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Bis zu 39 Grad – schon wieder: Viele Schulgebäude sind für solche Hitzewellen nicht ausgelegt (und werden es wohl lange Zeit nicht sein)

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BERLIN. Deutschland steht vor den heißesten Tagen der Woche: An diesem Donnerstag erwartet der Deutsche Wetterdienst verbreitet 30 bis 37 Grad, am Freitag können es regional sogar 39 Grad werden. Wo der Unterricht bereits wieder läuft, trifft die Hitzewelle auf Schulgebäude, die hohe Außentemperaturen oft nur unzureichend abfangen. Die Probleme reichen von fehlendem Sonnenschutz über aufgeheizte Schulhöfe bis zu Klassenraum-Containern, die sich bei Hitze besonders schnell erwärmen. Technische Lösungen gibt es – doch gerade im Bestand sind sie aufwendig, teuer und häufig erst im Zuge größerer Sanierungen umzusetzen.

Foto aus einem Klassenraum einer Grundschule in Hessen zum Schuljahresbeginn am Montag, zugesandt von einer Leserin. Grafisch bearbeitet: News4teachers

Der Donnerstag wird nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in weiten Teilen Deutschlands sonnig und heiß. Nur nordöstlich der Elbe und an den Küsten sollen die Temperaturen niedriger bleiben. Am Freitag verschärft sich die Lage noch einmal: Dann rechnet der DWD bundesweit mit 31 bis 38 Grad, im Westen und Südwesten sind örtlich 39 Grad nicht ausgeschlossen.

Für Schulen ist das längst nicht mehr nur eine Frage von „Hitzefrei“. Wo Gebäude über Stunden Wärme aufnehmen und nachts nicht ausreichend auskühlen, werden hohe Außentemperaturen zum baulichen Problem. Wie unmittelbar sich solche Defizite auf den Unterricht auswirken, zeigt sich derzeit etwa an der Wilhelm-Leuschner-Grundschule in Egelsbach im Kreis Offenbach. Dort hatte sich laut einem Bericht des Hessischen Rundfunks der Klassenraum der 4b am Montag schon vor 11 Uhr auf mehr als 30 Grad aufgeheizt. Kleine Ventilatoren auf den Tischen brachten kaum Abhilfe, Jalousien gibt es nicht. Die Schülerinnen und Schüler berichteten dem Hessischen Rundfunk von Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und der blendenden Sonne.

Dabei war es vor den Sommerferien noch deutlich heißer. Teilweise seien im Schulgebäude mehr als 40 Grad gemessen worden, berichtet Schulleiterin Sandra Held. „Die Hitze ist unerträglich, wir brauchen Möglichkeiten, um das einzudämmen.“ Das Problem betreffe nicht nur ihre Schule mit rund 450 Kindern. „Ich habe die Verantwortung für die Lehrkräfte und für die Kinder und ich sage: Es geht so nicht.“

Was in Egelsbach konkret zu besichtigen ist, beschäftigt Schulträger inzwischen vielerorts: Viele bestehende Schulgebäude können längere Hitzeperioden nur unzureichend abfangen. Und selbst wenn das Problem erkannt ist, lässt es sich nicht überall mit derselben Maßnahme lösen.

„Es gibt einen Fördertopf, aber der ist in dieser Situation natürlich hoffnungslos überbucht“

Der Kreis Offenbach etwa untersucht deshalb seine rund 90 Schulen gemeinsam mit Fachleuten für Klimatechnik. Mehr als die Hälfte der Gebäude sei bereits besichtigt worden, berichtet Landrat Oliver Quilling (CDU). Dabei werde jeweils geprüft, wo Verschattung möglich ist, wo eine Belüftung sinnvoll wäre und welche weiteren Verbesserungen sich umsetzen lassen. Pauschale Lösungen gebe es aufgrund der unterschiedlichen Gebäude nicht.

Hinzu kommt die Finanzierung. Den Großteil der Investitionen müsse der Kreis als Schulträger selbst tragen, erklärt Quilling. Zwar gebe es Zuschüsse des Landes. „Es gibt einen Fördertopf, aber der ist in dieser Situation natürlich hoffnungslos überbucht.“ Und selbst wenn feststeht, was an einer Schule geschehen soll, bedeutet das noch keine schnelle Abhilfe. Die Umsetzung der Maßnahmen werde Jahre dauern. „Wir fangen bei den Gebäuden an, wo die Hitzebelastung besonders stark ist.“

Dazu gehört die Wilhelm-Leuschner-Grundschule. Dort sind die Planungen nach Angaben des Kreises bereits abgeschlossen. Vor den Fenstern sollen Raffstores angebracht, Flure und Treppenhäuser mit Sonnenschutzfolien ausgestattet werden. Momentan wartet der Kreis noch auf die Rückmeldung zu den Fördermittelanträgen. Erst danach kann die Umsetzung beginnen.

Dass schon ein besserer Sonnenschutz einen erheblichen Unterschied machen kann, zeigt die Janusz-Korczak-Förderschule im benachbarten Langen. Dort wurden während der Sommerferien mehr als 60 Fenster ausgetauscht und Außenjalousien angebracht. Zuvor hingen lediglich Stoffvorhänge vor den Fenstern. Während der Hitzewelle im Juni seien in den Räumen teilweise 35 Grad erreicht worden, berichtet Schulleiterin Iris Radloff. „Da kann man hier eigentlich nicht mehr arbeiten.“

Für die gut 300 Kinder und Jugendlichen der Förderschule hat die Raumtemperatur besondere Bedeutung. Viele von ihnen seien gesundheitlich vorbelastet, erklärt Radloff. „Ganz viele der Kinder haben Epilepsien.“ Bei großer Hitze habe die Schule beobachtet, dass entsprechende Beschwerden häufiger und deutlicher auftraten. Nach dem Einbau der Außenjalousien sei der Unterschied bereits spürbar.

Der Kreis Offenbach investierte nach eigenen Angaben 360.000 Euro in die Arbeiten. An fast 20 weiteren seiner 90 Schulen wurde während der Ferien ebenfalls nachgerüstet. An vier Schulen wurden Dächer saniert, an drei weiteren neue Fenster und Außenjalousien eingebaut. Andere erhielten Sonnensegel oder Schirme für die Schulhöfe. Insgesamt stellte der Kreis für 2026 nach eigenen Angaben 2,6 Millionen Euro für kurzfristige Hitzeschutzmaßnahmen bereit.

Wir dokumentieren Hitze in Schulen – solange wie nötig

Die jüngsten Hitzewellen haben gezeigt: Viele Schulen und Kitas sind auf extreme Temperaturen noch immer nicht ausreichend vorbereitet. Wie groß die Belastung tatsächlich ist, lässt sich bislang jedoch kaum nachvollziehen.

News4teachers und die Heinz Trox-Stiftung bauen deshalb ihre Dokumentation aus. Bei künftigen Hitzewellen werden wir erneut Fotos und Informationen aus Schulen und Kindertageseinrichtungen sammeln. Alle Einsendungen werden wir in einer digitalen Hitzekarte zusammenführen, die kontinuierlich ergänzt wird. Sie soll sichtbar machen, unter welchen Bedingungen Kinder, Jugendliche und Beschäftigte lernen und arbeiten – und zugleich dokumentieren, wo Handlungsbedarf besteht.

Ein erster Aufruf im Juni stieß bereits auf große Resonanz: Mehr als 200 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte beteiligten sich und schickten Fotos aus ihren Klassen- und Gruppenräumen.

Sobald die nächste Hitzewelle ansteht, freuen wir uns wieder über Ihre Unterstützung. Dann können Sie uns ein Foto eines Thermometers aus Ihrem Klassen- oder Gruppenraum schicken (bitte ohne erkennbare Personen).

Bitte geben Sie außerdem an:

– Schulform beziehungsweise Kita
– Bundesland

Stadt- oder Einrichtungsname benötigen wir nicht.

E-Mail: redaktion@news4teachers.de
Betreff (bitte unbedingt angeben): Hitze

Alle Einsendungen werden anonym behandelt und ausschließlich für die Dokumentation von News4teachers und der Heinz Trox-Stiftung verwendet.

Die Heinz Trox-Stiftung setzt sich für gesunde, lernförderliche Schulräume ein. Weitere Informationen: www.zukunftsraum-schule.de

Dabei beginnt wirksamer Hitzeschutz häufig mit einer vergleichsweise einfachen baulichen Frage: Wie lässt sich verhindern, dass die Sonnenstrahlung überhaupt in die Räume gelangt? Außenliegende Jalousien oder Raffstores sind dafür besser geeignet als Vorhänge oder Folien auf der Innenseite.

„Außenliegender Sonnenschutz ist natürlich besser als Folie oder Vorhänge, weil die Wärme dann gar nicht erst ins Gebäude kommt“, erklärt Christian Keller, Geschäftsführer der Herner Schulmodernisierungsgesellschaft (HSM), gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Gesellschaft betreut nach Angaben der Zeitung 27 Schulstandorte in Herne.

Doch selbst diese naheliegende Lösung lässt sich nicht überall nachrüsten. An der Herner Erich-Fried-Gesamtschule etwa verhindert laut WAZ der Denkmalschutz einen außenliegenden Sonnenschutz. Innenliegende Lösungen sollen dort wenigstens die direkte Sonneneinstrahlung reduzieren. An anderen Gebäuden stehen bauliche Gegebenheiten einer Nachrüstung entgegen.

Damit wird aus Hitzeschutz im Bestand schnell eine Aufgabe, die weit über das Anbringen einiger Jalousien hinausgeht. Fenster, Dämmung, Fassade und Lüftung müssen zusammengedacht werden; zugleich stehen bei älteren Schulen häufig ohnehin Sanierungen wegen Brandschutz oder energetischer Anforderungen an. An der Herner Grundschule Pantrings Hof etwa soll sich die Situation erst mit einem Neubau verbessern. An der Grundschule Jürgens Hof ist ein Austausch der Fenster vorgesehen, nach Angaben der WAZ allerdings nicht in diesem und möglicherweise auch nicht im kommenden Jahr.

Besonders problematisch können ausgerechnet jene Raumlösungen werden, mit denen viele Schulträger kurzfristig auf steigende Schülerzahlen und fehlenden Platz reagieren: Container und andere leichte Klassenraummodule. Sie lassen sich vergleichsweise schnell aufstellen, können Temperaturschwankungen aber schlechter abfangen als massive Gebäude.

An der Herner Mont-Cenis-Gesamtschule etwa werden nach Angaben der WAZ rund 40 Container als Klassenräume genutzt. „Ab Außentemperaturen von 28, 29 Grad können Container dem nichts mehr entgegensetzen. Die heizen sich dann auf wie ein Backofen“, sagt Keller. Verzichten könne man auf die zusätzlichen Räume dennoch nicht. Die Container würden gebraucht, bis andere Gebäude fertiggestellt seien.

Wie stark die Handlungsmöglichkeiten vom Alter und Zustand der Gebäude abhängen, zeigt der Blick auf Neubauten. Dort kann der Hitzeschutz von Anfang an Bestandteil des gesamten Gebäudekonzepts sein, statt später nachgerüstet werden zu müssen.

Beim Neubau des Haranni-Gymnasiums in Herne etwa wurde nach Angaben der WAZ ein Regenrückhaltespeicher angelegt, der zur Kühlung des Umfelds beitragen soll. In den Beton sind Leitungen integriert, durch die im Winter warmes und im Sommer kaltes Wasser fließen kann. „Vier Grad Unterschied kann das machen“, sagt Keller. Hinzu kommen begrünte Dächer und außenliegender Sonnenschutz.

Ähnliche Ansätze finden sich beim geplanten Gymnasium Römerhof in Frankfurt. Dort sollen große Fensterfronten vermieden werden; Außenjalousien sollen die Sonneneinstrahlung begrenzen, über Nachtklappen kann kühlere Luft einströmen, außerdem ist eine Begrünung der Fassade vorgesehen. Maßnahmen, die sich bei einem Neubau einplanen lassen, im Bestand aber teilweise nur mit erheblichem Aufwand nachzurüsten sind.

„Wir brauchen dringend Optionen an den Schulen, die sofort wirken“

Klimaanlagen erscheinen angesichts von Raumtemperaturen jenseits der 30 Grad zunächst als naheliegendste Antwort. Für eine flächendeckende Ausstattung von Schulen sprechen sich die Herner Verantwortlichen jedoch nicht aus. Keller verweist auf den hohen Energiebedarf und die zusätzliche Wärme, die dabei nach außen abgegeben wird. HSM-Prokurist Olaf Nießen sieht zudem mögliche Grenzen der vorhandenen Stromnetze. Klimaanlagen seien deshalb eher für einzelne besonders problematische Räume vorgesehen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen hält Klimageräte zumindest als kurzfristige Reaktion auf extreme Hitze dennoch für notwendig. „Wir brauchen dringend Optionen an den Schulen, die sofort wirken“, sagt Kirsten Schultheis-Schauer von der GEW Offenbach. „Die wollen wir nicht dauerhaft, aber wenn es so heiß ist, ist das die einzige Möglichkeit, die ich sehe.“ Zugleich fordert die Gewerkschafterin vom Land ein Konzept für den Umgang mit der zunehmenden Hitze an Schulen.

Denn der Anpassungsbedarf endet nicht an den Außenwänden. Auch versiegelte Schulhöfe mit wenig Schatten heizen sich bei längeren Hitzeperioden stark auf. Kommunen reagieren darauf unter anderem mit Sonnenschirmen und Sonnensegeln, langfristig auch mit Bäumen sowie begrünten Fassaden und Dächern.

Die Stadt Frankfurt etwa hat während der Ferien an elf Schulen große Sonnenschirme aufstellen lassen; weitere Arbeiten sind während des Schuljahres vorgesehen. Unter anderem sollen Fassaden begrünt und zusätzliche Jalousien installiert werden. Auch in Herne sollen Schulhöfe stärker entsiegelt und begrünt werden. Bäume sind dort nach Angaben der Stadt ausdrücklich Teil der Strategie – allerdings benötigen sie Jahre, bis sie ausreichend Schatten spenden.

Zumindest meteorologisch zeichnet sich Entlastung ab – allerdings noch nicht überall sofort. Am Freitag dürfte die Hitze nach der DWD-Prognose zunächst ihren Höhepunkt erreichen. Am Samstag wird im Westen und Nordwesten die 30-Grad-Marke vielfach nicht mehr überschritten, während im Osten und Süden noch einmal 30 bis 37 Grad möglich sind. Ab Sonntag erwartet der Wetterdienst einen unbeständigeren Abschnitt mit zunehmend gemäßigten Temperaturen und Schauern oder Gewittern. In der kommenden Woche kann es gebietsweise auch länger regnen.

Die Klassenräume dürften dann wieder abkühlen. Bis zur nächsten Hitzewelle jedenfalls. News4teachers / mit Material der dpa

Ab 30 Grad kein prüfungsrelevanter Stoff im Unterricht mehr: Neuer Hitzeplan empfiehlt Schulen weitreichende Maßnahmen

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