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Hochschulen sollen mehr in die Gesellschaft wirken – gegen Wissenschaftsfeindlichkeit

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ERFURT. Universitäten und Fachhochschulen gelten oft als Elfenbeintürme. Die neue Hochschulrahmenvereinbarung in Thüringen sieht vor, dass sie sich mehr als bislang für eine offene Gesellschaft einsetzen. Hintergrund ist die zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit in Deutschland. Das Problem: Öffentlichkeitsarbeit bedeutet Aufwand – und der ist nicht gratis zu haben. 

Im Elfenbeinturm (Symbolbild). Illustration: Shutterstock

Thüringens Hochschulen und Universitäten sollen künftig ein aktiverer Teil der Gesellschaft sein. Sie sollen «auf der Grundlage der Freiheit von Wissenschaft und Kunst zur Stärkung von Demokratie, offener Gesellschaft und nachhaltiger Entwicklung beitragen», wie es im Entwurf der neuen Thüringer Hochschulrahmenvereinbarung heißt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

In der aktuellen Vereinbarung, die in diesem Jahr ausläuft, gibt es keinen solchen Passus. Dort heißt es lediglich in der Präambel, die Hochschulen hätten die Aufgabe, den gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten.

Die Häuser sollen dem aktuellen Entwurf nach ihre Forschungsergebnisse aktiv an die Öffentlichkeit, aber auch an politische Entscheidungsträger kommunizieren. Wissenschaftskommunikation solle ein eigenständiger Bestandteil ihrer Aufgaben werden. Dafür sollen geeignete Strukturen geschaffen werden, um einen Dialog zwischen den Hochschulen sowie Gesellschaft, Kultur und Politik zu fördern.

Auch die Beratung der Politik soll als neue Aufgabe verankert werden. «Die Hochschulen betrachten es als Aufgabe ihrer Mitglieder, Politik, Verwaltung, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur auf der Grundlage ihrer jeweiligen wissenschaftlichen oder künstlerischen Expertise zu beraten», heißt es in dem Entwurf. Eine vergleichbar detaillierte Aufgabenbeschreibung gibt es in der bisherigen Hochschulrahmenvereinbarung nicht.

Sattler: «Hochschulen brauchen dafür mehr Ressourcen»

Der Vorsitzende der Thüringer Landespräsidentenkonferenz, Kai-Uwe Sattler, sagte, er finde es richtig, dass diese Aufgaben der Hochschulen besonders betont werde. Gerade in Zeiten, in denen die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft immer wieder in Zweifel gezogen werde, sei das ein wichtiger Punkt. Wenn das Land wolle, dass diese Aufgabe wirklich ernst genommen werde, bräuchten die Hochschulen dafür weitere Ressourcen. «Wir haben keine großen PR-Abteilungen, wir machen das mit den Mitteln, die wir haben und die sind natürlich begrenzt», sagte Sattler.

Zudem sei es mit Blick auf die Beratungsfunktion von Hochschulen wichtig, dass diejenigen, die sich beraten ließen, dann auch annähmen, was Wissenschaftler ihnen sagten. Dazu gehöre ein Verständnis dafür, dass in der Wissenschaft keine abschließenden Wahrheiten produziert würden, sondern dass sich Forschungsergebnisse im Laufe der Zeit verändern könnten. Trotzdem müsse es in einer demokratischen Gesellschaft dabei bleiben, das politische Entscheidungen von Politikern und nicht von Wissenschaftlern getroffen würden.

«Das hat man auch in Corona-Zeiten gesehen», sagte Sattler. «Wissenschaft kann die Fakten oder die Erkenntnisse auf den Tisch legen, aber entscheiden müssen diejenigen, die dafür gewählt worden sind, und die oft noch andere Faktoren berücksichtigen müssen.»

Neue Rahmenvereinbarung soll acht Jahre gelten

Zur neuen Hochschulrahmenvereinbarungen hatte es nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums vor einigen Wochen ein Werkstattgespräch gegeben. Dabei war auch über die schwieriger werdenden Rahmenbedingungen für die Universitäten und Fachhochschulen gesprochen worden. Dazu gehören unter anderem potenziell sinkende Studierendenzahlen und die geringeren finanziellen Spielräume in den öffentlichen Haushalten.

Nach Angaben des Ministeriums könnte die neue Rahmenvereinbarung erstmalig für einen Zeitraum von acht Jahren, also von 2027 bis 2034, gelten. Der Entwurf der Vereinbarung soll noch im Mai vom Kabinett verabschiedet werden. Die aktuelle Rahmenvereinbarung läuft noch bis Ende 2026.

Veränderungen im Hochschulsystem aushandeln

In Thüringen wird derzeit über eine neue Rahmenvereinbarung zwischen Land und Hochschulen ab dem Jahr 2027 diskutiert. Darin geht es nicht nur darum, wie viel Geld die Hochschulen künftig vom Land erhalten, sondern auch um mehr Zusammenarbeit etwa in Verbünden. Die einzelnen Hochschulstandorte sollen aber erhalten bleiben.

Die auslaufende Finanzierungsvereinbarung wurde deshalb um ein Jahr verlängert. Dies soll der Thüringer Landesregierung und den Hochschulen Zeit verschaffen, Veränderungen im Hochschulsystem auszuhandeln. News4teachers / mit Material der dpa

Forschungsfeindlichkeit: Wenn die Wut gegen Wissenschaftler sich im Netz Bahn bricht

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10 COMMENTS

  1. „Universitäten und Fachhochschulen gelten oft als Elfenbeintürme.“
    Ja, bei Idiot*innen.

    Aber bitte: schnell das eigene Smartphone zertrümmern. G5-Strahlung oder so!
    Ich würde ja noch einen zynischen Kommentar über Medizin reißen, aber… „Das hat man auch in Corona-Zeiten gesehen“ -___-

    Wissenschaft ist kein Elfenbeinturm, Religionen sind es, welche eine Atwort vorgeben, anhand derer alles erklärt werden will.
    Wer ausschließlich Selbstbestätigung sucht, lebt in der eignen, sehr begrenzten Höhle, aus der heraus niemals die großen Probleme erkannt, geschweige gelöst werden können.
    Aber bis diese einen überkommen, ist die Höhle für manche offenbar sehr bequem, warm und voller gleichgesinnter Gesellschaft… 🙁

  2. Wie gut das funktioniert, hat man ja während Corona gesehen. Wissenschaftler wurden beleidigt und bedroht. Die meisten Menschen verstehen überhaupt nicht, wie Wissenschaft funktioniert und wie sie arbeitet. Sie wollen absolute Wahrheiten, die Wissenschaft aber eben nicht geben kann. Wissen und Erkenntnisse unterliegen einer ständigen Prüfung und ändern sich eben durch neue Erkenntnisse. Dazu kommt noch, dass Politik dann eben auch entsprechend reagieren muss. Lief ja auch super. Alle Bundesländer stellten ihre eigenen Regeln auf, was Menschen zusätzlich verunsicherte. Und was Schulen angeht, kam ja dann das Beste. Schulen sind sicher, Infektionen finden nicht in Schulen statt, Kinder sind nicht ansteckend………Die Welt ist sehr komplex geworden und Wissen hat eine geringe Haltbarkeitsdauer. Das überfordert viele und verstärkt Ängste. Also baut man sich die eigene heile Welt, in der die eigenen Wertevorstellungen super passen. Und soziale Medien tun ihr Übriges. Da findet man schnell Gleichgesinnte, die einen verstehen und akzeptieren. Manchmal habe ich Angst vor dem, was da noch kommt. Amerika gibt schon mal einen bösen Vorgeschmack darauf.

    ..

  3. Ich weiß nicht, ob ich das Zitat richtig erinnere und von wem es war. Aber es ist glaube ich ohnehin eine Offensichtlichkeit für jeden, der es sehen möchte.

    Wenn man Wissenschaft und Politik mixt, kommt immer 100% Politik heraus.

    „Follow the science“ war nun mal eine Imagekatastrophe für die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit. Wissenschaft ist kein Führer, dem wir folgen sollten. Wir sollten gar nicht folgen.

    Politische Entscheidungen sind politisch zu treffen, unter Einbeziehung vieler Faktoren, unter denen auch wissenschaftliche Erkenntnisse sein können. Wenn Politik sich auf Wissenschaft beruft und die Wissenschaftler hinterher sagen, Wissenschaft hätte ständig neue Erkenntnisse, haben wir schlicht die Verantwortung aus dem System eliminiert.

    • Da haben Sie wohl Wissenschaft falsch verstanden. Die Wissenschaft legt die Grundlagen mit ihrer Forschung, damit überhaupt Entscheidungen getroffen werden können. Ein Wissenschaftler folgt nie irgendjemand, sondern seinen Erkenntnissen. Und ja, die können sich ändern, weil die Datenmenge wächst, z.B. Studien. Und Wissenschaft ist sehr wohl führend, sonst würden wir heute noch in der Höhle hocken. Und in einer Pandemie sind Entscheidungen nicht nur politisch zu treffen, sondern zum Wohl aller. Dazu zählt in erster Linie der Schutz des Lebens. Da Politik aber nicht klug und vorausschauend handelt, sondern nur ihrem Machterhalt folgt, kommt eben nichts vernünftiges raus.

      • „Ein Wissenschaftler folgt nie irgendjemand, sondern seinen Erkenntnissen.“

        Aha. Na dann. Sind offensichtlich wahre Übermenschen, die nur für das Gute leben und von Licht und Wasser.

        „Und in einer Pandemie sind Entscheidungen nicht nur politisch zu treffen, sondern zum Wohl aller.“

        Was ist denn das Wohl Aller? Das sagt uns vermutlich auch die Wissenschaft? Könnten sie mir dafür mal die Formel präsentieren?

        Ganz offensichtlich ist das eben eine poltische Frage mit vielen Abwägungen, kulturellen und anderen Faktoren. Sagt uns die Wissenschaft, ob Frauen und Kinder bei einem Schiffsunglück zuerst in die Rettungsboote sollen?

        „Die Wissenschaft legt die Grundlagen mit ihrer Forschung, damit überhaupt Entscheidungen getroffen werden können.“

        Das ist ja gerade das Problem der eliminierten Verantwortung. Der Wissenschaflter wäscht sich die Hände und sagt, dass er nur seine Forschung gemacht hat. Der Politiker sagt, er wäre nur der Wissenschaft gefolgt. Und wo bleibt da die Verantwortung?

        • Aus Ihren Kommentaren ist Wissenschaftsfeindlichkeit deutlich zu erkennen. Was hat Wissenschaft und Forschung mit Rettungsbooten zu tun????Ein Wissenschaftler wäscht sich nicht die Hände, Forschung ist sein Job. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür übernimmt er auch Verantwortung. Wenn Politik bestimmte Maßnahmen ergreift, trägt Sie dafür die Verantwortung. Dafür wurden sie gewählt. Das ist ihr Job. Das Wohl aller ist zunächst mal das Leben und die Gesundheit zu schützen. Siehe GG. Und Sie hätten nicht all die Annehmlichkeiten und Erleichterungen im Leben, ohne Wissenschaft. Sie würden auch nicht alt werden, ohne Wissenschaft und Forschung. Ich habe da einfach ein anderes Verständnis und das ist auch gut so.

          • „Das Wohl aller ist zunächst mal das Leben und die Gesundheit zu schützen. Siehe GG.“

            Sorry, hatte die neue Fassung von Art. 1 nicht parat. Die Gesundheit des Menschen ist unantastbar?

            Mal im Ernst, das ist in der Praxis alles gar nicht so klar und absolut.

            Ich bin sicher nicht der Einzige, der einen Verwandten mit einem tödlichen Leiden hatte, in dem Fall Krebs, dessen Gesundheit in der Pandemie geschützt wurde. So verstarb derjenige, gut vor Corona geschützt, aber leider entgegen seinem sehnlichsten Wunsch, ohne seine Angehörigen noch einmal sehen zu können.

            Wenn man nicht lieber mit dem Kampfbegriff „wissenschaftsfeindlich“ kommen will, würde man glaube ich schon erkennen können, was meine Position ist. Wissenschaft ist eine hervorragende Methode, aber kein Führer. Also ist „follow the science“ für mich eine unsinnige Aufforderung. Und Führer mag ich halt sowieso nicht, außer vielleicht am Berg.

            „Übrigens gilt die Birkenhead Regel gar nicht.“

            Wenn das für Sie nicht gilt, ist das doch vollkommen ok. Ihr Ding.

          • Der Schutz der Bürger ist die wichtigste Aufgabe des Staates. Begründet übrigens auch viele Institutionen des Staates. Aber was solls, manche können eben auch die normale Fassung nicht lesen.
            Leben Sie weiter in Ihrer Blase und genießen egoistisch nur die Vorteile, die sich ergeben. Wenn es dann schwierig wird und man Kompromisse eingehen muss, ist das Verständnis dann nicht mehr so groß. Soll mir recht sein.

        • Kulturelle Abwägungen…….. Fragen Sie mal die Menschen in der Republik Kongo, welche Abwägungen wohl für die gerade wichtig sind

        • Übrigens gilt die Birkenhead Regel gar nicht. Das ist kein Gesetz. Auf See gelten ganz andere Bestimmungen.

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