise gibt es Berufsschule(n), welche damit “Schweißen” erstmal “trockenüben”. Hier ist das durchaus wohl sehr gut.
Ansonsten als virtuellen Rundgang. Oder Naturbegehung/-begegnung.
Insbesondere, wenn die sonstigen Möglichkeiten begrenzt sind.
Muss man ja auch gar nicht als “ganze Klasse” oder als “Klassensatz” [den kann man teilweise allerdings leihen]. Eventuelle auch eher eine “Spielerei” für schnelle und besonders technikaffine SuS. Also eher ein “Luxus” tatsächlich aktuell.
Beim “Digitalen Unterricht” muss man halt schauen, ob und wo das sinnvoll umsetzbar ist. Ist auch nicht soo einfach, wie es erstmal klingt für viele Schulen.
Beispielsweise gibt es Berufsschule(n), welche damit “Schweißen” erstmal “trockenüben”. Hier ist das durchaus wohl sehr gut.
Ansonsten als virtuellen Rundgang. Oder Naturbegehung/-begegnung.
Das finde ich durchaus spannende Ansätze.
In der Chemie habe ich bisher so Spielereien gesehen, wie ein virtuelles Atom im Bohrschen Schalenmodell. Sieht cool aus, voll digital, aber ein Mehrwert zum Verstehen ist quasi nicht vorhanden.
Bei einer Fortbildung konnten wir dann mit VR-Brillen virtuell Labore besichtigen. War durchaus aufwändig erstellt, mit eingebetteten Videos und kleinen Texten, aber auch da war der Mehrwert kaum vorhanden.
Da fahre ich doch lieber mit der Klasse mal einen Tag an die Uni. Man ist mal aus der Schule raus, das finden Schüler doch immer gut und außerschulische Lernorte bringen immer Motivation.
Vor allem kam bei der Fortbildung auf, dass man sich erst auf hygienischen Gründen irgendwelche Lappen ins Gesicht gemacht hat, damit die VR-Brillen keinen direkten Hautkontakt haben. Nebenbei technische Probleme, Anwendung neu starten etc.
Wie Sie sagen, wenn sich niemand in seiner Freizeit darum kümmert, werden die Geräte nicht gewartet…
Beim “Digitalen Unterricht” muss man halt schauen, ob und wo das sinnvoll umsetzbar ist. Ist auch nicht soo einfach, wie es erstmal klingt für viele Schulen.
Tatsächlich ist das Aspekt, den ich aktuell so frustrierend finde:
Bei uns wurde Unterricht zum Selbstzweck digitalisiert. Wenn etwas digital ist, ist es schön modern, also besser als vorher.
Nach gut 1 1/2 Jahren kam dann die Feststellung, dass die Technik nun gut etabliert sei und wir uns langsam Gedanken über didaktische Fragen machen sollten. Danach passierte eigentlich nichts mehr.
So schreiben die Kids nun mit einem Stift auf dem iPad statt einem Blatt Papier, bekommen ggf. Aufgaben in einem Tool gestellt, mehr passiert kaum. Kollegen lassen als Ersatzleitung zu einer Klausur einfach Erklärvideos erstellen. Wenn man die Schüler fragt, wurde aber nie thematisiert, was für Arten von Erklärvideos es gibt, welche Vor- und Nachteile sie haben usw.
Letztens sollten meine Schüler in Word einen Text schreiben und formatieren. Nach 1 1/2 Jahren iPad-Nutzung stellte sich raus, dass die Schüler die Office-Anwendungen zwar haben, aber meist noch nie genutzt hatten. Man bittet darum, eine E-Mail mit der Datei als Anhang zu verschicken, kaum ein Schüler kann das…
Ich gebe Ihnen recht, bin aber der Meinung, dass das mit den aktuellen gesetzen, die im Zweifel eine Haftung für jeden Pups bei dem Lehrer suchen nicht funktioniert. So lange es ein riesen Drama ist, wenn ein Kind sich bei einem Ausflug oder in der Schule mal verletzt und die Kinder dadurch selbst in der Schule unter dauerhafter Überwachung stehen müssen, ist das so einfach nicht möglich. Da steht man ja mit einem Bein direkt im Knast, wenn man Ihre Forderungen umsetzt.
Mit Stoff überfrachtet oder ruhig gestellt? Tempo- oder Leistungsdruck? Hm….
Zuerst dachte ich: “Wow, Löwin steigt aus, knallt Wahrheit raus.”
Je länger es dann weitergeht – um so mehr wurde mir klar: Es ist zur Hälfte die gleiche Soße, auf neuen Tellern.
Spätestens bei dem “bundesweiten Rat”, der aus allem ausser Lehrern bestehen soll und der -NATÜRLICH- dann die übliche Niveausenkung weiterpushen soll, Notenskalen in die verruchte Nähe des III. Reiches rückt, “Preußen” als Chiffre für NS…
…
..
.
Die eine Hälfte des Problems beschreibt sie zutreffend und endlich mal in klaren Worten – dafür dicken RESPEKT.
Die andere Hälfte…na ja, da bleibt sie halt an Bord.
Trotzdem: Dass Sie überhaupt in unverstellter, klarer Sprache so viele Dinge offen und unter offenem Visier anspricht…das verdient Respekt.
Kleine Korrektur: “Ein Gremium aus Wissenschaft, Praxis…”
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ok, das könnte man so verstehen, stimmt.
“[…] dann die übliche Niveausenkung weiterpushen soll, Notenskalen in die verruchte Nähe des III. Reiches rückt”
Menschen auf Ziffern reduzieren, wer hätte das je bei Diktaturen und anderen Unrechtsstaaten gehört, besonders im dritten Reich… :/
… China, Korea, Japan, Singapur … ?
Willkommen in der Moderne bzw. Postmoderne.
Ich bleibe dann heute mal bezahlt zu Hause, wer mich als Dienstherr oder Steuerzahler auf die Zaaaahhhhl meiner Anwenheitstunden reduziert ist nämlich räääccchhhtzz!
/facepalm
Vorher nicht gearbeitet, hm?
Dann korrigiere ich mich für Sie gerne: Menschen wie Sie müssen offenbar auf ihre Arbeitszeit reduziert und kontrolliert werden. Wenn Ihnen diese Hilfe guttut, meinetwegen
Menschen werden nicht auf Ziffern reduziert, weil ein Schulzeugnis nicht das ist, was einen Menschen zu 100% ausmacht. Es sagt lediglich etwas über eine erbrachte Leistung aus und nichts über einen Menschen. Wer aufgrund von Noten Aussagen über einen Menschen trifft, der interpretiert in Schule viel mehr hinein, als es ist und gibt ihr einen zu hohen Stellenwert.
Na dann…
https://www.quarks.de/gesellschaft/bildung/so-wenig-aussagekraeftig-sind-schulnoten/
Dass Noten nicht den ganzen Menschen ausmachen, dem stimme ich voll zu, entsprechend ist meine Kritik an Notendruck, Exen und psychischer Belastung der Schüler*innen – Lernen und Lernerfolg sind mehr
Nur suggerieren Sie hier, dass die psychische Belastung alleine aufgrund der Noten käme. Lernen und Lernerfolg sind natürlich mehr, wie beispielsweise einen Text sinnentnehmend lesen zu können oder ein paar Sätze zu schreiben, ohne in jeder Zeile drei Rechtschreibfehler zu produzieren. Doch genau das können viele Schüler aktuell nicht mehr – ob mit oder ohne Noten.
“Doch genau das können viele Schüler aktuell nicht mehr – ob mit oder ohne Noten.”
Und Druck, überfordernde Texte und schlechte Noten sollen da motivieren?
Ja, manchmal muss es eben genau so sein. Glauben Sie, ich hab seinerzeit gerne lateinische Grammatik gelernt, weil ich immer nur Freude daran hatte? Oder glauben Sie, ich reiße mich aktuell darum, für unsere Einrichtung die Jahresstatistik 2025 zu machen? Freuen Sie sich alljährlich darauf, Ihre Steuererklärung ans Finanzamt zu schicken? Manche Dinge funktionieren manchmal nur durch extrinsische Faktoren, gerade in der Schule und im späteren Leben sowieso.
Zeugnisse im Allgemeinen und Noten im Speziellen müssen doch gar nicht “den ganzen Menschen ausmachen”. Woher kommt bloß diese Hybris?!
Es geht um Leistungen in Fächern und ggf. diverse Engagements.
“Woher kommt bloß diese Hybris?!”
Keine Ahnung, irgenwer scheint dies den jungen Menschen einzureden, indem Sie im kindesalter aussortiert werden, unter Druck gesetzt werden und am Ende – obwohl Sie doch ganze Menschen sind – am Ende nach Zeugnisnoten behandelt werden.
Seltsam, dass da psychische Krankheiten zunehmen, Bulimi-Lernen Langzeiterfolg beeinträchtigt, die Finanzstärke der Familien Nachhilfe, Bildung daheim und den Bildungserfolg mehr prägt, als die Schulen selbst 🙁
Aber wer es nicht schafft, war selber schuld – warum also all der Stress?
Aber da spreche ich nur für mich. Wo sehen Sie die Schüler*innen als Menschen im schulischen Werdegang stärker, wichtiger und nachhaltiger repräsentiert als durch die Zeugnisse?
Sie überinterpretieren ein wenig.
Zentrale Aussagen:
“Schulen erfüllten ihre zentrale Aufgabe nicht mehr, sagt sie: Kinder so auszubilden, dass sie sich später selbstbestimmt in der Welt zurechtfinden”
“Beziehungsarbeit sei der Kern des Lehrerberufs, komme aber systematisch zu kurz. Kinder müssten sich sicher und gesehen fühlen, um nachhaltig lernen zu können.”
Tja, das Wirtschaftsunternehmen Schule wird derzeit auf mangelnde Finanzen, offene Stellen, marode Schulgebäude…..reduziert.
Wie soll man da noch Schüler und deren Ausbildung fürs Leben sehen. ):
[ Ironie ]
…..so dass diese Schülerinnen zB fachmännisch und weiblich qualifiziert im Inland wirken und weitergehendem Bankrott entgegenwirken können und ! wollen.
Was will da schon ein xy- Rat bewirken.
Kritik wird es immer geben.
Ich denke, dass ich scjon klargemacht habe, dass ca. 50% ihrer Aussagen m.M.n. sowohl zutreffend als auch ehrlich und direkt beschrieben sind…
Richtig! „… dann die übliche Niveausenkung weiterpushen …“ So wird’s werden!
“Diese „progressiven Konzepte“ – mehr Raum für Beziehungen, offenere Lernformen, weniger Tempo- und Leistungsdruck – stießen auf Widerstand.” Zu Recht!! Trotzdem wurden sie jahrzehntelang bestellt und haben zuverlässig jede Restspur der Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft aus den Schulen gespült. Und jetzt sollen ausgerechnet jene Kinder und Jugendlichen, die schon im klar strukturierten Unterricht orientierungslos treiben, in offener Lernarbeit ohne Halt plötzlich aufblühen. In Wahrheit irren sie dort nur noch endgültig führungslos herum – pädagogische Selbstüberlassung als Endstufe. Und dann die Klage: „Kinder seien überfrachtet oder – wenn man ehrlich ist – einfach nur ruhiggestellt, um den Stoff durchzubekommen.“ Ja klar, das muss es sein.
Nööö, niemals wurde mit so abgespeckter Fachlichkeit und inflationierten Bewertungen unterrichtet. Die Schüler können sich nicht konzentrieren, viele wollen es auch gar nicht. Ihre minimale Frustrationstoleranz verhindert jedes mentale Ruhigstellen – und jede Aufforderung zur Mitarbeit gleich mit.
Also bitte nicht noch offener, langsamer und ohne jeglichen Druck. Das führt nicht nur zu noch mehr „Ruinenverwaltung“, sondern zum totalen Abriss.
Bin erneut wieder bei Ihnen.
Wären diese Konzepte der offenen Lernformen wirklich so toll, müssten Gemeinschaftsschulen in BW in Vergleichen ja wesentlich besser abschneiden als Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien, die nach traditionellem System unterrichten. Dem ist aber nicht so. Wie kommen diese Reformer nur immer wieder auf die Idee, dass es gut sei, auf rein intrinsische Motivation von Jugendlichen zu setzen? Beobachtungen von zuhause: Hier wird seitens meiner Kinder weder intrinsisch das Zimmer aufgeräumt, noch der Müll rausgebracht. Für Tipps, um dies ins Gegenteilige umzukehren, bin ich jederzeit dankbar. Gerne auch von Frau Müller.
“Und jetzt sollen ausgerechnet jene Kinder und Jugendlichen, die schon im klar strukturierten Unterricht orientierungslos treiben, in offener Lernarbeit ohne Halt plötzlich aufblühen.” Danke für diesen Satz
Stimmt
Und doch die Frage: Sie kennen sicher die Situation, dass Sie trotz der Schxxxxsituation allgemein Zeit finden, mit den Lieblingen 5 Min rumzualbern – und auf einmal machen diese besser mit ?
Ich glaube, dass vor und hinter dem Pult inzwischen Unlust bis hin zur Verzweiflung herrschen.
So kommt es teils sogar zu unguten ‘Fronten’ ( weil jeder sich selbst schützt/schützen muss).
Eins ist klar, so wirds für keinen was, weder menschlich noch wissensmäßig. ( beides hängt eben auch eng zusammen 😉
Merken Sie eigentlich, dass Sie mit Ihrer Polemik den Ansprüchen, die Sie so gerne formulieren, bei weitem selbst nicht gerecht werden. Auch wenn Sie durchaus bei vielen Dingen nicht unrecht haben, ist Ihre Fixierung auf vorgestrige Methodik und Didaktik nicht zielführend. Haben Sie sich Mal mit modernen Erkenntnissen von Pädagogik und Psychologie beschäftigt? Ihre Totalablehnung von Methodiken, die nicht Ihrer eigenen rückwärtsgewandten Sichtweise auf Schüler und Unterricht entspricht, lässt tief blicken und ist genauso schädlich wie eine Totalablehnung bewährter Unterrichtsmethoden. Aber der richtige Mix von modernen und bewährten Methoden bringt Erfolg, nicht der geistige Rücksprung in die 50er Jahre bei gleichzeitiger Verleugnung neuerer Techniken und Erkenntnisse. Und Schüler zu begeistern und zu motivieren sollten Sie ruhig auch Mal ausprobieren.
Schön, dass sich in diesem Forum sowohl Illuminaten als auch selbsternannte Philantrophen berufen fühlen, pädagogische Wahrheiten zu verkünden. Philantroph – in diesem Kontext offenbar jemand, der Menschen liebt, solange sie exakt seiner pädagogischen Weltanschauung entsprechen. Ein Menschenfreund mit Bedienungsanleitung.
Ich unterrichte Chemie, Biologie und Biochemie – Fächer, die sich nicht mit pädagogischem Gedöns in Wohlfühlbrei verwandeln lassen. Anspruch bleibt Anspruch, auch wenn man sich im Unterricht den Wolf tanzt.
Ich liebe meine interaktive Tafel. “ModerneTechnik” nutze ich täglich, MINT war nie so anschaulich wie heute. Bringt nur nichts, wenn die Bereitschaft zur Anstrengung fehlt.
Ein Sprung zurück in die 1990er würde mir übrigens völlig reichen: Damals gab es mehr intrinsisch motivierte Jugendliche und ein Abitur, das tatsächlich Hochschulreife verlieh. Heute sind viele nach moderner Pädagogik gepamperte und durchgewunkene Abiturienten schlicht akadämlich – und erwarten an der Uni ernsthaft, dass Professoren und Dozenten weiter vortanzen und dem letzten Studenten noch erklären, dass Denken kein optionales Wahlfach ist und Motivation kein Lieferdienst. Vielleicht können die selbsternannten Philantrophen ja künftig die Hochschulsozialarbeit und das Motivationscoaching übernehmen.
Ich verschenke keine Noten (Abschlüsse) für pädagogisches Schönwetter. Wenn das rückwärtsgewandt wirkt, sagt das mehr über die Erwartungen aus als über meinen Unterricht.
“Jedes vierte Kind kann am Ende der Grundschule nicht richtig lesen, fast genauso viele beherrschen die Grundrechenarten nicht sicher. Wie sollen sie da erfolgreich weiterlernen?”
Durch differnzierte Aufgaben, bestenfalls individualisierte und/ oder altersheterogene Lerngruppen?
Beim Laufen- und Sprechenlernen stehen alle noch aufmerksam, bestärkend und motivierend daneben, irgendwann in der Grundschule machen wir uns Sorgen (was die Kinder mitbekommen), werden defizitorientiert und sortieren aus – als würde das beim Lernen helfen :/
Durch differnzierte Aufgaben, bestenfalls individualisierte und/ oder altersheterogene Lerngruppen?
Wir sehen Schüler, die können noch in der 9. Klasse quasi nicht sinnentnehmend lesen. Da können Sie differenzieren wie sie wollen, wenn die wesentlichen Infos aus den Texten nicht entnommen werden können, wird es schwierig…
“Wir sehen Schüler, die können noch in der 9. Klasse quasi nicht sinnentnehmend lesen.”
Ob da die Texte der Klasse 9 bzw. das Niveau der Klassen davor vielleicht nicht etwas zu hoch für diese Schüler*innen war, um Fortschritte beim Lesen zu erzielen?
Bei lehrplankonformen Unterricht kann man von geeigneten Texten ausgehen. Abgesehen davon erinnere ich daran, dass in Berlin Goethe auch in vereinfachtem Deutsch gelesen werden darf.
“Bei lehrplankonformen Unterricht kann man von geeigneten Texten ausgehen.”
Na dann können die Kolleg*innen ja aufhören sich zu beschweren, nur weil die Schule nicht mehr zur heutigen Schülerschaft passt (augenroll)
Ich überspitze das jetzt mal: Die heutige Schülerschaft möchte nichts mehr leisten, weil Menschen wie Sie alles aus Schulen rausnehmen wollen, was sie irgendwie dazu anspornen würde. Deshalb passt die Schülerschaft nicht mehr zu den heutigen Schulen. Doch anstatt die Kehrtwende zu machen und den Jugendlichen zu zeigen, dass sich Anstrengung nicht nur lohnt, sondern eben auch erbracht werden muss, sofern man im Wohlstand leben möchte, soll das System noch weiter runtergefahren werden. Da rolle nicht nur ich mit den Augen.
“Ich überspitze das jetzt mal: Die heutige Schülerschaft möchte nichts mehr leisten”
Sie schreiben das unentwegt! Sie schieben die Schuld auf Familien – Ihre Klient*innen! – die Sie als faul abtun! Die restliche Schuld schieben Sie dann auf Politiker*innen die Sie persönlich nicht mögen und “belegen” dies durch das Bauchgefühl von Katze – denn den Quellen aus “dem Elfenbeinturm” trauen Sie ja nicht.
Sie sollten beim Überspitzen etwas Neues bringen, was sich von Ihrer Dauerfrequenz unterscheidet.
“Deshalb passt die Schülerschaft nicht mehr zu den heutigen Schulen.”
Und HIER liegt der Hund begraben. Sie wünschen sich Schulen wie vor 40 Jahren: keine Smartphones, kein DaZ, Frauen am Herd, welche von Ihnen ungesehen die Unzulänglichkeiten ausbügeln sollen, Deutschland als “kein Migrationsland”, sodass Migrant*innen fallen gelassen werden können.
UND TROTZDEM gab es zu dieser Zeit TAUSENDE Schüler*innen, die ohne Abschluss durchs Raster fielen! Sie würden sich in so einer Zeit genau so desinteressiert und frustriert über Ihre Klientel (!!) zeigen, wie Sie es heute tun.
Ich schrieb es zuvor und ich meine es weiterhin ernst: Wechseln Sie an ein Gymnasium! Da ist definitiv hoher Bedarf und die Klientel würde Ihren persönlichen Ansprüchen genügen.
Ich wünsche mir Schulen, die wieder auf Leistung setzen. Und da bin ich nicht alleine. Die soziale Arbeit hat in den letzten 15 Jahren immer mehr an Stellenwert gewonnen und das ist auch gut so. Doch keine Schule der Welt kann vollständig kompensieren, was im Elternhaus versäumt wird.
Wenn Jugendliche die Chancen nicht sehen, die ihnen Schule und Unterricht geben und ein Stück weit das mitbringen, was inzwischen als komplett schulisches Konzept an einer Gemeinschaftsschule sogar gefordert wird, nämlich intrinsische Motivation zum Lernen, dann kann man vielleicht Niveaus bis zur Unkenntlichkeit absenken, gerechter wirds dadurch trotzdem nicht. Am Ende einer Schullaufbahn müssen Schüler etwas können. Kein Betrieb kann und wird sich die Zeit nehmen, Grundfertigkeiten wie das Verstehen von Texten/Anleitungen etc. noch einmal intensiv zu trainieren.
Machen Sie weiter aus Schulen Therapiezentren – auf die Wirklichkeit nach der Schulzeit werden die Kinder so aber nicht mehr vorbereitet.
Deutschland als hochmodernes Wirtschaftsland braucht zum Funktionieren gut ausgebildete und fachlich kompetente Menschen. Das setzt ein gewisses Mindestniveau schonungslos der Schule voraus. Somit kann man die Lehrpläne nicht übermäßig entkernen — tut es aber trotzdem, weil die Schülerschaft nicht mehr dazu passen soll. Meiner Meinung nach ist es eher der Weg des geringsten Widerstands, um ohne große Proteste die Schulabschlüsse hoch zu halten.
“Das setzt ein gewisses Mindestniveau schonungslos der Schule voraus.”
Sie meinen, dies zu erreichen, indem Sie Schüler*innen ein viel zu hohes Textniveau vorlegen?
Viel Erfolg, schätze ich, aber tauschen Sie sich doch nochmal mit den Deutschlehrkräften Ihrer Schule aus
Ob da die Texte der Klasse 9 bzw. das Niveau der Klassen davor vielleicht nicht etwas zu hoch für diese Schüler*innen war, um Fortschritte beim Lesen zu erzielen?
Ich denke gerade an eine konkrete Situation mit einem Schüler:
Altersangemessenes Schulbuch, die zwei Begriffe, um die es ging, waren fett gedruckt. Dennoch gelang es ihm nicht, die beiden Definitionen im Text zu finden und dann zu vergleichen. Als ich es ihm vorgelesen habe, ging es.
Unsere Sonderpädagigen sind dann übrigens auf eine clevere Idee gekommen: Schüler mit Schwierigkeiten beim Lesen konnten sich die Texte mit dem iPad vorlesen lassen. Ich war wenig begeistert, habe sie ein paar Wochen machen lassen, bis sie selbst feststellten: Wenn ein Kind immer weniger lesen muss, fällt ihm das Lesen dann noch schwerer.
Ihre geringe Begesterung kann ich nachvollziehen und zu einem gewissen Grad nachvollziehen, allerdings stellt sich da die Frage, ob das Kind Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot hat und ob ggf. die Kolleg*innen hier den Schwerpunkt auf Teilhabe am Unterricht und Verständnis zum Thema legten, nicht auf die Lesefähigkeit.
Ich weiß nicht, in welchem Fach es sich ereignete und welchen Schwerpunkt Sie da setzen, aber ich rate Ihnen dringend, sich darüber mit den Kolleg*innen auszutauschen. Am Ende entscheiden Sie
Sie verstehen schon die Ironie dahinter, wem Sie das schreiben?
🙂
Sie haben als Sonderpädagogin nie differenziert? Welch Überraschung…
Natürlich habe ich da differenziert. Ich differenziere auch heute noch, z. B. bei meinen Kommentaren hier bei n4t. Manche Foristen bekommen zusätzliche Hilfestellungen, Wiederholungen, einfachere Fragestellungen …. andere brauchen das nicht. Ich versuche also, meine Kommentare an die Fähigkeiten des jeweiligen Adressaten anzupassen. Aber das hilft manchem leider trotzdem nicht. 🙂
Ermüdend. Ich hatte schon gedacht, Sie hätten etwas zum Thema beizutragen, aber das wäre dann wohl am Ende konstruktiv gewesen. Mein Fehler
Übrigens, Sie werden es nicht glauben, Differenzierung (= sich auf sein Gegenüber einstellen), hat nichts mit Sonderpädagogik zu tun. Das praktiziere ich schon mein Leben lang in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Je nach Alter, Bildungsgrad (Lernstand und kognitive Fähigkeiten …), bei Menschen ndH auch der Sprachstand … passe ich meinen Sprachstil (meine Sprache), meine Wort- und Themenauswahl… an. Funktioniert meistens ganz gut.
Dann lade ich Sie herzlich ein, sich eine Tages dafür auszusprechen, anstatt Forist*innen beizuspringeb, die händeringend vom Thema abzuweichen versuchen 🙂
… und wieder scheiterten Sie am Leseverständnis und am Formulieren eines verständlichen (sinnvollen) Kommentars! q.e.d.
Versuchen Sie es noch einmal. Was wollten Sie mir sagen?
Schreiben Sie doch mal etwas Konstruktives zu diesem Thema 🙂
In der Oberstufe differenziere ich andauernd und lasse die Schüler differenzieren. Nach x zum Beispiel, manchmal auch nach t oder a. Mit und ohne technisches Hilfsmittel.
Und umgekehrt wird integriert, ich weiß.
Wenn Sie das richtig anstellen, sollten Sie (langsame) Fortschritte erzielen, anstatt sich über Stagnation zu beschweren. Weiter so 🙂
Es kommt auch immer darauf an, ob ich überhaupt lernen will. Wenn ich zuhause oder durch zu offene Lernformen lerne, dass es auch anders geht und einfach nur jeder zu jederzeit meine Bedürfnisse zu befriedigen hat, kommen wir zu den Ergebnissen von heute. Es braucht nicht mehr Heterogenität in den Schulklassen, denn die kann von einer einzelnen Lehrkraft doch gar nicht gehändelt werden. Früher gab es noch für jedes Kind die passende Schulart und die Ergebnisse waren besser als heute. Kann oder will das niemand sehen?
Zu meiner Schulzeit wurde Rechtschreibung in der Grundschule nicht nur erwähnt, sondern immer und immer wieder geübt, geübt und geübt. Vor einigen Jahren musste ich mir von den Grundschullehrkräften meiner Kinder anhören, dass wir bloß nicht zu korrigierend eingreifen sollen, um die Schreiblust der Kinder nicht zu gefährden. Ein Glück haben wir nicht auf diese Lehrkräfte gehört und immer wieder das richtige Schreiben zuhause verlangt und auch trainiert. Unsere Kinder machen in Arbeiten sehr wenige Rechtschreibfehler.
“Früher gab es noch für jedes Kind die passende Schulart und die Ergebnisse waren besser als heute.”
Gab es sie? Waren sie das? Praktischerweise hat’s keiner überprüft. Der erste Testlauf dann, PISA 2000, endete mit einem Desaster, dem PISA-Schock. Gerne hier nachlesen: https://www.lpb-bw.de/schulstudie-pisa
Schön, wenn ältere Herrschaften jüngeren erklären, wie toll früher alles war (sie selbst natürlich eingeschlossen). War’s aber nicht – wie wir zum Teil auch aus eigenen Erfahrungen wissen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“endete mit einem Desaster, dem PISA-Schock”
Auch damals schon je nach Bundesland unterschiedlich stark.
Auch 2000 gab es schon Bundesländer, deren Punktwerte weltweit für TOP-10 gereicht hätten, aber auch welche in denen die SuS bis über 60 Punkte weniger erzielt hatten.
Welche Bundesländer waren mit den PISA-Ergebnissen zufrieden?
Oder wollten Sie nur auf die Offensichtlichkeit hinweisen, dass die Bundesländer nicht alle gleich viele Punkte erzielten?
PISA 2000 ist mir bekannt – und dann kam Stück für Stück eine Reform nach der anderen: Kompetenzen, Gemeinschaftsschulen, offene Unterrichtsformen. Ergebnis: Heute sind die Ergebnisse noch schlechter, die Niveaus sind immer weiter gefallen. Müsste es ob all dieser Reformen nicht eher umgekehrt sein?
Von Reform kann überhaupt keine Rede sein. Es gab keine einzige Neuerung in Schulen, die irgendetwas mit den PISA-Ergebnissen zu tun gehabt hätte. Die umfassendsten Bildungsanstrengungen in Deutschland der vergangenen zwei Jahrzehnte waren die Umstellung von G9 auf G8 – und wieder zurück – sowie der Ausbau eines Ganztags, der aus Kostengründen als reine Betreuung ohne praktischen Schulbezug organisiert wurde (sonst dürften dafür keine Elternbeiträge erhoben werden). Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/05/bildungsforscher-ziehen-bilanz-fast-alle-schulpolitischen-massnahmen-seit-dem-ersten-pisa-schock-sind-gescheitert/
Das Bildungssystem wird seit Jahrzehnten billigst zusammengeschustert – und ergibt dann in der Summe genau das, was herauskommt. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/02/wirtschaftsweise-draengt-merz-zu-mehr-bildungsausgaben-sonst-reden-wir-ueber-wirtschaftlichen-abstieg/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ist vermutlich Ansichtssache, ob man es als Reform bezeichnen möchte, dass Bundesländer wie Schleswig Holstein ihr Schulsystem komplett umgebaut haben und es dort nur noch Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und einige Förderschulen gibt.
Wie viel Geld ist für die Umbenennung von Haupt- und Realschulen in Gemeinschaftsschulen in die Hand genommen worden?
Reformen sind dort, wo das Geld hinfließt. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) in Schleswig-Holstein, die 2026 vollendet wird, verursacht erhebliche Kosten für zusätzliche Klassenräume und Ausstattung. Schätzungen gehen von einem Bedarf von ca. 800.000 Euro pro Schule aus. Gerne hier nachlesen: https://www.landtag.ltsh.de/nachrichten/23_10_13_g9_rueckkehr/
Zuvor war natürlich mindestens die gleiche Summe in die Umstellung von G9 in G8 gesteckt worden.
Gilt übrigens fast bundesweit: “Nachdem fast alle Bundesländer mit neunjähriger Gymnasialzeit Anfang und Mitte der 2000er Jahre auf ein Abitur nach acht Jahren umgestiegen waren, kehren nun mehr und mehr zum alten Unterrichtsmodell zurück. Das Geld, das für die neuen Klassenzimmer und zusätzlichen Lehrer ausgegeben wird, fehlt allerdings an anderen Stellen. (…) Durch die Umstellung auf das G9 ergeben sich bundesweit direkte Kosten von rund 1,2 Milliarden Euro. Tatsächlich dürfte dieser Betrag aufgrund der fehlenden Kostenabschätzungen einiger Bundesländer noch deutlich höher liegen.” Quelle: https://www.iwd.de/artikel/g9-wiederbelebung-ist-teuer-400595/
Türschilder auszuwechseln, ist deutlich billiger – und als isolierte Maßnahme wirkungslos (im Guten wie im Schlechten), was das Leistungsniveau eines Bildungssystems angeht: “Internationale Vergleichsstudien haben längst erwiesen, dass Schulstrukturen nicht über Leistungserfolge entscheiden.” Quelle: https://www.kas.de/c/document_library/get_file?uuid=c943ad48-df39-d2f1-aa54-80d5f432815a&groupId=252038
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Dass auch die finanzielle Ausstattung nicht unbedingt zu besseren Leistungen der Sus führen muss, kann man z.B. sehen, wenn man die jährlichen Ausgaben pro Schüler*in der Bundesländer Berlin, Hamburg und Sachsen vergleicht und anschließend die Ergebnisse der SuS aus der niedrigen familiären Schicht und/oder mit Migrationshintergrund bei den IQB-Tests.
Berlin gibt – vermeintlich – am meisten für Bildung pro Kind aus. Dabei fließen in die Rechnung ein: Gratis-Kita, Gratis-Mittagessen, Gratis-ÖPNV, also Sozialleistungen, die mit der Qualität der Bildung nichts zu tun haben.
So viel zu den Vergleichen der Bildungsausgaben in De4utschland.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„ Dabei fließen in die Rechnung ein: Gratis-Kita, Gratis-Mittagessen, Gratis-ÖPNV, also Sozialleistungen, die mit der Qualität der Bildung nichts zu tun haben.“
Wohl aber mit Chancengerechtigkeit. Und ja, ich bin der Ansicht, dass jedes Kind und jeder Heranwachsende unabhängig vom Einkommen der Eltern vom Land gleich behandelt werden sollte. Verdienen die Eltern wenig Geld, kommen Gratis-Kita und Co den Kindern zugute, verdienen die Eltern viel Geld, zahlen sie auch viele Steuern (Millionärskinder und Kinder von Leuten, für die es sich lohnt, Steuern zu hinterziehen, gehen i.d.R. nicht in eine öffentliche Kita) und haben ihren Anteil darüber geleistet.
Wir stellen nicht den Sinn solcher Sozialleistungen infrage. Wir stellen infrage, ob solche Sozialleistungen als Bildungsausgaben zählen sollten.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Gratis-Kita definitiv, zumindest wenn Sie Kitas den Bildungsauftrag nicht absprechen wollen.
Für arme Familien ist die Kita ohnehin gratis. Hätte der Senat stattdessen in die personelle Ausstattung der Kitas investiert, läge der Bildungsaspekt auf der Hand – so nicht.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Was in die Rechnung einfließt lässt sich beim statistischem Bundesamt nachlesen.
Gibt es Belege, dass bei den jährlichen Bildungsausgaben pro Schüler*in in Berlin die Gratis-Kita mitgerechnet wird?
Ich habe dazu nichts gefunden.
Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/04/gratis-essen-in-schulen-und-gebuehrenfreie-kitas-aber-hinten-bei-leistungsvergleichen-spd-streitet-ueber-bildungsausgaben/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“Von Reform kann überhaupt keine Rede sein. Es gab keine einzige Neuerung in Schulen, die irgendetwas mit den PISA-Ergebnissen zu tun gehabt hätte.”
Dann muss ich mir die Entstehung von Gemeinschaftsschulen mit offenen Lernformen und die Abwertung anderer Schularten in BW eingebildet haben. Wenn diese “Neuerungen” nichts mit PISA zu tun hatten, warum hat man sie dann mit der Brechstange vollzogen? Was immer da seit gut 13 Jahren im Ländle bildungspolitisch los ist, verbessert haben sich die Schülerleistungen nicht. Nun soll es laut SPD, Grünen und Linken “more of the same” richten, die in ihren Wahlprogrammen auf Zweigliedrigkeit aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen setzen. Damit dürfte sich die rasante Fahrt gegen die Wand unaufhaltsam dem Ende zuneigen…
Der Streit um gegliedertes Schulsystem vs. integriertes Schulsystem sind so alt wie die Bundesrepublik – und haben mit PISA nichts zu tun.
“Auch die Westalliierten wurden in ihren Besatzungszonen schulpolitisch aktiv. Im Jahr 1947 verständigten sich sogar alle vier alliierten Besatzungsmächte in der sogenannten Kontrollratsdirektive 54 darauf, wie die demokratische Umgestaltung des deutschen Bildungswesens konkret aussehen sollte. Nach Ansicht der so genannten Zook-Kommission (benannt nach ihrem Vorsitzenden, dem amerikanischen Bildungsexperten George F. Zook) hatte das tradierte deutsche Schulsystem ‘bei einer kleinen Gruppe eine überlegene Haltung und bei der Mehrzahl der Deutschen ein Minderwertigkeitsgefühl entwickelt, das jene Unterwürfigkeit und jenen Mangel an Selbstbestimmung möglich machte, auf denen das autoritäre Führerprinzip gedieh’ (Bericht der Zook-Kommission, zitiert nach Herrlitz 2005, 159). Als unerlässliche Voraussetzung der gesellschaftlichen Demokratisierung empfahl die Kommission daher eine möglichst lange gemeinsame Beschulung aller Kinder, in einem nach dem Vorbild der US-amerikanischen comprehensive high school gestuften System (…).
Nach ihrer Machtübernahme hatten die Alliierten zunächst den deutschen Kulturföderalismus wiederhergestellt und die Zuständigkeit für das Schulwesen an die Länder zurück übertragen. Die Umsetzung der Kontrollratsdirektive 54 lag somit in der Verantwortung der neu gewählten Landesregierungen und ihrer Kultusministerien, wo sie mit einigen Ausnahmen zurückhaltend oder gar ablehnend aufgenommen wurde. Vor allem gegen die angeordnete Restrukturierung des Schulsystems hatte sich eine breite Gegenbewegung aus konservativen Parteien, Kirchen, Universitäten, Philologen und bildungsbürgerlichen Schichten formiert, die öffentlichkeitswirksam gegen die geplante Reform argumentierten. Die Schule habe in erster Linie pädagogische Aufgaben zu erfüllen und dürfe nicht mit sozialpolitischen Aufgaben überbürdet werden. Demokratische Gleichheitsforderungen dürften jedenfalls nicht auf Kosten einer Absenkung der Leistungsanforderungen in der höheren Bildung verwirklicht werden.” Quelle: https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/229702/schulgeschichte-nach-1945-von-der-nachkriegszeit-bis-zur-gegenwart/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“Es kommt auch immer darauf an, ob ich überhaupt lernen will.”
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Motivation leidet, wenn täglich Texte vorgegeben werden, welche die Schüler*innen derzeit nicht lesen können.
Dass die Überforderung zu Fortschritt führt, dazu kenne ich ehrlichgesagt keine Belege, aber wir lernen das ja – offenbar noch jahrzehntelang – im Großexperiment “Eigenverantwortung”.
Dass Sie sich und Ihre Schulzeit mit Bildungsverlierer*innen vergleichen, ist unpassend, traurig wenn man Ihre Berufung kennt: Sollten Sie es nicht besser wissen? Oder lebt Ihre Klientel so wie Sie Ihrerzeit?
“Ich kann mir gut vorstellen, dass die Motivation leidet, wenn täglich Texte vorgegeben werden, welche die Schüler*innen derzeit nicht lesen (und/oder verstehen) können (oder wollen).”
Genau! Das Problem kennen Sie ja gut! 🙂
Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie das witzig finden, immerhin betrifft das ja Ihre Nachhilfeschüler. :/
Ach, … Sie kennen meine Nachhilfeschüler? Dann wissen Sie ja auch, dass der eine die theoretische Fahrprüfung (auf Deutsch) im ersten Versuch schaffte (nur 5 Schuljahre in Afghanistan und “nur” B1-Sprachniveau in D), und jetzt praktische Fahrstunden nimmt. Sein Ziel: Busfahrer! Er liest und versteht anscheinend die Prüfungsaufgaben der Fahrprüfung besser, als viele Deutsch-Muttersprachler. Woran liegt es? Am Willen zu lernen und gesteckte Ziele zu erreichen!
Mit Nachhilfe.
Manchen im Forum genügen diese Schüler*innen nicht, die und deren Familien offenbar zu “faul” sind, in die Vorstellungsmuster der Kolleg*innen zu passen…
Aber ich würde NIEMALS erwarten, dass Sie auch nur ein einziges Mal Ihre Klientel verteidigen würden gegen Vorwürfe von Faulheit und Desinteresse, obwohl Sie mit Ihrer – erfolgreichen! – Nachhilfe beweisen, dass es an Bildungsmöglichkeiten mangelt.
Schade
Die Bildungsverlierer werden doch durch all die Reformen der letzten Jahre mehr und mehr produziert. Was genau ist denn besser geworden? Sagen Sie es mir. Ich lese in Sachen Bildung seit Jahren eine Wasserstandsmeldung nach der anderen.
Nur weiter so, dann liest man in einigen Jahren “Die kleine Raupe Nimmersatt”, um den Realschulabschluss zu bekommen, da man ja bloß nichts mehr fodern darf.
“Die Bildungsverlierer werden doch durch all die Reformen der letzten Jahre mehr und mehr produziert.”
Wie wollen Sie das wissen und wie soll ich Ihnen irgendwas belegen? Sie verurteilen doch Studien aus “dem Elfenbeinturm”.
Ich könnte alle Schulen Deutschlands abklappern und einheitlich Informationen dazu aufbereiten, aber das wäre ja eben die Wissenschaft, die Sie – wie auch immer sie Ihren Beruf erlernten – vermeiden 🙁
Wie ich das wissen will? Da genügt ein Blick in die Berichterstattung bei N4T, die Aussagen mehrerer Professoren und die Meldungen der Betriebe, die sich mehr und mehr darüber beklagen, dass neue Azubis immer weniger können.
Es gibt keinen einzigen Bericht auf News4teachers, der ein “Zu viel” an Bildungsreformen als Ursache für die Bildungskrise beschreibt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Tut mir leid, ich habe mich da missverständlich ausgedrückt. Ich bezog mich auf Berichte über sinkende Niveaus und immer schlechtere Schülerleistungen, die von verschiedenen Seiten beklagt werden.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Motivation leidet, wenn täglich Texte vorgegeben werden, welche die Schüler*innen derzeit nicht lesen können.
Dass die Überforderung zu Fortschritt führt, dazu kenne ich ehrlichgesagt keine Belege, aber wir lernen das ja – offenbar noch jahrzehntelang – im Großexperiment “Eigenverantwortung”.
Mich würde ernsthaft interessieren, wie Sie als Fachlehrer in einer heterogenen Klasse die Texte an den Sprachstand der Kinder anpassen wollen.
In meiner letzten Klasse hatte ich zwei Hochbegabte, zwei Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, mehrere Kinder mit LRS, mehrere Schüler mit Eltern aus dem türkischen/arabischen Raum, zwei Kinder aus der Ukraine, eines mit Vorkenntnissen in deutscher Sprache und eine andere Schülerin aus Osteuropa, die gar kein Deutsch konnte. Alle mit ganz unterschiedlichem Sprachstand.
Im Einzelfall habe ich Texte komplett auf Englisch übersetzt, so dass die betreffende Schülerin zumindest inhaltlich mitarbeiten konnte. Andere Schüler konnten Englisch nicht so gut, für die wäre das nicht hilfreich gewesen.
Wie würden Sie da alleine im Regelunterricht noch die Buchtexte an den Sprachstand der einzelnen Kinder anpassen? Ich sehe gar keine andere Möglichkeit, als den Kindern entsprechende Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie unbekannte Begriffe eben selbst recherchieren können.
“Mich würde ernsthaft interessieren, wie Sie als Fachlehrer in einer heterogenen Klasse die Texte an den Sprachstand der Kinder anpassen wollen.”
Meine Kritik galt keinen einzelnen Fachlehrer*innen, ich kritisiere wie manche (!) es verteidigen, völlig unpassende Texte Schüler*innen vorsetzen zu wollen.
Das es Ihnen nahezu unlösbare Schwierigkeiten bereitet, Schüler*innen in “homogene” Lerngruppen zu stopfen, kann ich gut nachvollziehen, aber derzeit sind noch viele mit dieser Illusion hochzufrieden… Machste nix 🙁
Wie machen Sie das denn bei Unterrichtsinhalten, die laut Lehrplan gemacht werden müssen, Schüler aber überhaupt nicht interessiert? Bitte an ihrem besten Beispiel verdeutlichen.
Ich mache den Unterricht und benote die Schüler*innen, die keine Lust zum Arbeiten haben, schlechter als jene, die gearbeitet haben. Bitteschön 🙂
Im Ernst, das ist bei mir die Basis. Der Unterricht KANN profitieren, WENN man etwas findet, was die Schüler*innen motiviert, bspw. ein Narrativ im Geschichtsunterricht, Lebensweltbezug (hatten zuletzt Strafmündigkeit in GmK) o.ä. aber die SuS müssen auch ohne unmittelbare Motivation zu arbeiten lernen.
Aber wissen Sie, was beim Lesen motivieren kann? Texte, die zum Leseniveau passen. Und selbst, wenn diese SuS den Abschluss nicht schaffen, wäre LeseFÖRDERUNG besser als Überforderung!
Sind Sie mal auf Ursachenforschung gegangen, woher die Überforderung kommt? Sie resultiert aus Unlust, denn man fällt ja weich. Man bleibt nicht mehr sitzen, sondern rutscht auch mit mehreren 5en in die nächste Klassenstufe auf. Da ist es doch hanebüchen, Noten ganz abschaffen zu wollen. “Mein” Klientel lebt schon deswegen anders als ich, als dass ich in deren Haushalten in gut 90% der Fälle kein einziges Buch finde. Familien verbringen ihre Freizeit scrollend am Smartphone, das Dopamin wird mittels TikTok, Instagram und Co. stundenlang in Wallung gehalten. Da kann kein Buch, keine Zeitung und kein Comic mit Standbildern mehr mithalten. Natürlich werden die Texte nicht verstanden, weil man sie gar nicht verstehen will und von außen auch keine Not aufgebaut wird, dies zu tun. Notfalls senkt man das Niveau einfach.
Und natürlich hat das mit Eigenverantwortung zu tun, das Smartphone wegzulegen und wenigstens zeitweise durch eine beliebige Lektüre zu ersetzen.
Fänden Sie leistungshomogene Gruppen besser? Oder Leistungsgruppen nach IQ-Punkten?
Was für “leistungshomogene” Gruppen?
Solche, wo sich die Starken langweilen, die Schwachen privat Nachhilfe bezahlen, um richtig zu lernen? Homogen, in der Tat…
Wer soll die Differenzierung bewerkstelligen? Das ist ein enormer Aufwand. Und wenn es mit einer wirklichen Differenzierung gelingen würde, wären die Schüler schnell über eine Spanne von mehreren Schuljahren verteilt. Wie wollen Sie da Unterricht machen? Was hat man davon, dass alle dann im gleichen Raum sitzen und ein Lehrer vorne steht. Stoff erklären kann er nicht mehr, weil es 25-30 völlig verschiedene Lernstände gibt.
Aber mir ist schon klar, was die Lösung der Politik für alle Bildungsprobleme ist. Abschaffung des Gymnasiums und “eine Schule für alle”. Ist ja auch schön integrativ, wenn Kinder ohne ausreichende Lesefertigkeiten und Schwächen bei den Grundrechenarten in einer Schule mitgezogen werden.
“Das ist ein enormer Aufwand.”
Dann muss es nicht. The lesson is: never try.
Aber nicht vergessen, andere zu mehr Leistungsbereitschaft und “Eigenverantwortung” aufzurufen 😉
Ich hab selten so viel “Nichts” als Antwort in vier Zeilen gelesen. Das muss man auch erst einmal schaffen.
Danke, bekanntermaßen halte ich ja auch nicht viel von Textwänden, die ebensowenig sagen 🙂
Warten wir ab, ob Bildungsnah da ähnliche Anmerkungen an mich hat oder wohlberechtigte Fragen an die Bildungspolitik richtet, welche für die Rahmenbedingungen zuständig ist.
Drücke die Daumen, dass er am Ende nicht als Leibeigener des Status Quo die Aussagen eben der Politik wiedergibt, welche für seine Misere ursächlich ist
Zum Glück gibt es zentrale Prüfungen. Bei genug Differenzierung in den Schuljahren davor haben die schwachen Schüler umso weniger Zeit für den schwierigsten Stoff im Halbjahr vor der Prüfung.
Danke, Frau Müller!
Endlich bringt jemand die Misere auf den Punkt!
RESPEKT und CHAPEAU! 🙂
“Jedes vierte Kind kann am Ende der Grundschule nicht richtig lesen, fast genauso viele beherrschen die Grundrechenarten nicht sicher.”
Das geht nach meinen Informationen beim Lesen je nach Bundesland von 12,9%- 31% und beim Rechnen von 13,2% bis 35,6%.
Aus eigener Erfahrung, sowohl als Elternteil als auch als Lehrkraft, kann sich sagen, dass diese Zustände zum großen Teil auch durch die Grundschuldidaktik zu verantworten sind.
Schuldig ist die Grundschuldidaktik? Die da wäre?
“Zum größten Teil auch” – was ist jetzt Ihre Aussage?
Und wo sind Sie Lehrkraft? Vermutlich nicht an der Grundschule.
Aber es ist ja Mode, immer alles nach unten zu treten und die Grundschulen für die Miseren in den weiterführenden Schulen verantwortlich zu machen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand diese Keule herausholen würde, und auch Frau Müller deutet dies in ihren Aussagen an – mein größter Kritikpunkt an ihren Ausführungen, denen ich ansonsten in vielen Belangen zustimmen kann.
Natürlich gibt es Dinge, die anden Grundschulen zu verbessern wären, aber die machen garantiert nicht die Hauptursachen aus. Auch die Grundschulen können nur mit den Fähigkeiten der Kinder arbeiten, die zu Beginn da sind, und anders als RS, HS und GY sind sie Schulen für alle Kinder in ihrer kompletten Heterogenität. Wir erleben den Leistungsabsturz schon bei den Schuleingangsdiagnostiken, und die Schere zwischen leistungsstark und leistungsschwach wird immer größer.
In den Kitas werden Kinder bundesweit immer merh nur verwahrt, denn denn überhaupt noch Betreuung stattfindet, weil diese jahrzenhtelang kaputtgespart wurden. Wenn wir die Kinder dann in der Grundschule haben, fehlen uns finanzielle, räumliche und personelle Ressourcen, um die Kinder angemessen zu fördern. Bürokratie verhindert und rechtzeitige und schnelle Hilfe. Wir haben teilweise Kinder, die noch nicht trocken sind, Kinder, die nicht zwei Minuten lang zuhören können, die jede Stunde schweißen, weil sie entwicklungsverzögert sind, aber alle Hinweise der Erzieherinnen während der Kitazeit igrnoriert wurden.
Und wenn dann das zweijährige Geschwisterchen mit zum Einschulungsgespräch des auffälligen Fünfjährigen kommt und während der ganzen Zeit mittels Tablet ruhiggestellt wird, dann habe ich keine Fragen mehr.
Aber treten Sie ruhig weiter runter auf die Grundschulen. Die Politik wird es Ihnen danken, denn so werden die wahren Probleme nicht benannt.
Ich bin bei dem Thema voll auf der Seite von Frau Müller, aber noch stärker pessimistisch, denn der Stellenwert von “Bildung” in einem positiv persönlichkeitsverändernden Sinn ist überhaupt nicht mehr vorhanden, worüber kein noch so innovativ formuliertes Wortgeklingel mehr hinwegtäuschen kann. Politische Fehlentscheidungen haben das Ihre dazu beigetragen, aber im Grunde ist der geistige Niedergang ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Ob da noch Sechsen vergeben werden müssen oder nicht, ist da auch schon wurst.
Wird man jetzt generell als Lehrkraft als Bildungsexperte anerkannt oder muss man dazu laut genug das Bildungssystem als veraltet darstellen, es in die Nähe des Nationalsozialismus rücken und “Progressivität” fordern?
Lese ich die Kommentare hier bei N4T quer durch alle Themen, bekomme ich den Eindruck, dass sich die meisten Lehrkräfte eher ein Rückbesinnen zu einem gegliederten Schulsystem wünschen, in dem es vor allem um Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft geht. Du willst aufs Gymnasium oder die Realschule? Okay, dann auf, tu was dafür! Du willst die Versetzung? Streng dich an! Du willst eine Urkunde in Sport? Dann trainiere und gib dein Bestes! So funktioniert es später in der freien Wirtschaft bis heute. Doch mit immer weniger Anforderungen in den Schulen, werden die Kinder darauf auch immer weniger vorbereitet.
“So funktioniert es später in der freien Wirtschaft bis heute.” Tut es leider nicht. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/01/leistungsgerecht-von-wegen-herkunft-entscheidet-immer-staerker-ueber-einkommen-und-bildungschancen/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Aber häufig auch, weil die Eltern dann die Leistung fordern und nicht die Schule…
bezahlen
Mir wäre wohler, wenn man Scheinargumente aus der Diskussion herauszuhalten würde, da sie nicht zum Ziel führen. Z.B. dem „Argument“, das Schulsystem sei veraltet, mit dem „Argument“, man wolle die Einheitsschule aus ideologischen Gründen, zu begegnen, ist so eine Scheindebatte.
Ich habe inzwischen den Eindruck, dass die Systemfrage weniger wichtig ist, als die konkrete Ausgestaltung des „Systems“.
Ich empfehle letzteres, wenn Sie finanziell gewinnen wollen.
Ich Hysterican bin mit meinem Leidenschaftsfach Geschichte naturgemäß rückwärtsgewandt und daher ist es für mich – aus der Perspektive der „Erneuerer“ – quasi gar nicht möglich, schülerzugewandten und schülerorientierten und dennoch qualifizierten Unterricht zu machen – ein alter weißer Mann halt … oder vllt doch ein alter weiser Mann?
Alles eine Frage des Respekts, der Lesart und der Rechtschreibung… ich ergebe mich meinem zugewiesenen Schicksal – gönne mir dann aber auch die eine oder andere satirische, ironische, zynische Spitze gegen solcherlei verallgemeinernder Zuschreibung …
die Mathematiker und Physiker bleiben mit ihrem Schulstoff inhaltlich auch weitestgehend im 18. Jahrhundert stehen. Die sind also noch rückwärtsgewandter, weil sich die Historiker wenigstens noch mit dem 20. Jahrhundert beschäftigen.
Ich sach ma so”,
Geschichte, ein Fach , das Leiden schafft
„Wer nur Inhalte vermitteln, aber keine Beziehungen gestalten kann, ist für den Job nicht geeignet““Neben Strukturen rückt Müller immer wieder die Arbeit der Lehrkräfte in den Mittelpunkt. Im WDR fordert sie mehr Zeit für Beziehung, mehr Qualität, mehr Fachkräfte – und auch verpflichtende Fortbildungen. In der Süddeutschen Zeitung wird sie noch deutlicher. Beziehungsarbeit sei der Kern des Lehrerberufs, komme aber systematisch zu kurz. Kinder müssten sich sicher und gesehen fühlen, um nachhaltig lernen zu können. „Wer nur Inhalte vermitteln, aber keine Beziehungen gestalten kann, ist für den Job nicht geeignet“, sagt sie. Das müsse schon im Lehramtsstudium klar werden.”
Fast in jedem Fach zu beobachten.
Diejenigen, die Beziehungsarbeit für unwichtig halten, lassen sich demnächst ziemlich problemlos durch eine KI ersetzen. Die kann dann wenigstens auch noch differenzieren, ohne damit überfordert zu sein.
Schöne Idee
Bei den momentanen Klassengrößen, z.B 28 Erstklässler, davon mehrere noch nicht diagnostizierte und somit von jeder Ressource abgeschnittene Beeinträchtigte , auserdem 2 Kinder mit analphbetischem Elternhaus, 15 Kinder, die kein gutes Deutsch sprechen und verstehen,…
Davon bin ich überfordert.
Da bleibt nur “Feuerwehr”, das Nötigste tun, überleben,…
Was soll hier heißen ruhiggestellt? Natürlich muss es ruhig sein, damit wir uns konzentrieren und einander zuhören können. In den Pausen habe ich immer ein offenes Ohr für meine Schützlinge, aber Unterricht ist Lernzeit und die nutzen wir effektiv
Ok, Schule als System muss verändert werden, aber Lehrer und Lehrerinnen agieren mittendrin! Mit „breiten Schultern“, Kompetenz, Kreativität kann man sich sehr wohl Freiräume schaffen. Lehrkräfte haben es auch in der Hand, das Schulleben und Unterrichtsgeschehen zu gestalten. Man muss es nur wollen und sich nicht „treiben“ lassen! Und noch einmal: Wer einen „Job“ sucht, hat in einer Schule nichts zu suchen! Und nein, es sind nicht die leuchtenden Kinderaugen, sondern das Bewusstsein der Verantwortung für jedes einzelne Kind. Und es ist mir immer noch unverständlich, dass ein Kind, welches eine Regelschule besucht, am Ende der Schulzeit nicht sinnentnehmend lesen kann- was läuft da schief?!!!
Was man mal betonen sollte, dass wir mit unserem Bildungsystem (ich finde es auch nur so mittel), trotz der katastrophalen baulichen Zustände und dem Lehrermangel und allem, was sonst noch im System schief läuft, TROTZDEM bei Pisa im Mittelfeld landen.
Ich weiß, das Mittelfeld ist den Meisten nicht gut genug, weil wir ja eine der führenden Industrienationen sind, ich muss aber ehrlich sagen, dass die Bedingungen mittlerweile so schlecht sind, dann wir Lehrer aus “Scheisse” zwar kein “Gold” aber immerhin “Silber” hinbekommen.
Wenn ich morgens in unsere Schule reinkomme, froh bin, dass ich ohne mir was zu brechen im Lehrerzimmer angekommen bin, dass ich von keinem Gebäudeteil erschlagen wurde, dass ich in keine Grube oder Lichtschacht gefallen bin, nicht ein zweites Mal durch undichte Dächer geduscht worden bin, mir auf den Toiletten nicht die Pest geholt habe, noch nicht erfroren oder den Hitzekollaps erlitten habe, ……. ja wenn ich dann heil und leider nicht mehr munter dort sitze, dann denke ich mir ganz ehrlich: Das ist schon der Hammer, was wir Lehrer aus so einer vollkatastrophe noch rausholen. Und auch wenn wir durch Medien und Politiker für alles, was im Schulsystem nicht gut läuft, die Verantwortung zugeschoben bekommen, die haben wir so einfach einfach nicht, und es ist auch nicht alles unsere Verantwortung.
Wir Lehrer machen zu einem Großteil einen tollen Job, was sehr sehr viele, die ich in anderen Jobs kenne, so nicht machen würden.
Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt – oder so ähnlich:)
Der bayrische MP will ja, dass gesungen wird.
Komisch, denn in den USA und Großbritannien werden mit dem gegenteiligen Konzept von Doug Lemov große Erfolge erzielt und das in Brennpunktschulen, die dann plötzlich beste Schulen werden. Und ja ich glaube auch Erfolg und Miteinander, was durch Lemov entsteht, führt zu glücklicheren Kindern. Nicht weniger sondern mehr Lenkung
Oweh, Sie wollen doch nicht etwa Hattie zustimmen, dass die Lehrkraftpersönlichkeit mehr Einfluss hat im Vergleich zur Klassengröße? 😀
Kommt auf die Klassengröße an.
Hattie wird in Bezug auf Klassengröße auch permanent missinterpretiert und falsch “zitiert”.
Ich dachte wir hatten das Thema schonmal?
Vergessen Sie einfach den Faktor “Klassengröße” bei Hattie.
– Alte Daten
– Keine Verknüpfungen/Kausalwirkungen
– Bezugsdaten, welche auf anderen Bildungssystemen/Ländern basieren
– Deutschland nicht mit erfasst
– Eingrenzung der Klassengröße auf Basisgrenzen, welche bereits schon besser sind als “viele Standardklassen”
– Vergleich dieser Basisgrenze mit “etwas weniger” – aber nicht ausschlaggebende Grenzwirkungen
Kurzum: Vergessen Sie einfach den Faktor “Klassengröße” bei Hattie. Das ist ein Scheinfaktor, wenn man nur auf den “Faktorisierungspunkt” schaut und weder die Hattie-Studie gelesen hat, noch sich diesbezüglich auseinandergesetzt hat. [Wie Sie wahrscheinlich?]
Wie wäre es, Hattie dazu selbst zu Wort kommen zu lassen? Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/12/das-ungerechteste-schulsystem-das-ich-kenne-warum-bildungsforscher-hattie-glaubt-dass-deutschland-ohne-bildungsreformen-nie-an-die-pisa-spitze-kommt/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
“Kurzum: Vergessen Sie einfach den Faktor “Klassengröße” bei Hattie. Das ist ein Scheinfaktor”
Jaja, das sagt er oft wortgetreu genau so. Zum Glück haben Sie die Studie nach all der Zeit, Artikeln und Korrekturen bei Fehlinterpretationen genau verstanden, was Hattie meinte 😉
@Redaktion
Passend zum Thema steht in der heutigen “Berliner Zeitung” (31.1./1.2.2026) ein Artikel von Ulla Bengs (Oberstudienrätin im Ruhestand aus Bad Homburg). Titel des Artikels “Sechzehn Wege ins Mittelmaß”. Leider kann ich den Artikel nicht verlinken, da ich ganz altmodisch die Zeitung in Papierform lese. Vielleicht hat die Redaktion da eine Möglichkeit zum verlinken? Die Dame hat wirklich einen guten Blick auf die derzeitigen Probleme im Bildungssystem und viele gute Ideen.
Danke!
potschemutschka
Wir verlinken nicht auf die “Berliner Zeitung”, weil es sich um kein seriöses Medium (mehr) mit journalistischem Anspruch handelt. Gerne hier nachlesen: https://www.spiegel.de/kultur/berliner-zeitung-unter-holger-und-silke-friedrich-die-alternativmedienmacher-a-e0cc589a-c695-423b-aeff-9cef9800f6da
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Die Berliner Zeitung ist nicht seriös?
Hoffentlich hörte Potschemuschka davon
Frau Müller ist nicht ausgestiegen.
Sie hat sich “beurlauben lassen”…!?