BAD KISSINGEN. Der Verband Deutscher Realschullehrer zieht Konsequenzen aus dem Wandel der deutschen Schullandschaft. Weil es die klassische Realschule in mehreren Bundesländern nicht mehr gibt, will sich der Verband künftig breiter aufstellen – ohne seine bildungspolitische Rolle als Interessenvertretung der Realschulen aufzugeben. Die Delegierten beschlossen deshalb auf ihrer Bundesversammlung mit Zweidrittelmehrheit eine Umbenennung. Künftig tritt der Verband unter dem Namen „Bundesverband Reale Bildung“ auf.

Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) heißt künftig Bundesverband Reale Bildung (BVRB). Eine entsprechende Satzungsänderung beschlossen die Delegierten auf der Bundesdelegiertenversammlung mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Der Verband reagiert damit nach eigenen Angaben auf veränderte schulpolitische Strukturen in Deutschland. Der bisherige Bundesvorsitzende Ralf Neugschwender, der bei der Versammlung im Amt bestätigt wurde, begründete die Umbenennung mit der Entwicklung der vergangenen Jahre in mehreren Bundesländern. „In vielen Bundesländern gibt es die klassische Realschule nicht mehr. Sehr wohl gibt es aber in allen Ländern Schülerinnen und Schüler, die den Mittleren Schulabschluss anstreben – und die deshalb eine fundierte reale Bildung brauchen. Und dafür sind wir der erste Ansprechpartner“, erklärte Neugschwender.
Der Verband betont zugleich, dass die Namensänderung keine Abkehr von der Realschule bedeute. Dort, wo die Schulform weiterhin existiert, wolle der Verband auch künftig für deren Erhalt und Stärkung eintreten. Sichtbar werden soll das auch im neuen Untertitel des Verbands: „Für Realschulbildung in Deutschland“.
Die Umbenennung verweist auf eine länger anhaltende Entwicklung im deutschen Schulwesen. Mehrere Länder haben die klassische Realschule in den vergangenen Jahren abgeschafft oder mit anderen Schulformen zusammengeführt. Gleichzeitig bleibt der Mittlere Schulabschluss ein zentraler Bildungsabschluss im gegliederten Schulsystem. Der Verband versucht mit dem neuen Namen erkennbar, stärker die Bildungswege und Abschlüsse in den Mittelpunkt zu stellen als die klassische Schulform. Eine wichtige Rolle spielt dabei aus Sicht des Verbands die Fachkräftedebatte. In einem einstimmig verabschiedeten Leitantrag sprechen sich die Delegierten für eine stärkere Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung aus. Zudem fordert der Verband eine engere Verzahnung von Schule und Wirtschaft.
„Das Abitur ist nicht der alleinige Weg zum beruflichen Glück. Realschulen und verwandte Schulformen halten beide Wege offen: den zum Abitur und den zur Ausbildung in Handwerk, Industrie und Handel“
Neugschwender sagte dazu: „Das Abitur ist nicht der alleinige Weg zum beruflichen Glück. Realschulen und verwandte Schulformen halten beide Wege offen: den zum Abitur und den zur Ausbildung in Handwerk, Industrie und Handel. Darum leistet reale Bildung einen elementaren Beitrag zur Fachkräftesicherung. Dem tragen wir mit unserem neuen Namen ebenfalls Rechnung.“ Der Leitantrag des Verbands soll nach Angaben der Delegierten die bildungspolitische Arbeit der kommenden vier Jahre prägen. Genannt werden darin unter anderem ein „positiver Leistungsbegriff“, eine stärkere Berufsorientierung an Schulen, Demokratiebildung, Maßnahmen gegen Gewalt gegen Lehrkräfte sowie eine „pädagogisch sinnvolle Digitalisierung“. Zudem spricht sich der Verband für den Erhalt eines differenzierten Bildungswesens aus.
Auch personell markierte die Bundesdelegiertenversammlung einen Neustart. Neben Neugschwender wurde Sven Christoffer erneut zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neu in den Vorstand rückten Birgit Zollitsch und Bengjamin Bajraktari als weitere stellvertretende Vorsitzende auf. Im Amt bestätigt wurden außerdem Schatzmeister Ingo Lürbke und Schriftführerin Madeleine Helbig. Neugschwender wertete die Wahlergebnisse als Rückenwind für den Neustart des Verbands. „Besonders freut mich, dass alle in unserem Vorstandsteam herausragende Wahlergebnisse erzielt haben. Wir starten mit viel Rückenwind. Der VDR ist Geschichte, aber reale Bildung ist aktueller und wichtiger als je zuvor. Darum ist mit dem BVRB mehr denn je zu rechnen!“, erklärte er. News4teachers
Realschullehrer kritisieren “vorherrschende Haltung, den Schülern immer weniger abzuverlangen”
Die Realschule war ursprünglich mal eine wirklich starke Schulart, die einerseits auf die Ausbildung, andererseits auf die gymnasiale Oberstufe vorbereitet hat. Sie war der Mittelweg und für viele erst einmal eine gute Alternative zum Gymnasium. Dann kamen die Bildungsideologen, verwässerten sie oder zerstörten sie ganz. Verbessert hat sich seitdem nichts und trotzdem möchte man diesen Weg fortsetzen. Meine These: Bessere Bildung bekommen wir so nicht.
Die Realschule war in aller erster Linie eine Schulform, die “Realien” aka MINT-Fächer unterrichtet hat, als die Mehrzahl der Gymnasien noch altsprachlich waren. So gesehen haben die Realgymnasien aka GY mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Zweig die Klientel geraubt. Hinzu kam dass die Zahl der Mädchen an GY ab den 70ern überdurchschnittlich angestiegen ist. Gleichzeitig stieg der Druck auf die RS durch den Profiltyp B der HS, deren Abschluss ja ebenfalls zur FOR führt. Und natürlich die Gesamtschulen, die ja ebenfalls alle SekI-Abschlüsse vergeben können.
Vergessen werden darf dabei auch nicht, dass in vielen Gemeinden – selbst im einwohnerstarken NRW – die immer kleiner werdenden Anmeldezahlen in Folge der demographischen Entwicklung ein mehrgliedriges Schulangebot mit seperaten HS und RS vor Ort nicht mehr aufrecht zu erhalten war. Tempora mutantur:)
Und nicht zu vergessen die Stimmung, die viele Jahre gegen die Hauptschule gemacht worden ist!
Wenn schon der MSA ohne Quali nicht ausreichte, um eine Lehrstelle zu ergattern, was war dann der EESA und erst recht der ESA noch wert?
Formal braucht es für die Aufnahme einer dualen Berufsausbildung gar keinen Abschluss- ob das ratsam ist, soll hier nicht diskutiert werden. Doch kommt es immer wieder vor, dass Firmen auch Schüler ohne Abschluss nehmen.
… zumal in einigen Bundesländern eine Gesellenprüfung, die mindestens mit der Note befriedigend bestanden wird, automatisch den MSA inkludiert.
Chance vertan! Hätten sich “Verbund bester Bildung” nennen können