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Schule der Zukunft: Strampelnd zum Abschluss? Schreibtisch-Räder im Klassenraum

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KÖNIGSSTEIN. Sie sitzen – oft stundenlang. Im Klassenraum, am Nachmittag über den Hausaufgaben, später vor dem Smartphone. Bewegung kommt im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher zu kurz, das belegen seit Jahren Studien zur motorischen Entwicklung und Fitness. Gerade in der Schule dominiert noch immer das Prinzip: still sein, zuhören, mitschreiben. Doch was passiert, wenn man dieses Muster aufbricht – und Lernen buchstäblich in Bewegung bringt? An einer Mädchenschule im hessischen Königstein dürfen Schülerinnen im Unterricht auf einem sogenannten Office Bike strampeln. Die Erfahrung der Lehrerin: Wer unten Energie loswird, kann oben besser denken.

Läuft. Illustration: News4teachers

Still sitzen und lange dem Frontalunterricht lauschen, so sieht für viele Mädchen und Jungen in Hessen der Schulalltag aus – aber könnte Bewegung ihre Konzentration verbessern? Ja, sagt Julia Döller, Leiterin des Realschulzweigs der Mädchenschule St. Angela in Königstein im Taunus. Sie lässt im Unterricht einzelne Schülerinnen ihrer neunten Klasse auf Wunsch auf einem Office Bike, also einem Sitzfahrrad, strampeln.

«Oben sollen sie ruhig sein und unten ihre Energie rauslassen», erklärt die Lehrerin. «Das ist etwas exotisch, aber funktioniert. Das kann auch bei ADS helfen.» Eine Schülerin etwa habe gesagt: «Ich bin morgens müde und damit kann ich gut wach werden.» Die Konzentration könne sich beim Strampeln verbessern, ergänzt Döller. Mit der Corona-Pandemie sei die Bedeutung von Bewegung für Schülerinnen und Schüler mehr in den Fokus gerückt.

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Ministerium: Bewegung ist positiv für das Lernen

Das sieht auch das hessische Bildungsministerium in Wiesbaden so. Eine Sprecherin sagt auf Anfrage mit Blick auf die besonderen Schulräder: «Bewegung wirkt sich positiv auf die Lernleistungen aus. Sie steigert sowohl die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit – sie verbessert Konzentration, Stressresistenz, Ausdauer und Wohlbefinden.» Noch sind Office Bikes allerdings selten in Schulen.

Auch die Landesschülervertretung setzt sich nach eigenen Worten dafür ein, dass in den Schulen auch «Spaß an Bewegung vermittelt wird». Sitzfahrräder und Laufbänder wären dafür ein guter Schritt, insbesondere innerhalb offener Lernraumkonzepte ohne klassischen Frontalunterricht.

Lehrerin: Erst finden Schülerinnen Office Bike peinlich

Nach Julia Döllers Worten haben ihre Schülerinnen das Office Bike erst als peinlich empfunden – ebenso wie ein Teil ihres Kollegiums. «Aber wir haben im Unterricht erarbeitet, wie das Gehirn funktioniert und warum langes Sitzen nicht sinnvoll ist», ergänzt die Lehrerin für Deutsch und Geografie. Da hätten sich doch die ersten Mädchen zu strampeln getraut – vor den Augen ihrer Mitschülerinnen.

Döller sagt, das Office Bike habe sie mit Geld aus dem hessischen Schulförderprogramm Löwenstark finanziert. Dieses soll Schülerinnen und Schülern helfen, die Nachwirkungen von Corona zu bewältigen. «Ein Office Bike ist wie ein Hometrainer ohne Lenker, den man vor Schultische stellen kann. Ein Office Bike kostet um die 250 Euro», erläutert die Pädagogin. Es gebe auch deutlich teurere sogenannte Desk Bikes, die mit Tischen fest verbaut seien.

Auch Fußschaukeln für Bewegungsdrang in der Schule

Ebenfalls im Einsatz hat sie nach eigener Aussage eine andere – preiswerte – Lösung für mehr Bewegung im Unterricht, sogenannte Fußschaukeln: «Das sind Teller mit rund 20 Zentimeter Durchmesser, die an einem Seil dicht über dem Boden hängen und an der Unterseite von einem Schultisch befestigt sind.» Ihre Schülerinnen hielten auch diese gerne mit den Füßen in Bewegung. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Schule der Zukunft”. 

“Unsere Kinder sitzen sich in der Grundschule krank”: Immer mehr Übergewichtige

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Einer
2 Monate zuvor

Ich Frage mich wirklich wer auf solche Ideen kommt? Die Dinger sind eine Woche interessant und dann werden sie ignoriert und anschließend demoliert. Nach zwei Schuljahren kommen sie kaum gebraucht und dafür zu kaputt in den Keller.

Dafür soll Geld ausgegeben werden, aber für Fortbildungen gibt zum Beispiel das Land NRW nur 25 Euro pro Lehrer pro Schuljahr aus. Oder ist es die gewaltige Summe von 40 Euro pro Jahr und Lehrer? Bin mir gerade nicht sicher.

Es läuft wirklich viel falsch seit “Bildungsexperten” gefragt werden, die nie in Schule gearbeitet haben. Könnte mal jemand ausrechnen wie viele Fortbildungen man dafür hätte machen können?

Bla
2 Monate zuvor
Antwortet  Einer

Das wird doch bestimmt als nächster Ansatz refinanziert. Anschluss an das Stromnetz … SuS produzieren und speisen den Strom ein. Ist doch logisch. Damit können sie dann wiederum bei Digitalisierung einen Eigenverbrauch produzieren.

Bisschen was von der Serie “Black Mirror”, wo die Gesellschaft radeln muss. Irgendwo und irgendwann muss man doch mal Gas geben (beim Radeln).

GraueMaus
2 Monate zuvor

Vielleicht lässt sich mit den Rädern dann ja auch noch der Strom erzeugen, der von den Computern verbraucht wird. Dann wird es gelegentlich heißen: kräftiger treten.:-)

Bla
2 Monate zuvor
Antwortet  GraueMaus

Nur digitales Arbeiten, wer den Strom dafür erwirtschaftet. Ganz einfach. Bisschen Anreiz …

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  Bla

Das wird hart.

Hysterican
2 Monate zuvor

Topp-Idee!! 🙂
Dann könnte man auch noch Dynamos installieren, die die Powerbanks der SuS laden, damit diese ihre iPads wieder mit Strom versorgen können … wir haben z.B. in jedem Klassenraum nur eine!! Steckdose, an der keine Mehrfachsteckdosen angeschlossen werden dürfen, weil das das antike Stromnetz des Schulgebäudes überlasten könnte … Laufen in allen Klassen eines Flures zeitgleich die Beamer – wie es der Anspruch unserer Schule (“Pilotschule digitales Lernen”) quasi fordert, dann fliegt die Sicherung für diesen Flur raus … also: Hausmeister auftun, der dann den Sicherungskasten aufschließt, um die Sicherung wieder einzuschalten – kann schon mal dauern…

Neben diesem positiven Effekt lernen die SuS dann ganz nebenbei die berühmte “Radfahrermentalität”, die in Deutschland schwer angesagt ist … nach oben buckeln – nach unten treten (unsere Regierung macht es gerade mal wieder 1a vor) … das bringt einen im Leben offenbar gut voran … schwierig könnte es werden, wenn die SuS den üblichen “langen Tag” haben – von morgens um 8 bis nachmittags um kurz vor vier …
Da könnte sowohl die Kraft, die Ausdauer und auch die Motivation zum strampeln erwartbar schrumpfen. Diesem “Leistungsverlust” (“Die Deutschen arbeiten einfach zu wenig!”) könnte man dadurch begegnen, indem man für jede Unterrichtsstunde einen “pace-maker” bestimmt, der die dann symchronisiert verkoppelten Pedale aller SuS im richtigen Tempo und mit der korrekten Trittfrequenz versorgt. Damit kommt so richtig Schwung in die Sache!!

Ansonsten vermute ich, dass der Hersteller dieser “Büro-Pedalos” entsprechend Werbung und Lobbyisten angeheuert hat, die für sein Produkt die “Trommel rühren” resp. “in die Pedale treten”.

Tanya
2 Monate zuvor

am besten Blöcke,
Montag: Gruppenprojekte
Dienstag Theorie und reiner Unterrichgt
Mittwoch online Stunden
Donnerstag Theorie und Gruppenarbeit
Freitag Homeoffice!!
🙂

Sepp
2 Monate zuvor
Antwortet  Tanya

Wollten Sie nicht noch schreiben, dass Ihre Frau auch im Homeoffice ist, bessere Bedigungen hat und am heimischen Stehschreibtisch ein Desk Bike nutzt?

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor

Und dann surrt (hoffentlich nicht quietscht) es in einer Tour. Schon unsere Lüftungsgeräte werden wegen des ständigen Rauschens von einigen Kolleginnen als unangenehm empfunden….mal abgesehen vom Platzbedarf…..aber gut…..
Diese Idee (oben ganz ruhig, unten stark rudern) gebar ja schon die Sitzbälle in den Klassenräumen, die T-Sitze, die Körnerkissen unterm Po…..alles schon erlebt, sie kamen und gingen….nun eben die Tischfahrräder…..
Ja, Bewegung hilft beim Denken, zeigen ja die Übungen der exekutiven Funktionen,…..dann aber lieber Bewegungseinheiten im Unterricht einbauen….ist günstiger…..tut allen gut…..

potschemutschka
2 Monate zuvor

Oh ja, an die Sitzbälle erinnere ich mich mit Grausen. 3 Schüler in einer Klasse, die in unterschiedlichem Rhythmus darauf herumzappelten. Nach einer Stunde Fachunterricht in dieser Klasse, war ich auch immer total “zappelig” im Kopf. Zum Glück waren die Dinger nach wenigen Wochen kaputt und wurden auch nicht ersetzt. Die Sitzkissen (Körnerkissen) waren danach besser, hielten aber auch nie lange, schade ums Geld!

Marie
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wir haben inzwischen etwa die Hälfte der Stühle in einem Raum durch Drehstühle ersetzt (bekommen). Entgegen der vorgesehenen Zielgruppe setze ich da immer die wenig bewegungsintensiven Kinder hin, dieses permanente Gekreisel macht mich wahnsinnig.

Pit2020
2 Monate zuvor

@Fräulein Rottenmeier

Mein erster Gedanke war auch heiter-bewegt – es ist ja närrische Zeit gerade … 😉 – inklusive (Karnevals)Ohrwurm:
“Wir haben oben gute Laune, unten gute Laune, vorne gute Laune, hinten gute Laune …”

https://www.youtube.com/watch?v=_lJv09v7kpI

Da simmer dabei, dat is prima! 😉

Bla
2 Monate zuvor

Bei AD(H!)S wurde das ja als “gut” empfunden. Das ist so. Ebenfalls bei Bewegungsdrang.

Wie sieht es denn bei Autismus/A-S-S aus?
Schlagworte: Sensorische Integration, Reizoveizoverload
Hier würde man nahezu sicher an permanente Überreizung ecken und ständig auf Meltdowns hinarbeiten.
Wurde das von der Schule auch mal getestet? Wie sehen die Ergebnisse aus?

Wie sieht es bei Dyspraxie aus? Eben ähnlich. Auch hier sind Meltdowns vorprogrammiert. Gibts das dann als “Programm”?

Wie bei Hypothonie? Kann mir das jemand erklären, wie das bitte funktionieren soll?

Die Propriozeption funktioniert eben bei Bewegungsdrang und ADHS. Ja. Hier ist das durchaus sinnvoll. Gesondert in einen dafür eingerichteten Raum mit extra Personal. Genau auf diese Zielgruppe [in dem Moment als Bedarf]. Hier ist der Einsatz durchaus sinnstiftend.

Als “Konzept” in der Klasse? No Way. Nicht mit Inklusion flächendeckend vereinbar meiner Meinung nach.
Das Konzept stammt doch auch aus “ADHS” Perspektive, oder? Und genau hier wirkt sie. Schlüsselbegriff: Kinästhetischer Output.
Auch nicht unbedingt was Neues, wenn man sich mit Sportwissenschaften etwas auseinandersetzt. Die Ansätze gibt es ja schon länger. Auch im Bereich von Homeoffice und co.

Menschen mit Hörschädigung: Qual.
Sehbehinderung: Einschränkung und überforderung der Raumwahrnehmung durch motorische Reizimpulse.
Bei Menschen mit erhöhter visueller Wahrnehmung/Perzeption ebenfalls …
Wie sieht es bei ESE aus? Vergleich der Leistung und Frust(erfahrung)?

Also: Zieldifferent und gezielter Einsatz in einer diesbezüglich eingerichteter Umgebung? Super.
Aber auch: Einsatz als “Standard” in Klassen … Da wäre ich sehr skeptisch, kritisch und vorsichtig (warnend).
Sonst stehen die Räder bald im Keller.

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Okay, wir sind ab nächstem Schuljahr GL-Schule, also lieber keine Räder….. 😉

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Bla

“Gesondert in einen dafür eingerichteten Raum mit extra Personal. Genau auf diese Zielgruppe”
Das widerspricht dann aber dem Prinzip der Inklusion, oder?

Realist
2 Monate zuvor

Energiewende in Deutschland:

“Strampeln für die nächste Handyladung”.

Gut, das die Kleinen das schon so früh lernen, kann ja nicht schaden…

GriasDi
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Vor allem merken sie dann, wie lange sie für einmal Händi laden strampeln müssen.

Ulla
2 Monate zuvor

Wer solche Vorschläge macht, hat lange keine Grundschule von innen gesehen. Durch häufige Phasenwechsel sind die Kinder viel in Bewegung. In den 1. und 2. Klasse machen wir zusätzlich noch kleine Bewegungsspiele in jeder Unterrichtsstunde.
Außerdem möchte ich mir den Geräuschpegel bei 25 Geräten gar nicht vorstellen.

potschemutschka
2 Monate zuvor

Werden die Bikes und die Tische (hoffentlich höhenverstellbar) dann immer individuell auf die Schüler abgestimmt? Es könnte sonst, durch falsche Sitzhaltung, zu Rückenproblemen führen (Ergonomie). Und wer ist dafür verantwortlich und kontrolliert das regelmäßig?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

P.S.: Der Junge in der Mitte des Artikelbildes, scheint mir, stößt mit den Knien ständig an die Tischplatte. Die Kinder auf dem Bild sind unterschiedlich groß, aber sitzen alle am selben Tisch? An meiner GS wurden Tische und Stühle jeweils am Anfang des Schuljahres auf die Größe der Schüler abgestimmt, jedes Mal ein großer Aufwand, die Möbel zwischen verschiedenen Klassenräumen hin- und herzutragen.

potschemutschka
2 Monate zuvor

Da ich schon immer nach Ideen gesucht habe, die “meinen” Schülern beim Lernen helfen könnten, hatten wir vor Jahren, gemeinsam mit der Sozialpädagogin, die tolle Idee, für unsere ESE-Schüler der temporären Kleingruppen (einige mit ADHS) ein Stehpult für den Förderraum anzuschaffen. Wir dachten so könnte immer mal einer der Schüler im Stehen arbeiten. Ja, die Idee ist toll. Aber: Wir hatten Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse, manchmal auch kurzzeitige “Gäste” aus der 5. oder 6. Klasse (GS Berlin bis 6. Klasse). Dieses Stehpult hätte also ständig in der Höhe verstellt werden müssen, um zu “passen”. Selbst ein hochwertiges, teures Modell (dafür hatten wir eh kein Geld), hätte diese ständige “Verstellerei” wohl nicht lange mitgemacht. Es blieb also nur eine “schöne Idee”. Wie so viele andere, leider! Die Praxis ist halt das Entscheidende, nicht die schöne Theorie.

Sepp
2 Monate zuvor

In einem ganztägigen Online-Seminar hatte ich letztens eine Kollegin, die zu Hause einen höhenverstellbaren Schreibtisch hatte, Computer stand entsprechend hoch und den Großteil der Veranstaltung hatte sie auf einem solchen Office Bike / Desk Bike ihre Bewegung.
Das fand ich schon spannend, weil sie so eben ihre Bewegungseinheiten im Alltag bekommt. Und die richtigen (teuren) Geräte sollen so leise sein, dass man sie kaum hört.

Die Schüler, die ja eigentlich einen höheren Bewegungsdrang haben, sitzen gerade im Ganztag ständig rum. Dagegen stehe ich meist dank höhenverstellbarem Schreibtisch im Klassenraum oder stehe/laufe im Fachraum, weil man hinter dem Lehrer-Experimentiertisch kaum sitzen kann.

Insofern ist es doch super, wenn die Schüler ein bisschen Bewegung bekommen. Wenn man merkt, dass die Schüler Bewegung brauchen, habe ich sie auch schon die Treppen zum Klassenraum hoch und runter laufen lassen oder wir haben irgendwas gemacht, wo man nach draußen laufen muss. Wir hatten auch schon Kids, die statt zur Toilette kurz rausgegangen sind, ein paar Kniebeugen/Sit-Ups/Liegestütze gemacht haben und dann wieder reingekommen sind und weitergearbeitet haben…

Ich stelle mir zwar auch die Fragen, ob meine Schüler so ein Office Bike nutzen würden, wenn es nur eines im Raum gibt, ob es leise genug für einen Klassenraum ist, wer sowas bezahlen soll und v.a., wer es wartet/repariert,
aber wenn das alles geklärt ist, was spricht dagegen, den Schülern ein bisschen Bewegung zu ermöglichen?

Simone L.
2 Monate zuvor

Lehrer dann aber bitte auch.

Ich halte den Bericht für geschönt und denke, dass Konzentration eher darunter leidet.

Und bereiten wir die Kinder damit wirklich auf das Leben vor, sprich Selbstbeherrschung und Impulskontrolle?

Sepp
2 Monate zuvor
Antwortet  Simone L.

Immer mehr Kinder kommen in den Ganztag, sitzen in der Schule rum. Nachmittags werden sie dann vor irgendwelchen Bildschirmen geparkt, damit die Eltern Ruhe vor den eigenen Kindern haben.

Dabei haben Kinder – wie auch wir Erwachsenen – einen natürlichen Bewegungsdrang. Wenn sie den nicht irgendwie ausleben können, werden sie unruhig, zappeln vor sich hin, kippeln mit den Stühlen usw.

Daher gibt so viele Initiativen zu bewegter Schule, Bewegungspausen, es gibt Stressbälle, die die Kids kneten können, es gibt sogar breite “Gummibänder” für die Stühle “zappelige” Schüler, um damit ein bisschen Bewegung zu bekommen.

Es muss darum gehen, dass die Kinder ihre Energie auch irgendwo rauslassen und sich auspowern können. Wenn das im Ganztag immer schwieriger wird, dann sind doch solche Möglichkeiten sinnvoll, so lange es andere Schüler nicht stört.

Lehrer dann aber bitte auch.

Zumindest mir geht es auch so, dass ich in der Schule ständig unterwegs bin (Lehrerzimmer, Klassenraum, Fachraum, Kopierer…) und auch öfter durch den Fach-/Klassenraum laufe, während die Schüler sitzen und arbeiten. In den Klassenräumen haben wir höhenverstellbare Lehrertische. Die schiebe ich auch oft hoch, stehe dabei im Unterricht, dehne meine Beine ein bisschen usw. Warum sollte es icht auch gehen, ein bisschen Bewegung in den (Schul-)Alltag einzubauen?

Ich halte den Bericht für geschönt und denke, dass Konzentration eher darunter leidet.

Wenn aus meiner eigenen Klasse gerade die Jungs unruhig geworden sind, habe ich es schon öfter gemacht, dass ich sie ins Treppenhaus geschickt habe.
“Ihr braucht gerade ein bisschen Bewegung, oder? Lauft mal zwei Mal hoch zum Klassenraum und zurück!”
Das wirkt manchmal echt Wunder, die Kids kommen zurück, setzen sich hin, arbeiten konzentriert weiter. Probieren Sie das mal mit Ihren Schülern aus…

Hans Hoffmann
2 Monate zuvor
Antwortet  Sepp

Das ist solange ok, bis einer beim Rauf-und-runterlaufen stolpert, hinfällt und sich verletzt. Dann plärrt garantiert irgendwer was von “Aufsichtspflicht”, “vernachlässigt”, “Verletzungsrisiko” und “unverantwortlich”. Da lass ich sie doch lieber im Klassenzimmer auf dem Stuhl hin und her rutschen. Abgesehen davon gibt es auch noch Pausen und Stunden/Klassenzimmerwechsel. Es ist ja nicht so, dass die Kinder von 8.00 bis 13.00 auf ihren Stühlen festgetackert werden.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Hoffmann

Tscha, und wie viele Schüler halten sich dann gleichzeitig im Treppenhaus und auf den Fluren auf, wenn andere Lehrer auch ab und zu Schülern eine Bewegungseinheit “verordnen”? Stichwort: Aufsichtspflicht!

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