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“Unsere Kinder sitzen sich in der Grundschule krank”: Immer mehr Übergewichtige

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STUTTGART. Lockdown, keine Spielplätze und kein Vereinssport. Während der Pandemie hat die Fitness der Kinder gelitten. Dass dabei sogar ein «Corona-Knick» und nicht bloß eine Delle zu beobachten ist, darüber wundern sich sogar Expertinnen und Experten. Dabei ist die Entwicklung hin zu einem immer schlechteren körperlichen Zustand schon seit langem zu beobachten. Auch die Schule wird dafür verantwortlich gemacht.

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Kindern zu Übergewicht geführt. Foto: Shutterstock

Angesichts der immer schlechter werdenden Fitness der Jungen und Mädchen warnen Gesundheitsexperten vor mangelnder Bewegung in der Grundschule. «Unsere Kinder sitzen sich in der Grundschule krank», sagt der Ludwigsburger Kinder-  und Jugendarzt Thomas Kauth mit Blick auf das aktuelle Fitnessbarometer der Kinderstiftung Baden-Württemberg. «Die Bewegung nimmt durch das ständige Sitzen, Lesen, Lernen deutlich ab.»

Kauth spricht von einem besonders alarmierenden Gewichtssprung beim Wechsel von der Kita in die Grundschule. Übergewicht und Adipositas nähmen in diesem Zeitraum drastisch zu. Adipositas, die krankhafte Fettleibigkeit, hat sich laut Studie beim Wechsel von Kindergarten zur Grundschule von 3,1 Prozent auf 6,8 Prozent mehr als verdoppelt. Kauth: «Dieser „Gewichtssprung“, die Zunahme von Übergewicht und Adipositas von der Kita in die Grundschule, ist alarmierend. Kinder müssen sich bewegen, um gesund aufzuwachsen! Jedem Kind sollte daher täglich mindestens eine Stunde qualifizierte Bewegungszeit ermöglicht werden.»

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Laut Fitnessbarometer haben sich die Erkenntnisse aus den Pandemiejahren insgesamt verstetigt, wie Professor Klaus Bös erklärt. Er erstellt gemeinsam mit der Stiftung und einem Forscherteam jährlich die Studie. Zwar seien die Kinder in Baden-Württemberg immer noch fitter als der bundesweite Durchschnitt. Es sei aber deutlich, dass sie zunehmend ihre Fitness verlören, während die Zahl übergewichtiger Jungen und Mädchen drastisch steige, sagte Bös.

Über die sogenannte Turnbeutelbande, eine Initiative der KinderturnstiftungBaden-Württemberg, wird seit zwölf Jahren ein Motorik-Test für Kinder angeboten. Untersucht wird, wie die Kinder bei verschiedenen motorischen Tests abschneiden. Betrachtet wird etwa, wie schnell Kinder bei einem 20-Meter-Lauf oder wie ausdauernd sie bei einem 6-Minuten-Lauf sind, ob sie rückwärts balancieren oder Liegestütze machen können. An den Motorik-Tests nahmen im Jahr 2023 insgesamt 7.358 Kinder zwischen drei und zehn Jahren in Kitas, Grundschulen und Sportvereinen teil.

«Die durch das Fitnessbarometer erhobenen Daten zeigen, dass das Fitnessniveau der Kinder seit 2012 konstant abnimmt, jedoch der Einfluss der Corona-Pandemie dennoch deutlich als Knick erkennbar ist», bilanzierte Bös, Professor für Bewegungsforschung und Testautor des Motorik-Tests. Trotz des Endes der Pandemie bleibe das Fitnessniveau hinter dem von vor Corona zurück.

«Der Corona-Knick überrascht mich. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass wir nach dem Ende der Pandemie nur von einer Corona-Delle sprechen können», sagte Bös. Als Gründe für den Trend kommen laut Stiftung unter anderem die steigende Nutzung von Smartphones und das oft fehlende Drängen der Eltern infrage.

Susanne Weimann, Vorstandsvorsitzende der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg, ruft  die Politik und Gesellschaft dazu auf, einen umfassenden Aktionsplan zu entwickeln, der kurz- und langfristige Maßnahmen zur Bewegungsförderung von Kindern beinhaltet. Dieser Plan soll alle bestehenden und wirkungsvollen Angebote berücksichtigen, aber auch neue Lösungen aufzeigen, um die körperliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Kinder langfristig zu verbessern. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zum vollständigen Fitness-Barometer.

Weniger Fleisch, mehr Bio-Gemüse: Kitas und Schulen sollen dem Übergewicht entgegenwirken

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