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Künftig Eignungstest vor dem Übergang aufs Gymnasium? Bildungsministerin erwägt Einführung – Philologen machen Druck

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KIEL. Der Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium entwickelt sich zunehmend zum Konfliktfeld. Der Philologenverband Schleswig-Holstein unterstützt die Einführung eines Aufnahmetests – und stellt damit die bisherige Praxis von Grundschulempfehlungen und Elternentscheidungen grundsätzlich infrage. Im Kern geht es um die Frage, auf welcher Grundlage die Schülerschaft nach der vierten Klasse auf weiterführende Schulen sortiert werden soll. Gymnasiallehrkräfte verweisen darauf, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler aufs Gymnasium kommen, deren Leistungsniveau nicht ausreicht. „Übergänge müssen sich an den Fähigkeiten der Kinder orientieren und nicht allein am Elternwillen“, erklärt Verbandschefin Kirsten Schmöckel.

Durchfahrt verboten? (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Der Philologenverband Schleswig-Holstein hat sich für strengere Regeln beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium ausgesprochen. Anlass sind Überlegungen des Bildungsministeriums, einen zusätzlichen Eingangstest einzuführen. Der Verband bewertet diesen Ansatz positiv und bezeichnet ihn als „Schritt in die richtige Richtung“.

Zugleich kritisieren die Gymnasiallehrkräfte die derzeitige Praxis, nach der Eltern die Empfehlung der Grundschule umgehen können. Selbst wenn eine Gemeinschaftsschule empfohlen wird, ist eine Anmeldung am Gymnasium möglich. Auch verpflichtende Beratungsgespräche an den weiterführenden Schulen änderten daran nichts, da Eltern die dort geäußerten Einschätzungen missachten könnten.

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Nach Darstellung des Verbands führt dies dazu, dass Kinder an Gymnasien gelangen, für die diese Schulart nicht geeignet ist. Die Folgen: Schülerinnen und Schüler gerieten in eine Situation der Überforderung, die sich auch auf die Familien auswirke. Gleichzeitig würden knappe Ressourcen an den Gymnasien gebunden, da Lehrkräfte versuchten, diese Entscheidungen durch zusätzliche Fördermaßnahmen „zu heilen“. Diese Bemühungen blieben häufig ohne nachhaltigen Erfolg.

Ein zentrales Problem sieht der Verband in der Dauer dieser Situation. „Da in solchen Fällen das Gymnasium erst am Ende der 6. Klasse eine Versetzungsentscheidung treffen darf, erleiden die an der für sie falschen Schulart angemeldeten Kinder eine viel zu lange Zeit der Überforderung und des Scheiterns, die sich dann auch noch beim Wechsel an eine Gemeinschaftsschule fortsetzt, weil Schulfrust und Resignation länger fortwirken.“

Vor diesem Hintergrund formuliert der Philologenverband konkrete Anforderungen an ein verändertes Übergangsverfahren. Die Grundschulempfehlung solle als „maßgebliche pädagogische Grundlage“ gestärkt werden. Zudem müssten Schülerinnen und Schüler in Deutsch und Mathematik mindestens befriedigende Leistungen in der vierten Klasse erreichen, um am Gymnasium erfolgreich arbeiten zu können. Ergänzend fordert der Verband die Einführung eines standardisierten Eingangstests, mit dem die Eignung für diese Schulart überprüft wird.

Gleichzeitig betont der Verband ausdrücklich, dass eine solche Maßnahme nicht zu zusätzlicher Belastung der Gymnasiallehrkräfte führen dürfe. Ein standardisierter Eingangstest dürfe „in keinem Fall ohne entsprechenden Ausgleich den Kolleginnen und Kollegen der Gymnasien aufgebürdet werden, da die Arbeitsbelastung bereits lange schon jenseits jeden vertretbaren Maßes ist“. Über die Arbeitsbelastung von Grundschullehrkräften verlieren die Philologen kein Wort.

Die Vorsitzende des Verbands, Kirsten Schmöckel, stellt die grundsätzliche Perspektive klar heraus: „Die Grundschulempfehlung ist ein pädagogisch fundiertes Urteil. Wenn sie ignoriert wird, geraten Kinder in Lernumgebungen, die ihnen nicht entsprechen – und bringt Schulen an ihre Grenzen.“

„Häufiger als früher kommen Schüler an das Gymnasium, für die diese Laufbahn nicht passend ist“

Eine ähnliche Problembeschreibung kommt derzeit aus Bayern – wo bemerkenswerterweise die vom Deutschen Philologenverband geforderte verbindliche Grundschulempfehlung (auf der Grundlage von Noten) gilt. Doch die reicht Gymnasiallehrkräften dort nicht aus. Der Bayerische Philologenverband berichtet auf Grundlage einer Umfrage unter mehr als 1.800 Lehrkräften von einem gesunkenen Leistungsniveau bei Fünftklässlern. 94 Prozent der Befragten bestätigen diese Entwicklung. Besonders kritisch werden die Basiskompetenzen bewertet: Nur 39 Prozent halten die Lesekompetenz in der Regel für ausreichend, bei der Rechtschreibung sind es 29 Prozent, in Mathematik 41 Prozent.

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, sieht darin ebenfalls ein grundsätzliches Problem. „Häufiger als früher kommen Schüler an das Gymnasium, für die diese Laufbahn nicht passend ist“, erklärt er. Gleichzeitig verweist der Verband auf erhebliche regionale Unterschiede bei den Gymnasialempfehlungen, die als Hinweis auf mangelnde Vergleichbarkeit gewertet werden. Als Konsequenz fordert der bayerische Verband Reformen des Übergangsverfahrens. Vorgeschlagen werden landesweite Aufgabenpools für Übertrittsprüfungen, um die Entscheidungen stärker zu standardisieren – also praktisch ein in die Grundschule verlagerter Aufnahmetest.

„Wir prüfen sorgfältig, ob ein zusätzlicher Test der richtige Weg ist – rechtlich, pädagogisch und mit Blick auf die Chancengerechtigkeit“

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) hatte unlängst betont, dass die Einführung von Eignungsprüfungen beim Übergang auf das Gymnasium sorgfältig geprüft und umfassend bewertet werden müsse. Der Wechsel auf eine weiterführende Schule sei ein wichtiger Meilenstein im Leben eines Kindes und verdiene eine verantwortungsvolle Entscheidung. „Wir prüfen sorgfältig, ob ein zusätzlicher Test der richtige Weg ist – rechtlich, pädagogisch und mit Blick auf die Chancengerechtigkeit“, so Stenke. Schulischer Erfolg hänge von vielen Faktoren ab, die sich nicht vollständig in einem Test abbilden ließen.

Künftig sollen die Quoten der Empfehlungen und sogenannter „Schrägversetzungen“ (also Abschulungen vom Gymnasium nach der 6. Klasse) systematisch statistisch erfasst und ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage könne nach einer fundierten Bewertung über mögliche Anpassungen des Verfahrens entschieden werden, so Stenke. Auch Erfahrungen anderer Länder – wie Bayern – sollen in die Prüfung einbezogen werden. News4teachers 

Gymnasiallehrer kritisieren die Grundschulen: Übergehende Schüler immer schlechter – willkürliche Gymnasialempfehlungen

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Rüdiger Vehrenkamp
1 Stunde zuvor

Ich sehe hinter Eignungstests nur eine logische Konsequenz aus den Ergebnissen der letzten Jahre. Viele große Arbeitgeber machen inzwischen Einstellungstests, weil sie sich nicht mehr auf die Noten der Abschlusszeugnisse verlassen können und die Jahre zuvor Azubis bekamen, die sich vor Ort als nicht ausbildungsfähig erwiesen, da viele grundlegende Kompetenzen einfach fehlten.

Senkt man die Niveaus weiter, verzichtet eventuell gar auf Noten, werden sich Universitäten und Firmen (und im Zuge dessen auch die Gymnasien) ihre eigenen Instrumente schaffen, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Maybe
1 Stunde zuvor

Auch ein solcher Test ist nichts Neues

“Erreicht dein Kind im Übertrittszeugnis den nötigen Notendurchschnitt von 2,33 oder besser nicht, kann es dennoch aufs Gymnasium wechseln, indem es erfolgreich an der Übertrittsprüfung Gymnasium Bayern im Rahmen des dreitägigen Probeunterrichts teilnimmt. Dazu muss einmal die Note 3 und einmal die Note 4 erzielen. Erhält dein Kind sowohl in Deutsch als auch in Mathematik die Note 4, kann es mit dem Willen der Erziehungsberechtigten dennoch übertreten.” ( schüttelbeutel, armes Kind )

Wir ‘vertesten’ total.
Wenn ich bei meinen Kindern diesen Test erzwungen hätte, wär mir nicht gut dabei gewesen. Auf Lesen, Schreiben Rechnen kann man auch daheim (praktisch) eingehen und wenns die Umrechnung von einem Kochrezept ist – oder nötiger denn je: Erzähl mir doch mal, was es Neues auf tiktok, insta etc gibt.

Zitat aus:

“Übertrittsprüfung Gymnasium Bayern 2026 mit Erfolg üben https://share.google/IPj1ojbWw9kUAAua6

Maybe
1 Stunde zuvor
Antwortet  Redaktion

Mich würde auch Ihre Meinung dazu interessieren.
Herzliche Grüße Maybe

Nick
1 Stunde zuvor
Antwortet  Redaktion

Der Test sollte von Exteren durchgeführt werden.

Götz
46 Minuten zuvor
Antwortet  Nick

Dafür wäre ich auch. Damit wären dann hoffentlich “mildernde Umstände” aller Art ausgeschlossen und man hätte ein objektives Ergebnis.

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