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Handy-Verbot: Schulen berichten von guten Erfahrungen – US-Studie weckt Zweifel

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KIEL/SCHWERTE. Handyverbote an Schulen setzen sich in Deutschland zunehmend durch. Zahlreiche Schulleitungen berichten von positiven Erfahrungen im Alltag, Lehrkräfte beobachten ruhigere Pausen und weniger Ablenkung. Gleichzeitig wächst der politische Druck, den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Smartphones und sozialen Medien weiter einzuschränken. Ob solche Verbote tatsächlich die erhofften Verbesserungen beim Lernen, bei der Aufmerksamkeit oder im Wohlbefinden bewirken? Eine wissenschaftliche Untersuchung aus den USA weckt Zweifel.

Bald überall? (KI-erzeugte Illustration), Illustration: Shutterstock

Ein Jahr nach Einführung der neuen Handyregeln zieht die Hebbelschule in Kiel eine positive Bilanz. Schulleiter Karsten Jonas berichtet im NDR, dass sich der Alltag auf dem Schulhof sichtbar verändert habe. „Wo früher die Schülerinnen und Schüler mit dem Handy in der Hand standen, da wird jetzt gespielt“, sagt er. Die Schule hat die Regelungen gemeinsam mit Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern entwickelt. Während in der Unter- und Mittelstufe Smartphones auf dem gesamten Schulgelände ausgeschaltet in der Tasche bleiben müssen, gelten für die Oberstufe begrenzte Ausnahmen.

Auch viele Jugendliche bewerten die neuen Regelungen positiv. „Ich finde, sich mit Freunden zu unterhalten oder generell etwas zusammen zu machen, ist einfach schöner“, sagt der Zehntklässler Konrad Boock dem Sender. Die Zwölftklässlerin Sophie Wiese hält die strengeren Regeln für jüngere Schülerinnen und Schüler ebenso für richtig wie die Ausnahmen für die Oberstufe. Dort dürfen Handys in bestimmten Bereichen genutzt werden, um sich auf dem weitläufigen Schulgelände mit Freunden zu verabreden. Zugleich begrüßt sie, dass die Schule die Nutzung insgesamt begrenzt: „Ich finde es ganz angenehm, dass auch jemand darauf achtet, dass man nicht zu viel am Handy ist.“

Das Handyverbot soll an der Hebbelschule allerdings nicht an die Stelle von Medienbildung treten. Wo Regeln überschritten werden, gehe es darum, einen pädagogischen Umgang damit zu finden, sagt Medienpräventionskoordinator Marco Finke. Ergänzend begleiten sogenannte Medienlotsen aus den höheren Jahrgängen die Fünft- und Sechstklässler. Sie sprechen mit ihnen unter anderem über Cybermobbing in Klassenchats, das Suchtpotenzial sozialer Medien sowie über Chancen und Risiken digitaler Kommunikation.

Solche Erfahrungen prägen derzeit die Debatte bundesweit. Hessen hat bereits ein verpflichtendes Handyverbot an Schulen eingeführt. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) berichtet laut NDR von positiven Rückmeldungen aus Schulen. Nach ihren Angaben berichten Lehrkräfte von einer verbesserten Konzentrationsfähigkeit der Kinder; zugleich nehme der Erlass Druck aus den Familien, weil Eltern die Einschränkung der Handynutzung nicht mehr allein durchsetzen müssten.

Der Eindruck, Handyverbote führten automatisch zu besseren Lernleistungen, höherer Konzentration oder einem spürbar verbesserten sozialen Miteinander, lässt sich wissenschaftlich bislang jedoch kaum belegen.

Darauf verweist eine Studie der US-Ökonomen Hunt Allcott und weiterer Wissenschaftler, die Schulen mit konsequent umgesetzten Handyverboten untersucht haben, über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Betrachtet wurden Schulen, in denen Smartphones während des gesamten Schultages in verschließbaren Taschen eingeschlossen werden. Mithilfe von GPS-Daten konnten die Forschenden nachweisen, dass die Handynutzung auf dem Schulgelände innerhalb von zwei Jahren deutlich zurückging. Die erwarteten Bildungs- und Entwicklungseffekte blieben dagegen weitgehend aus.

Bei den schulischen Leistungen zeigte sich kein messbarer Effekt. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler entwickelten sich nach Einführung der Handyverbote nicht anders als an vergleichbaren Schulen ohne entsprechende Regelungen. Auch die Zahl der Disziplinarmaßnahmen veränderte sich nicht dauerhaft. Nach einem kurzfristigen Anstieg kehrte sie innerhalb eines Jahres auf das vorherige Niveau zurück. Cybermobbing ging ebenfalls nicht zurück.

Bemerkenswert unspektakulär fällt auch das Ergebnis beim Unterricht aus. Entgegen den Erwartungen verbesserte sich die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler nicht. Nach zwei Jahren zeigte sich vielmehr sogar ein statistisch signifikanter Rückgang gegenüber vergleichbaren Schulen ohne Handyverbot. Auch dieser Effekt bleibt allerdings vergleichsweise klein.

Etwas differenzierter fällt das Bild beim subjektiven Wohlbefinden aus. Im ersten Jahr nach Einführung des Verbots verschlechterten sich die entsprechenden Werte sogar zunächst leicht. Erst ab dem zweiten Jahr zeigen die Daten eine Verbesserung. Insgesamt bewegen sich die Veränderungen jedoch in einem Bereich, den die Autoren selbst als gering einstufen. Die ausgewiesenen Konfidenzintervalle verdeutlichen, dass viele Unterschiede statistisch unsicher bleiben. Ruhigere Pausen oder weniger sichtbare Smartphone-Nutzung lassen sich nicht ohne Weiteres in bessere Leistungen oder dauerhaft höhere Konzentration übersetzen.

Die Autoren werten ihre Ergebnisse dennoch nicht als Beleg gegen Handyverbote. Sie sprechen vielmehr dafür, dass deren Wirkung begrenzt bleibt, wenn sie nicht durch weitere pädagogische Maßnahmen begleitet werden.

Viele Schulen in Deutschland verbinden Handyverbote ohnehin ausdrücklich mit Konzepten zur Medienbildung. Die Einschränkung der Gerätenutzung soll pädagogische Arbeit unterstützen – nicht ersetzen.

„Ich glaube, Kinder brauchen durch die Gewöhnung an Games, Social Media, die digitale Welt, immer wieder schnelle Inputs – das macht Schule so erstmal nicht mit“

Diesen Weg geht auch das Ruhrtal-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Schwerte. Dort gilt bereits seit Längerem ein Smartphone-Verbot auf dem Schulgelände. Zum neuen Schuljahr startet die Schule zusätzlich ein freiwilliges Modellprojekt: Die Eltern einer neuen fünften Klasse haben sich verpflichtet, ihren Kindern bis mindestens zum Ende der sechsten Klasse kein eigenes Smartphone anzuschaffen. Die Schule orientiert sich dabei an der Initiative „Smarter Start ab 14“.

Digitalisierungsbeauftragter Tobias Kraushaar beschreibt die Erfahrungen der Lehrkräfte so: „An erster Stelle merkt man das an der Aufmerksamkeitsspanne, die immer weiter zurückgeht. Ich glaube, Kinder brauchen durch die Gewöhnung an Games, Social Media, die digitale Welt, immer wieder schnelle Inputs – das macht Schule so erstmal nicht mit.“ Deshalb wolle die Schule Kinder bewusster an digitale Medien heranführen. Digitale Technik werde dabei keineswegs verbannt. Tablets und Laptops blieben selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts.

Auch den zeitweisen Verzicht auf Smartphones versteht Kraushaar ausdrücklich als pädagogische Aufgabe. Gegenüber Antenne Unna sagt er: „Es gibt ja auch andere Bereiche des Lebens, wo man die Kinder nicht fragt, sondern wo Erwachsene mit gesundem Menschenverstand durch Studien geleitet wissen, das ist schlecht für dich, davor beschützen wir dich erst mal und bilden dich aus, es hinterher mit Vernunft zu benutzen. Und so sehe ich das auch ein bisschen. Also, wir schützen sie, solange wir können, und bilden sie aus, es hinterher gut nutzen zu können.“

Dass die Initiative aus den Familien heraus auf Interesse stieß, schildert Erprobungsstufenleiterin Nadine Tonn. „Wir haben letztes Jahr unsere Fünfer-Eltern gefragt: ,Würden Sie sich für so etwas interessieren? Würden Sie Ihr Kind für eine smartphonefreie Klasse anmelden?‘ Und da war die Resonanz ziemlich groß. Und daraufhin haben wir gedacht: Na, dann können wir es ja ausprobieren. Es passiert ja nichts, wenn es nicht klappt.“

Nicht allen fällt der Verzicht allerdings leicht. Der zehnjährige Benjah Müller, der nach den Sommerferien die smartphonefreie Klasse besuchen wird, sagt dem WDR: „Also es ist schon irgendwie doof auch, weil man selber dann halt nicht den ganzen Kram machen kann, den die so am Handy machen. Aber das kann man ausblenden.“

Diesen sozialen Druck wollen Schule und Eltern gemeinsam entschärfen, immerhin. News4teachers

Praxistipp: Wie können Schulen ein Handy-Verbot stressfrei umsetzen? So einfach…

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1 Kommentar
blau
19 Stunden zuvor

Hä? Ist doch klar. Die Dinger müssen bis Kl.8 ganz weg, nicht nur in der Schule. Smarterstartab14.de

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