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CSD-Anschlag: Was Jugendliche (wie Abdul Ballout) in die Radikalisierung treibt – und welchen Einfluss die Schule dabei hat

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BERLIN. Die Frage, wie ein in Berlin geborener junger Mann zu einem islamistischen Attentäter werden konnte, beschäftigt seit dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day Politik und Öffentlichkeit. Zwei aktuelle Analysen weisen dabei auf einen Aspekt hin, der in der Debatte häufig zu kurz kommt: Radikalisierung beginnt meist lange vor dem Kontakt mit extremistischen Ideologien – dort, wo junge Menschen das Gefühl verlieren, dazuzugehören.

Anwerbeprogramm (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Die Hinweise auf Probleme gab es früh. Nach Informationen der Berliner Morgenpost, die von der Berliner Bildungsverwaltung bestätigt wurden, erhielt Abdul Ballout bereits in der ersten Klasse Vermerke wegen seines Verhaltens. Seine Eltern sollen mit den Lehrkräften kaum kooperiert haben. Der Junge wechselte zweimal die Grundschule, besuchte anschließend ein Förderzentrum, entwickelte sich zum Schulverweigerer und verließ das Bildungssystem ohne Abschluss. Wenige Jahre später radikalisierte er sich in der islamistischen Szene, wurde vom Landeskriminalamt als Gefährder eingestuft – und schließlich zum Attentäter.

Naheliegend ist deshalb die Frage, welche Ideologie ihn geprägt hat. Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. Jürgen Fleischmann hält diese Perspektive jedoch für zu kurz gegriffen. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt er davor, Radikalisierung vor allem über Religion oder politische Weltanschauungen erklären zu wollen. In seiner langjährigen Arbeit habe er Jugendliche erlebt, die sich islamistischen Gruppen ebenso angeschlossen hätten wie rechtsextremen Szenen oder gewaltorientierten Hooligans. „Die Ideologien waren unterschiedlich. Das Bedürfnis dahinter war oft erstaunlich ähnlich.“

Nach jeder Gewalttat werde intensiv nach den Ursachen gesucht: War es der Islam? Rechtsextremismus? Das Internet? Eine psychische Erkrankung? Das Elternhaus? Diese Fragen seien berechtigt, schreibt Fleischmann. „Aber fast nie stellen wir die wichtigere Frage: Unter welchen Bedingungen werden Menschen empfänglich für Ideologien, die ihnen Feindbilder, Zugehörigkeit und einen vermeintlichen Lebenssinn anbieten?“

„Wer Integrationsarbeit, Kinder- und Jugendhilfe oder politische Bildung lediglich als freiwillige Sozialleistungen betrachtet, verkennt ihre eigentliche Bedeutung“

Seine Antwort richtet den Blick auf grundlegende psychologische Bedürfnisse. Radikale Gruppen unterschieden sich zwar in ihren politischen oder religiösen Zielen. Gemeinsam sei ihnen jedoch, „dass sie Menschen das geben, was demokratische Gesellschaften oft nicht mehr vermitteln: das Gefühl, dazuzugehören.“ Sie böten Identität, Anerkennung, Orientierung und einfache Antworten auf eine komplexe Welt. „Wer dazugehören darf, erhält Bedeutung. Wer zweifelt, bekommt Gewissheiten. Wer sich überfordert fühlt, muss nicht mehr selbst denken. Andere übernehmen das.“ Gerade darin liege ihre Anziehungskraft. Internationale Übersichtsarbeiten der Radikalisierungsforschung bestätigten inzwischen, dass Zugehörigkeit, Anerkennung und Identität zu den wichtigsten Faktoren solcher Entwicklungen gehörten.

Damit verschiebt sich der Blick von der Ideologie auf die Entwicklung eines jungen Menschen. Fleischmann argumentiert, dass nicht nur Demokratiefähigkeit in der Kindheit entstehe. Auch die Bereitschaft, Freiheit gegen das Versprechen von Sicherheit und Zugehörigkeit einzutauschen, habe dort ihre Wurzeln. Wer nie erfahren habe, dass die eigene Stimme zähle oder dass eigenes Handeln etwas bewirken könne, erlebe Freiheit später häufig nicht als Chance, sondern als Überforderung. Wer nie gelernt habe, sich selbst etwas zuzutrauen, suche Halt im Außen. Orientierung gewännen dann Menschen und Bewegungen, die Komplexität reduzierten und Verantwortung abnähmen.

Der Psychiater greift dabei einen Gedanken des spanischen Philosophen José Ortega y Gasset auf. Dessen Beschreibung des „Massenmenschen“ aus dem Jahr 1930 sei zwar in einem anderen historischen Kontext entstanden. Die Sehnsucht nach autoritärer Ordnung und der Wunsch, Verantwortung lieber zu delegieren als selbst zu übernehmen, wirkten heute jedoch erstaunlich aktuell.

Was daraus folgt, betrifft aus Fleischmanns Sicht unmittelbar die Bildungs- und Jugendpolitik. Forschung zur Gewaltprävention und Resilienz zeige seit Jahren, dass stabile Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe und das Erleben von Zugehörigkeit zu den wichtigsten Schutzfaktoren gegen Gewalt und Radikalisierung gehörten. „Wer Integrationsarbeit, Kinder- und Jugendhilfe oder politische Bildung lediglich als freiwillige Sozialleistungen betrachtet, verkennt ihre eigentliche Bedeutung. Sie gehören zu den wichtigsten Investitionen in die Zukunft einer demokratischen Gesellschaft.“ Wer hier spare, spare an den Voraussetzungen von Zusammenhalt, Freiheit und innerer Sicherheit.

„Radikalisierung hat viele Gesichter. Doch fast immer beginnt sie dort, wo Zugehörigkeit verloren geht und Hoffnung schwindet“

Dabei richtet sich der Blick ausdrücklich nicht nur auf Jugendliche mit Migrationsgeschichte. Fehlende Zugehörigkeit könne ebenso junge Menschen in strukturschwachen Regionen treffen, Jugendliche ohne Zukunftsperspektiven oder Kinder, die früh die Erfahrung machten, nicht gebraucht oder nicht einmal gesehen zu werden. „Radikalisierung hat viele Gesichter. Doch fast immer beginnt sie dort, wo Zugehörigkeit verloren geht und Hoffnung schwindet.“

Gerade Schulen kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. Nicht, weil sie Radikalisierung allein verhindern könnten. Sondern weil dort täglich erfahrbar wird, ob Kinder dazugehören, ob ihre Gedanken zählen, ihre Gefühle ernst genommen werden und sie erleben, dass ihr Handeln etwas bewirken kann. „Innere Sicherheit beginnt deshalb nicht erst beim konkreten Einsatz von Polizei und Verfassungsschutz. Sie beginnt viele Jahre früher. Im Kinderzimmer, in der Kita, in der Schule.“

In die gleiche Kerbe schlägt der Islamwissenschaftler Mahmoud Jaraba vom Forschungszentrum Islam und Recht in Europa der Universität Erlangen. Nach dem CSD-Anschlag warnt er in einem im Spiegel veröffentlichten Interview vor einer weiteren Radikalisierung junger Männer. Auch Jaraba beschreibt Radikalisierung nicht als Folge einer religiösen Prägung allein. Besonders empfänglich seien Jugendliche, die das Gefühl hätten, nicht wirklich zur Gesellschaft zu gehören oder Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt zu sein. „Irgendwann sehen sie alles nur noch durch eine negative Brille, bewerten alles, was vom Staat oder der Gesellschaft kommt, skeptisch.“

Merchandising zum Terror: Mit solchen T-Shirts sprechen Islamisten junge Menschen an. Screenshot

Entstehe dadurch ein Vakuum, füllten salafistische Gruppen diese Leerstelle. „Und hier punkten die Salafisten mit ihren einfachen Antworten“, sagt Jaraba. Sie suggerierten den jungen Menschen, sie hätten in Deutschland ohnehin keine Chance, Schule und Ausbildung lohnten sich deshalb nicht, stattdessen sollten sie sich ganz auf die Religion konzentrieren.

Gerade für Jugendliche, deren Lebensweg bereits von Brüchen geprägt sei, entfalte diese Botschaft ihre Wirkung. „Für junge Menschen, die zum Beispiel aus gespaltenen Familien kommen oder eine kriminelle Geschichte haben, die womöglich Schwierigkeiten in der Schule haben, ist das sehr attraktiv.“ Die salafistische Szene biete ihnen Orientierung und klare Regeln – „etwa was das Beten, das Fasten, das Zusammenleben von Männern und Frauen angeht oder was ,erlaubt‘ ist und was nicht“. Genau danach sehnten sich viele junge Männer in einer Identitätskrise.

Vor diesem Hintergrund fordert Jaraba, Prävention und Deradikalisierung deutlich auszubauen. Dabei sollten Moscheegemeinden gezielt einbezogen werden. Dort gebe es großes Interesse an Präventionsarbeit, „doch sie haben zu wenige Ressourcen und oft auch kein Vertrauen vonseiten der Behörden“. Insgesamt passiere auf diesem Feld bislang „extrem wenig“, teilweise würden Fördermittel sogar gekürzt. Dabei sei sich die Forschung über die grundsätzliche Entwicklung weitgehend einig: „Es wird in Zukunft noch zu mehr Radikalisierungen von jungen Menschen kommen.“

Ein solches Muster – gescheitert, verloren, radikalisiert – lässt sich im Fall Abdul Ballout erkennen. Der 2005 in Berlin geborene Sohn libanesischer Eltern wuchs nach Recherchen des Spiegel nicht abgeschottet in einem islamistischen Milieu auf. Sein Umfeld galt als vergleichsweise säkular, sogar homosexuelle Familienmitglieder gehörten dazu. Als Kind spielte er Fußball bei einem Kiezprojekt der Jugendhilfe. Gleichzeitig häuften sich schon früh Brüche in seiner Biografie. Er geriet in Schlägereien, wurde wegen Gewaltdelikten verurteilt, schloss die Schule ohne Abschluss ab und verlor später seine Arbeit im Sicherheitsgewerbe. Nachdem ihm die Sicherheits-ID entzogen worden war, lebte er von Sozialleistungen.

Spätestens 2022 radikalisierte sich Abdul B. zunehmend. Er suchte Anschluss an eine islamistische Jugendgruppe, verbreitete Propaganda des sogenannten „Islamischen Staats“, versuchte 2025 über den Libanon nach Syrien zu gelangen und ließ sich auch nach seiner Rückkehr und nach Jugendhaft von Beratungsangeboten kaum noch erreichen. Ein Programm zur Deradikalisierung wurde zwar angeordnet, doch nach zwei Gesprächen bezweifelten die Berater, dass er überhaupt bereit war, sich auf den Prozess einzulassen. Ein dritter Termin war für den Montag nach dem Anschlag vorgesehen. News4teachers 

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19 Kommentare
Realist
5 Stunden zuvor

„Innere Sicherheit beginnt deshalb nicht erst beim konkreten Einsatz von Polizei und Verfassungsschutz. Sie beginnt viele Jahre früher. Im Kinderzimmer, in der Kita, in der Schule.““

Da innere und äußere Sicherheit den Regierenden ja so wichtig sind (wichtiger als Bildung jedenfalls) erwarte ich dann demnächst Sozialarbeiter und Jugendpsychologen an jeder Schule.

DerechteNorden
4 Stunden zuvor
Antwortet  Realist

Schule ist zu spät. Außerdem müsste man pro Schule in gewissen Gegenden dann pro 20 S*S mindestens eine*n Sozialarbeiter*in und pro 50 eine*n Schulpsycholog*in beschäftigen. (Ich muss beim Schreiben wie so oft mal wieder laut lachen.)
Außerdem kann man gegen familiäre Missstände als Schule nichts ausrichten. Man kann sich – einfach formuliert – ans Jugendamt wenden, das war’s aber dann auch schon.

Jerunda
2 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Zitat aus dem Artikel: „Seine Eltern sollen mit den Lehrkräften kaum kooperiert haben.“
Welche Möglichkeiten gibt es denn dann für die Schule und das Jugendamt (beide, vermutlich wie fast überall chronisch unterbesetzt)?

DerechteNorden
2 Stunden zuvor
Antwortet  Jerunda

Das Jugendamt macht nur Angebote. Tatsächlich kann nur ein*e Richter*in etwas anordnen, habe ich letztens auf einer Fortbildung gelernt.
Und das kann von der Meldung des Missstandes bis zu einer Entscheidung schon mal zwei Jahre dauern.
Schulen dürfen nur Gespräche führen und Treffen mit Schulpsycholog*innen oder Sozialarbeiter*innen anbahnen.
Deutschland ist ein Entwicklungsland, was Kinder- und Jugendschutz angeht.
Und ganz besonders „praktisch“ ist auch, dass immer die Kids selbst entscheiden dürfen, solange sie sich nicht selbst oder andere gefährden. Es reicht oft also nicht, dass die Eltern kooperieren.

Jerunda
1 Stunde zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Eben!

GBS-Mensch
1 Stunde zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Natürlich entscheiden über Grundrechtseingriffe Gericht. Das Jugendamt ist aber durchaus antragsberechtigt.

Jerunda
1 Stunde zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Das schrieb DerechteNorden doch! Aber sie schrieb auch, dass es dann seeehr lange dauert. Zieht die Familie in der Zwischenzeit noch um … Na dann … alles noch mal von vorn

GBS-Mensch
55 Minuten zuvor
Antwortet  Jerunda

Sie schrieb, dass sie neulich gelernt habe, dass nur ein Gericht in die Grundrechte von Menschen eingreifen könne und das finde ich sehr verwunderlich, dass sie es erst neulich gelernt habe.

Insbesondere wo sich viele heute und gerne auch hier als Hüter der Demokratie und des Rechtsstaats gerrieren, aber offensichtlich nicht über die geringsten Grundkenntnisse verfügen.

Und Sofern es um Kindeswohlgefährdungen betrifft, gibt es durchaus einige Instrumente und dann wird das auch schnell verhandelt:

„§ 155 FamFG – Vorrang- und Beschleunigungsgebot – dejure.org“ https://dejure.org/gesetze/FamFG/155.html

Und anders als behauptet, muss dazu auch keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen.

Was wohl gemeint ist, ist dass es (wie üblich) ein Ressourcenproblem gibt.

ysnp
55 Minuten zuvor
Antwortet  Jerunda

Im Originalartikel der Berliner Morgenpost steht sogar, dass die Eltern überhaupt nicht kooperiert haben – aus welchem Grund auch immer. Vielleicht hätte man mit guter Zusammenarbeit im Kindesalter einiges auffangen können. Wenn wir auffällige Kinder in der Grundschule haben, empfehlen wir Spezialisten, seien es z.B. Beratungsstellen, Jugendhilfen, Psychologen oder auch einen Erziehungsbeistand, der in die Familie kommt, in eine Einrichtung für Kinder mit Problemen auf Zeit, das an ein Krankenhaus angeschlossen ist, je nach Problemlage. Der Sozialarbeiter in der Schule ist der erste Ansprechpartner. Da wurde – das kann ich aus Erfahrung sagen – schon einiges wieder aufgefangen.
Berlin hat sicher auch solche Möglichkeiten. Aber die Eltern müssen mitmachen.

Katabaster
4 Stunden zuvor

Es ist wirklich interessant herausfinden, wie sich Meinungen, Ansichten, Weltanschauungen bilden. Kleine Kinder plappern eher nach, was Eltern sagen und vorleben, Jugendliche werden eher durch ihren Freundeskreis geprägt. „Die Schule“ gibt es ja als Einfluss gar nicht, das sind immer etliche verschiedene Personen, die ja auch nicht alle die gleiche Meinung haben. Wer davon beeinflusst mich? Und warum?

Wissen ist vielleicht die Grundlage? Wovon man nichts weiß, dazu kann man ja keine Meinung haben. Aber warum fallen Bewertungen und Schlussfolgerungen so unterschiedlich aus? Welche Rolle spielt dabei die Genetik? Die Forschung sagt, dass auch Erfahrungen und Einstellungen zu einem gewissen Grade vererbt werden (Epigenetik). Man merkt ja durchaus, dass man mit einem Elternteil in den Einstellungen oft überraschend übereinstimmt.

Ich glaube, Schule kann Wissen vermitteln, aber keine Einstellungen. Sie kann für bestimmte Einstellungen werben. Die muss sie gut begründen können und vorleben, wenn Schüler sie übernehmen sollen, vor allem, wenn sie andere Einstellungen ablegen sollen.

Oder?

Susanne M.
4 Stunden zuvor
Antwortet  Katabaster

Das wäre ja schlimm, wenn Sie Recht hätten mit der Epigenetik und dass Einstellungen vererbt werden. Dann wären Deutsche immer noch Nazis, die Spanier und Italiener noch Faschisten und die Schweden absolute Hardliner, die mit Militär streikende Arbeiter niederkartätschen..

Jerunda
2 Stunden zuvor
Antwortet  Katabaster

“ Die Forschung sagt, dass auch Erfahrungen und Einstellungen zu einem gewissen Grade vererbt werden (Epigenetik).“
Haben Sie dazu Quellen, dass Erfahrungen und Einstellungen vererbt werden können? Oder verwechseln Sie das mit vermuteten Veranlagungen zu bestimmten Krankheiten (z. B. (Depressionen, Suchtverhalten …)? Selbst letzteres ist meines Wissens noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt. Aber vielleicht haben Sie ja neuere wissenschaftliche Belege dafür. Das würde mich dann doch interessieren.

Bla
1 Stunde zuvor
Antwortet  Jerunda

Mit „vollständig wissenschaftlich geklärt“ hat man generell mal ein Problem im Bereich „Sozialverhalten“, „Psychologie“, „Epigenetik“, „Neurologie“ usw.

Erfahrungen und Einstellungen werden natürlich nicht direkt vererbt meines Wissens nach. Also als „Wissen“ und „Inhalt“.
Worauf es jedoch schon starke Indizien gibt sind eben genetische Folgeprägungen dazu.
Also beispielsweise biologische Stressvulnerabilitäten.
Anzeichen dafür wäre bspw. die Veränderung des Gens NR3C1. Und eben diese genetische Anpassung/Übertragung in einer Erbfolge.

Bei „vermuteten Veranlagungen“ sind einige ja doch über „vermutet“ inzwischen hinaus … Zumindest als hohe und sichere Wahrscheinlichkeiten.
Trichterbrust …
Legasthenie als Wahrscheinlichkeitsbereich …
Eisenspeicherkrankheit/Hämochromatose …

Auch bei Depressionen geht es ja um „Anfälligkeiten“. Und auch hier forscht man natürlich, ob dies „genetisch“ bzw. „erbbedingt“ ist.

Ist halt alles extremst kompliziert.
Viele vertauschen bspw. auch einen „Burnout“ mit „Bore-Out“ und wundern sich, wie das sein kann.
Ebenfalls sowas wie „Burnout“ [Überlastung durch Überarbeitung] mit einem autistischen Burnout [Überlastung durch Masking, Überforderung, Anpassung, Erwartung usw.].

Viele Bereiche sind eben zusätzlich „in jüngerer Forschung“. Daher ist das „vollständig wissenschaftlich geklärt“ so ein Problemchen … Gerade und insb. bei „Übergreifenden Komplexen“.

Jerunda
1 Stunde zuvor
Antwortet  Bla

Danke! Das deckt sich weitgehend mit meinem Wissensstand zu Genetik und Epigenetik. Deshalb meine Nachfrage an Katabaster, denn seine „Erklärung“ fand ich seltsam, aber ich bin ja nicht allwissend. Vielleicht hat er da ja doch noch eine seriöse Quelle. Warten wir es einfach ab. Vielleicht überrascht er uns.

GBS-Mensch
1 Stunde zuvor
Antwortet  Jerunda

Es gibt das Transgenerationale Trauma in der Epigenetik. Dabei geht es aber nicht um Einstellungen im Sinne von Meinung.

Feirefiz
4 Stunden zuvor

Der Attentäter war Schüler einer Förderschule oder Fördergruppe, wenn ich das richtig gelesen habe. Er entwickelte sich zum Schulverweigerer und verließ die Schule ohne Abschluss.
Ist das so korrekt?

Die Idee, dass jeder mannigfaltige Perspektiven in dieser Gesellschaft habe, ist schön. Aber sie ist nicht wahr.

Sogar junge Leute mit einer guten Ausbildung haben das Problem, dass sich selbst sehr einfache Lebenswünsche wie etwa Wohneigentum und eine Familie nicht mehr so einfach verwirklichen lassen, selbst mit einem durchschnittlichen Vollzeitgehalt.
Da hilft auch kein Demokratieprojekt in Klasse 3, bei dem man den Klassenrat wählen durfte.

Demokratie heißt nicht nur gehört oder gesehen zu werden, sondern auch, echte Chancen zu bekommen. Und dazu gehört auch ein gewisses Wohlstandsniveau im mittleren Bereich, das für den Großteil der Bevölkerung erreichbar ist, das darf auch gerne mit Anstrengung verbunden sein.

Davon entfernen wir uns gerade immer weiter.

Teacher Andi
3 Stunden zuvor
Antwortet  Feirefiz

Das alles ist aber noch lange keine Rechtfertigung dafür, Menschen aus Frust einfach töten zu wollen. Da gehört schon ein massives intellektuelles und erzieherisches Defizit dazu.
Die Sache mit der Wohnungssituation ist wahrlich eine traurige Entwicklung, dafür haben die jungen Leute aber IPhones, E-Roller und reisen viel. Alles okay, aber Sie sehen, es geht ihnen nicht durchwegs schlecht.
Und das mit den Perspektiven kann man auch nicht unbedingt so pauschlisieren. Die jetzige Generation ist in weiten Teilen offenbar nicht mehr so belastbar, geben schnell auf bei Niederlagen, kämpfen nicht mehr, geben die Schuld und Verantwortung gerne weiter. Sicher nicht alle, aber immer mehr. Und gerade diese von Ihnen genannte Anstrengung lässt sich oft vermissen, aber sie ist halt für den Erfolg meist unerlässlich.

vhh
3 Stunden zuvor

Die Probleme wurden früh erkannt, auch aktiv gehandelt, eine Entwicklung zum Schulverweigerer bleibt auch selten völlig ungestört. Offensichtlich reicht es nicht, diesen regulären Ablauf zu gehen. Warum? Weil die Schule nicht in der Lage ist, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu geben? Sicher, aber das wäre auch das Gegenteil des Bildungs- und Erziehungsauftrags! Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben und reflektierte Entscheidungen vermitteln vs. Einhalten von Regeln und Vorschriften, was entspricht wohl eher dem allgemeinen Konsens?
Es hat sicherlich Angebote gegeben, im Rahmen der geltenden Regeln einen Platz in Klasse und Schule zu finden, Fußball spielt man auch nicht allein. Die meisten Lehrer hassen auch nicht schwache Schüler, sonst würden wir ihnen nicht 80% des Aufwands widmen. Was noch? Der einzige Zwang in Verbindung mit Schule ist die Schulpflicht. Was jeder dort macht, ist denjenigen weitgehend selbst überlassen. Verweigerung, Aufbegehren, sogar Gewalt – niedrig geschätzt eher zehnmal Hilfe als. einmal Konsequenzen. Also, was noch?
Stabile Beziehungen, sehr gerne, aber 30+ Kinder! Und trotzdem zählen deren Gedanken, werden sie alle ernst genommen, nicht immer, nicht von allen, aber überwiegend!
Woher kommen die Träume unserer Schüler? Gerade die mit Problemen sehen Influencer, Rapper, Sportler (die zu einem größeren Teil f… Gesellschaft als Erfolgsrezept präsentieren) und dann entwickelt sich ihr Leben nicht ebenso großartig. Was soll Schule da ausrichten, Jugendliche sind nicht gerade empfänglich für Logik und Realität.
Mehr Prävention ist auch nett gedacht, niemand in der Jugendarbeit hat die Ressourcen, einen einzigen Jugendlichen bei vermuteter problematischer Entwicklung intensiv genug zu betreuen.
Danke für das Vertrauen, aber Schule ist keine Zauberkiste und schon überhaupt nicht die Reparaturwerkstatt der Gesellschaft (bei 50% Unterbesetzung für die Ziele, in einer löchrigen Scheune, ohne Werkzeug).

S.B.
2 Stunden zuvor

Er fiel schon in der ersten Klasse mit aggressivem Verhalten auf. Die Eltern wolten nicht mit der Schule kooperieren. So heißt es hier in einem anderen Bericht.

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