Mehr als 200 Einsendungen aus Schulen und Bildungseinrichtungen dokumentieren die Hitzebelastung. Doch die ist nur ein Teil des Problems: Temperatur, Innenraumluft, Akustik und Licht wirken zusammen.

Neukirchen-Vluyn. 32 Grad während des Unterrichts, 34 Grad bei der Nachbereitung am Nachmittag: Mit diesen Werten meldete sich am 10. August eine Grundschule aus Hessen bei der Heinz Trox-Stiftung und dem Bildungsmagazin News4teachers. Es war der erste Schultag nach den Sommerferien. Die Nachricht gehört zu den jüngsten Einsendungen einer gemeinsamen, fortlaufenden Aktion, die sichtbar macht, unter welchen Bedingungen Kinder, Jugendliche und Beschäftigte in deutschen Bildungseinrichtungen lernen und arbeiten.
Seit dem ersten Aufruf im Juni haben deutlich mehr als 200 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte Fotos von Thermometern aus Klassen-, Gruppen- und Betreuungsräumen geschickt. Der bisherige Spitzenwert liegt bei 40,3 Grad. Die Dokumentation wird bei künftigen Hitzewellen fortgesetzt und in einer digitalen Hitzekarte zusammengeführt.
Messwerte aus mehreren Bundesländern
Die jüngsten Einsendungen zeigen, dass hohe Temperaturen weder auf eine einzelne Schulform noch auf eine bestimmte Region begrenzt sind. Aus einer Realschule in Baden-Württemberg wurden im Juni 31 Grad kurz nach 8 Uhr und 38,7 Grad kurz nach 11 Uhr in einem anderen Gebäude gemeldet. Eine hessische Grundschule dokumentierte am 26. Juni 32,3 Grad. An einer Fachakademie in Bayern wurden am Tag der Abschlussprüfung, dem 25. Juni, 29,4 Grad im Erdgeschoss und 29,1 Grad im ersten Stock gemessen. Für die folgenden Tage meldete die Einrichtung 31,4 Grad am 29. Juni, 30,8 Grad am 30. Juni und 29,8 Grad am 1. Juli.
Eine weitere Zuschrift aus einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen lenkte den Blick auf die Nachmittagsbetreuung: Das Problem ende nicht mit dem Unterrichtsvormittag. Durch den Ausbau des Ganztags hielten sich insbesondere Grundschulkinder bis weit in den Nachmittag in denselben strukturell belasteten Gebäuden auf. Diese längere und vielfältigere Nutzung verschärft die Anforderungen an Schulräume.
„Kein Komfortthema, sondern eine Frage von Gesundheit und Bildung“
„Temperaturen von deutlich über 30 Grad in Klassenräumen sind kein Komfortproblem. Sie berühren die Gesundheit der Menschen, die dort viele Stunden verbringen, und die Bedingungen, unter denen Lernen und Lehren überhaupt gelingen können. Wer über Bildungsqualität und Chancengerechtigkeit spricht, muss deshalb auch über die Qualität der Räume sprechen.“
„Die Hitze macht den Handlungsbedarf besonders sichtbar, sie ist aber nur ein Teil des Problems. Temperatur, Innenraumluft, Akustik und Licht wirken zusammen. Kurzfristige Hitzepläne können an einzelnen Tagen helfen. Dauerhaft brauchen Schulen jedoch eine ganzheitliche Strategie für gesunde, lernförderliche Räume – vom Vormittag bis in den Ganztag.“
Christine Roßkothen, Mitglied des Vorstands der Heinz Trox-Stiftung
Hitze ist nur der sichtbarste Teil des Problems
Die Initiative Zukunftsraum Schule der Heinz Trox-Stiftung betrachtet Schule ganzheitlich als Lernort, Lebensraum und Arbeitsumgebung. Im Mittelpunkt steht nicht eine isolierte technische Kennzahl, sondern das Zusammenspiel von Temperatur, Akustik, Innenraumluft und Licht. Diese vier Faktoren werden unter dem Begriff TAIL zusammengeführt.
Die Zusammenhänge zeigen sich gerade im Sommer: Werden Fenster zur Abkühlung geöffnet, können Straßen- und Pausengeräusche die Akustik verschlechtern. Bleiben sie geschlossen, kann die Innenraumluft stärker belastet werden. Heruntergelassene Jalousien reduzieren die Sonneneinstrahlung, verändern aber zugleich die Lichtverhältnisse. Einzelmaßnahmen können kurzfristig entlasten, ohne die strukturellen Ursachen zu lösen.
Zukunftsraum Schule bündelt deshalb wissenschaftliche Erkenntnisse, bereitet Zusammenhänge verständlich auf und unterstützt Schulträger, Kommunen, Politik, Schulleitungen und Fachöffentlichkeit bei Entscheidungen. Der Leitfaden „Klassenräume SMART sanieren“ überträgt Erkenntnisse zur Innenraumqualität in praxisnahe Handlungshilfen für Sanierung und Schulentwicklung.
Mit quickTAIL erprobt die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH seit Kurzem gemeinsam mit vier Forschungseinrichtungen, wie sich das TAIL-Schema als niedrigschwelliges Self-Assessment an Schulen einsetzen lässt. Eine standardisierte Raumbegehung durch eine Lehrkraft wird dabei mit einfachen Messungen und den Daten eines zeitweise installierten Wandsensors kombiniert, der unter anderem CO₂, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lautstärke und Helligkeit erfasst. Die daraus abgeleitete TAIL-Bewertung wird der jeweiligen Schule zur Verfügung gestellt und kann Hinweise für angepasstes Lüftungsverhalten oder konkrete Sanierungsmaßnahmen geben; die anonymisierten Daten fließen zugleich in die wissenschaftliche Auswertung ein.
Wissenschaftliche Arbeit und Wissenstransfer
Die wissenschaftliche Arbeit zum Wohlbefinden von Menschen in Gebäuden ist in der Stiftungsarbeit institutionell verankert. Die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH bildet seit 2016 das wissenschaftliche Eigenprogramm der Stiftung und arbeitet eng mit der RWTH Aachen zusammen. Forschung, wissenschaftliche Qualitätssicherung und Wissenstransfer sollen dazu beitragen, dass Innenraumqualität nicht erst dann Aufmerksamkeit erhält, wenn akute Belastungen den Schulbetrieb bestimmen.
Für Schulen und Schulträger geht es damit auch um eine belastbare Grundlage für Prioritäten: Welche Räume überhitzen regelmäßig? Wo verschlechtert sich die Luft besonders schnell? Wo erschweren Lärm, Blendung oder unzureichende Beleuchtung konzentriertes Arbeiten? Aus der systematischen Erfassung können kurzfristige organisatorische Schritte, mittelfristige Prioritäten und langfristige bauliche oder technische Maßnahmen abgeleitet werden.
Aktion wird bei künftigen Hitzewellen fortgesetzt
News4teachers und die Heinz Trox-Stiftung rufen Schulen und Kindertageseinrichtungen bei künftigen Hitzewellen erneut zur Beteiligung auf. Eingesendet werden kann ein Foto eines Thermometers aus einem Klassen- oder Gruppenraum, auf dem keine Personen erkennbar sind. Benötigt werden außerdem die Schulform beziehungsweise die Angabe Kita sowie das Bundesland. Stadt- und Einrichtungsname sind nicht erforderlich. Einsendungen gehen mit dem Betreff „Hitze“ an redaktion@news4teachers.de. Sie werden anonym behandelt und ausschließlich für die gemeinsame Dokumentation verwendet.
Über die Heinz Trox-Stiftung
Die Heinz Trox-Stiftung mit Sitz in Neukirchen-Vluyn wurde 1991 von dem Unternehmer Heinz Trox gegründet. Sie fördert Wissenschaft, Bildung sowie soziales und kulturelles Engagement. Als langfristig und unabhängig arbeitende gemeinnützige Stiftung unterstützt sie Projekte, die Wissen zugänglich machen, Menschen stärken und nachhaltige Entwicklungen anstoßen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis – etwa für lernförderliche Innenräume, gute Bildungsbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe. Die Stiftung ist regional verwurzelt und zugleich national sowie international ausgerichtet. Ihr Leitmotiv lautet: „Der Mensch ist der Maßstab und sein Wohlbefinden unser Ziel.“
Pressekontakt
Jasmin Biesenroth · Wissenschaftskommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Heinz Trox-Stiftung · Heinrich-Trox-Platz · 47506 Neukirchen-Vluyn
Telefon: +49 (0) 2845 / 202-417 · E-Mail: j.biesenroth@heinz-trox-stiftung.de
www.heinz-trox-stiftung.de · www.zukunftsraum-schule.de
Dies ist eine Pressemitteilung der Heinz Trox-Stiftung.
„Kurzfristige Hitzepläne können an einzelnen Tagen helfen. Dauerhaft brauchen Schulen jedoch eine ganzheitliche Strategie für gesunde, lernförderliche Räume – vom Vormittag bis in den Ganztag.“
DANKE, für den Artikel, der „mit dem Klimawandel leben“ im Sinne des Nichtstuns, Aussitzens und Freigebens eine Absage erteilt!
All diese Probleme: Lichtverhältnisse, Straßenlärm etc löst man am besten mit einer “ Split Klimanlage“ wie in anderen Büroräumen auch.
Kosten des Einbaus etwa 8000 Euro pro Raum.