MÜNCHEN. Das Gymnasium steht unter Druck – und zwar von innen. Lehrkräfte berichten seit Jahren von übervollen Klassen, wachsender Heterogenität und einem System, das auf Gleichschritt setzt, obwohl die Realität längst eine andere ist. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) legt nun ein Konzept vor, das diesen Widerspruch auflösen soll: ein modular aufgebautes Gymnasium ab der siebten Klasse. Es wäre ein Paradigmenwechsel – weg vom starren Klassenprinzip, hin zu einem individualisierten Lernsystem.

Im Zentrum steht ein neuer Leistungsbegriff. Leistung soll nicht mehr daran gemessen werden, ob alle zur gleichen Zeit das Gleiche schaffen, sondern daran, wie gut individuelle Lernwege gestaltet und unterstützt werden. „Wir müssen weg von der Gleichmacherei und von der vermeintlichen Elitebildung“, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Das derzeitige System verhindere oft genau das, was es leisten soll: Förderung.
Der Vorschlag des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) zielt auf eine strukturelle Neuausrichtung des Gymnasiums ab der siebten Jahrgangsstufe. Ausgangspunkt ist die Diagnose, dass das bestehende System auf der Annahme homogener Lerngruppen beruht, die in der Praxis längst nicht mehr zutrifft. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann formulierte das auf der Pressekonferenz deutlich: „Wir stellen heute ein Modell vor, das unseren Zielen entspricht, den Zielen, die wir für alle Schularten haben: Individualität, Förderung, Coaching und damit beste Leistung für alle Kinder und Jugendlichen.“
Die Zahlen, die der Verband zur Begründung heranzieht, verweisen auf eine deutliche Veränderung der Schülerschaft. 44 Prozent der Gymnasialklassen umfassen inzwischen 26 bis 30 Schülerinnen und Schüler, weitere 4,5 Prozent liegen darüber. Gleichzeitig hat sich die Zusammensetzung verändert: Der Anteil von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist innerhalb von fünf Jahren um 83 Prozent gestiegen, der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund um 60 Prozent. Fleischmann ordnet diese Entwicklung ein: „Das Gymnasium ist weiterhin die beliebteste Schulart, hat eine hohe Nachfrage, trifft aber auf große strukturelle Herausforderungen.“
Das vom BLLV im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellte Konzeptpapier beschreibt das Modulsystem als eine Antwort auf diese Heterogenität. Es versteht sich als flexibles Organisationsmodell, in dem nicht mehr Jahrgangsstufen den Lernfortschritt bestimmen, sondern einzelne Module, die unabhängig voneinander absolviert werden können. Echte Individualisierung bedeute, dass sich das System den Schüler:innen anpasst – nicht umgekehrt, heißt es in dem Papier.
Kern des Modells ist die Aufteilung des Unterrichts in unterschiedliche Modultypen. Fachmodule bilden weiterhin den klassischen Unterricht ab und orientieren sich am Lehrplan. Ergänzt werden sie durch Zusatzmodule, die in drei Formen auftreten: Fördermodule zur Aufarbeitung von Defiziten, Plusmodule zur Vertiefung von Stärken sowie Brückenmodule, die den Anschluss sichern, wenn Schülerinnen und Schüler ein Fach zeitweise aussetzen. Hinzu kommen Projektmodule, die fächerübergreifend organisiert sind und andere Lernformen ermöglichen.
„Ein pauschales Wiederholen aller Fächer einer Jahrgangsstufe beim Verfehlen des Klassenziels entfällt in diesem System“
Ein zentrales Element ist dabei die Möglichkeit, Lernzeit individuell zu strecken. Schülerinnen und Schüler können ab der siebten Klasse entscheiden, den Bildungsgang zu verlängern und Module über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Anders als im bisherigen System gibt es kein Sitzenbleiben. Wer in einzelnen Fächern scheitert, wiederholt ausschließlich die entsprechenden Module. „Ein pauschales Wiederholen aller Fächer einer Jahrgangsstufe beim Verfehlen des Klassenziels entfällt in diesem System“, heißt es dazu im Konzept.
Mit dem modularen System verschwindet der klassische Klassenverband in der Mittelstufe. Stattdessen bekommt jede Schülerin und jeder Schüler eine feste Lehrkraft als Coach zugewiesen. Diese begleitet den gesamten Lernprozess, berät bei der Modulwahl und koordiniert die individuelle Förderung. Laut Konzept stärkt das die Beziehungsebene und ermöglicht eine deutlich engere pädagogische Begleitung als bisher.
Freistunden sind im System ausdrücklich vorgesehen – sie sind kein Problem, sondern Teil des Konzepts. Diese Zeiten sollen in sogenannten Lernwerkstätten oder Lernstudios genutzt werden: für eigenständiges Arbeiten, zur Vertiefung von Inhalten und für Projektarbeit. Damit verschiebt sich die Rolle der Schule: weg vom reinen Unterrichtsort, hin zu einem Lernraum mit stärkerer Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler.
Da jedes Kind in der heutigen Zeit mit völlig unterschiedlichen Leistungsvoraussetzungen seine Schullaufbahn beginnt, sind Lehrkräfte in der Regel vermehrt mit heterogenen Klassen konfrontiert. Binnendifferenzierung und Inklusion werden immer wichtiger. Das wirft für Lehrkräfte viele Fragen auf.
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Wie sehr die bestehende Struktur an ihre Grenzen stößt, beschreibt Dr. Fritz Schäffer, Seminarlehrer für Geschichte, in der Pressekonferenz mit Blick auf die Ausbildungssituation: „Und diese Klage bekomme ich seit 20 Jahren von praktisch allen meiner Referendarinnen und Referendaren. Alle sind erstaunt, wenn sie rausgehen und vor Ort eigene Klassen übernehmen: ‘Wie heterogen sind die denn? Es stimmt ja gar nicht, dass wir am Gymnasium homogene Lerngruppen haben!‘“ Daraus folge ein strukturelles Problem: „Das führt zu einer enormen engen Taktung des Lernens. Es führt zu diesem oft beklagten ‘Bulimielernen‘ und es führt zu einer Oberflächlichkeit und dazu, dass immer einige gelangweilt sind, denen es zu langsam geht und welche überfordert sind.“
Wie sich diese Struktur konkret verändern könnte, verdeutlicht das Konzeptpapier anhand mehrerer Fallbeispiele. Der Schüler Jonas etwa hat Schwierigkeiten in Mathematik und Latein. Im bestehenden System gerät er zunehmend unter Druck, scheitert schließlich mehrfach und verlässt das Gymnasium. Im Modulsystem hingegen würde er gezielt Brücken- und Fördermodule belegen, während er in anderen Fächern regulär voranschreitet. Dadurch entzerrt sich sein Lernprozess, und er kann die Oberstufenreife erreichen.
Ein ähnliches Prinzip gilt für den Fall Paul, der im klassischen System eine Klasse wiederholen müsste. Im modularen Modell wiederholt er nur die nicht bestandenen Fachmodule und bleibt in anderen Fächern im Lernfluss. Auch hier wird deutlich, dass das System nicht auf Gleichzeitigkeit, sondern auf individuelle Progression setzt.
„Lehrkräfte sind nicht nur reine Wissensvermittler, sondern auch Lernbegleiter“
Darüber hinaus adressiert das Konzept auch Lebenssituationen außerhalb der Schule. Roland Kirschner, Leiter der Fachgruppe Gymnasium im BLLV, beschreibt das in der Pressekonferenz so: „Mit unserem Modulsystem haben wir ein System entwickelt, das kein starres Korsett ist, sondern das sich zielgenau den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler anpasst.“ Und konkretisiert das an einem Beispiel: „Stellen wir uns einen Schüler vor, der beispielsweise im Sportverein sehr aktiv ist, er hat vier oder fünf Mal in der Woche Training, am Wochenende Wettkämpfe. Da stellt sich dann irgendwann mal die Frage: ‘Wie schaut es mit der Doppelbelastung aus?‘“
Diese Perspektive greift auch die Gymnasiallehrerin Tamara Thum auf, die vor Medienvertretern auf die soziale Dimension verweist: „Im Sinne der Bildungsgerechtigkeit kann die Devise dann nicht sein: ‘Entweder du schaffst es jetzt hier selbst und im selben Tempo wie alle anderen oder du bist eben nicht geeignet‘.“ Das Modulsystem eröffne hier neue Spielräume: „Entweder geht man fachlich tiefer in die Inhalte rein oder man beschäftigt sich mal fächerübergreifend oder auch projektorientiert mit Themen.“
Mit der strukturellen Veränderung geht auch ein verändertes Rollenverständnis der Lehrkräfte einher. Mustafa Çakmak, Lehramtsstudent, beschreibt diese Verschiebung in der Pressekonferenz so: „Lehrkräfte sind nicht nur reine Wissensvermittler, sondern auch Lernbegleiter. Wichtig ist, dass wir unsere Rolle kennen und dass wir Schülerinnen und Schüler auf einem individuellen Lernweg begleiten und nicht nur stur Fachwissen beibringen.“
Auch Schulleiter Matthias Schickel sieht darin eine notwendige Konsequenz aus der veränderten Realität an Gymnasien: „Wir haben eine unglaubliche Spreizung an unterschiedlichen Kindern, auch an den Gymnasien. Und genau diesen Kindern müssen wir Rechnung tragen.“ Das bisherige System beschreibt er mit einem Vergleich: „Schule ist ein System, wo 30 Hochleistungssportler zusammen mit behinderten und ganz durchschnittlichen Menschen nachts durch einen Wald geführt werden sollen, auf vier verschiedenen Wegen, aber zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort ankommen müssen.“
Gleichzeitig entstehen neue organisatorische Anforderungen. Das Konzeptpapier weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere in der Anfangsphase ein erhöhter Aufwand bei Stundenplanung und Fortbildung notwendig sei. Während der Fachunterricht weitgehend unverändert bleibe, müssten Zusatzmodule teilweise neu entwickelt werden. Auch die Rolle der Lehrkräfte als Coaches erfordere zusätzliche Qualifizierung.
Die politischen Reaktionen fallen erwartungsgemäß zurückhaltend aus. Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sieht keinen Anlass für eine grundlegende Reform. Das neunstufige Gymnasium sei „in breitem Konsens mit der gymnasialen Schulfamilie entstanden“ und stoße auf „breite Akzeptanz“. Es gebe daher „nicht den geringsten Anlass für eine erneute Strukturdebatte“, so zitiert sie der Bayerische Rundfunk. Auch der Bayerische Philologenverband lehnt den Vorstoß ab – und spricht von einem „völlig falschen Weg“.
Der BLLV hingegen verbindet mit dem Modell auch bildungspolitische Erwartungen. Fleischmann verweist auf bestehende Ungleichheiten: „Am Ende der Schulzeit hat nur etwa ein Viertel der Jugendlichen aus niedrigen sozialen Schichten eine Studienberechtigung erzielt gegenüber mehr als drei Viertel aus hohen sozialen Schichten.“ Daraus leitet sie einen grundsätzlichen Anspruch ab: „Alles andere ist reine Augenwischerei der politisch Verantwortlichen, die sich immer gerne mit dem elitären Anspruch des bayerischen Gymnasiums schmücken, aber bloß keine grundlegenden Innovationen angehen möchten.“ News4teachers
Der nächste Beitrag zur Entprofessionalisierung der Schule, man stelle sich vor, der Deutsche Anwaltverein oder der Marburger
Bund verkündete für die jeweilige Branche tiefgreifende Reformvorschläge und eine Jurastudentin sowie ein Medizinstudent führten auf dem Podium das große Wort…
Undenkbar, bei Lehrkräften jedoch offensichtlich möglich, peinlich.
Wie so oft hört sich die Idee gar nicht schlecht an. Spannend wird es sein, wie diese Idee praktisch umgesetzt werden soll.
Wenn ich mich alleine mit den 28 Schülern meiner Klasse auch nur 15 min in der Woche zusammensetzen und sie individuell beraten soll, kostet das 7 Zeitstunden bzw. über 9 Schulstunden. Und da ist noch keine Vorbereitung, Nachbereitung, keine daraus resultierende E-Mail und kein daraus folgendes Gespräch mit einem Kollegen dabei.
Ebenso könnte man rechnen, dass wir bspw. 100 Lehrkräfte und 1000 Schüler haben, also vielleicht “reichen” auch 4 Schulstunden pro Woche. Auch könnte man argumentieren, dass jede Lehrkraft alle ihre Schüler ein Mal pro Woche für 10 min im eigenen Fach berät. Dann kämen wir auf gut 30 Schulstunden pro Woche, in denen wir nur beraten.
Egal wie man es rechnet – werden die Deputate so stark reduziert, dass man für solche Beratungen wirklich Zeit hat? Oder gibt es diese Aufgabe dann “on top”?
Ergänzt werden sie durch Zusatzmodule, die in drei Formen auftreten: Fördermodule zur Aufarbeitung von Defiziten, Plusmodule zur Vertiefung von Stärken sowie Brückenmodule, die den Anschluss sichern, wenn Schülerinnen und Schüler ein Fach zeitweise aussetzen. Hinzu kommen Projektmodule, die fächerübergreifend organisiert sind und andere Lernformen ermöglichen.
Also brauchen wir dann bspw. statt einer Chemielehrer-Stunde mindestens vier Chemielehrer-Stunden: Einer bietet ein Fördermodul an, der andere unterstützt die stärkeren SuS, die nächste macht einen Brückenkurs und der vierte bietet ein Projektmodul an.
Das hört sich schön an, aber woher kommen wir die ganzen Chemie-Lehrer plötzlich?
Und es geht ja nicht nur um Chemie-Lehrer, sondern wir brächten eigentlich in fast allen Fällen mehrfach so viele Lehrkräfte wie bisher. In Zeiten von Lehrermangel ist das sicher spannend.
„Stellen wir uns einen Schüler vor, der beispielsweise im Sportverein sehr aktiv ist, er hat vier oder fünf Mal in der Woche Training, am Wochenende Wettkämpfe. Da stellt sich dann irgendwann mal die Frage: ‘Wie schaut es mit der Doppelbelastung aus?‘“
Vielleicht muss man sich auch irgendwann fragen, was einem wichtiger ist – der Sport oder ein sehr guter Abschluss. Und wenn man ein richtig guter Sportler ist, gibt es durchaus noch spezielle Sport-Gymnasien.
Aber der Fall zeigt m.E. das Problem bei der Debatte:
Wir als Gesellschaft ermöglichen Kindern und Jugendlichen, nicht frühzeitig arbeiten zu müssen, sondern in der Schule etwas lernen zu dürfen. Stattdessen wird Schule heute aber vielfach wie ein Supermarkt angesehen, aus dem man auswählen kann, was zum eigenen Lifestyle passt. – Ich möchte ganz viel Sport machen, aber die Schule soll mir aber bitte auch ein sehr gutes Abi geben, selbst wenn ich keine Zeit zum Lernen habe…
Denken wir doch mal weiter. Was ist, wenn dann einige SuS IMMER in der Fördermodulen landen und andere grundsätzlich in Projektmodulen erfolgreich sind? Werden dann keine Unterschiede sichtbar? Förderung ist ja gut und schön, aber wie fühlen sich die Kinder die am Ende immer im Förderkurs oder max. In Brückenkursen landen?
Oder ist es bis zum Abi egal, in welchem Kurs man war, hauptsache man hat irgendeinen Kurs besucht? Wie soll das dann mit den Prüfungen laufen? Gibt es dann 4 Prüfungsformate und 4 Arten von Abi? Sinn?
Bei uns gibt es das Kurssystem an der IGS, was ich prima finde. Aber das ist dann eben kein Gymnasium.
4 Tage Woche und Ausbau vom digitalen Unterricht!
!! 🙂
Immense Fahrtwege mit Spritkosten, während die anderen im Homeoffice sitzen.
Wenn es die berufliche Erfüllung ist, im Homeoffice – bitte sehr! Allerdings: Ich arbeite gern direkt mit den Lernenden. Und deshalb @PetraOWL wäre es jetzt auch mal gut mit Ihrem Dauerstatement!
Mein erster Gedanke zur beratenden Begleitung der Schüler war, dass ich mich nicht qualifiziert fühle, zumindest fachlich jenseits meiner Fächer fundierten Rat geben zu können. Stufenleiter in der Oberstufe beraten in formalen Fragen, aber fachlich eher weniger.
Zudem scheint es mir unausweichlich zu sein, dass die zusätzliche Freiheit und die neuen Möglichkeiten einen deutlichen organisatorischen Mehraufwand mitbringen. Schon jetzt kann dem Wahlverhalten der Schüler sowohl in Wahlfächern des Sek1 als auch in der Oberstufe nur nach vorhandenem Personal entsprochen werden. Bei einem Modulsystem können die Wünsche und Bedürfnisse noch stärker von den fachlichen Kapazitäten des vorhandenen Kollegiums abweichen (wie @Sepp schon schrieb). Wenn in einem Jahr die Schüler sehr stark naturwissenschaftlich orientiert oder bedürftig sind, zwei Jahre später eher sprachlich, wird es schwierig sein, dass Personal bereitstellen zu können. Auch stundenplantechnisch befürchte ich Grenzen, vermutlich werden die Tage sowohl für Schüler als auch Lehrer länger.
Die Idee der Module finde ich hinsichtlich der gezielteren Wiederholungen grundsätzlich gut, aber mehr Flexibilität erfordert nach meiner Einschätzung in der Regel mehr Personal. Denn es ist ja gerade eine Grundidee von Klassen, durch den “Gleichschritt” den Wissens- und Kompetenzerwerb etwas zu rationalisieren, dabei zumindest jedoch nach dem Alter zu differenzieren. Mehr individuelle Flexibilität ginge auch mit kleineren Lerngruppen, aber da ist der höhere Personalbedarf halt offensichtlich.
Deputate senken!
Alles unter 20
Was versteht der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband denn vom Gymnasium? Die haben da doch praktisch keine Mitglieder und daher keine Expertise.
Wäre sicher spannend wie der BLLV wohl reagieren würde, wenn der Philologenverband Vorschläge machen würde, wie die Grundschule sicherstellen könnte, dass dort das Leistungsniveau nicht weiter abfällt und Kindern aus sozial-benachteiligten Familien und Jungs trotz hinreichender Kompetenzen nicht der Weg zum Gymnasium versperrt wird.
https://www.news4teachers.de/2026/03/zugeschlagene-tuer-langzeitstudie-zeigt-stabile-bildungsungleichheit-von-der-fruehen-kindheit-bis-ins-erwachsenenalter/
Der Philologenverband macht öfters solche und ähnliche Vorschläge: https://www.news4teachers.de/2022/07/unbrauchbare-methoden-an-grundschulen-grundschulverband-wehrt-sich-gegen-billiges-kollegen-bashing-der-philologen/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das Gymnasium kann Vorreiter in Sachen Digitalisierung werden;-)
1-2 Digitaltage
Kann man vom hohen Ross herunter ein Vorreiter sein?
Der Adel aufs Pferd, das Fußvolk dahinter.
Hoppe, hoppe Reiter,
Wenn er fält, dann schreit er …
Aber ein umso größeres Mundwerk…
Keine Ahnung von gymnasialer Arbeit, aber Hauptsache mal Schlagzeilen produziert.
Warum arbeiten Lehrer bis 67 oder 70 und Autobauer und andere nur bis 63?
Warum arbeiten Lehrer 41 Stunden und in der IG alle nur 35 Stunden? (4 Tage Woche?
Warum hat die IG 2-3 Tage Homeoffice, Prämien, Zulagen und 13. und die Lehrer gar nichts davon?
Es sind jetzt die essentiellen Dinge!!!
🙁 Lehrermangel, keiner kommt nach und unattraktiv
Und was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun? Sind Sie so auf Ihrem Faule-Säcke-Trip, dass das sinnerfassende Lesen komplett verloren gegangen ist?
Danke, dass Sie das offen ansprechen!! 🙂
Klingt erstmal interessant. Ich hätte sehr gerne mehr Zeit für die Grundlagen, zumindest bei einigen Schülern.
Aber mir wäre da noch etwas mehr Ehrlichkeit lieber: Am Ende läuft das auf ein System der A, B und C Kurse hin, wenn auch anders formuliert. Die Schnelllerner werden ja nicht auf die Langsamlerner warten, sondern mehr Lernen in der Zeit.
Und dann sind wir ganz schnell bei einem Gesamtschulsystems……
Faktisch sind wir ja schon jetzt nah dran, nur zwingt die Politik uns Lehrer etwas anderes vor zu gaukeln. Gymnasien (und andere Schultypen) müssen schon jetzt entsprechende Leistungsunterschiede händeln.
Nur tut man aktuell noch so, als hätten am Ende alle das “erhöhte Anforderungsniveau” (in Bayern) erreicht, was schlicht nicht der Fall ist.
Ohne die nötigen Resourcen.
A13 für alle ist zwar nett, rechtfertigt aber nicht mehr den Abitur-Aufwand.
Wir benötigen generelle 4-Tage Woche,
30 % Homeschooling, Gehälter um 17% rauf und endlich endlich online DBs und GKs und Zulagen für die Abendveranstaltungen!
Förderung? Und ich dachte am Gymnasium werden meine Kinder endlich Mal gefordert!
Homogenität gab es noch nie, auch nicht am Gymnasium. Ich dachte, das Gymnasium bereitet auf die Uni vor. Oder ist da jetzt auch alles individualisiert?!
Ich dachte ja auch im alten Damals, das Gymnasium soll auf die Uni vorbereiten. Aber wenn im neuen Normal das Elite mit ABIthur von die Gymnahsium gehen tut und alles immer so murximal individualisiert bekommn hat, kann man sich da wohl nicht mehr so sicher sein.
Das GY kann ja überhaupt nicht auf die Uni vorbereiten, es verleiht doch lediglich die Hochschulreife
Wo se recht ham, hamse recht und nach der Vollreife wirds matschig.
Piger, pigra, pigrum.
Abire = abgehen – eben etwas flach im Abgang, der junge Wein in alten Schläuchen
Ich bin zwar nicht an einem Gymnasium tätig sondern an einem Berufskolleg. Ich alleine habe jede Woche 450 Schüler vor der Nase. Bei einer 41 Stunden/Woche habe ich für jeden einzelnen Schüler also pro Woche 5:25 Minuten Zeit. Dann darf aber auch wirklich gar nichts mehr dazu kommen, keine Konferenz, eine zu korrigierende Abschlußarbeit, kein Melden von Fehlzeiten an die Familienkasse und ans Ausländeramt, keine Ordnungsmaßnahmen und Teilkonferenzen, keine Klassenfahrt, kein Schulfest, gar nichts mehr!
“Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) legt nun ein Konzept vor…”
Dieser Lehrerverband legt dieses Konzept vor! Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen. Meinem Eindruck nach ist da gar nichts Neues drin. Das sind alles bekannte “moderne Themen”, die heutzutage teilweise auch schon wieder überholt sind oder mindestens in der Kritik stehen!!!
Jeder Mensch sollte in jedem Lebensalter die Möglichkeit haben, sich online an einer “Fernschule” einzuschreiben, um das Abitur zu machen. Das sollte man in seinem eigenen Tempo machen können. Kostenlos. Dann kann jemand auch zwischen 30 und 36 neben einem Job im eigenen Tempo das Abi nachholen und danach studieren oder so…
ODER NOCH BESSER:
Schafft Möglichkeiten, damit sich jeder Mensch beruflich lebenslang weiterqualifizieren kann. dann können auch Menschen, die mit 18 Jahren kein Abi gemacht haben oder die nicht studiert haben, Karriere machen (sofern sie es wollen).
Warum sollen alle Abi machen? LEBENSLANG LERNEN und LEBENSLANG WEITERQUALIFIZIEREN muss möglich sein. Kostenlos für alle 😀
Gesamtschule NRW: 100% der Klassen umfassen 26-30 SchülerInnen, einige (mehr als 4,5%) auch darüber. Der Anteil mit Förderbedarf ist also in fünf Jahren ‘um (!) 83% gestiegen’…auf wieviel Prozent?
Hilfe, die Heterogenität hält (in winziger, homöopathischen Schritten) Einzug an Gymnasien! Sofortmaßnahmen! Anpassung! Mehr differenzierende Lerngruppen! Nicht deutlich gesagt, aber klar: mehr Personal, mehr Räume, mehr Mittel für Gymnasien.
Derweil in der Gesamtschule: Sonderpädagogischer Förderbedarf (meist Lernen oder ESE, nicht Hören, Sehen, KB) in jeder zweiten Klasse. Zugegeben, die 83% Steigerungsrate packen wir nicht, aber von 3 auf 5 Kinder an der Schule bringt eben etwas einfacher die Prozente als von Basis 30, da müsste fast eine Klasse dazukommen…
Heterogenität? Zweistufige Kurse in den Hauptfächern, sonst Klassen mit o.g. Förderbedarf, ohne Deutschkenntnisse und allem was hier schon hundertmal beschrieben wurde.
Der plakative Vergleich ‘im Wald’ zeigt nur, was im System Gymnasium schon als belastend empfunden wird: wenige, die nicht als ‘Hochleistungssportler’ gelten können. Das ‘System Schule’ hat da Probleme, und zwar reale, nicht nur wahrgenommene, wo ohne Vorselektion alle zusammenkommen, in Grund- und Gesamtschulen (oder wie immer sie heißen mögen).
Den schockierten Referendaren würde ich zu einem Halbjahr mit echter Heterogenität raten, das kann ganz hilfreich beim Einordnen sein. Und ja, ich kenne auch heutige Gymnasialklassen.
Die Gesamtschule in NRW startete ebenfalls als Idee der Differenzierung nach Leistungsvermögen, kleinerer Lerngruppen, besserer Unterstützung, Wahlmöglichkeiten. Was wir jetzt haben sind überfüllte Klassen, Unterversorgung mit Lehrkräften, organisatorisches Chaos, völlig losgelöste Bürokratie. ‘Schulgemeinschaft’ gibt es, aber hauptsächlich als Notgemeinschaft, in der alle versuchen, irgendwie trotzdem etwas Sinnvolles daraus zu machen.
Es klingt nach ‘wir wollen das, was man Gesamtschulen versprochen hatte, aber trotzdem vorsortierte SchülerInnen’. Na dann…
„Echte Individualisierung bedeute, dass sich das System den Schüler:innen anpasst – nicht umgekehrt, heißt es in dem Papier.„
Da aber die Schüler*:!innen nun mal individuell sind, bleibt die Frage, an welchen Schüler oder welche Schülerin oder welchen Schüly das System sich anpasst. Dem besonders individuellen oder dem eher weniger individuellen? Wäre der weniger individuelle nicht schon besonders individuell, weil er weniger individuell ist als der Durchschnitt? Gibt es überhaupt einen Durchschnitt? Und was machen wir, wenn die Schül… noch individueller werden, damit sie sich nicht an das angepasste System angepasst fühlen müssen?
Ich hoffe auf individuell auf mich zugeschnittene Antworten, die vermutlich dann auch nur ich verstehen kann.