Home Politik Nach Abi-Eklat: Jetzt befasst sich auch der Landtag mit hoher Durchfallquote

Nach Abi-Eklat: Jetzt befasst sich auch der Landtag mit hoher Durchfallquote

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SCHWERIN/HAGENOW. Die ungewöhnlich hohe Durchfallquote beim Abitur an einem Gymnasium in Hagenow beschäftigt nun auch die Landespolitik. Auf Initiative der CDU-Fraktion soll sich der Bildungsausschuss des Landtags Mecklenburg-Vorpommern in einer Sondersitzung mit den Vorgängen befassen. Neben der Schulleitung sollen dabei auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu Wort kommen.

Das Schweriner Schloss, Sitz des Landtages Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Shutterstock

„Wenn 17 von 52 Abiturienten ihre Prüfungen nicht bestehen und zugleich erhebliche Vorwürfe gegen Unterricht, Abiturvorbereitung und schulische Abläufe erhoben werden, dann ist das kein gewöhnlicher Vorgang. Es wirft berechtigte Fragen auf“, erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Torsten Renz.

Nach Angaben der CDU hatte die Fraktion unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Aufklärung durch das Bildungsministerium verlangt. Nun solle der Bildungsausschuss die Hintergründe öffentlich aufarbeiten. „Das Thema ist wichtig und gehört umgehend auf die politische Tagesordnung“, so Renz.

Nach Auffassung der CDU dürfe es dabei nicht bei allgemeinen Erklärungen bleiben. Entscheidend sei die Frage, wie es zu der außergewöhnlich hohen Durchfallquote gekommen sei. Deshalb solle neben dem Schulleiter auch der Schülerrat sowie Elternvertretungen angehört werden. „Nur wenn alle Beteiligten zu Wort kommen, lässt sich ein vollständiges Bild gewinnen“, erklärte Renz.

Sollte sich bestätigen, dass häufige Lehrerwechsel, Unterrichtsausfälle oder strukturelle Defizite bei der Vorbereitung auf das Abitur zu den Ergebnissen beigetragen hätten, müssten daraus Konsequenzen gezogen werden. „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Transparenz und eine ehrliche Aufarbeitung. Darauf haben die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern einen Anspruch.“

Bereits zuvor hatte das Staatliche Schulamt Schwerin angekündigt, die Ursachen der ungewöhnlich hohen Durchfallquote umfassend zu analysieren. Das Schulamt erklärte zugleich, in den Fächern Mathematik, Deutsch und Geschichte habe es keine Lehrkräftewechsel gegeben. Kurz- und langfristige Krankheitsausfälle seien aufgefangen worden; die Unterrichtsversorgung sei sichergestellt gewesen.

„Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen? Haben wir nicht gelernt? Oder liegt es vielleicht an anderen Dingen?“

Auslöser der Debatte war die Abschlussrede einer Abiturientin, deren Mitschnitt sich in den sozialen Medien rasch verbreitete. Darin stellte sie angesichts der hohen Durchfallquote die Frage: „Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen? Haben wir nicht gelernt? Oder liegt es vielleicht an anderen Dingen?“

Sie sprach unter anderem von „ständigem Lehrerwechsel“ und „zwei Jahren kein vernünftiger Matheunterricht“ sowie von Lehrkräften, die seit Jahren „die gleichen Arbeitsblätter und exakt die gleichen Unterrichtsinhalte“ verwendeten, obwohl sich Prüfungsanforderungen veränderten. Zugleich betonte sie ausdrücklich, sie wolle „natürlich auch nicht alles schlecht darstellen“, und dankte mehreren Lehrkräften für ihre Unterstützung. Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte vor allem der Schlusssatz ihrer Rede: „An die, die unserem Jahrgang die Durchfallquote gönnen – ganz ehrlich: Fickt euch einfach nur alle.“

In einem späteren Gespräch mit dem Nordkurier erklärte die ehemalige Schülerin, sie würde diese Wortwahl heute nicht mehr wählen, halte aber an ihrer inhaltlichen Kritik fest. Sie schilderte unter anderem aus ihrer Sicht auffällige Ergebnisse in den Mathematikprüfungen, beantragte gemeinsam mit ihren Eltern Einsicht in ihre Prüfungsunterlagen und sprach sich dafür aus, mögliche Ursachen der außergewöhnlich hohen Durchfallquote umfassend prüfen zu lassen. News4teachers 

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4 Kommentare
Bildungsnah
16 Stunden zuvor

Es ist eigentlich ein bisschen traurig, dass eine kindlich-trotzige Rede mit zweifelhafter Wortwahl so viel Aufmerksamkeit erzeugt. Keiner weiß, ob die Schule alles richtig gemacht hat, aber es handelt sich nur um ein buntes Sammelsurium von Vorwürfen. Der einzige mit ein bisschen potentieller Substanz ist vielleicht der Unterrichtsausfall. Das wird sicherlich geprüft.

Die eigentliche Frage, ob die Schüler genügend gelernt haben, können wir leicht anhand des Ergebnisses beantworten. Offensichtlich nicht.

Realist
13 Stunden zuvor
Antwortet  Bildungsnah

Das „System“ in Form von Ministerium und Schulbehörden wird selbstverständlich feststellen, dass das „System“ nicht Schuld ist, sondern (wie immer) die ausführende Basis: Schüler, die zu wenig gelernt haben, Lehrer, die zu schlecht unterrichtet haben…

Meine Prognose: Man wird der betreffenden Schule beim nächsten Abitur eine Horde Ministerialbeamte und Fachberater ins Haus schicken, die dann selbstverständlich zur „Qualitätssicherung“ „beraten“ (und nicht etwas kontrollieren, inspizieren, die Nadel im Heuhafen suchen…)

Monika, BY
11 Stunden zuvor

„Sie sprach unter anderem von „ständigem Lehrerwechsel“ und „zwei Jahren kein vernünftiger Matheunterricht“ sowie von Lehrkräften, die seit Jahren „die gleichen Arbeitsblätter und exakt die gleichen Unterrichtsinhalte“ verwendeten, obwohl sich Prüfungsanforderungen veränderten.“

Sehr wahr.

Das schaffen nur noch diejenige, die privat Hilfe haben. (Aber schhh, darüber redet man nicht :LOL)

mama51
8 Stunden zuvor
Antwortet  Monika, BY

Tatsächlich interessiert mich eigentlich schon die ganze Zeit zuallererst mal die Definition von
„vernünftiger Matheunterricht“ seitens der „Durchgefallenen“ !
Was verstehen die denn da drunter?
Dass der Unterricht überhaupt stattfindet? Oder hätten/ hatten sie auch inhaltlich was anzubieten?

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