HALLE. Kein Deutsch, kein Eintritt: Diese umstrittene Regel ist in einem Strandbad in Sachsen-Anhalt eingeführt worden. Nachdem der Chef des Heidebades in Halle am vergangenen Wochenende ein Kleinkind aus metertiefem Wasser retten musste, führte er eine Regel ein, wonach Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen und die Baderegeln nicht verstehen, nicht mehr hereingelassen werden. Die DLRG hält das für diskriminierend. Am Wochenende verunglückten unterdessen gleich drei Jugendliche im Rhein-Herne-Kanal – die Stadt Gelsenkirchen mahnt ausdrücklich, nur bewachte Badestellen zu nutzen. Wie Freibäder.

„Wir müssen uns sicher sein, dass die Besucherinnen und Besucher unsere Baderegeln verstehen und so konsequent sein, um die Sicherheit der Badegäste gewährleisten zu können“, sagte Schwimmbad-Chef Mathias Nobel der Deutschen Presse-Agentur. Falle am Eingang auf, dass es Verständnisprobleme gibt, werde im Einzelfall entschieden, wie verfahren wird.
Ihm gehe es vor allem darum, dass die Badegäste wüssten, wie sie sich am und im Wasser verhalten müssten, betonte Nobel. Dabei spiele die Sprache eine wichtige Rolle, aber nicht nur. „Wenn die Sprachkenntnis eher schlecht ist, wir aber das Gefühl haben, dass die Menschen wissen, wie sich am Wasser verhalten wird, dürfen sie natürlich bei uns baden.“ Für seine Entscheidung sei er dennoch auch kritisiert worden, erzählt der Geschäftsführer des Bades. „Wir bleiben da aber konsequent.“
Kleinkind aus tiefem Wasser gerettet
Vor allem an heißen Tagen wie am vergangenen Wochenende sei auch am Einlass des Bades so viel los, dass eine neue Regelung habe gefunden werden müssen – ergänzend zu den Hinweisschildern, die an mehreren Stellen im Bad zu finden sind, sagte Nobel. Seit die neue Einlassregel vor wenigen Tagen eingeführt wurde, seien vereinzelt Menschen nicht hereingelassen worden.
Anlass, die Regel ins Leben zu rufen, sei ein Vorfall vom vergangenen Wochenende gewesen. Nobel – selbst Rettungsschwimmer – musste ein Kleinkind aus dem Wasser retten, das in viel zu tiefem Wasser war. „Unser See ist zum Teil 13 Meter tief. Das ist einfach gefährlich.“
Vor allem die Kinder müssten verstehen, wie sie sich am Wasser zu verhalten hätten und in Aufsicht von Personen sein, die ebenfalls wüssten, wie sie zu handeln hätten. Außerdem müssten die Menschen von den Rettungsschwimmern angesprochen werden können. Komme zum Beispiel eine Gruppe ohne auch nur eine Person, die ausreichend Deutsch verstehe, kämen bei ihm und seinem Team Bedenken auf, sagte Nobel.
Mit der neuen Regelung wolle er auch seine Bademeister entlasten. In der Vergangenheit habe es Diskussionen gegeben, weil diese nicht dazu bereit gewesen seien, die Schwimmregeln einzeln in ein Übersetzungsprogramm zu sprechen, so der Chef des Heidebades. „Mein Personal ist so schon an der Grenze.“
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sieht durchaus solche Herausforderungen. Ein Sprecher erklärte gegenüber dem Spiegel, Sprachbarrieren seien „sicher ein Risikofaktor“. Häufig komme es zu Unfällen, weil Gefahren falsch eingeschätzt würden oder nicht bekannt seien. „Wenn Hinweise nicht oder falsch verstanden werden, kann das durchaus ernste Folgen haben.“
Der Sprecher nennt noch ein weiteres Problem: „Unserer Erfahrung nach sind insbesondere zugewanderte Menschen häufiger Nichtschwimmer. Damit sind sie auch gefährdeter, zu ertrinken.“ In vielen anderen Ländern sei es nicht so verbreitet wie in Deutschland, schwimmen zu lernen. Auf den ersten Blick sei die Entscheidung des Heidebads verständlich. Dennoch halte man sie für nicht vertretbar und diskriminierend.
„Kein noch so heißer Tag ist es wert, ihn gegen das Leben einzutauschen“
Tatsächlich zeigen aktuelle Unglücke in Gelsenkirchen, welche Folgen das Baden gerade in unbewachten Gewässern haben kann. Am Samstagabend geriet ein 16-Jähriger beim Schwimmen im Rhein-Herne-Kanal nahe eines Parks in Gelsenkirchen in Not und ging unter. Er wurde zwar aus dem Wasser geborgen, starb jedoch in der Nacht im Krankenhaus. Nur einen Tag später kam es an nahezu derselben Stelle zu einem weiteren schweren Badeunfall: Zwei Brüder im Alter von 14 und 19 Jahren wurden am Sonntagabend als vermisst gemeldet. Taucher fanden die beiden rund 20 Minuten später im Wasser. Sie kamen mit lebensgefährlichen Verletzungen in Krankenhäuser.
Nach den Unglücken warnten Stadt, Feuerwehr und Polizei eindringlich vor dem Baden im Rhein-Herne-Kanal. Die Wasserstraße sei kein Badegewässer, sondern durch Schiffsverkehr, starke Strömungen und gefährliche Sogwirkungen lebensgefährlich. Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze sprach von „erschütternden“ Ereignissen und rief gemeinsam mit der Stadt dazu auf, zur Abkühlung ausdrücklich Freibäder oder andere bewachte Badestellen zu nutzen. Die Polizei appellierte ebenfalls, auf das Schwimmen in unbewachten Gewässern zu verzichten: „Kein noch so heißer Tag ist es wert, ihn gegen das Leben einzutauschen.“ News4teachers / mit Material der dpa
Debatte ums Schwimmenlernen: Ohne Bronze-Abzeichen nur mit Eltern ins Freibad?